Alters-Epilepsie....... Medikament

Hallo,
meine Mutter ist mit ihren 88 Jahren sehr gesund und fitt, kocht gerne noch für andere und erledigt ihre Einkäufe selber. Nun hatte Sie nach einem Sturz einen epileptischen Anfall den ich miterlebte.
Seit vier Tagen bekommt sie ein Medikament gegen Epilepsie in niedrigster Dosierung.
Die eigentlich muntere, bewegungsfreudige Frau spricht von Tag zu Tag langsamer und ist sehr müde und teilnahmslos, will nicht mehr vor die Türe und wir haben das Gefühl sie kann nicht folgen wenn wir mit ihr sprechen. Heute morgen ist sie nicht aufgestanden, das habe ich noch nie bei ihr erlebt. Ihre Persönlichkeit ist völlig verändert.

Ich habe gehört, dass dies nur zu Beginn der Einnahme so sein soll, sich der Körper aber daran gewöhne.

Wir können den völligen Verlust an Lebensqualität bei der Mutter nur sehr schwer akzeptieren und sind nahezu entschlossen die Behandlung abzubrechen. Entscheiden wird sich das wohl im Gespräch mit dem behandelnden Arzt.

Da sie nicht alleine lebt, scheint es uns erträglicher mit gelegentlichen Anfällen zu leben.

Habt Ihr Erfahrung mit Alters-Epilepsie und medikamentierung?
mit freundlichen Grüßen
Marga

hallo Marga,

zuerst würde ich mit dem Arzt sprechen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Medikamente gegen epileptische Anfälle, wobei Art und Auslösung dieser Anfälle für die Wahl des Medikamentes entscheidend sind, aber es gibt eine stattliche Anzahl darunter, die nicht müde machen, keine Wesensänderung herbeiführen! Die Auswahl ist ziemlich groß. Notwendig ist, daß solche Verordnung ein Neurologe trifft und daß regelnmäßige EEG-Kontrollen stattfinden.

„Altersepilepsie“ scheint mir ein unglücklich gewählter Ausdruck, aber es kann natürlich auch eine (altersbedingte) Gefäßsklerose zu epileptischen Anfällen führen. Gerade dafür spezifische Medikamente gibt es nicht (solch unterdurchblutetes Gebiet gilt als auslösender Herd, dessen Bereitschaft, Anfälle auszulösen, behandelt wird wie bei anders verursachten Herden), aber - ist ein bildgebendes Verfahren durchgeführt worden (CCT oder MRT des Gehirns)?
Und: ist das Herz in Ordnung???

Gute Besserung, S.I.

hallo semperidem,

hallo Marga,

zuerst würde ich mit dem Arzt sprechen. Es gibt sehr viele
unterschiedliche Medikamente gegen epileptische Anfälle, wobei
Art und Auslösung dieser Anfälle für die Wahl des Medikamentes
entscheidend sind, aber es gibt eine stattliche Anzahl
darunter, die nicht müde machen, keine Wesensänderung
herbeiführen! Die Auswahl ist ziemlich groß. Notwendig ist,
daß solche Verordnung ein Neurologe trifft und daß
regelnmäßige EEG-Kontrollen stattfinden.

Die EEG Kontrolle war für diese Woche geplant.

„Altersepilepsie“ scheint mir ein unglücklich gewählter
Ausdruck, aber es kann natürlich auch eine (altersbedingte)
Gefäßsklerose zu epileptischen Anfällen führen.

Genau um diesen Auslöser handelt es sich vermutlich, da Mutter seit längerer Zeit immer wieder kurze Absensen hat, die aber nicht zu Stürzen führten.

spezifische Medikamente gibt es nicht (solch
unterdurchblutetes Gebiet gilt als auslösender Herd, dessen
Bereitschaft, Anfälle auszulösen, behandelt wird wie bei
anders verursachten Herden), aber - ist ein bildgebendes
Verfahren durchgeführt worden (CCT oder MRT des Gehirns)?

Es wurden bereits drei mal CCTs gemacht, die unauffällig waren.

Und: ist das Herz in Ordnung???

Ihr Herz ist hervorragend, auch die Blutwerte super.

Gute Besserung, S.I.

Bei Ihrem letzten Krankenhaus Aufenthalt…sie war nach einer Absens während einer therapeutischen Behandlung eingeliefert worden…bekam sie in der Klinik per Infusion ein Medikament dass sie so verwirrt und depressiv machte, dass sie nur noch vom Sterben sprach. Wir hätten sie keinen Moment mehr alleine lassen können und haben es mit Absprache ihres Arztes abgesetzt.

Da sie ihr Lebtag keine Medikamente einnahm, vermute ich dass sie extrem empfindlich auf solche anspricht.

Herzlichen Dank für die Antwort!
Marga

hallo Marga,

ich wundere mich, daß man nicht im Krankenhaus nach den von Dir geschilderten Erfahrungen zu einer verträglicheren Medikation gefunden hat. Notfalls sucht Ihr den Rat einer in Epilepsieerkrankungen aller Art höchsterfahrenen Klinik wie Bethel bei Bielefeld. Möglicherweise über einen nicht allzu ausgedehnten stationären Aufenthalt? Mehrfache Anreisen zu Testzwecken (anderer Einstellungen) wären möglicherweise zu belastend?
Telefonnummer und Adresse sind sicher im Internet zu finden.

Gute Besserung! S.I.

Nachtrag
hallo Marga,
mir fiel noch ein, daß es durchaus auch die Möglichkeit gibt, daß ein sonst im EKG und in der Alltagsleistung völlig unauffälliges Herz kurze Stillstände hat (sog. „Adam-Stokes-Anfälle“), die sich in vorübergehender Bewußtlosigkeit äußern (allerdings: MIT Stürzen!) und im Rahmen derer auch epileptische Anfälle auftreten können (aufgrund Unterdurchblutung des Gehirns in der Zeit der Herzstilltände). Vielleicht müßte man u.a. auch daran denken (bei unauffälligen bildgebenden Verfahren).

S.I.