Amerika

hallo,

kann mir jemand kurz erklären, was der Begriff „Frontier“ in Bezug auf die amerik. Geschichte bedeutet?
Weiterhin würde mich der Begriff von „Manifest Destiny“ interessieren.

Vielen Dank schonmal
SNEJ

Hallo !

Die amerikanischen Behörden veröffentlichten seit 1790 Landkarten, auf denen das Land je nach Bevölkerungsdichte in sechs Regionen aufgeteilt war.
Von mehr als neunzig bis zu weniger als zwei Einwohner pro Quadratmeile.
Schematisch gesehen verlief die Frontier als Linie zwischen der Region mit weniger als zwei und dem Gebiet mit mindesens zwei Personen pro Quadratmeile.
Die Frontier als Gebiet lag in den Regionen mit mindestens zwei und nicht mehr als sechs Bewohnern pro Quadratmeile. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, von Volkszählung zu Volkszählung hat sich diese Grenzlinie weiter nach Westen verschoben.
Frontier als Prozeß meint im modernen Sprachgebrauch die Entwicklung gesellschaftlicher Eigenarten in neuerschlossenen, spärlich besiedelten Landstrichen.

Quelle: Geschichte der Nordamerikanischen Kultur von Gert Raeithel 2001.

mfgConrad

Hallo !

Amerika: Manifest Destiny

Im Jahre 1850 begrüßte Daniel Webster, der gewalti-
ge Whig-Politiker, die schwedische Reisende Frede-
ricke Bremer in Washington mit dröhnender Stimme:
»Madame, you have toiling millions; we have bound-
less area.« »Yes, very much«, antwortete die Dame…
Very much, in der Tat. Die Zahl der europäischen
Einwanderer nach den Vereinigten Staaten war in den
dreißiger Jahren etwa eine halbe Million; zwischen
1840 und 1850 stieg sie auf anderthalb Millionen,
wovon die Hälfte aus dem hungernden Irland kam; in
den folgenden Jahrzehnten auf zweieinhalb, auf fünf,
ja schließlich auf acht Millionen oder nahezu eine
Million jährlich. Die Möglichkeit der Auswanderung,
das immer offene amerikanische Abenteuer, war ein
stimmunggebendes Element im Lebensgefühl der Eu-
ropäer; die Wirklichkeit der Einwanderung eine vitale
Tatsache der inneramerikanischen Wirtschaft und Po-
litik. Auch der Politik. Denn die Einwanderer, die
sich zunächst in den großen Hafenstädten des Ostens
versammelten, gingen, wenn sie nicht dort blieben,
überall hin, nach dem Mittleren Westen, dann nach
dem neueröffneten Fernen Westen, nach Kalifornien,
schließlich wohl auch nach dem neuen Süden, nach
Texas; nur die Region des Alten Südens, Virginia, dieCarolinas, Georgia, lockte sie nicht. Die europäische
Einwanderung trug so zur Intensivierung eines Pro-
zesses bei, der ohnehin stattfand, Tag für Tag, Jahr
für Jahr, und den keine Erfindung des politischen
Machtkampfes aufhalten konnte: den Prozeß des wirt-
schaftlichen, moralischen, schließlich politischen Nie-
dergangs der Sklavenstaaten im Vergleich mit den
»freien« Gebieten. Geschwellt durch den Strom der
Emigranten wie durch inneren Geburtenzuwachs,
schob das amerikanische Gemeinwesen sich weiter
und weiter vor in unerforschte, unbesiedelte oder
dünn besiedelte Regionen des Kontinents, die armen
»Indianer« erbarmungslos vor sich her treibend. Aber
diese Bewegung war nicht gleichmäßig, nicht symme-
trisch, sowenig wie die Dynamik der Industrie. Sie
bedeutete eine Verlagerung der wirklichen Machtver-
hältnisse, die früher oder später ihre politische Form
finden mußte.
Das fünfte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist in
Europa etwas wie eine geistige Wasserscheide. Es ge-
schah äußerlich nicht viel, aber es bereitete viel sich
vor, was dann seit 1848 zum Durchbruch kam und zu
den revolutionären Veränderungen der fünfziger und
sechziger Jahre führte. Es wurde, in aller Stille, von
der guten alten Zeit der agrarischen Monarchien ein
endgültiger Abschied genommen. Anders in Amerika.
Da waren die fünfziger Jahre eine Stille vor dem Sturm; und die vierziger brachten einen gewaltigen
äußeren Ruck, eine neue Expansion, die fast mit
einem Schlag die Republik auf dem Kontinent zu dem
machte, was sie heute noch ist. Die Gebiete, um die es
ging, hießen Texas, Oregon, New Mexico, Kaliforni-
en. Das Schlagwort, das den ungeheuren amerikani-
schen Drang nach Westen benannte, ihn rechtfertigen
und, obgleich er oft auf unheilige Weise erfüllt wurde,
ihn gewissermaßen heiligen sollte, hieß »Manifest
Destiny«. Es sei die offenbare Sendung der Republik,
den Kontinent zu beherrschen von einem Ozean zum
anderen - wenigstens dies; ein Schicksal, dessen
Vollendung allen Menschen zum Vorteil gereichen
und Gott selber wohlgefällig sein würde. Wie ein jun-
ger Redakteur in Brooklyn, Walter Whitman, es aus-
drückte: »Es ist im Interesse der Menschheit, daß
Macht und Gebiet der Vereinigten Staaten sich aus-
dehnen - je weiter, desto besser.«
Zum Drang nach Westen fügten die verschieden-
sten Elemente sich zusammen: die imperialistische
Politik der Hauptstadt und die einsamen, entbeh-
rungsreichen, gefährlichen Abenteuer der Auswande-
rer; der Wunsch der Sklavenstaaten, ihr Gebiet auszu-
dehnen, und der Wunsch der freien Staaten, jeden Ge-
winn des Südens durch einen eigenen zu balancieren;
der Menschheitstraum philosophischer Poeten und die
rasende Gier nach dem neu entdeckten Golde Kaliforniens; ein Gefühl der Unsicherheit, das nach
Sicherung, nach Komplettierung eines geographisch
offenbar noch unfertigen Reiches verlangte und auch
die Sehnsucht nach Unsicherheit, nach Abenteuer,
Freiheit, Weite und fernem Glück. Es war die gleiche
Verbindung der Reinen und Unreinen, der Heiligen
und der Sünder, die zweihundert Jahre früher die ur-
sprüngliche englische Landnahme in Nordamerika
charakterisiert hatte.
Von den Heiligen waren die wunderlichsten die
Mormonen oder Anhänger der Kirche »of Jesus Christ
of the Latter-Day Saints«. Sie stehen als ein Beispiel
nicht bloß für die alte Wahrheit, daß der Glaube
Berge versetzen und die Wüste urbar machen kann,
sondern auch dafür, daß es auf den Gehalt des Ge-
glaubten wenig ankommt, solange brave, tüchtige
Menschen sich ihm ergeben. Die von Joseph Smith
um 1830 zuerst im Staate New York gegründete
Sekte sammelte sich um zweifelhafte Offenbarungen;
es ist nur zu wahrscheinlich, daß der Prophet seine
Jünger anschwindelte und daß er sie bewußt an-
schwindelte. Welchen Unterschied machte es? Smith
besaß das Zeug, das es brauchte, um eine Gemeinde
zusammenzuhalten trotz der brutalen Feindschaft der
Ungläubigen, die ihn und die Seinen von New York
nach Ohio, von Ohio nach Illinois trieb; nach seiner
Ermordung fanden die Mormonen in Brigham Young einen ebenso wetterfesten, noch praktischeren Anfüh-
rer. Im Jahre 1846 brachen sie, zwölftausend an der
Zahl, zu ihrem großen Zug nach Westen auf; und die
Geschichte ihrer Niederlassung am Großen Salzsee,
in der bergumrahmten Wüstenei von Utah, ist eines
der heroischsten Abenteuer des 19. Jahrhunderts. Man
sagt wohl, das sei ein nüchternes Jahrhundert gewe-
sen. Aber wieviel Phantasie, wieviel uralte utopische
Sehnsucht ging nicht in den Bau dieses Gemeinwe-
sens ein, das Theokratie und Demokratie, Vielweibe-
rei und gelebte Frömmigkeit, Kapitalismus und Plan-
wirtschaft verband und das es nach Jahren der Not zu
blühendem Wohlstand brachte. Nicht das am wenig-
sten Merkwürdige am Erfolg der Mormonengemeinde
ist ihr enger Kontakt mit der Alten Welt. An die vier-
tausend Anhänger erhielt sie aus England vor 1846,
und zahlreiche englische Kirchen trugen zur Finanzie-
rung des Unternehmens bei.
Weiträumiger, historisch folgenschwerer waren die
Ereignisse, durch die zwischen 1845 und 1848 der
Herrschaftsbereich der Vereinigten Staaten sich noch
einmal um rund ein Drittel vermehrte und Manifest
Destiny schlecht und recht erfüllt wurde.
Texas, ein Gebiet ungefähr so groß wie der Ge-
samtbesitz der Habsburger Monarchie, hatte 1835
seine Unabhängigkeit von Mexiko proklamiert. Ge-
nauer gesagt, die von der fernen mexikanischen Regierung leichtsinnig nach Texas hereingelassenen
amerikanischen Einwanderer hatten es getan; wobei
neben den natürlichen Gegensätzen zwischen Angel-
sachsen und Spaniern auch die Tatsache eine Rolle
spielte, daß die Negersklaverei in Mexiko abge-
schafft, unter den amerikanischen Texanern aber im
Schwange war. Nach einigen Zusammenstößen hatte
die amorphe, von einer Unordnung in die andere
schwankende hispanische Republik sich dem neuen
Zustand, den sie nicht ändern konnte, de facto, wenn
auch nicht de jure, anbequemt. Die Texaner, unter
ihrem Präsidenten Sam Houston, gaben sich eine Ver-
fassung im amerikanischen Stil und baten um Zulas-
sung in die Union. Das lag in der Logik der Dinge,
denn Amerikaner waren sie, aber das Gebiet, in dem
sie wohnten, war bloßes Abfallprodukt des alten spa-
nischen Großreiches, war noch kein Staat und konnte
ohne amerikanische Hilfe keiner werden.
Fast zehn Jahre lang blieben die Dinge in der
Schwebe. Die europäischen Westmächte spielten mit
der Idee, die texanische Selbständigkeit festigen zu
helfen im Interesse eines »amerikanischen Gleichge-
wichts« und zeigten sich nicht abgeneigt, zwischen
dem mexikanischen Mutterland und der rebellischen
Tochter zu vermitteln, unter der Bedingung zwar, daß
Texas die Sklaverei unterdrückte. Eben diese Mög-
lichkeit, ein großer sklavenfreier Staat im Südwesten, war ein Alptraum für die amerikanischen Südpoliti-
ker; während ihnen umgekehrt die Annexion von
Texas, als Sklavenstaat, ein geeignetes Mittel er-
schien, um das Gleichgewicht zwischen den Sektio-
nen auf lange Zeit zu sichern. Aus dem gleichen
Grunde machte im Norden unter den Gegnern der
Sklaverei eine tätige Opposition gegen den Anschluß
von Texas sich geltend, die auch im Rückblick, als
alles längst entschieden war, nicht verstummte: südli-
che Begier, das Dominium der Sklaverei zu erweitern
und die nördliche Schutzzollpolitik zu durchkreuzen,
habe zur Annexion des »fremden Volkes von Texas«
geführt… 1844 begann die Expansionslust zu über-
wiegen, und zwar, wie das noch mehrfach geschehen
sollte, im Zeichen eines Wahlkampfes. Die Demokra-
ten machten die Annexion von Texas zu einem Wahl-
schlager, in dem sie das Problem der Sklaverei weis-
lich unter den Tisch fallen ließen, statt dessen von
Manifest Destiny sprachen und, da schon Expansion
an der Tagesordnung war, auch noch den Namen
eines Gebietes mit in die Wortschlacht warfen, in dem
nun von Sklaverei nicht die Rede sein konnte: Ore-
gon. Diese weite, vage begrenzte Nordwestzone, zwi-
schen dem russischen Alaska und dem spanischen
Kalifornien über das, was heute Britisch-Kolumbien,
Oregon, Washington, Montana, Idaho heißt, sich aus-
breitend, galt seit 1818 als englisch-amerikanisches Kondominium; ein Rechtszustand, den man, im Zei-
chen des amerikanischen Dranges nach Westen, keine
lange Dauer mehr versprechen konnte. Seit den
dreißiger, in zunehmender Stärke seit Beginn der vier-
ziger Jahre wagten Auswanderer nach dem Westen
den gefährlichen, den besseren Teil eines Jahres dau-
ernden Zug von Missouri nach der Hudsonbay, den
»Oregon Trail«; Berichte über die Herrlichkeiten des
Landes, seine Gebirge und Wälder, Wasser und Wei-
den und fette Erde schmeichelten dem unersättlichen
Expansionismus des jungen Riesen, der amerikani-
schen Nation. Die Idee wurde populär, daß das ganze
Oregon, alten Abmachungen zum Trotz, amerikani-
sches Territorium werden müsse; und wann hätten die
Parteien sich populäre Ideen zu Wahlkampfzwecken
entgehen lassen? Texas und Oregon, dieser Zuwachs
wurde den Wählern 1844 von den Demokraten ver-
sprochen. Das ganze Oregon; sonst Krieg mit Eng-
land. (»Fifty four, forty or fight.«) - Im Frühjahr 1845
bot der amerikanische Kongreß durch einen soge-
nannten »Beschluß der beiden Häuser« den Texanern
den Eintritt in die Union an.
James K. Polk, der Demokratenpräsident, der eben
damals sein Amt antrat, stand über dem Gegensatz
zwischen Sklaven- und freien Staaten.
Was der wenig liebenswürdige, humorlose, miß-
trauische, selbstgerechte und engstirnige, der schlaue, harte, fromme, unbeirrbare Patriot sich in aller Stille
ausgerechnet hatte, war, daß nicht bloß Texas, son-
dern noch ganz andere Gebiete auf den Zugriff der
Union warteten: Kalifornien und was zwischen Kali-
fornien und Texas, zwischen den Sierras und den
Rocky Mountains lag und vage unter den kaliforni-
schen Namen fiel. Es war seine eigenste Idee, wie er
zu Beginn seiner Amtstätigkeit einem seiner Vertrau-
ten trocken mitteilte. Polk gehörte zu den Politikern,
die wenig Aufhebens von sich selber, ihren Taten und
ihren Zielen machen, die aber genau das erreichen,
was sie sich vorgenommen. In diesem Fall war es eine
ganze Menge.
Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und
Mexiko (1846-1848) war eine Folge der Polkschen
Politik, und man könnte wohl nicht gerade sagen, eine
unerwünschte. Er war ein Mittel dieser Politik, vorbe-
reitet für den Fall, daß sich der geplante Kauf des Ge-
bietes, den er vorgezogen hätte, zerschlug. Die unge-
schickten Verhandlungen mit den Leitern des schwa-
chen, chaotischen, aber von hispanischem Stolz be-
seelten Mexiko, das nie auch nur die Selbständigkeit
von Texas anerkannt hatte, schlugen fehl. Da bot sich
als Kriegsanlaß ein Grenzstreit, die Frage, ob der
Nueces Fluß oder der Rio Grande die Grenze von
Texas sei. In dem umstrittenen Gebiet stießen Trup-
pen zusammen; die Mexikaner, erklärte nun der Präsident, »vergossen amerikanisches Blut auf ameri-
kanischem Boden«; »durch die Tat Mexikos« war der
Kriegszustand zwischen beiden Gemeinwesen er-
klärt. - Wir wissen, daß Polk auch ohne den willkom-
menen, übrigens leicht vermeidbaren Zwischenfall
den Krieg gegen Mexiko forciert hätte, nachdem die
Kaufverhandlungen zu nichts gediehen waren. Der
Krieg von 1846 war ein Raubkrieg, wenn es je einen
gab.
Ein guter Teil der Nation empfand ihn so; sei es
aus echter moralischer Überzeugung - zum Beispiel
war dies bei einem jungen Whig-Repräsentanten aus
Illinois, Abraham Lincoln, der Fall -, sei es auch nur,
weil es eben ein Krieg der regierenden Partei, der De-
mokraten, und vornehmlich ein Krieg von Sektionen,
des Südens und südlichen Mittelwestens war. Dies
Mitdabeisein und doch nicht Mitdabeisein einer
Volkshälfte, dies heimlich oder laut die Güte der eige-
nen Sache Bezweifeln hatte schon einen Krieg der
Union, den von 1812 bezeichnet; und tat es jetzt nicht
zum letztenmal… Im übrigen ging der Krieg, wie
Kriege in der guten alten Zeit gingen; Offiziere - Lee,
Grant, Jefferson Davis - machten von sich reden, die
später noch mehr von sich reden machen sollten;
beide Seiten fochten brav, aber die Amerikaner waren
die Stärkeren; und im September 1847 zogen sie in
der Hauptstadt Mexiko ein. Damals fragte mancher,
[Propyläen-Weltgeschichte: Golo Mann: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. Propyläen-Weltgeschichte, S. 12703 (vgl. PWG Bd. 8, S. 456 ff.) © Ullstein Verlag]

ob es nicht das beste wäre, die gesamte mexikanische
Republik unter die Regeln des »offenbaren Schick-
sals« zu zwingen, aber Polk nahm, was er sich vorge-
setzt hatte, nicht mehr und nicht weniger. Im Vertrag
von Guadalupe Hidalgo (Februar 1848) trat Mexiko
Kalifornien, New Mexiko und Texas, mit dem Rio
Grande als Grenze, an die Vereinigten Staaten ab.
Die Oregon-Frage war schon im Frühsommer 1846
durch einen jener vernünftigen Grenz- und Teilungs-
verträge, wie sie seit 1815 das amerikanisch-engli-
sche Verhältnis mehr und mehr bestimmten, bereinigt
worden. Polk, wesentlich, um desto freiere Hand
gegen Mexiko zu haben, verzichtete auf »Fiftyfour-
fourty«, trotz des propagandistischen Wohlklangs der
Forderung; Peel und sein Außenminister, Aberdeen,
verzichteten auf den Columbia-Fluß. Grundsätzlich
wurde die weiter östlich geltende Grenze des 49.
Breitengrades bis zum Ozean weiter geführt, so je-
doch, daß die Insel Vancouver zu Kanada gehören
sollte.
Wir sprachen von der Opposition, die während des
Krieges im Lande selber nie verstummte. Eine Zei-
tung im Staate Maine meinte geradezu: »Keiner der
Angreifer Europas und Asiens hat je Argumente ge-
boten, so falsch und heuchlerisch wie jene, mit denen
wir unseren Angriff gegen Mexiko zu rechtfertigen
versuchen.« Die gesetzgebenden Versammlungen vonVermont, Rhode Island, Massachusetts und Maryland
verurteilten den Krieg in scharfen Formulierungen;
Senator Webster nannte ihn »hassenswert«; noch kurz
vor dem Ende beschloß das Repräsentantenhaus In
Washington mit knapper Mehrheit, daß er »unnöti-
ger- und verfassungswidrigerweise vom Präsidenten
der Vereinigten Staaten begonnen worden« sei. Ande-
rerseits waren die Resultate derart erfreulich, daß nur
der strengste Moralist auf die Dauer gegen sie sein
konnte. Der Historiker Bernard Devoto, der dem Ex-
pansionismus der vierziger Jahre ein überaus lebendi-
ges Buch gewidmet hat, gibt uns das folgende Zitat
aus einem Leitartikel der Zeitschrift »The Harbinger«:
»Kein Zweifel kann bestehen über das Ziel der Führer
und Anstifter dieses infamen Unternehmens, das ‚Ge-
biet der Freiheit‘ bis zu den Küsten Kaliforniens aus-
zudehnen durch ungeheure Beraubung Mexikos; das
Volk ist bereit, den Plan buchstäblich auszuführen. In
vielen und den meisten Beziehungen, in denen dieser
räuberische Angriff betrachtet werden kann, ist er un-
recht bis zum Monströsen, aber immerhin scheint er
der Verwirklichung eines umfassenderen Planes der
Vorsehung zu dienen, welcher darauf abzielt, die
Macht und Einsicht der zivilisierten Nationen über
die ganze Erde zu verbreiten, auch in solche Gebiete,
welche zur Bewegungslosigkeit verurteilt schienen,
und so dem Fortschritt der Wissenschaft und Künste Bahn zu brechen; und Waffen scheinen das einzige
Mittel zu sein, durch welches dies große Streben nach
Einheit unter den Nationen erfüllt werden kann…«
Wunderlich ist freilich die Ambivalenz der hier zum
Ausdruck kommenden Gefühle; noch wunderlicher,
daß wir ein gutes Jahrhundert später im Grunde kaum
anders urteilen können. Was die Vorsehung wollte,
wissen wir allerdings nicht mehr so genau, wie die
Patrioten von Manifest Destiny es wußten; aber das
erkennen wir immerhin, daß die Resultate des Krieges
gegen Mexiko natürlich, auf die Dauer so oder so un-
vermeidlich waren. Die im Jahre 1848 annektierten
Gebiete gehörten Mexiko, weil das spanische Imperi-
um Jahrhunderte früher ein Besitzrecht über sie pro-
klamiert hatte, das damals niemand ihm streitig ma-
chen konnte, aber sie waren nicht Mexiko. Die spani-
schen Siedler in Texas und in Kalifornien zählten
nach wenigen tausend; noch weniger zwischen den Si-
erras und den Rocky Mountains. Riesige Außenpo-
sten, schwache Bollwerke einer Tausende von Meilen
entfernten Festung, die ihrerseits bis vor kurzem der
Außenposten einer ganz anderen Festung gewesen
war, konnten sie dem unvergleichlich energischeren,
dichteren, gewinnsüchtigeren Leben des angelsächsi-
schen Amerika nicht standhalten. Und da Mexiko zu
stolz war, um zu verkaufen, was es nicht verteidigen
konnte, so ergab sich hier einer der Fälle, in denen, wie es hieß, der Gott der Waffen zu entscheiden hatte;
wobei keinen Augenblick im Zweifel stand, wie er
entscheiden würde. Gegen schwaches, wie eingeschla-
fenes historisches Recht stand die Natur der neuen
Dinge. Am Ende ist es nicht Aufgabe des Rechts, die
Kräfte der Natur zu unterdrücken, sondern ihnen eine
Form zu geben. Dies tat der Vertrag von Guadalupe
Hidalgo, auf wie häßliche Art man auch zu ihm ge-
langt war. Die enormen Veränderungen, welche nun,
nach Jahrhunderten geschichtslosgemütlichen Schla-
fes, in den neu erworbenen Gebieten begannen, soll-
ten zeigen, welchen Kräften er Form oder freie Bahn
gab.
In Kalifornien zuerst. Dort, wo, ungefähr wie in
Texas, einige tausend amerikanische Siedler einigen
tausend spanischen die Waage hielten, waren die
Dinge im Jahre 1846 genau nach Polks Plan verlau-
fen. Unterstützt von einer im rechten Augenblick nach
Zentralkalifornien entsandten, eher militärischen als
gelehrten »Forschungsexpedition«, bemächtigten die
amerikanischen Siedler sich des Landes und gründe-
ten sich eine Republik völkerrechtlich oder staats-
rechtlich unbestimmten Charakters; ein paar Tage
später proklamierte ein amerikanischer Offizier in
Monterey die Annexion Kaliforniens durch die Verei-
nigten Staaten, welche der Friedensvertrag bestätigte.
Januar 1848 wurde im Tal des Sacramento Gold gefunden. Die Nachricht, mit den üblichen Übertrei-
bungen, verbreitete sich schnell. Und nun begann eine
jener von Gier und Hoffnung beflügelten Migrationen
zu Pferd und Wagen durch Wüsten und über Gebirge,
zu Schiff um das Kap Hoorn, aus dem amerikani-
schen Osten und Mittelwesten, aus Europa, der pazifi-
schen Küste dem Golde zu. Man schätzt die Einwan-
derer, die Nutznießer und Opfer des »Gold-rush« auf
achtzigtausend; Matrosen, die von ihren Schiffen de-
sertierten, Farmer, die ihre Gehöfte im Stich ließen,
Stadtvolk und Landvolk. Die schön gelegene Hafen-
siedlung, San Franzisko, wurde über Nacht vom Dorf
zur großen Stadt. Eine Männer-Republik entstand, ge-
setzlos oder doch mit eigens gemachten, chaotisch
verwalteten Gesetzen existierend, voll wilden Lebens:
phantastische Preise für die Bedürfnisse des Tages,
Kampf um die verheißungsvollsten Plätze, Spielhöl-
len, Morde. Schwach war die Autorität, welche der
amerikanische Militärgouverneur über dies dämoni-
sche Gewimmel auszuüben vermochte, dringend die
Notwendigkeit der Normalisierung durch geeignete
politische Ordnung. Aber eben die Frage, wie Kalifor-
nien zu ordnen, unter welcher Verfassung es in die
Zahl der Vereinigten Staaten aufzunehmen sei, stürzte
die Union in die schwerste Krise seit ihrer Gründung.
Sie war nicht neu, ihrem Gegenstande nach, son-
dern wenigstens so alt wie der Krieg gegen die Mexikaner, dessen Geist und Zielen der Norden von
Anfang an mißtraut hatte. Ja selbst der vornehmste,
weitsichtigste Sprecher des Südens, John Calhoun,
hatte zwar die Annexion von Texas befürwortet, aber
den Krieg nicht gewünscht, wohl wissend, daß neue
kriegerische Eroberungen im Südwesten zu einem
schweren inneren Konflikt führen müßten. So geschah
es. Schon im Sommer 1846 beantragte ein Demokrat
aus Pennsylvanien, David Wilmot, ein Gesetz, wo-
nach »Sklaverei und jede Art von unfreiwilliger
Knechtschaft« in den von Mexiko zu gewinnenden
Territorien verboten sein sollte. Dies »Wilmot
Proviso« fand keine Mehrheit im Kongreß, weder da-
mals noch später; aber die große Minderheit, die hin-
ter ihm stand, die Leidenschaft, mit der es debattiert
wurde, ließen erkennen, daß die alte schlimme
Sklavereifrage wieder in den Mittelpunkt der amerika-
nischen Politik rücken würde. Beide Seiten verleugne-
ten den Grundsatz des »Missouri-Kompromisses«
unter dem die Union ein Vierteljahrhundert lang exi-
stiert hatte. Die Anhänger des »Provisos« wollten die
Sklaverei in allen neuen Territorien verboten wissen,
gleichgültig ob sie nördlich oder südlich des Breiten-
grades 36’30 lagen; ihnen gegenüber bestanden die
Vertreter des Südens auf dem Recht des amerikani-
schen Bürgers, im freien Gebrauch seines Privateigen-
tums in allen neuen - und warum dann nicht auch denalten - Territorien Toleranz und Schutz des Staates zu
genießen. Die Tendenz beider Seiten ging dahin, den
Grundsatz, für den sie standen, vom sektional be-
grenzten zum nationalen, überall gültigen zu erheben.
Die Gefahr einer solchen Entwicklung lag am Tage.
Wilmot selber gehörte einer Gruppe von radikalen
Demokraten an, die mit den südlichen Führern der
alten Partei nichts mehr als den Namen gemein hatten
und demnächst, 1848, sich von ihnen trennen sollten.
Sie führten unter veränderten Zeitumständen die Jack-
sonsche Tradition weiter; keine Klassenkampftradi-
tion - das war sie nie gewesen -, wohl aber eine, wel-
che die Nation mit der Zahl der meisten, der kleinen
Leute, der Farmer und Arbeiter identifizierte. »Die
Frage«, schrieb Redakteur Whitman in Brooklyn, »…
ist eine Frage zwischen dem großen Ganzen der wei-
ßen Arbeitsmänner, der Millionen von Handwerkern,
Farmern und Arbeitern unseres Landes mit ihren In-
teressen auf der einen Seite - und den Interessen eini-
ger weniger tausend reicher, ‚wohlerzogener‘ und ari-
stokratischer Sklavenbesitzer des Südens auf der an-
deren.« Die europäische Krise von 1848 verfehlte
nicht, dem Streit neuen Auftrieb zu geben. Die Euro-
päer, hieß es, brächen nun ihre letzten Fesseln und
gingen daran, wahre Volksherrschaften zu begründen.
Und Amerika, von welchem alles dies ausgegangen,
sollte nicht mithalten, sollte statt dessen der Sklavereineue Reiche erobern? Daß Demokratie und Sklaverei
in schreiendem, um hohen Preis zu lösendem Wider-
spruch zueinander stünden, diese Willensmeinung
brach nun unter den Demokraten Jacksonscher Farbe
sich Bahn; und auch, aber mit anderen Vorzeichen,
unter den Führern des Südens, die sich noch immer
den Parteinamen von »Demokraten« gaben, aber sich
tief entmutigt fühlten durch den Sturz des Königs
Louis Philippe.
Das innere Paradox der Demokratischen Partei
wurde während des Wahlkampfes von 1848 insofern
behoben, als die New Yorker Radikalen sich von dem
Gros der Partei trennten, um unter der Führung des
alten Expräsidenten Van Buren eine dritte Partei der
»Freien Erde« zu organisieren. Wie es mit dritten Par-
teien in Amerika noch öfter gehen sollte: die »Free-
soilers« gewannen nirgends, nahmen aber den Demo-
kraten genügend Stimmen fort, um den Whigs zum
Sieg zu verhelfen. Der Whig-General, der Kriegsheld
von 1847, Taylor, hielt Einzug in das Weiße Haus.
Indem Anhänger und Gegner der Sklaverei in der
Hauptstadt einander blockierten, geschah nichts zur
Organisation der neu erworbenen Gebiete, kaum
etwas war geregelt, als der kalifornische »Gold-
rausch« begann. Amerikas und Europas Goldsucher
drangen in ein Land ein, von dem man wußte, daß es
den Vereinigten Staaten gehörte, das aber keinerlei politische Existenz hatte. Ja, die politische Existenz
der Vereinigten Staaten selber schien auf dem Spiel
zu stehen. Man begann im Süden offen davon zu
reden, daß Trennung von der Union besser sei als An-
nahme der neuen, im Wilmot-Proviso festgelegten
Lehre.
Die neuen Kalifornier halfen sich zunächst damit,
daß sie ihr Gebiet im Herbst 1849 als Staat konstitu-
ierten, ohne daß es zuvor den Charakter eines »Terri-
toriums« gehabt hätte - und daß sie die Sklaverei ver-
boten. Dies Vorgehen hatte die Sanktion des General-
Präsidenten, nicht aber des Kongresses. Daß es bei
den einzelnen Staaten, nicht bei der Union liege, für
oder gegen die Sklaverei zu entscheiden, war an sich
ein Bestandteil südlicher Staatsphilosophie und war
auch noch während des letzten Wahlkampfes von dem
Kandidaten der Demokratischen Partei verfochten
worden. Wir wählen aber und verwerfen unsere Prin-
zipien unter dem Drang des Augenblicks, der Interes-
sen und Leidenschaften. In den Augen der südlichen
Politiker war es das gute Recht der Kalifornier, sich
für die Sklaverei zu entscheiden; nicht dagegen. John
Calhoun ließ wissen: die Aufnahme Kaliforniens als
eines »freien« Staates in die Union werde die Sezessi-
on des Südens zur Folge haben.
Es war der alte Henry Clay, der geistige Vater des
»amerikanischen Systems«, der unter diesen bedrohlichen Umständen noch einmal einen Kompro-
miß zutage förderte. Was er dem Süden bot, war im
Grunde nur dies: ein Gesetz, welches die Flucht von
Negersklaven in freie Staaten erschweren oder ihre
Rückschaffung erleichtern sollte, und dessen strenge
Handhabe. Dafür sollte Kalifornien als freier Staat
aufgenommen, der Rest der neu erworbenen Gebiete
als zwei Territorien - New Mexico und Utah - orga-
nisiert werden und hier die Frage der Sklaverei bis
zum Moment ihrer Konstituierung als Staaten offen-
bleiben. Die Debatten, die während der Spätwinter-
monate des Jahres 1850 im Senat zu Washington
über dies En-bloc-Programm stattfanden, entbehrten
nicht des tragischen Ernstes. Die Wortführer der
zweiten Generation, Calhoun, Clay, Webster, waren
damals alt. Calhoun starb wenige Tage nach seinem
letzten feierlichen Auftreten im März, dem Auftreten
eines Sterbenden; Webster und Clay zwei Jahre spä-
ter. Keiner von ihnen erlebte das Ende, die furchtbare
Lösung des Konflikts. Aber sie alle kannten die
Wahrscheinlichkeit des Endes. Calhoun war längst zu
der Überzeugung gekommen, daß Demokratie im
Sinne einer schieren Mehrheitsregierung zur Entrech-
tung der Minderheiten - seiner Minderheit - und zur
Zerstörung der Union führen würde. Was er in seiner
letzten Rede - der Sterbende mußte sie von einem an-
deren ablesen lassen - vorschlug, war eine
[Propyläen-Weltgeschichte: Golo Mann: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. Propyläen-Weltgeschichte, S. 12713 (vgl. PWG Bd. 8, S. 459 ff.) © Ullstein Verlag]

tiefgehende Verfassungsänderung: nicht die Mehrheit
sollte regieren, sondern Mehrheit und Minderheit,
Norden und Süden zusammen, alle großen Interessen
und Sektionen in der Exekutive vertreten sein, alle ein
Vetorecht besitzen. Es wäre auf zwei Exekutiven,
zwei Präsidenten hinausgelaufen, wie in der römi-
schen Republik. »Wenn Sie vom Norden das nicht
wollen, dann lassen Sie unsere südlichen Staaten im
Frieden sich trennen und ihrer Wege gehen.« Und
Webster, drei Tage später, mit seiner Orgelstimme:
»Ich spreche heute für die Erhaltung der Union. Hört
meine Sache an.« Hinter den Alten stand eine jüngere
Generation, die die Generation des Bürgerkrieges
werden sollte, schärfer, schriller, härter; ohne die be-
gütigende Liberalität jener, die ihre Bildung in den
ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts erworben hatten.
Jefferson Davis wetterte gegen den Clayschen Kom-
promiß, weil er dem Süden viel zuwenig bot; William
Henry Seward aus dem umgekehrten Grunde.
Für diesmal trug, nach langwierigen Verhandlun-
gen, die kompromißbereite Mitte den Sieg davon.
Clays Vorschläge wurden angenommen, nicht en
bloc, aber stückweise. Und so war die Union geret-
tet - für zwölf Jahre, wie Calhoun meinte.
Der südliche Staatsmann war eine der merkwürdig-
sten Erscheinungen seiner Zeit; eine Verbindung von
Politiker und Denker, wie sie in Amerika seit dem Verschwinden der ersten Generation nicht eben häufig
vorkam. Ein Historiker unserer Tage (Richard Hof-
stadter) hat ihn den »Marx der herrschenden Klasse«
genannt, und daran ist etwas; denn Calhoun war be-
hext von der Idee des Klassenkampfes, den er, der rei-
che Pflanzer, freilich nicht auf seiten der Unterdrück-
ten durchzuhalten entschlossen war. Die Negersklave-
rei, meinte er, sei nur eine Art von Ausbeutung der
vielen durch die wenigen, auf der jede höhere Zivili-
sation beruhe. Sei die Pflanzer-Aristokratie ruiniert,
so werde im Norden der Krieg zwischen Unterneh-
mern und Arbeitern erst recht losgehen, »wie in Euro-
pa«; je dynamischer der Kapitalismus, desto schneller
und tiefer die Verelendung des Proletariats und so
fort - Prophezeiungen, die, unter anderem, beweisen,
wie wenig originell das zwanzig Jahre später gedruck-
te berühmte Elaborat von Marx und Engels im Grun-
de war. Gescheite, momentan richtige, im Grunde und
auf die Dauer übrigens falsche Prophezeiungen. Tief
durchdacht hatte Calhoun das Problem der Demokra-
tie und der Minderheiten, nämlich der aristokrati-
schen, besitzenden Minderheiten, welche allein ihn
interessierten - innerhalb einer Demokratie. Aber die
Mittel zur Rettung seiner Minderheit, vielmehr zur
Aufrechterhaltung ihrer Macht, die er ausheckte,
konnten nicht taugen: weder der in der Verfassung
verankerte Herrschafts-Dualismus, den er zum Schlußforderte, noch selbst die Sezession, die er andernfalls
für unvermeidlich hielt. Es waren Mittel, welche die
wirtschaftliche, moralische, geistige Lage des alten
Südens eingab: statische Mittel, um einen dynami-
schen Prozeß zu behindern; hoffnungsarme Waffen
der Verteidigung trotz scheinbarer Aggressivität,
scheinbaren Übermutes.
[Propyläen-Weltgeschichte: Golo Mann: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. Propyläen-Weltgeschichte, S. 12723 (vgl. PWG Bd. 8, S. 463 ff.) © Ullstein Verlag]

mfgConrad

Mit „frontier“ oder „final frontier“ wird in der Geschichte die Westgrenze der USA bezeichnet, die sich über die Jahrhunderte nach der Gründung und Unabhängigkeit der USA immer weiter nach Westen verschob zuletzt bis nach China und weit in den pazifischen Raum. Weiter ist hiermit auch die Einflusszone der US-amerikanischen Wirtschaft und die globale Richtung des Expansionsstrebens des calvinistisch orientierten Staates zu sehen.

Gruß Andreas

hallo,
mein Geschichtslehrer nannte die „manifest destiny“ mal „die Volk-ohne-Raum-Theorie der Amerikaner“, was zwar etwas radikal gedacht, aber nicht mal so abwegig ist…

Tom

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hallo,

kann mir jemand kurz erklären, was der Begriff „Frontier“ in
Bezug auf die amerik. Geschichte bedeutet?

„Frontier“ lässt sich am besten mit „Siedlungsgrenze“ übersetzen. Dabei handelt es sich um eine von Osten nach Westen wandernde Linie, bis zu der weiße Siedlungen vorgedrungen sind. Hinter dieser (fiktiven) Linie lag unbekanntes, feindliches, unerschlossenes Indianerland.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verschob sich diese Linie - mit dem Eisenbahnbau und der ständigen Einwanderung - immer weiter nach Westen.
Hoffe, das hilft weiter!
Liebe Grüße,
Matthias