Alternativgeschichte 1935 - 1939

Hi!

In einem anderen Forum entsponn sich eine Diskussion zum Thema der anglo-französischen Appeasementpolitik der Jahre 1935 bis 1939.

Bekanntlich waren weder GB noch F in dieser Zeit bereit, dem Dritten Reich konsequent gegenüberzutreten. So gab es die Besetzung des Rheinlandes, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in D, die Aufrüstung mit Panzern und Flugzeugen entgegen dem Versailler Vertrag, der Anschluß Österreichs und schließlich das Münchener Abkommen über das Sudetenland sowie die Zerschlagung der „Rest-Tschechei“.

Die Frage ist nun, ob die Kompromißbereitschaft von GB und F das Dritte Reich aufgemuntert haben, immer mehr zu fordern, eben auch über jenen Punkt hinweg, der schließlich zum Krieg führte

oder

ob ein konsequentes Auftreten, ein kategorisches Nein von GB und F in den Jahren 1935 und 1936 Hitler und seine Regierung in die Schranken verwiesen hätte, es also nicht zur Einverleibung Österreichs, des Sudetenlandes und der Zerschlagung der Tschechoslowakei gekommen wäre.

Grundsätzlich könnte man fragen, ob man diktatorischen Regierungen Kompromisse anbieten kann, ohne damit nicht zwangsläufig in eine politische Katastrophe zu laufen.

Grüße
Heinrich

Guten Abend!

Bekanntlich waren weder GB noch F in dieser Zeit bereit, dem
Dritten Reich konsequent gegenüberzutreten. So gab es die
Besetzung des Rheinlandes, …

Ich habe von einer Aussage gehört, dass Hitler einige Angst hatte, dass Frankreich die Besetzung des Rheinlandes nicht hinnehmen würde und er dann möglicherweise zurückgeschreckt wäre.

Die Frage ist nun, ob die Kompromißbereitschaft von GB und F
das Dritte Reich aufgemuntert haben, immer mehr zu fordern,
eben auch über jenen Punkt hinweg, der schließlich zum Krieg
führte

Der Krieg war von den Nazis (und im Wesentlichen von der Wehrmacht!) von Anfang an geplant bzw. im Kalkül, er war, nachdem die Macht dazu da war, wohl nicht zu verhindern.

Grundsätzlich könnte man fragen, ob man diktatorischen
Regierungen Kompromisse anbieten kann, ohne damit nicht
zwangsläufig in eine politische Katastrophe zu laufen.

Das ist immer wieder gesagt worden und hat Anlass gegeben, hart gegenüber Diktatoren zu sein. Was geworden wäre wenn … das wird aber immer Spekulation bleiben. Hitlers Krieg wäre wohl nicht zu verhindern gewesen, nur zu verzögern.

Gruß, Stucki

Hi Heinrich
Da stellt sich ja dann zwangsläufig die Frage: Wo fängt „hart“ sein, wo fängt „konsequent“ sein an? Hätten die Briten, Franzosen oder andere gleich ighre Armeen in Stellung bringen sollen? Hätte man wie Bush im Irak gleich mit Bombern losfliegen müssen?
Die Frage ist eben dermaßen mit der PRAXIS DES VORGEHENS verknüpft, dass man sie theoretisch wohl nicht lösen kann.
Gruß,
Branden

Hallo,

Die Frage ist eben dermaßen mit der PRAXIS DES VORGEHENS
verknüpft, dass man sie theoretisch wohl nicht lösen kann.

Sie ist zumindest so komplex, dass ein „Was-wäre-wenn-Spielchen“ zu nichts führt. Und die Tatsache, dass Hitler den Krieg verursacht und gewollt hat, und damit der Hauptgrund war, lässt sich dadurch auch nicht wegdiskutieren.

mfg
deconstruct

andere Meinung
Hallo Stucki,

Ich habe von einer Aussage gehört, dass Hitler einige Angst
hatte, dass Frankreich die Besetzung des Rheinlandes nicht
hinnehmen würde und er dann möglicherweise zurückgeschreckt
wäre.

Das ist sogar einigermaßen sicher. Militärisch konnte Deutschland 1936 gar nichts ausrichten. Die Truppen hatten Anweisung, sich zurückzuziehen, falls Frankreich et allii „gemuckt“ hätten.

Der Krieg war von den Nazis (und im Wesentlichen von der
Wehrmacht!) von Anfang an geplant bzw. im Kalkül, er war,
nachdem die Macht dazu da war, wohl nicht zu verhindern.

Das halte ich genauso für Spekulation wie die gegenteilige Meinung. Du spielst auch in Deiner Formulierung mit der Doppeldeutigkeit des Wortes planen. Hitler hat den Krieg geplant (i.S.v. gewollt). Der Generalstab hat - wie jeder militärische Führungsorganisation - den Krieg geplant (i.S.v. durchgespielt). Die Motive der Soldaten waren zielbezogen (Wiederherstellung ihres Ansehens und des deutschen Großmachtstatus), sie wollten dazu keinen Krieg, allerdings eine einsatzbereite Wehrmacht. Leider arbeiteten sie damit Hitler in die Hand, der ja bis 1937 Massen von Kreide schluckte, ehe er einem kleinen Führungskreis seine Absichten enthüllte („Hoßbach-Protokoll“).

Hitlers Krieg wäre
wohl nicht zu verhindern gewesen, nur zu verzögern.

Wie geschrieben: das ist reine Spekulation.

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas,

späte Antwort, musst zwischendurch woanders hin …

Der Krieg war … (im Wesentlichen von der
Wehrmacht!) von Anfang an geplant …

Das halte ich genauso für Spekulation wie die gegenteilige
Meinung. … Der Generalstab hat - wie jeder
militärische Führungsorganisation - den Krieg geplant (i.S.v.
durchgespielt).

Nein: „gewollt“. Das lese ich in einem Artikel in DIE ZEIT vom 7.3.1997 „Der große Plan“. Danach hat die Reichswehr schon Mitte der zwanziger Jahre - also noch weit vor der Machtergreifung! - „eine zielgerichtete Planung eines Revanchekrieges“ durchgeführt. Die Militärs haben die Niederlage des 1. WK nie verwunden und war eine ungeheure Erniedrigung für sie.
Das höre ich auch aus den Aussagen von Bekannten: „Mein Vater war Berufsoffizier im 1. WK. Danach musste er Arbeit haben, und ging zum Zollamt. Das war eine ungeheure Degradierung!“ Zwar kein Beweis, aber doch ein Hinweis, wie damals in diesen Kreisen gedacht wurde.

Gruß, Stucki

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