Altes Fachwerkhaus was nun ?

Hallo erstmal,

also ich befürchte das das hier ein Roman wird, hoffe aber das ich trotzdem möglichst viel Unterstützung bekomme.

Zur Sache: Im Besitz meiner zukünftigen Schwiegermutter ist ein landw. Betrieb. Auf dem Betriebsgelände steht ein altes Fachwerkhaus, Erdgeschoß massiv Backstein, Obergeschoss und Dachstuhl in Fachwerk, Gefache mit Lehm/Geflecht verfüllt.
Zum Problem: In die Zukunft gesehen wird das Haus weiter verfallen, da es bereits jetzt ca. 15 Jahre unbewohnt und vor dem Krieg das letzte Mal renoviert wurde. Auch finanziell wird das Haus nicht haltbar für Sie sein, eher eine Belastung.
Zum Lösungsvorschlag: Meine Verlobte und Ich wollen uns das Haus mit einem Teil des Grundstücks schenken lassen. Haben jetzt aber vielfältige Probleme, die ich versuchen muss möglichst im Vornherein zu klären.

  1. Die Bausubstanz muss bewertet werden, möglichst niedrig, um den steuerlichen Schenkungswert zu drücken und die sich am Wert orientierenden Kosten ( z.B. Verwaltung, Bewertung, …) niedrig zu halten. Ich brauche also einen Experten, mögl. für Fachwerk.
  2. Das Denkmalamt hat angeklopft…was ist, wenn sie mir gewisse Veränderungen am Haus verbieten wollen ??? …größere Fenster, Obergeschoßgefache ausmauern, etc. … was kann man dagegen tun ???

Wie gesagt eigentlich wollten wir uns das Haus wohnlich machen, aber andererseits scheint sich dies zur Jahrhundertaufgabe zu entwickeln.

Ich suche also Experten für Fachwerkrenovierung, Leute die das Theater schon durch haben/mitten drin sind und die mir vielleicht einige Tipps geben können, einen Bausachverständigen, und viel,viel,viel moralische Unterstützung, das ich nicht doch ein Streichholz in das Haus schmeisse…
CU
Uli

Hallo Ulrich

wir hatten ein ähnliches Problem, als wir vor einiger Zeit in Erwägung gezogen hatten, ein altes Fachwerkhaus zu kaufen, was unter Denkmalschutz stand. Ich hab damals einen ziemlich fitten Menschen über die Expertensuche gefunden. Versuchs doch mal dort unter den Begriffen Fachwerk, Denkmalschutz etc.

Ach ja, wir habens damals sein lassen. Ausschlaggebend war das Thema Denkmalschutz.

Gruss
Marion

Hallo Ulrich,

  1. Die Bausubstanz muss bewertet werden, möglichst niedrig, um
    den steuerlichen Schenkungswert zu drücken

Mach’ Dir über den Gebäudewert keine Sorgen. Ich wage mal die Prognose, daß das Gebäude keinen Wert mehr besitzt, sondern im Gegenteil den Grundstückswert drückt. Du kannst getrost davon ausgehen, daß die Sanierungskosten in der groben Größenordnung eines Neubaus liegen werden. 15 Jahren unbewohnt bedeutet, daß große Teile durchfeuchtet sind. Letzte Sanierung oder Renovierung vor dem Krieg heißt mit Sicherheit, daß Dach, Fenster, Türen, Wasser-, Abwasserinst, E-Installation und Heizung Fälle für den Container sind. Mit viel Glück sind die Grundmauern zu retten und nur mit ganz viel Glück lassen sich Teile des Gebälks vor dem nächsten Osterfeuer retten.

Das alles heißt nicht unbedingt, daß eine Sanierung keine lohnenswerte Arbeit sein kann.

  1. Das Denkmalamt hat angeklopft…was ist, wenn sie mir
    gewisse Veränderungen am Haus verbieten wollen ??? …größere
    Fenster, Obergeschoßgefache ausmauern, etc. … was kann man
    dagegen tun ???

Rede erstmal mit den Leuten. Viele Vorstellungen des Denkmalschutzes sind ganz vernünftig. Ich würde nicht gleich auf Konfrontation gehen. Auch die Leute vom Denkmalschutz wollen letztlich, daß erhaltenswerte Substanz zeitgemäß nutzbar ist. In vielen Fällen schützen die Vorgaben des Denkmalschutzes auch vor grauseligen Bausünden und Verirrungen. Auch gegen das SACHGEMÄSSE Ausfüllen der Gefache wird das Denkmalamt keine Einwände haben. Bei anderen Veränderungen schützt das Amt manchen Bauherrn nur vor sich selbst, weil verhindert wird, daß Baumarktmist den Charakter des gesamten Gebäudes zerstört.

Gruß
Wolfgang

Auch hallo!
ich bin zwar (noch) keine Expertin, möchte aber zumindest moralische Unterstützung anbieten.
Wir sanieren gerade ein altes Haus (mit Balken aus dem 14.Jahrhundert, allerdings nur wenig Fachwerk) und leider muss ich mitteilen, daß die hiesige Denkmalschutz- und Sanierungsstelle meine Nerven erheblich angreift. Unser Haus ist nicht mal denkmalgeschützt, sondern steht „nur“ unter Ensembleschutz, aber die Damen und Herren meinen, zu gar allem ihren Senf dazugeben zu müssen. Dabei bekommen wir keinerlei finanzielle Unterstützung von dort.
Hierzu auch mein Tip: Informiere Dich eingehend, welche Zuschüsse Du für die Sanierung des Hauses bekommen kannst. Bei der KfW gibt es zinsgünstige Darlehen für Altbausanierung, die evt. auf Landesebene nochmal vergünstigt werden (in Ba-Wü auf jeden Fall). Auch von Stadt- oder Landkreisebene sind evt. Zuschüsse zu bekommen. Beziehe dies in Deine Überlegungen mit ein.
Insgesamt bin ich, auch wenn wir gerade bis zum Hals in Arbeit (und leider teilweise auch im Ärger mit Sanierungsbehörde und Handwerkern), stecken noch immer der Meinung, daß es sich unbedingt lohnt, ein altes Haus zu sanieren. Es ist einfach anders als ein schlüsselfertiges EFH im Neubaugebiet.
Aber mit der Ahnung, daß es ein „Jahrhundertprojekt“ wird, liegst Du vielleicht nicht ganz daneben.
Grüße! Tine *diedasaltegemäuertrotzderschindereiimmermehrmag*

Hallo Ulli
Erstmal eins vorneweg, wirf ja nicht schon jetzt die Flinte ins Korn. Fast jedes alte Fachwerkhaus ist zu Reparieren, unsere Altvorderen haben es schon so gebaut!!!
Das da etwas mehr Arbeit auf euch zukommt ist auch klar,aber es gibt nichts schöneres als in einem Fachwerkhaus zu leben(Habe selber eins aus dem 16 Jahrhundert).Über eines mußt du dir aber klar sein ,mann kann aus so einem Haus kein Alu/Glaspalast machen,da mußt du dir schon ein Fertigteilhüttle von der Stange zulegen.Die Denkmalsleute haben auch nur eins im Sinn,möglichst alles alte zu erhalten aber meiner Ehrfahrung nach lassen sie meißt immer mit sich reden.Ich Repariere jetzt schon seit über 15 Jahren alts Fachwerk und Dachstühle,habe mich oft genug mit der Denkmalsbehörde rumgestritten bin aber immer wieder stolz auf das Fertige „„alte““ Haus. Altes Haus bedeutet nicht immer nur kleine Zimmer und niedrige Deckenhöhe!!Ich kann bei mir vom Eingang bis in die Firstspitze schauen, meine Stube ist fast 30m² groß es ist nur eine Frage der IDEEN.So das langt erst einmal weitere Tipps und Tricks(die gibt es reichlich)dann wenn du willst per mail
Gruss Ralf