Alterspflege

Hallo!

Den Anreiz aus dem ALK-Brett aufnehmend, moechte ich hier mal meine Gedanken klar machen und eine Frage dran haengen.

Ich bin zwar zeitlich noch nicht so weit, mir wirklich Gedanken darueber machen zu muessen, wo und wie ich meinen Lebensabend gestalten moechte. Aber meine beiden Schwaeger sind nun pensioniert und wir haben im Familienkreis darueber in letzter Zeit oefter diskutiert. Und was Fritz im ALK-Brett geschrieben hat - die Familie als Pflegeheim - liegt mir etwas quer. Nein, nicht sein Bedauern, dass Frauen Altenpflege nicht mehr lernen (das ist einfach geschlechtsbezogen Unsinn heutzutage und sowas regt mich nicht mehr auf), sondern die Vorstellung, dass ich gern von meinen (dann erwachsenen) Soehnen bzw. deren LEbenspartnern, wenn sie denn bis dahin welche haben, gepflegt werden moechte - oder auch nur mit ihnen zusammenleben moechte.

Gerade aus diesem Grund moechte ich mir moeglichst fruehzeitig einen Plan zurechtlegen, was ich machen will, wenn ich nicht mehr allein leben kann, bzw. zu zweit mit meinem Mann. Die Erfahrung mit meiner Mutter und Schwiegermutter hat gezeigt, dass man, wenn man wirklich mal soweit ist, Hilfe zu benoetigen, oft nicht mehr flexibel genug ist, das selbst zu regeln. Was mir andere von ihren Eltern erzaehlen, bestaetigt das. Beispiel: Frau Mitte siebzig, will unter keinen Umstaenden ‚ins Heim‘, wird regelrecht aggressiv, wenn man die Moeglichkeit anspricht, ist aber nicht mehr in der Lage sich allein zu versorgen. Familienanschluss ist aus verschiedenen Gruenden (die Kinder leben im Ausland) nicht moeglich. Anderes Beispiel: Ehepaar um die 80, er hat einen Schlaganfall erlitten, beide wohnen seit 40 Jahren in der gleichen Mietwohnung, koennen einfach nicht ausziehen, die Frau ist koerperlich ueberfordert, der Mann geht nicht mehr aus dem Haus, weil er die drei Etagen nicht mehr bewaeltigen kann, aber umziehen ist nicht drin. Beide Faelle (und ich koennte noch viel mehr anfuehren) sind ein grosses Problem fuer die Kinder der alten Leute. Sie wollen das richtige tun, aber was ist richtig?

ICH moechte meinen eigenen Kindern NIE zur Last fallen. Ich moechte, solange ich das noch neutral einschaetzen kann, ein paar Plaene in der Hand haben, was ich machen werde, wenn es soweit ist, damit meine Kinder dann kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie mich mit 80 in ein Seniorenwohnheim bringen lassen, weil ich das frueher selbst so mitorganisiert und fuer gut befunden habe. Ich will, dass meine Soehne im Alter mit mir Kontakt haben, weil sie das moechten, nicht weil sie sich verpflichtet fuehlen, weil sie ein schlechtes Gewissen haben.

Ich wuensche mir, dass sie eines Tages bedauern, dass es mich nicht mehr gibt, und nicht, dass sie auf den Tag hinwarten, wo sie endlich befreit sind, von der Last, die ich dann darstelle.

Natuerlich kann man nicht fuer alle Eventualitaeten planen - aber doch fuer einige. Und, wie gesagt, das Wichtigste dabei ist mir, dass ich zu einer Zeit selbstbestimmen kann fuer eine Zeit, in der vielleicht Senilitaet o.ä. (hoffentlich nicht, aber weiss man’s?) Entscheidungen unmoeglich machen.

Nun meine Frage: wie sehen das andere? Oder hat Fritz doch fuer viele und nicht nur fuer Ausnahmen einen Nerv getroffen, wenn er von der Grossfamilie schwaermt (fuer mich waer das ein Albtraum!) ?

ich bin mal gespannt, was euch dazu einfaellt.

Tschuess + Gruesse,

Elke

Hallo Elke,

genau diese Fragen beschäftigen mich auch zur Zeit sehr heftig. Ich komme zu exakt denselben Ergebnissen wie Du, habe damit aber ein Problem: Meine Eltern haben exakt in dem Alter, in dem ich heute bin (47), genau dasselbe gesagt. Da wollten sie - später! - weg vom Ortsrand, mehr Richtung Stadtmitte, das zu große Haus und den Garten gegen eine pflegeleichte kleinere, ebenerdige Wohnung eintauschen - später! - , auf keinen Fall den Kindern zur Last fallen, bei Pflegebedürftigkeit ins Altersheim - noch viel später. Den Absprung haben sie verpaßt. Ich als Tochter habe zwei-, dreimal vorsichtig nachgefragt, bin aber damit angeeckt. Jetzt ist meine Mutter alleine in dem viel zu großen Haus mit dem viel zu großen Garten, hat zwar bezahlte Hilfe (immerhin!) und ist noch recht rüstig, aber den Fall, daß das von einem Tag auf den anderen einmal nicht mehr sein kann bzw. wird, schiebt sie weit, weit vor sich her. Und dasselbe beobachte ich bei Eltern von Freunden und Freundinnen. Da wird nur Notstand mit Hilfe der Kinder verwaltet (so wie ich es für mich als Tochter auch voraussehe und teils bereits erlebe), aber kaum etwas für die unausweichliche Zukunft wirklich ernsthaft geregelt.

Natürlich habe ich mir - wie Du - genau das Gegenteil vorgenommen. Das Beispiel meiner Eltern läßt mich zweifeln, ob denn ausgerechnet ich den Absprung schaffen werde, wie auch immer der aussehen mag. Die entscheidende Frage ist: Wann ist JETZT - also der Zeitpunkt, an dem konkrete Planung anliegt und nicht aufgeschoben werden darf? Natürlich nicht mit 47. Mit 57? Kommt mir genauso lächerlich vor. Mit 67? So alt ist meine Schwägerin - eine aktive, attraktive, junggebliebene Frau. Eigentlich unvorstellbar. Wann aber dann?

Konkreteres habe ich dazu leider nicht beizutragen. Ich wünschte, ich könnte es. Ich fürchte, solange Altsein ein Makel ist, wird es jedem von uns schwerfallen, Floskeln wie „man ist so alt, wie man sich fühlt“ über Bord zu werfen und sich selbst als alten Menschen zu sehen.

Gruß
Aia

Hallo Elke!

Ich habe eine zeitlang in der Altenpflege gearbeitet und denke, das Problem stellt sich manchmal dadurch, daß man zwar zu Zeiten, wo man noch gut beisammen ist (geistig und körperlich) noch alles bewältigen kann, aber wenn dann die ersten körperlichen Altersbeschwerden anfangen, man oft auch schon geistig ein bißchen eingeschränkt ist und dann fällt jeder Wechsel sehr schwer (‚ich will nicht ins Heim‘). Es gibt in Wien (und wahrscheinlich woanders auch noch) aber Heime, die in mehrere Gruppen unterteilt sind. Anfangs lebt man in einer Wohnung, die selbstverständlich altengerecht eingerichtet ist (Aufzüge, Nottaste usw) und wenn man kleine Hilfen benötigt, kommt auch eine Pflegeperson und hilft. Im Laufe der Zeit kann sich der Zustand verschlechtern und man kommt in eine Abteilung, wo man schon etwas mehr Hilfe erhält und unter Umständen auch beaufsichtigt wird. Und wenn dann eventuell die Demenz ihren Beitrag leistet, ist man wenigstens in einer Umgebung, die man schon länger kennt, somit kann man dort mit der Demenz leichter umgehen.
Man fällt den Kindern nur eingeschränkt zur Last (sie müssen auch etwas zahlen), aber die Betreuung übernehmen dann ausgebildete Leute. mir hat es immer sehr weh getan, die hilflosen, armen, verwirrten Leute mitzuerleben, die glauben, die ganze Welt hätte sich gegen sie verschworen, dabei waren sie verwirrt und es wäre unmöglich gewesen, sie unbeaufsichtigt zu lassen, weil zum Beispiel Brandgefahr bestand oder weil sie teilweise schon sehr unhygienisch lebten.
Ins Heim zu gehen kann auch sehr schön sein, man ist mit gleichgesinnten zusammen und lebt in einer Umgebung, die auf Schlechtsichtigkeit, Bewegungseinschränkungen und andere typisch für greise Altersgruppen Symptome abgestimmt ist, daran finde ich nichts Schlechtes. Aber man sollte diese Entscheidung IMHO dann treffen, wenn man im Falle von Unzufriedenheit das Heim wechseln kann. Wenn es dann schnell gehen muß, bekommt man unter Umständen einen Pflegeplatz, der jeder Beschreibung spottet und kann nichts mehr dagegen unternehmen.
Einen alten Baum verpflanzt man nicht, sagt man bei uns. Es ist nicht selten vorgekommen, daß sich jemand den Oberschenkelhals gebrochen hat und dann nicht mehr nach Hause gekommen ist, weil schon alleine der Krankenhausaufenthalt dazu führte, daß sich die Leute nicht mehr auskannten und deshalb auf eine Geriatrie kamen und diese nicht mehr lebend verließen.

Sich auf seine Kinder zu verlassen, ist auch nicht immer das Beste, war zumindest meine Erfahrung in dieser Hinsicht.

my two cents

Gruß

Gollum

P.S.: Du hast aber schon noch genug Zeit, denke ich.

Hallo,

ich denke, bei dem Thema kann man nie zu früh anfangen sich Gedanken zu machen. Eine inzwischen 86-jährige Freundin meinte hierzu neulich mal, dass wenn sie nicht immer schon viele jüngere Freunde gehabt hätte, sie jetzt alleine dastünde. Der Mann starb schon vor vielen Jahren, Kinder hatten die beiden leider keine und sie hat inzwischen die gesamte Verwandschaft und alle „altersgemäßen“ Freunde überlebt. Hätte sie jetzt nicht einen Haufen Freunde in allen Altersklassen, müsste sie ihre heißgeliebte Wohnung (mitten in München-Schwabing, ein Traum) verlassen und in ein Heim ziehen, obwohl sie eigentlich noch ganz fit ist (geistig sowieso und körperlich zumindest soweit, dass sie immer noch den Haushalt top in Schuss hat und weiterhin ausgezeichnet kocht. Nur lange Fußmäsche und U-Bahnfahrten fürs Einkaufen, etc. sind nicht mehr drin, das Auto hat sie vor ein paar Jahren aufgegeben und so ist sie eben etwas immobil. Mit den ganzen Freunden ist die Sache aber überhaupt kein Problem. Es ist immer jemand da, der sich um sie kümmert, sie fährt, Dinge für sie erledigt, etc.

Und warum klappt das nicht in anderen Fällen? Weil man eben damit rechtzeitig anfangen muss, weil man eben schwerlich Freunde in einer Situation findet, in der man schon recht viel Hilfe braucht. Die Vereinsahmung ist da sicher oft hausgemacht, weil Menschen sich eben nicht rechtzeitig Gedanken gemacht und die notwendigen Schlüsse gezogen haben. Wer sich nicht im Heim wiederfinden will braucht eben entweder Familie oder Freunde. Professionelle Hilfe in den eigenen vier Wänden wird zunehmend unbezahlbar und denkt insbesondere nicht den wichtigen Bereich der Sozialkontakte ab, die so wichtig für das psychische Gleichgewicht und die geistige Beweglichkeit sind.

D.h. nicht, dass die Familie oder die Freunde auch gleich zum Pfelgeheim werden sollen oder müssen. Sicherlich gibt es Grenzen, bei deren Überschreiten eine häusliche Betreuung oder Pflege nicht mehr sinnvoll und möglich ist, ohne bei den Pflegenden zu einer nicht mehr tragbaren Belastung zu führen. Ich habe dies selbst als Kind erlebt und würde meinen eigenen Kindern sicher den Vorzug geben, wenn ich zwischen Pflege der Eltern und Sorge für die eigenen Kinder entscheiden müsste. Auch würde ich von eigenen Kindern nie anderes später erwarten wollen. Aber auf der anderen Seite kann man eben durch rechtzeitige Planung die Grenzen recht weit zum Wohle aller Beteiligten stecken. Meine Frau und ich bauen gerade am Haus meiner schon recht schwer dementen Schwiegermutter an und haben uns ganz bewusst dafür entschieden so zu bauen, dass es eine echte Alternative zum ansonsten anderswo entstandenen Haus ist und dass wir dort auf Dauer mit klar abgetrennten Wohnungen bleiben wollen. Schwiegermutter wäre schon längst ein Fall fürs Heim, wenn wir nicht bislang dort gewohnt hätten und wir hoffen, ihr so auch noch lange das Heim ersparen zu können. Durch die in diesem Fall gerade noch rechtzeitigen Absprachen und die günstigen materiellen Umstände (großes Haus mit noch größerem Grundstück und Geld für An- und Umbau) haben wir auch hier eine vernünftige Lösung gefunden. Nur musste ich diese auch ganz klar skizzieren, diskutieren, planen und dann auch umsetzen. Von sich aus passiert so etwas nicht. Und ich habe auch für meine Eltern schon Plan A und B genau so im Hinterkopf wie entsprechende Vorstellungen für meine Frau und mich. Sollten wir noch Familie haben, würden wir gerne auch da wieder das gemeinsame Grundstück anbieten oder eben alles Verkaufen um Kindern zu folgen. Alternativ haben wir schon jetzt einen riesigen nicht nach Alter selektierten Freundeskreis.

Gruß vom Wiz

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Kinder in einer Grossfamilie aufwachsen könnten !
Hallo Elke,
Es freut mich,(ganz es Bitzeli) mit meinem Art. im L&K wenigstens etwas erreicht zu haben.
Wenn eine Katze gegen den „Strich“ gestreichelt wird, läuft sie knurrend davon, so dachte ich auch, nach den Hagelschlägen danach.
Mir es es auch wurscht, ob 50+ notwendig ist oder nicht, dieser kranken Gesellschaft kann so oder so nicht geholfen werden, wenn sie es nicht will.
Es ist noch lange nicht gut, wenn es für die Mehrheit bequem ist!
so auch in einer Demokratie; wenn sich die Mehrheit irrt, ist es ganz einfach ein Irrtum und nichts anderes.

Es hat mich auch gefreut, als eine Top-Sekretärin in einer Tageszeitung nach einem Jahr Betreuung ihres ersten Kindes
geschrieben hat; sie könne nicht verstehen, dass Mütter ihre Kinder in einen „Hort“ zur Pflege abgeben können.Es sei das schönste Jahr in ihrem Leben gewesen und sei überglücklich die gut bezahlte Stelle aufgegeben zu haben.

Zwangsweise aus der heilen Welt auf dem Lande in die Stadt versetzt hab ich hier erlebt wie ein ganzes Quartier in 50 Jahren mit allem Drum und Dran verslumt ist.
Die von der Stadt gebauten zu kleinen Wohnungen werden nun abgebrochen, ohne je einmal renoviert geworden zu sein. „freu“

Ab 1970 hat unsere Stadt in 12 Jahren, zwangsweise als Folge der ab 1930 gebauten zu kleinen Wohnungen, 28 Alters-und Pflegeheime bauen müssen.
Ich kann mir nicht vorstellen, je einmal (in ev. hohem Alter), die „Pampers“ von einer wildfremden Person gewechselt zu bekommen.
War insgesamt neun mal im Spital (Herz und andere Kleinigkeiten)habe nie gegen allen Protest der Betreuer gegessen. 300gr Gewichtabnahme/Tag
auch eine Altersvorsorge für alle Beteiligten !

In der Natur ist Brutpflege aller Lebewesen oberste Notwendigkeit. Bei uns so gescheiten Menschen ist Kinderbetreuung zur Nebensache geworden, arme Gesellschaft.
Die lieben Frauen müssen, trotz aller Automation, in diesen hirnlosen Produktions-Irrlauf miteinbezogen werden. Aber eben, mit nur einem Familieneinkommen kann man sich keine Auslandferien und allen anderen Luxus- "Schnick-Schnack leisten!
ist ja nicht so schlimm, übrig bleiben einige Millionen kräftige Männer als „Arbeitslose“, die können sich in Kinderbetreuung üben, wenn sich die Frauen hinter den Bildschirmen abrakern wollen.

Heute kann ich zusammen mit meiner Frau ernten,…

all die Zeit und Geduld die wir für unsere Nachkommen (mit Enkelkinder)aufgewendet haben spiegelt jetzt zurück.Wir haben uns eine kleine heile Welt geschaffen.
Dieser private Erfolg gibt mir Kraft und Sicherheit, um gelegentlich
eben gegen den „Strom“ schwimmen zu können.(:smile:

erwarte keine Zustimmung, es gilt aber ;
„Jeder schmiedet sein eigenes Glück“

Gruss
Fritz
a.d.Uw.

Hallo Aia,
danke fuer deine Gedanken. Zumindest bin ich in meinem (unserem) Alter nicht allein damit, schon mal darueber nachzudenken.

Was deine Bedenken betrifft: die Gefahr, dass man den Absprung nicht schafft, besteht immer. Deshalb glaube ich ja, dass man konkrete Plaene fruehzeitig legen soll. Nicht nur so dahinreden. Ich glaube auch, dass ich, zumindest im Vergleich mit meinen Altvorderen, einige Vorteile habe, was diesen Absprung betrifft: ich bin schon so oft - von Land zu Land - umgezogen, unser naechster oder uebernaechster Umzug wird wohl schon ohne Job passieren und da koennen wir ja bereits Weichen stellen. Ist ja nicht so, dass ich 40 Jahre lang in der gleichen Wohnung gelebt habe. Auch ist ein ‚betreutes Wohnen‘ einem Compound-Leben, wie ich das jetzt habe, nicht so unaehnlich, weshalb ich glaube, dass ich mich da besser als andere hineinfinden kann.

Ich glaube auch nicht unbedingt, dass das Problem mit der Ablehnung von Altsein zu tun hat. Eher damit, dass man seine eigenen Faehigkeiten einfach immer ueberschaetzt (vgl.: alle anderen sind Idioten auf der Strasse, nur ICH fahre richtig!). Und, jetzt wiederhole ich mich, deshalb glaube ich, man muss sich selbst zur rechten Zeit ein Schnippchen schlagen und konkret planen.

Liebe Gruesse,
Elke

Hallo Wolfgang,

Ich habe eine zeitlang in der Altenpflege gearbeitet und
denke, das Problem stellt sich manchmal dadurch, daß man zwar
zu Zeiten, wo man noch gut beisammen ist (geistig und
körperlich) noch alles bewältigen kann, aber wenn dann die
ersten körperlichen Altersbeschwerden anfangen, man oft auch
schon geistig ein bißchen eingeschränkt ist und dann fällt
jeder Wechsel sehr schwer (‚ich will nicht ins Heim‘).

Genau das ist das Problem, dazu bin ich schon unten in meiner Antwort auf Aia eingegangen.

Es gibt
in Wien (und wahrscheinlich woanders auch noch) aber Heime,
die in mehrere Gruppen unterteilt sind. Anfangs lebt man in
einer Wohnung, die selbstverständlich altengerecht
eingerichtet ist (Aufzüge, Nottaste usw) und wenn man kleine
Hilfen benötigt, kommt auch eine Pflegeperson und hilft. Im
Laufe der Zeit kann sich der Zustand verschlechtern und man
kommt in eine Abteilung, wo man schon etwas mehr Hilfe erhält
und unter Umständen auch beaufsichtigt wird. Und wenn dann
eventuell die Demenz ihren Beitrag leistet, ist man wenigstens
in einer Umgebung, die man schon länger kennt, somit kann man
dort mit der Demenz leichter umgehen.

Diese Art der Wohnanlagen kenne ich aus Suedafrika sehr gut. Dort sind das Wohnanlagen - man kann Haeuser kaufen (oder mieten, aber meist wird gekauft und fuer die Dienstleistungen zahlt man Nebenkosten) und lebt dort sehr unabhaengig. Man nimmt dann mit der Zeit mehr und mehr Hilfe an, wenn das notwendig wird, bis hin zu „Frail care“ (fuer bettlaegerige MEnschen). Ein mir befreundetes Ehepaar hat das gemacht. Der Mann ist seit 2 Jahren meist im heimaehnlichen Trakt, seine Frau lebt noch im Haus. Sie kocht noch oft selbst, aber kann auch im Gemeinschaftsraum essen. Sie besucht ihren Mann taeglich, ist meist den ganzen TAg mit ihm zusammen. WEnn es ihm besser geht, geht er mit ihr aus. Beide sind, das muss ich dazu sagen, jetzt schon 90 und schon ueber 10 Jahre in diesem Komplex.

Ins Heim zu gehen kann auch sehr schön sein, man ist mit
gleichgesinnten zusammen und lebt in einer Umgebung, die auf
Schlechtsichtigkeit, Bewegungseinschränkungen und andere
typisch für greise Altersgruppen Symptome abgestimmt ist,
daran finde ich nichts Schlechtes.

Da stimme ich dir zu.

Aber man sollte diese
Entscheidung IMHO dann treffen, wenn man im Falle von
Unzufriedenheit das Heim wechseln kann. Wenn es dann schnell
gehen muß, bekommt man unter Umständen einen Pflegeplatz, der
jeder Beschreibung spottet und kann nichts mehr dagegen
unternehmen.

Auch hier volle Zustimmung.

P.S.: Du hast aber schon noch genug Zeit, denke ich.

Danke. Das will ich mal schwer hoffen. :wink:

Liebe Gruesse,
Elke

Hallo Wiz,

danke fuer deine Antwort.

Die Idee mit den Freunden etc. finde ich toll.
. Mit den ganzen Freunden ist die Sache aber

überhaupt kein Problem. Es ist immer jemand da, der sich um
sie kümmert, sie fährt, Dinge für sie erledigt, etc.

Sicherlich gibt es
Grenzen, bei deren Überschreiten eine häusliche Betreuung oder
Pflege nicht mehr sinnvoll und möglich ist, ohne bei den
Pflegenden zu einer nicht mehr tragbaren Belastung zu führen.
Ich habe dies selbst als Kind erlebt und würde meinen eigenen
Kindern sicher den Vorzug geben, wenn ich zwischen Pflege der
Eltern und Sorge für die eigenen Kinder entscheiden müsste.

Das sind auch meine GEdanken. Ein bisschen ausfuehrlicher will ich dazu oben bei Fritz anworten. Wer noch nie rund um die Uhr einen kranken Menschen betreut hat (noch dazu einen alten kranken Menschen, wo Besserung nicht mehr zu erwarten ist, oder besser gesagt: eine Besserung der Situation nur mit dem ABleben kommen kann), kann die Situation m.E. nicht einschaetzen. Das faengt bei der dauernd notwendigen Verfuegbarkeit an (taeglich und ohne moeglichen Urlaub) und hoert bei der koerperlichen Belastung noch nicht auf. Wobei meine Ueberlegungen natuerlich schon frueher einsetzen. Ich haette auch meine noch ruestige, gesunde Schwiegermutter nicht bei mir im Haus haben wollen, und das gleiche gilt aehnlich auch bei meiner Mutter.

Liebe Gruesse ,
Elke

nur kein gesellschaftliches mehr. Fuer die betroffenen Menschen aber doch noch eins (ob und wie sie das bewaeltigen wuerden, steht woanders).

Salli Fritz,

danke auch dir fuer deine Gedanken. Aber ich kann mich fuer deine Loesungen nicht erwaermen - fuer mich. Du scheinst einer Nostalgie fuer die alte Zeit nachzuhaengen, die bei mir nicht vorhanden ist. Bei allem Guten, was Grossfamilie usw. damals bestimmt hatten, ich kann nicht umhin, auch an die negativen Seiten zu denken: weniger freie Selbstbestimmung, um nur ein Beispiel zu nennen. Vielleicht erklaeren meine Bemerkungen weiter unten mehr ,was ich meine.

Mir es es auch wurscht, ob 50+ notwendig ist oder nicht,
dieser kranken Gesellschaft kann so oder so nicht geholfen
werden, wenn sie es nicht will.
Es ist noch lange nicht gut, wenn es für die Mehrheit bequem
ist!

Nein, da hast du recht ,aber wenn die Mehrheit ungluecklich ist, kann es ja auch nicht das Wahre sein.

so auch in einer Demokratie; wenn sich die Mehrheit irrt, ist
es ganz einfach ein Irrtum und nichts anderes.

Nur ist es - ausser VIELLEICHT viele Jahre spaeter - nicht so einfach, zu wissen, ob es nun ein Fehler war oder nicht.

Heute kann ich zusammen mit meiner Frau ernten,…

Das ist schoen fuer dich - aber bedenke bitte auch, dass viele Menschen durchaus ohne Schuld z.B. kinderlos geblieben sind. Und weil wir gerade dabei sind: Mein Mann und ich haben zwei Kinder adoptiert. Da mussten wir irgendwann fuer die Sozialarbeiter einen Aufsatz schreiben: Warum wollen Sie Kinder haben? Ich kann dir sagen, dass Altersversorgung - egal in welcher Form - da keinerlei Erwaehnung gefunden hat.

all die Zeit und Geduld die wir für unsere Nachkommen (mit
Enkelkinder)aufgewendet haben spiegelt jetzt zurück.Wir haben
uns eine kleine heile Welt geschaffen.

Siehe oben. Schoen fuer dich. Aber deine heile Welt ist durch dein Engagement UND eine gehoerige Portion Glueck entstanden. Wenn du das Glueck ableugnest, dann behauptest du, jeder einsame Mensch ist nur selber schuld.

„Jeder schmiedet sein eigenes Glück“

Aber so einfach ist es doch nicht fuer alle.

Ganz kurz will ich dir unsere Situation schildern. Meine Mutter starb letztes Jahr nach kurzer Krankheit mit 81 Jahren. Alle Kinder, alle Enkelkinder haben es geschafft, sie noch vor ihrem Tod zu sehen. Wir waren alle da. Zwei Toechter kamen aus dem Ausland angereist, wo sie leben (eine davon, ich). Eine Enkelin lebt z.Zt. in Nepal, auch sie kam. Zum Glueck konnten wir beide im (recht fernen) Ausland lebenden Schwestern uns immer darauf verlassen, dass meine andere Schwester in der Naehe lebte und sich um meine Mutter kuemmern konnte. Wenn das nicht der Fall gewesen waere - haette ich mich zwischen meinem Mann und meiner Familie und meiner Mutter entscheiden muessen. Wir leben nicht mehr in der gleichen Wohnung, nicht mehr in der gleichen Stadt, nicht mal im gleichen Erdteil - mein Mann wuerde in Deutschland vielleicht (ich sage vielleicht, denn er ist auch schon 52) eine Stelle bekommen, aber mit Sicherheit nicht in der naeheren Umgebung meiner Heimatstadt. Wir sind auch hier, weil es mir die Moeglichkeit gibt, mich um meine Kinder zu kuemmern, was vielleicht in D nicht moeglich waere. Was haette meine Mutter vor Jahren machen sollen? Mir das Wegziehen und die Heirat verbieten, damit sie im Alter jemand hat, der sie versorgt?

Ich wollte noch viel schreiben, aber jetzt sind die oben erwaehnten Jungs grade heimgekommen und ich muss abbrechen - ich werde gebraucht.

Liebe Gruesse,
Elke

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Hallo Fritz,
sicher gilt es zwischen 2 verschiedenen unangenehmen Dingen auswählen zu müssen. Besser als gepflegt werden zu müssen ist sicherlich ein schneller Tod ohne vorherige Krankheiten.
Aber das ist ja in den wenigsten Fällen so. In meiner etwa 20jährigen Praxis als Apothekerin habe ich viele Familien kennengelernt, in denen jemand gepflegt werden mußte. Eine Reihe der Familien kannte ich auch in Zeiten, in denen alle gesund und fit waren.
Für mich steht danach fest, daß ich auf keinen Fall von meiner Familie versorgt werden möchte. Ich wünsche mir, daß meine Angehörigen mich in Liebe und mit Achtung in Erinnerung behalten. Sie sollen mich besuchen, wenn sie Lust dazu haben - und nur dann!
(Die Probleme, die mit einer Fremversorgung einhergehen, sind mir auch bewußt.)
Die Versorgung kranker Angehöriger ist - selbst wenn sie nicht als eklig oder so empfunden wird - eine zeitliche Belastung. Dadurch sind die pflegenden Familienangehörigen beruflich und in ihren Urlaubs- bzw. Freizeitaktivitäten sehr stark eingeschränkt. Auf der einen Seite wird die Pflege dadurch zu einer lästigen Pflicht, auf der anderen Seite entsteht für den zu Pflegenden eine Abhängigkeit, die er auch nicht ertragen kann. Desweiteren darf man nicht vergessen, daß ein Kranker evtl. sein Wesen verändert und wirklich schwierig zu „behandeln“ ist. Er wird vielleicht mißtrauisch oder sogar boshaft.

Es hat mich auch gefreut, als eine Top-Sekretärin in einer
Tageszeitung nach einem Jahr Betreuung ihres ersten Kindes
geschrieben hat; sie könne nicht verstehen, dass Mütter ihre
Kinder in einen „Hort“ zur Pflege abgeben können.Es sei das
schönste Jahr in ihrem Leben gewesen und sei überglücklich die
gut bezahlte Stelle aufgegeben zu haben.

Warum freut Dich das so?
Ich glaube, auch Männer empfinden die Zeit, die sie mit ihren kleinen Kindern verbringen können als schön. Hast Du Dir die Zeit nehmen können? Auch ist die Zeit der finanziellen Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern wohl (zum Glück!) endlich vorbei. Am besten für alle Beteiligten ist es ja vielleicht, wenn Mann und Frau sich die Betreuung teilen können.

Ich kann mir nicht vorstellen, je einmal (in ev. hohem Alter),
die „Pampers“ von einer wildfremden Person gewechselt zu
bekommen.

Der Gedanke ist sicher nicht schön, aber besser so, als wenn mein Sohn mich stinkend ertragen müßte.

Wir haben uns eine kleine heile Welt geschaffen.

Ich wünsche Dir, daß es so bleibt.

Sabine

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