Aluhülsen für Hitlers Zigarren

Hallo,

bei der von den Amerikanern ermunterten Plünderung von Hitlers Berghof am Kriegsende durch Soldaten und Nachbarn will eine Zeitzeugin (die Stangasserin) ein Kistchen mit 100 Zigarren in Aluminiumhülsen erbeutet haben, von denen ihr Vater gemeint haben soll, jede davon sei 28 D-Mark wert.

Sind Aluminiumhülsen für Zigarren 1945 und früher plausibel?

lG

w

Hallo,

also Hitler war bekanntermaßen absoluter Nichtraucher und duldete auch nicht, daß andere in seiner Anwesenheit geraucht haben. Von dem können solche Dinger (wenn es sie überhaupt gab) also auf gar keinen Fall sein.

Gernot Geyer

Ach was,

auf dem Berghof waren oft illustre Gäste zugegen, denen man etwas anbieten mußte, was schon die Höflichkeit gebot. Obersalzberg war doch nicht dem Hitler sein Zweizimmerappartment!

im übrigen soll Hitler zumindest bei den Verhandlungen zum Münchner Abkommen Zigarren gepafft haben. Filmaufnahmen „beweisen“ das.

lG

w

Servus,

Sind Aluminiumhülsen für Zigarren 1945 und früher plausibel?

Ja.

Die Aluminiumtechnik ist ein Nebenprodukt der Luftschiffahrt, ein klein wenig später auch der Fliegerei, in den 1930er Jahren auch bei Schienen- und Straßenfahrzeugen eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt nichts besonderes mehr, auch weil in der Zeit ab 1918 die vorhandenen Werke, die keine Luftschiffe und Flugzeuge mehr bauen durften, nach Anwendungen suchten.

Bloß eben: Hitlers Zigarren warens sicherlich nicht. Vielleicht die vom dicken Hermann?

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

Sind Aluminiumhülsen für Zigarren 1945 und früher plausibel?

Ja.

Der Rest Deiner Antwort ist aber sehr pauschal.
Derartige Hülsen wurden und werden durch Kaltumformung (Fließpressen) hergestellt.
Und die Technik beherrschte man sicher schon vor 1930.

Immerhin konnte man ab 1934 sogar Stahl fließpressen:
http://mitglied.lycos.de/ut901/ref/decet.pdf
„…Zur Geschichte:
„Stahl bei Raumtemperatur durch Druck aus einem offenen Gesenk zu verdrängen und entwurfsgetreu zu formen“, exakt so lautet die Beschreibung einer Idee, die heute aktueller denn je ist. Ihr Erfinder Adolf Liebergeld setzte sie 1934 bei Neumeyer(Nürnberg) in die Tat um.Damit war erstmals die Möglichkeit gegeben, neben weicheren Metallen nun auch Stahl Fließpressen zu können…“

Zu den unterschiedlichen Verfahren hier:
http://www.alu-scout.com/alu-scout.htm?http://www.al…

Gruß
Peter

Hallo,

es bleibt aber immer noch die Frage, wo die Dinger 1945 herkamen.
Aluminium war im Krieg mit Sicherheit ein Rohstoff, der für zivile Zwecke nicht eingesetzt werden durfte - das zeug wurde ja u.a. dringend im Flugzeugbau gebraucht. Und die knappen Devisen wurden bestimmt auch nicht für den Import von Luxuszigarren eingesetzt - abgesehen davon waren die klassischen Länder der Zigarrenindustrie spätestens seid 1941 auch nicht mehr erreichbar.
Falls es sich aber um Schmuggekware bzw. Extraproduktion für irgendwelche ganz großen Nazis handelte - dann wiederum hätten die Dinger keine preisauszeichnung gehabt und keiner hätte nach 45 mehr den Wert angeben können.
Wo also sollten nach 45 noch Zigarren herkommen, die spätestens 1940 in Deutschland gehandelt wurden?

Gernot Geyer

Aluhülsen (und die Stangassingerin)
Hallo,

ich bezweifle nicht, daß man in Deutschland über die technischen Möglichkeiten verfügte, Zigarrenhülsen aus Stahl herzustellen, sondern ich habe meine Zweifel daran, daß schieres Aluminium für sowas eingesetzt wurde, sowie daran, daß man bei den damaligen Zigarrenhülsen volkstümlich von „Aluminium“ gesprochen hat.

Meiner Vermutung nach hat man Zigarrenhülsen damals aus Pappe gefertigt, so wie die Tablettenröhrchen auch, und mit Folie, z.B. Alufolie (das hieß „Silberpapier“ oder „Stanniol“) dekoriert, wobei man den Boden und das Außengewinde für den Schraubdeckel aus normalem Blech fertigte und in die Pappe einarbeitete.

Ich teile Gernots Vermutung, daß man inmitten des Bombenterrors wohl keine Edelzigarren kaufen konnte, und sie als Geschenk eines Staatsgastes wohl kaum ein Preisschild getragen hätten.

Wenn die „28 D-Mark“ eine spätere Schätzung vom Stangassingervater gewesen sind, dann hätte er diese Zigarren durch die Jahre des Hungers und des Schwarzhandels hindurch behalten und erst ab 1949 nach der Währungsreform geraucht, dann aber im Vergleich mit anderen, zeitgenössischen Edelzigarren. Zigarren können zwar so lange gelagert werden, allerdings nicht in der Hülle, sondern ausgepackt in einem guten Humidor.
Vielleicht kennt jemand eine Studie zum Verbreitungsgrad hochwertiger Humidore bei bayrischen Bergbauern im 3. Reich…

Noch zur Stangassingerin:

Die Stangassingerin ist eine nicht ganz unbekannte, sog. Zeitzeugin. Ihre Eltern haben ihren Bergbauernhof aufgeben müssen, weil Hitler das Gelände für seinen Berghof benötigte. Sie hat das immer mal wieder im Fernsehen usw. geschildert und zwar als eine unrechtmäßige gewaltsame Vertreibung.

lG

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