Ami`s und Diesel

Hallo!

Ich habe in der Zeitung gelesen:
„Den Bemühungen von VW, Dieselantriebe in den USA populär zu machen,
begleiten Experten, US- Verbraucher und Politik ehr mit Skepsis“

Es geht hierbei um PKW und Geländewagen.

Was für Probleme haben die denn mit Dieselautos ?
Und was hat die Politik damit zu tun ?
(Dort haben die Politiker wohl Nebenjob`s bei der Ölindustrie?)

Grüße, Steffen!

Hallo Steffen,

das hat etwas mit der räumlichen Ausdehnung und der Geschichte der USA zu tun…
Im Gegensatz zu Europa,wo schnelle Fahrzeuge „en Vogue“ sind und waren…sind in den USA schon immer „gemächliche“ Pkw bevorzugt worden…
Außerdem müssen die Pkw in den USA auch weit aus länger „halten“ als bei uns,so das dort bis zur Ölkrise 1973 „Großvolumige (8 Zylinder) Maschinen“ mit viel PS aber dafür einer eher gemächlichen Höchstgeschwindigkeit üblich waren.

Denn außer in den Ballungszentren an Ost-und Westküste und großen Städten gibt es in den USA keinen öffentlichen Nahverkehr,so wie wir in hier speziell in D kennen…
Daher kann in den USA auch schon in vielen Bundesländern mit 15 Jahren der Pkw-Führerschein gemacht werden (der gilt dann aber nur im Country) damit die Jungs und Mädels überhaupt zur Schule kommen können…

Aus diesen historischen Gegebenheiten hat der Otto-Motor dort nun einmal im Pkw-Sektor die „Nase vorn“…
Außerdem „Good Americans buy American Autos…“ (obwohl das wieder lachhaft ist…die verwenden seit einigen Jahren das deutsche „Auto“ für ihre „Cars“…loool…).

Und das zweite und wohl wichtigstere Problem ist,das die meisten Tankstellen Diesel-Zafpsäulen nur für Trucks (also Lkw) bereithalten…und mit der Bedienung dersselben ist der „normale“
Ami überfordert…(denn diese Lkw-Zapfsäulen sind für Lkw`s gedacht und haben eine Förderleistung für Lkw-Tanks von 1.000 Litern…,d.h.
bei einem Pkw muss man die Zapfpistole ständig bedienen…sonst läuft Diesel aus…).

mfg

Frank

Hallo!

Außerdem ist Diesel „loud and dirty“.

Die großvolumigen Motoren bei schwacher Leistung kamen auch daher, daß der Sprit dort einen Spautz kostet, und zudem schlechterer Qualität ist, was einer niedrigen Kompression Bedarf und Leistung kostet.

Hier in SP steht ein Camaro zum Verkauf: 3,8l R6-Motor, 160PS *grins* Drehmoment dürfte er dafür satt haben.

Seinerzeit in den 70ern gab es die V4-V6 Motoren der Ford als HC und LC Version: High Compression und Low Compression. Letztere für Staaten mit schlechtem / niedrigoktanigem Kraftstoff.

gruß

dennis

HALLO Frank,
möchte ich alles unterstreichen, was Du zum Thema beigetragen hast. Ergänzend möchte ich als Differenz zu den USA noch folgendes beitragen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass erst seit ca. 10 Jahren der Diesel in Europa „Flügel“ bekam. Und dass derzeit in Deutschland schnelles Autofahren nur mit dem Diesel ohne Reue an der Tankstelle möglich ist. Das stellt sich in den USA ganz anders dar. Dieselfahrzeuge (bis jetzt nur Leichttrucks) werden von denen nur gefahren, die a) mindestens 100 Tkm im Jahr zurücklegen, b) deren Motoren nahezu 1.000.000 Km halten sollen.

Beispiel: Letztens fuhr ich einen Buick mit 3,1 Ltr V6-Maschine (Benziner). Über mehrere Tausend KM habe ich mir die Mühe des Umrechnens gemacht und ich hatte einen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Ltr/100km!! (Ständig Klima und Automatic!).In Deutschland würde ich mit deutschem Gasfuss bestimmt über 13 Ltr. verbrauchen.

Die „Amischlitten“ sind also keine Säufer mehr mit ihren Benzinmotoren. Dieselmotoren im PKW würden neben ihrem Komfortnachteil nur noch wenig Verbrauchsvorteile liefern.

So ist es.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd

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Hi!

Ich habe in der Zeitung gelesen:
„Den Bemühungen von VW, Dieselantriebe in den USA populär zu
machen,
begleiten Experten, US- Verbraucher und Politik ehr mit
Skepsis“

Der Diesel gilt in den USA landläufig als unkomfortabel und stinkig. Letzteres stimmt ja nun auch, ich kann mit diesen Dieslkisten ohne Rußfilter auch nichts anfangen, v.a. wenn ich in einem Auto ohne Aktivkohlefilter fahre.
Ferner mögen die Amis lieber großvolumige Motoren mit satten Leistungsreserven. Die überzüchteten, kleinen VW Diesel sind den Amerikanern im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Haltbarkeit suspekt. Auch dies ist nachvollziehbar, man sehe sich das Thema VW und Luftmengenmesser oder BMW und Turbolader an. Von den nagelnden Mercedes 4 und 5 Zylindern nicht zu sprechen, die sind zwar haltbar, aber von der Geräuschkulisse her unzumutbar.

Es geht hierbei um PKW und Geländewagen.

Bei den Geländewagen gab es in den USA in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse für großvolumige Diesel. Diese passen in ihrer Charakteristik auch gut zu dieser Fahrzeuggattung und der Benzinverbrauch ist auch in den USA mittlerweile ein Thema.
Nun konkurriert der Diesel jedoch mit den Benzinhybriden (Lexus R 400), die ein noch höheres Drehmoment bieten, dabei jedoch im verbrauch sparsam genug sind und nicht stinken.

Was für Probleme haben die denn mit Dieselautos ?
Und was hat die Politik damit zu tun ?

Die Politik propagiert „low emission“. Auch ein Diesel mit Oxi-Kat passt keineswegs zu dieser Philosophie.

(Dort haben die Politiker wohl Nebenjob`s bei der
Ölindustrie?)

Das auch.
Das Problem liegt allerdings eher im Desinteresse an sparsamen Autos generell. Erst seit 5-8 Jahren (meinem Empfinden nach) interessiert man sich in den USA für sparsamere Autos, setzt aber eher auf Benzinhybride oder eben modernere Motorenkonstellationen (Chevy 4-Zylinder von Opel, Northstar V8, neue Chrysler Hemi V8). Der Toyota Prius z.B. ist gerade „voll hip“ in Californien und bereitet den Weg für diese Fahrzeuggattung.

Ein Kollege von mir in Boston fährt schon länger Mercedes Diesel, er liebt die hohen Reichweiten. Das Tankstellennetz in kleineren Städten ist jedoch oft etwas dünn. Mittlerweile gibt es Navi-Software, die Diesel-Tankstellen anzeigt, also kein Problem mehr.
Das führt uns zu einem weiteren Punkt: die Ostküsten-Amis sind eher offen für Trends aus Europa. Deshalb gibt es dort auch einige Audi TDIs, Mercedes CDIs und BMW ds. Auf die gesamten USA umgelegt ist der Anteil dieser Autos jedoch verschwindend gering.
Hinzu kommt, dass aktuell ein Patriotismus-Trend in den USA zu spüren ist, d.h. man kauft lieber US-Produkte. Und die sind nunmal nicht für ihre Dieseltechnologie berühmt.

Grüße,

Mathias

Hallo !

Die US-Amerikaner haben eine Abneigung gegen Dieselmotoren.

Ihre Panzer, die man täglich bei der „Arbeit“ in Irak sieht, werden mit Gasturbinen angetrieben.
Ihre Marineeinheiten (Schiffe) werden fast ausnahmslos mit Dampf- oder Gasturbinen angetrieben.

In den USA wurde die Entwicklung von Dieselmotoren von Anfang an vernachlässigt. Der einzige große Hersteller ist Caterpillar. Und die haben heute sicher japanische Diesel eingebaut. (Lizens Yanmar oder andere).
In den 50er/60er Jahren hatte die Bundeswehr als Mannschaftstransportfahrzeuge die so genannten Nato-Fords. Das waren Lkw mit Benzinmotoren.

Für den US-Amerikaner ist der Dieselmotor ein Gerät für die Landwirtschaft und gehört nicht in den PKW.
Selbst die gelben Schulbusse fahren mit Benzin.
Hätten die USA noch eine Handelsflotte, würde man die ganz sicher nur mit Turbinen fahren.

Möglicherweise hängt das auch mit dem Kraftstoffpreis zusammen oder mit der Steuer.

mfgConrad

Hallo !

Möglicherweise hängt das auch mit dem Kraftstoffpreis zusammen
oder mit der Steuer.

Nicht umsonst sagte man über USA: Dort ist Benzin billiger wie gekochtes Wasser.

gruß

dennis

Hallo Conrad,

die Amerikaner kennen durchaus Dieselmaschinen und zwar schon ziemlich lange…:smile:)

Nur im PKW-Sektor waren diese bis vor gut 15 Jahren nahezu unbenutzt,da in den USA „Großvolumige“ 8 Zylinder-Ottomotoren mit Automatik-Getriebe
der Standard für fast 80 Jahre waren…

Im Nutzfahrzeugsektor sind Diesel-Motoren aber schon lange die erste Wahl…

Und auch die US-Navy und die US-Coast Guard fährt mit Dieseln…
(lustigerweise sogar deutschen von MTU…:smile: )

Und die US-Army ist zur Zeit am umstellen…

mfg

Frank

Hi!

Die US-Amerikaner haben eine Abneigung gegen Dieselmotoren.

Ihre Panzer, die man täglich bei der „Arbeit“ in Irak sieht,
werden mit Gasturbinen angetrieben.
Ihre Marineeinheiten (Schiffe) werden fast ausnahmslos mit
Dampf- oder Gasturbinen angetrieben.

Der Hummer-Jeep der Amis hingegen ist in der Armee als Diesel unterwegs.

In den USA wurde die Entwicklung von Dieselmotoren von Anfang
an vernachlässigt. Der einzige große Hersteller ist
Caterpillar.

Keineswegs. Einer der größten Diesel-Motorenhersteller der Welt ist Detroit Diesel. Die Motoren finden sich in vielen Armee-Fahrzeugen und auch in Schiffen wieder.
Der typische US-Army Pickup von Dodge wurde hunderttausendfach mit Detroit-Diesel Motor ausgeliefert.

Möglicherweise hängt das auch mit dem Kraftstoffpreis zusammen
oder mit der Steuer.

Hauptsächlich mit dem bis vor 6 -8 Jahren sehr billigen Sprit. Nun steigt aber auch in den USA der Benzinpreis und man sucht nach Alternativen. Aktuell scheint jedoch ein Benzinhybrid-Konzept noch attraktiver zu sein als Diesel.

Grüße,

Mathias

Hallo Bernd, was meinst du wie hoch der Verbrauch eines modernen Dieselmotors ist wenn der praktisch immer unter 3000 touren läuft, d.h. die Motoren würden praktisch immer im optimalen Drehmomentbereich laufen. Den Komfortnachteil würde ich bei modernen europäischen Dieseln auch nicht sehen. Eher ein Problem sind die unterschiedlichen Abgasrichtlinien Lighttruck / Pkw. Daher gab es schon Ende der siebziger in USA den Mercedes 300SD (in Deutschland war eine S-Klasse mit Diesel undenkbar) der auch schon einen Rußfilter hatte.
Das Problem mit modernen Dieselmotoren dürfte ähnlich wie in Australien die schlechte Dieselqualität und der Mangel an einheimischen PKW-Dieselmotoren sein.