Alzheimer- starke Unruhe

Ich habe mal eine Frage. Bei meiner Schwiegermutter wurde vor einiger Zeit Alzheimer diagnostiziert. Sie hat das Glück, dass sie von der Schwester meines Mannes zuhause gepflegt wird. Das klappt soweit gut, ist aber natürlich sehr anstregend und kräftezehrend. Mein Mann und ich nehmen meine Schwiegermutter manchmal über das Wochenende zu uns. Da merkt man selbst erstmal, was meine Schwägerin da die ganze Woche leistet. Jedenfalls möchte sie jetzt für drei Wochen in den Urlaub fahren und mein Mann möchte seine Mutter gerne für drei Wochen bei uns behalten. Ich denke, dass wird schon ganz gut gehen. Jetzt ist es aber so, dass meine Schwiegermutter seit einiger Zeit unheimlich unruhig geworden ist. Zum Teil auch schnell ängstlich reagiert. Ich weiß, dass Alzheimer einen Menschen bis in sein innerstes Wesen verändern kann, aber das ist wirklich neu. Sie bekommt auch keine neuen Medikamente. Sie nimmt immernoch das Medikament Reminyl und das wirkt meines Erachtens sehr gut. Ich würde aber gerne gegen diese ständige Unruhe etwas tun. Das soll nicht heißen, dass ich sie quasi „abschießen“ möchte, oder ruhigstellen. Um Gottes Willen. Aber vielleicht kennt sich ja jemand von euch mit pflanzlichen Mitteln aus, die ihr ein wenig mehr Ruhe verschaffen können. Ich möchte, dass es ihr auch bei uns einfach gutgeht.

Hallo erstmal,

wie Du ja schon selbst festgestellt hast, ist die Pflege eines Demenzkranken im eigenen Haushalt eine ganz massive Herausforderung (ich spreche aus eigener Erfahrung). Wie Du jetzt erfahren hast, ist dieses Krankheitsbild zudem von langsam oder auch mal plötzlich hinzutretenden Phänimenen begleitet. Daher ist es wichtig einen Arzt an der Seite zu haben, mit dem man die aktuellen Entwicklungen immer kurzfristig besprechen und dann geeignet beantworten kann.

Nervosität ist ein recht häufig auftretendes Problem und wird auch von den Betroffenen selbst oft als belastend empfunden. Insoweit sollte man nicht zu zurückhaltend sein, dieses Thema beim Arzt anzusprechen und auch hier eine anständige medikamentöse Behandlung aufzunehmen. Denn diese dient nicht nur der Erleichterung des Umgangs Dritter mit dem Betroffenen, sondern dient diesem auch selbst. ZuDem kommt es auch ihm zugute, wenn die Angehörigen ruhig und gelassen mit ihm umgehen, und nicht ständig aufgrund der Nervosität und des Aktivitätsdrangs des Betroffenen selbst unter der Decke hängen.

Es gibt durchaus Medikamente die man fein genug dosieren kann, um eine zu starke Dämpfung sicher auszuschließen. Zudem wäre ich immer vorsichtig - auch mit pflanzlichen Präparaten - eigenmächtig in eine sauber eingestellte dauerhafte Medikation einzugreifen. Auch pflanzliche Präparate können unerwünschte Wechselwirkungen haben.

Der behandelnde Arzt wird sicherlich geeignete Möglichkeiten einer Behandlung der jetzt hinzugetretenen Nervosität aufzeigen können.

Gruß vom Wiz

Hallo, ich habe lange Jahre in der Psychiatrie gearbeitet, als Krankenschwester, und habe auch mit Demenzkranken zu tun gehabt. Ein Mittel bei Unruhe war und ist Dipiperon, gibt es als Saft und Tbl. Hat wenig Nebenwirkungen, geht nicht auf den Kreislauf. Ich weiß jedoch nicht, ob es bei Unruhe von Alzheimerkranken angebracht ist. Besprich das unbedingt mit dem behandelnden Arzt, sprich ihn auf das Medikament an, ob es angebraacht wäre. Ich wünsche euch viel Kraft bei der Betreuung Deiner Schwiegermutter,
alles Gute, elhendy

[MOD]: Vollzitat entfernt.
Bitte beachte die Netiquette, Satz 3 Punkt 7:
http://www.wer-weiss-was.de/content/netiquette.shtml
Danke!

Hallo Marianne,

zunächst einmal Repekt, dass ihr Euch alle so aufopfernd um die Schwiegermutter kümmert. Das ist nicht leicht und beansprucht unheimliche Kraftreserven.

Du schriebst, dass ihr sie öfters übers Wochenende zu Euch genommen habt und nun eine Anhäufung von Unruhezuständen, ja sogar diese angstbehafteten Symptome selber erlebt.

Da die Alzheimerkrankheit eine progressive Erkranung ist, verändern sich mit der Zeit leider auch die Symptome wie die von dir beschriebenen Unruhezustände. Die Betroffenen werden mit der Zeit unruhiger und ängstlicher und ansich ist das auch normal so.

Was ihr machen müsst wäre eine erneute Vorstellung beim behandelnden Arzt, damit er von den neuen Veränderung bescheidkriegt und ggfs. die Medikamente neu einstellen kann.
Du sprachst davon, dass ihr die Schwiegermutter nicht „abschießen“ wollt und natürlich ist die Hemmschwelle mehr und mehr Medikamente zu verabreichen natürlich auch sehr hoch. Bedenke aber bitte, dass ihr der Schwiegermutter keinen Gefallen mit tut, wenn sie Nachts durch Haus geistert und mit einer permanenten Angst leben muss, was zur Folge hat, dass sie noch unruhiger wird.

Ansonsten kann man es mit den üblichen Methoden versuchen:

  • Viel Beschäftigung tagsüber
  • Ganz klare Alltagsstrukturen (ganz wichtig: nicht in den drei Wochen ihre ansonsten gewohnte Umgebung renovieren!!!)
  • Sicherheit geben in Form von bekannten Gegenständen / Tätigkeiten
  • Klarer Tag / Nachtabschluss (Gardinen zuziehen, Tag ausläuten, Licht aus, morgendliche Strukturen. Wichtig ist: das muss immer gleich sein! Veränderung der Struktur erzeugt Unsicherheit).

Die Homöopathie biete eine ganze Latte von pflanzlichen Beruhigungskrams, aber da kann ich dir leider keine Empfehlung geben. Einfach mal im Fachgeschäft nachfragen. Soweit ich weiß schwören viele auf Baldrian und irgendwelche Tee’s.
Wie Wiz bereits gesagt hat: Nicht blind einfach in eine bestehende Medikation reingreifen!
Bei sehr starken Unruhezuständen unbedingt den behandelnden Arzt aufsuchen.

Die Rede war auch von Dipiperon. Da bitte keine Experimente mit machen, sondern immer alles erst mit dem Arzt absprechen. Aus dem Grund ist grad im Medizinbrett die Erwähnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten immer etwas heikel.

Alles Gute, levi