Hallo,
ich habe gute Erfahrungen mit diesem Füllstoff gemacht und
würde es auch gerne, zumindest im hinteren Bereich, wieder
einbringen lassen. Wenn denn mein Zahnarzt mitmachen würde. In
der Praxis wird es nicht mehr angeboten…
Ist der Wunsch so ungewöhnlich? Gibt es noch Praxen, die
Amalgan verarbeiten? Ich denke, ich muss mich an das halten,
was mein Zahnarzt anbieten mag oder, wenns mir gar nicht
passt, wechseln?
Servus Monroe,
wenn Du gesetzlich versichert bist, frag’ doch Deinen Zahnarzt, wie er gedenkt seinen Pflichten als Vertragszahnarzt nachzukommen. Hier ein Auszug aus den gültigen und für ihn bindenden Richtlinien:
"Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich sind nach den Nrn. 13 e, f und g nur abrechnungsfähig, wenn sie entsprechend der Adhäsivtechnik erbracht wurden und wenn eine Amalgamfüllung absolut kontraindiziert ist.
und weiter . . .
- Mit der Abrechnung der Nr. 13 ist die Verwendung jedes erprobten und praxisüblichen plastischen Füllmaterials einschließlich der Anwendung der Ätztechnik und der Lichtaushärtung abgegolten. Eine Zuzahlung durch den Versicherten ist nicht zulässig.
und weiter . . .
Amalgamfüllungen sind absolut kontraindiziert, wenn der Nachweis einer Allergie gegenüber Amalgam bzw. dessen Bestandteilen gemäß den Kriterien der Kontakt-allergiegruppe der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie erbracht wurde bzw. wenn bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz neue Füllungen gelegt werden müssen."
Soweit die Vorschriften, denen ein Zahnarzt sich automatisch unterwirft, wenn er Kassenpatienten behandeln will. Daraus geht hervor, dass er die Behandlung mit Amalgamfüllungen anbieten MUSS, wenn er seine Praxis nicht als reine Privatpraxis betreiben will. Einem Privatpatienten könnte er kurioserweise die Amalgamfüllung verweigern.
Die Frage für Dich ist nur, ob Du Dir eine Behandlungsart erzwingen willst, die der Zahnarzt selbst nicht durchführen will. Große Übung in einem feinmotorisch kitzligen Handlungsfeld wird er ja dann wohl nicht haben.
In diesem Dilemma zu raten ist nicht einfach: junge Zahnärzte, die möglicherweise in ihrer Ausbildung nur einen lächerlichen Pflichtteil von Amalgamfüllungen absolviert haben, sind oft ehrlich davon überzeugt, dass Amalgam so etwas wie Körperverletzung ist. Wenn es um wissenschaftliche Evidenz geht, bleibt nichts von dieser Auffassung übrig.
Ältere Zahnärzte haben natürlich Routine mit Amalgam, zeigen auch keine Vergiftungserscheinungen vom Einatmen der Quecksilberdämpfe, wissen aber sehr wohl, dass eine Amalgamfüllung wesentlich schlechter bezahlt wird (und Budgetzwängen ist sie auch noch unterworfen), als eine schöne Composite-Füllung. Da kann die Bereitschaft zu einer ehrlichen Indikationsstellung schon mal verbogen werden.
Welche Entscheidung Du fällen sollst, kann ich Dir nicht raten, hoffe aber, Dir dafür ein paar Fakten mehr an die Hand gegeben zu haben.
Gruß
Kai Müller