im Besten Beispiel für eine sehr lange Staatsentwicklung, nämlich im alten Rom, ging die Entwicklung von Aristokratie zu (parlamentarischen) Demokratie und von dort zur „Diktatur“, wobei es dann stets vom jeweiligen Kaiser abhing, ob es den Menschen gut oder schlecht ging. Von fast tausend Jahren des Bestehens war etwas mehr als das letzte Drittel eine Diktatur.
Meint ihr, das droht uns in Deutschland auch?
Mein ihr „drohen“ ist das richtig Wort?
ich finde diese gute Frage spannend und interessant. Ich halte sie aber auch für derart knifflig, dass ich eigentlich nur „42“ antworten kann.
Schon Platon, Aristotels, Polybios und Machiavelli beschrieben jeweils einen Verfassungskreislauf, in welchem jeder am Gemeinwohl orientierten Herrschaftsform (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) ein entartetes, an Partikularinteressen orientiertes Gegenstück gegenüber gestellt ist (Tyrannis, Oligarchie, Ochlokratie).
Da aber jede der Formen als instabil und kurzlebig anzushen sei, wäre davon auszugehen, dass sich gute und schlechte Verfassungsformen aufeinander folgend abwechseln.
Dieser Logik folgend und unter der Annahme dass wir uns nach meinem Dafürhalten derzeit tatsächlich im Stadium der Ochlokratie befinden -gleichzeitg aber davon ausgehend, dass Rawls hervorragende Theorie nicht umsetzbar ist - müsste tatsächlich anzunehmen sein, dass auf lange Sicht ein umbruch der Verfassungsform zu erwarten sein dürfte.
Wie ein solcher aber aussehen könnte, ist mir ein Rätsel, da gerade die neuen Medien ein völlig neues Verhältnis zwischen „Volk“, „Staat“ und „Regierung“ begründen.
MFG Cleaner
P.S.: Falls es auf einen neuen König hinauslaufen sollte, so möchte ich mich schon einmal als Kandidat für den Job ins Gespräch bringen.
Von fast tausend Jahren des
Bestehens war etwas mehr als das letzte Drittel eine Diktatur.
Meint ihr, das droht uns in Deutschland auch?
Wir haben in Deutschland ja nun gerade zwei fette Diktaturen hinter uns, ich glaube, das langt für die nächsten 50 bis 100 Jahre.
Ich hoffe sogar, es bleibt länger demokratisch.
Gruß,
Branden
im alten Rom, ging die Entwicklung von Aristokratie zu
(parlamentarischen) Demokratie und von dort zur „Diktatur“,
Hallo!
Dort ging die Entwicklung, genau genommen,
zur Monarchie der Königszeit und
dann zur Republik (mit Erb- und Kooptiv-Senat sowie ständischer Volksversammlung als Legislative und mit direkt gewählter Exekutive; ein gewähltes Parlament gab es nicht) und
nach einer mehr oder weniger diktatorischen Übergangszeit (die „Römische Revolution“, so Ronald Syme)
zur Monarchie der Kaiserzeit.
Warum du die Kaiser als Diktatoren bezeichnest, verstehe ich nicht. Nennst du alle Alleinherrscher so?
Meint ihr, das droht uns in Deutschland auch?
Was auf unsere Parlamentarische Demokratie folgen wird, weiß niemand.
Dass etwas anderes kommen wird, ist selbstverständlich. Nichts bleibt, wie es ist.
Aber das macht sich kaum jemand klar, weil man die eigene Epoche immer sieht als den Endpunkt, auf den die Geschichte zugelaufen ist.
Wie man sich den Übergang von einer Staatsverfassung zu einer anderen vorstellen kann, ist als Ergebnis gesellschaftlicher Entwicklungen ganz amüsant geschildert bei
Platon, Staat (Buch 8).
Wie man sich den Übergang von einer Staatsverfassung zu einer
anderen vorstellen kann, ist als Ergebnis gesellschaftlicher
Entwicklungen ganz amüsant geschildert bei
Platon, Staat (Buch 8).
Hallo,
wie schon unten ausgeführt, halte ich Plato diesbzüglich für zu kurz. Polybios finde ich wesentlich prägnanter, wenngleich vielleicht weniger amüsant.
Wir haben in Deutschland ja nun gerade zwei fette Diktaturen
hinter uns, ich glaube, das langt für die nächsten 50 bis 100
Jahre.
Ich hoffe sogar, es bleibt länger demokratisch.
Gruß,
Branden
was spricht denn gegen eine diktatur? es kommt doch darauf an, wie der diktator gestrickt ist. und grundsätzlich einer diktatur demokratische strukturen abzusprechen, geht ja wohl auch nicht.
man kann doch als diktator zb die einführung von volksentscheiden bestimmen, und dafür sorgen, dass die ergebnisse umgesetzt werden.
das ist jetzt etwas gewagt und soll keinesfalls ein gesonderte Diskussion nach sich ziehen.
Da der gute Dikatator immer derjenige ist, der „meine“ Interessen vertritt, es aber gleichzeitig zu viele widerstreitende Einzelinteressen gibt, kann es den guten dikator so eigentlich nicht geben.
Am ehesten käme vielleicht der frühe Lenin der Vorstellung von einem guten Dikators am nächsten, wenn man ihn in Verbindung mit Max Webers und Carl Schmitts Arbeiten betrachtet.
Ansonsten sieht’s da tatsächlich eher mau aus.
Wie man sich den Übergang von einer Staatsverfassung zu einer
anderen vorstellen kann, ist als Ergebnis gesellschaftlicher
Entwicklungen ganz amüsant geschildert bei
Platon, Staat (Buch 8).
wie schon unten ausgeführt, halte ich Plato diesbzüglich für
zu kurz. Polybios finde ich wesentlich prägnanter, wenngleich
vielleicht weniger amüsant.
Bei Platon handelt es sich ja immer um den Generationenwechsel und dadurch bedingte andere Wertvorstellungen. Das ist ebenso amüsant wie schon auch aktuell.
Aber mir scheint, Platon geht es dabei auch um die Einsicht, dass nicht einmal sein Idealstaat ewig dauern würde („Da allem Gewordenen der Verfall innewohnt …“), und um den Tiefpunkt des Verfalls, die Tyrannis, die als Voraussetzung den tyrannischen Menschen braucht (Staat, Buch 9), dessen Entstehung aus der absoluten Demokratie er schildern will. (Die hat er ja während des Peloponnesischen Kriegs selbst erlebt.)
Das Interessante bei Polybius ist die Idee von der Gemischten Verfassung, die er in Rom erkannte; ein Gedanke, den dann Cicero in seiner Respublica weiterverfolgt: Von Dauer ist derjenige Staat, dessen Verfassung aus den drei ungemischten zusammengesetzt ist: mit monarchischen, aristokratischen und demokratischen Elementen.
Ich halte diese Idee immer noch für und aktuell.
Gruß!
H.
das ist eine logische Folge der Demokratie. Sie führt nahezu zwangsläufig zur Handlungsunfähigkeit der staatlichen Organe, weil mit der Zeit immer mehr Interessengruppen entstehen, die am Ende auch in der Volksvertretung vertreten sind. Die Folge ist wachsende Unzufriedenheit, weil sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung in bzw. von der Regierung nicht verteten sieht.
Aus dieser Mischung von Schwäche und innenpolitischem Unruhepotential entsteht Potential für eine feindliche Übernahme der Staatsgeschäfte von außen oder innen - also durch Eroberung oder Diktatur.
Erfunden haben das übrigens nicht die Römer sondern die schon erwähnten Griechen, bei denen das Beharren auf Demokratie und Unabhängigkeit (der einzelnen Städte) auch zu Handlungsunfähigkeit und am Ende zu ihrer politischen Bedeutungslosigkeit führte.