Nachdem wir immer wieder über die Frage diskutieren, ob man mit oder ohne Versicherungen seine Altersvorsorge aufbauen möchte, sollte oder müsste, können wir ja den einfachsten Weg beschreiten:
wir sammeln einfach Vorteile und Nachteile und wägen ab. Sicher kommt kein Richtig oder Falsch dabei raus, aber wer die Risiken der jeweiligen Anlage kennt, kann sie vielleicht auch beseitigen.
Jeder, der hier was beitragen möchte, sollte dies tun. So kommen wir vielleicht sogar zu einer für alle vertretbaren Lösung und wir können diese seitenlangen Diskussionen sparen.
Beginne ich mal mit den Vor- und Nachteilen einer Versicherungslösung im Sparplan
Vorteile:
- keine Ausgabeaufschläge bei Umschichtung
- ggf. garantierte Rendite
- keine Steuerzahlung in Ansparphase, daher besserer Zinseszinseffekt
- ggf. zu Beginn schon feststehender Rentenfaktor
- steuerliche Behandlung während der Beitragszahlung (Riester, Rürup)
Nachteile: - durch Festlegen auf eine Beitragszahlungsdauer oft sehr hohe Abschlusskosten
- durch Zillmerung dieser Kosten erschreckend lange Zeit im Minus
- bei Zahlungsschwierigkeiten leidet oft der Versicherungsschutz
- oft eingeschränktes Fondsangebot bzw. sehr begrenzte Anlagemöglichkeiten (klassisch)
Würde man nun also die Nachteile der Versicherung im Sparplan vermeiden wollen, müsste man eine wählen, die Abschlusskosten dann abziehen, wann sie anfallen, den Versicherungsschutz im Fall von Zahlungsschwierigkeiten in eine separate Risikoversicherung umwandelt und ein weitgehend flexibles Fondsangebot zulässt.
Letzteres gibt es meines Erachtens nach bei einigen Anbietern von Fondspolicen, auf eine sofortige Kostenbelastung verzichtet aber keine Versicherung. Wie es mit dem Wandel in eine Risikoversicherung aussieht, weiß ich nicht, sicher gibt es Fachleute, die hierzu mehr sagen können.
Diese Versicherung müsste also bei einer Kostenbelastung von 6% bei jeder Zahlung des Kunden diese 6% abziehen. Nicht wie bisher, gleich zu Beginn die 6% der gesamten Beitragszahlungsdauer.
Aber ob es das gibt? Wage es zu bezweifeln.
Komme ich mal zu den Vor- und Nachteilen einer Depotlösung (egal, ob Aktien, Aktienfonds, Schatzbriefe, Rentenfonds, Zertifikate oder Immobilienfonds).
Vorteile:
- durch nicht festgelegte Beitragshöhe weitgehend flexibel
- durch ratierliche Kostenbelastung von Beginn an Vermögensaufbau
- durch Verzinsung von Beginn an der höchstmögliche Zinseszinseffekt
- durch Trennung vom Versicherungsschutz für diesen mehr finanzielle Freiheit
Nachteile: - fehlender Versicherungsschutz
- keine steuerliche Vergünstigung in der Ansparphase (außer bei Riester)
- von Beginn an Steuern auf die Gewinne, Steuerzahlungen können natürlich nicht mehr verzinst werden (außer bei Riester).
Wenn mir jetzt nicht noch weitere Nachteile genannt werden, die hier gravierende Beeinflussungen haben, sieht es für mich so aus:
Eine Fondspolice wird mit durchgezogener Beitragszahlungsdauer sicher über der Rendite des gleichen Fonds liegen, der einer Abgeltungssteuer unterliegt. Vor allem, wenn noch der ein oder andere Fondswechsel durchgeführt wird.
Eine KLV mit durchgezogener Beitragszahlung und 5% Rendite wird ziemlich sicher mehr erwirtschaften als eine Anlage mit der gleichen Rendite in Festgeldern oder Schatzbriefen.
Die Frage stellt sich nur: Wie realistisch ist es, dass man davon ausgeht, dass der Kunde tatsächlich über 20 oder 30 Jahre niemals in Zahlungsschwierigkeiten gerät, niemals das Bedürfnis verspürt, seine Beiträge vielleicht in ein anderes Projekt zu investieren (Immobilienfinanzierung vielleicht?) und auch niemals das Guthaben für andere Zwecke benötigt (OP, Schuldentilgung o.ä.)?
An anderer Stelle habe ich schon einmal eine Kombination beschrieben, die Vorteile beider Varianten verbindet. Wäre schön, wenn der ein oder andere Kritiker dieser Lösung die treffenden Nachteile nennt.
Man könnte seine 50, 100, 1.000 oder 10.000 Euro monatlich in ein Depot investieren. Ausgerichtet auf die Anlagedauer ergibt sich auch die Ausrichtung des Depots. Der Kleinsparer mit seinen 50€ muss ziemlich lange sparen, bis seine Gewinne steuerlich interessant werden. Wir kennen alle keine Freibeträge der Zukunft, aber lassen wir einfach mal 900€ im Raum stehen. Bei 8% Rendite müssten also 11.250€ im Depot sein, bevor hier erst einmal Steuerzahlungen interessant werden. Mit 50€ und durchgängig 8% Verzinsung (5%AA) braucht man fast 12 Jahre dafür. Es liegen 11.250€ im Depot, eingezahlt hat man 7.200€.
Eine Fondspolice mit der gleichen Verzinsung und einer 30-jährigen Beitragszahlungsdauer darf wahrscheinlich als gut bewertet werden, wenn dieser eingezahlte Beitrag zu dieser Zeit schon als Guthaben vorhanden ist.
Nun kann man situationsbezogen herangehen: droht Arbeitslosigkeit oder ein furchtbarer Steuersatz (was bei 50€ eher unwahrscheinlich ist), wird das Geld in eine Rürup-Police investiert. Aber kein Beitragsdepot, sondern eine Einmalzahlung. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir jetzt eine Abzugsfähigkeit von 64% der Beiträge. in 12 Jahren sollten das 24% mehr sein, also 88%. Finde ich neben der von Beginn an vorhandenen Gewinnerzielung auch ganz nett. Droht keins von beidem, fliegt das Geld bei Steuerangst eben in eine Police der flexiblen Vorsorge. Auch hier per Einmalzahlung. Mit allen Vorteilen der späteren günstigen Besteuerung und des kostenlosen Fondswechsels.
Auch der Schwerverdiener mit 10.000€ monatlicher Sparleistung fährt mit ein wenig Flexibilität und Weitsicht deutlich besser.
Mit einer Fondspolice über 1.666€ (Rürup) und einer über 2 oder 3 tausend Euro in die flexible ist dem nicht geholfen. Kommt der in Zahlungsschwierigkeiten (auch das kommt vor!), hat er durch die nicht unerheblichen Anfangskosten ordentlich Einbußen.
Hier gibt es deutlich sinnvollere Anlageformen:
20.000€ jedes Jahr in eine Rürup-Police (wieder nur Einmalzahlung!), der Rest im Depot und vor allem in Immobilien investiert. Bei guter Auswahl gibt es auch hier Gewinne zu erwarten, die zu allem Überfluss auch nach einer Veräußerung ab dem 10. Jahr steuerunschädlich ist.
Und wer monatlich 5.000€ in eine Finanzierung stecken kann, verträgt problemlos 750.000€ Kredit. Und dafür steht schon einmal etwas Ordentliches da! nach 15 Jahren ist so was ganz locker abbezahlt, trägt sich zu einem nicht unerheblichen Teil selbst und bekommt weiter Kinder.
Und ich wage die Behauptung, dass im schlimmsten Fall 30 verschiedene Rürup-Policen und 30 verschiedene Zahlungseingänge im Rentenbezug das kleinere Übel sind. Gewonnen werden dadurch Flexibilität, höhere Renditen und so ganz nebenbei steuerlich interessante Veräußerungsgewinne aus den Immobilienanlagen.
Wenn der BDV also empfiehlt, Vermögensaufbau und Versicherungen voneinander zu trennen, hat der gar nicht sooo unrecht. Mit einer flexiblen Umsetzung kann man diesem nachkommen und die Vorteile beider Varianten nutzen.
Der einzige, der mit dieser Variante verliert, ist der kurzfristig denkende „Berater“, der nicht sofort die ganz große Provision verdient.
Der langfristig arbeitende aber verdient sogar doppelt: einmal die Abschlussprovision im Depot und später die Abschlussprovision in der Versicherung.
Woran sollte es also scheitern?
Bin für Anregungen sehr offen.
Dickes Sorry für die Länge dieser Erklärung.
