Ampel überfahren oder stürzen?

Hallo, Gemeinde.

Motorradfahrer X fährt bei einsetzendem Regen innerstädtisch auf eine mit Ampeln gesicherte Kreuzung zu. Die Geschwindigkeit beträgt ca. 45 km/h, erlaubt sind 50. Etwa 20 m vor Erreichen der Kreuzung beginnt die Gelbphase; Motorradfahrer X versucht zu bremsen. Wegen des einsetzenden Regens und zusätzlichen Gummiabriebs vor der Haltlinie (die Straße steigt an dieser Stelle leicht an) rutscht das Motorrad weg. X löst die Bremse, vermeidet den Sturz und überquert die Haltlinie bei Himbeergelb - in ziemlich unsortiertem Zustand, so dass er mehr oder weniger mitten auf die Kreuzung eiert. Das Abfangmanöver klappt aber …

Hinzuzufügen ist, dass X ortsfremd ist und diese Stelle also noch nicht kannte.

Fragen :

  • Was ist von der Sachverhaltsschilderung zu halten hinsichtlich Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?

  • Ist einem Motorradfahrer in einer Situation wie oben ein Sturz zuzumuten?

  • Kann bei 45 km/h die Einrede einer „nicht angepassten Geschwindigkeit“ erhoben werden?

Besten Dank für die Mühe.

Gruß Eillicht zu Vensre

Überfahren

Ist einem Motorradfahrer in einer Situation wie oben ein Sturz zuzumuten?

Nein, durchfahren ist dann OK. Aber dafür sollte auch bei den Straßenverhältnissen angepasster Geschwindigkeit die 1 Sekunde Toleranzzeit bzw. die Gelbphase ausreichen.

km/h die Einrede einer „nicht angepassten Geschwindigkeit“
erhoben werden?

Ja! Weil die Straßenverhältnisse 50 km/h bei kurzem Bremsweg nicht erlauben.

Wenn da Öl oder Kuhfladen drauf rumgelegen hätten wäre Schritttempo angebracht.

Gruß

Stefan

Hallo,

um es kurz zu machen:

  • Kann bei 45

km/h die Einrede einer „nicht angepassten Geschwindigkeit“
erhoben werden?

Darauf wird es hinaus laufen. Da kennt sich jemand nicht aus, es fängt auch noch an zu regnen, er fährt auch noch Motorrad (von wegen der Besonderheiten der Fahrphysik und der Sturzgefahr) und ist dann so schnell unterwegs, dass er nicht rechtzeitig vor einer normal schaltenden Ampel halten kann. Klare Sache: Du musst so fahren, dass Du unter den gegebenen Bedingungen in der Lage bist rechtzeitig und ohne Sturz vor der Ampel zum Stehen zu kommen. Wenn dies bei 45km/h nicht gewährleistet ist, dann bist Du mit 45 km/h zu schnell. Und wenn das auch bei 35 km/h noch nicht gewährleistet ist, dann darfst Du eben nur 25 km/h fahren.

Sorry, für die schlechte Nachricht.

Gruß vom Wiz

Holla.

Sorry, für die schlechte Nachricht.

Wieso denn - ist doch fiktiv :wink: ? Also : Danke für die Antwort …

Ich kann den Gedankengang ja nachvollziehen. Andererseits ist im vorliegenden Fall das Problem ja nicht nur der Regen, sondern vor allem der durch die anfahrenden Fahrzeuge verursachte Rutschfilm an dieser Stelle. Motorradfahrer X habe sich die Stelle noch mal etwas genauer angeschaut …

Natürlich hat man mit Dreck und selbständig unterwegsen aggressiven Klavieren immer zu rechnen. Konsequenterweise heißt das aber, dass jeeder Ortsfremde, der schneller als Schrittempo fährt, jederzeit wegen nicht angepasster Geschwindigkeit belangt werden könnte …?

An der betreffenden Stelle ist 50 erlaubt, wohlgemerkt. Die Sichtverhältnisse sind so, dass das Anhalten innerhalb der Sichtweite jederzeit möglich ist, sprich, man kann bedeutend weiter als 25 m gucken. Es wird nicht vor der tatsächlich exzessiv verschmutzten Fahrbahn gewarnt. Wer hier mit dem Pkw etwas schärfer bremst, kommt in eine ähnliche Situation (fällt natürlich aber nicht aufs Antlitz). Und gegen den angefeuchteten Gummi auf der Straße hat jeder anständige Kuhfladen richtig Grip - Motorradfahrer X ist beim Abschreiten der Fläche fast schon wieder auf die Stürze geschnauzt …

Gleiche Beurteilung? Danke schon mal als …

Gruß Eillicht zu Vensre

Holla und Danke für die Antwort.

Nein, durchfahren ist dann OK. Aber dafür sollte auch bei den
Straßenverhältnissen angepasster Geschwindigkeit die 1 Sekunde
Toleranzzeit bzw. die Gelbphase ausreichen.

Tja - ohne Bremsen wäre es eine Durchfahrt bei spätem Gelb geworden. Motorradfahrer X hat sich aber für die Bremsung entschieden (was man als Augenblicksversagen deuten kann wg. Ortsunkenntnis …).

Wenn da Öl oder Kuhfladen drauf rumgelegen hätten wäre
Schritttempo angebracht.

Schon klar. Wobei man einen Kuhfladen hätte sehen können, einen Ölfleck (oder eben den Gummiabrieb) eher nicht. Wo üblicherweise Kühe rumrennen, stehen entsprechende Warnschilder; vor Ölspuren wird ebenfalls per Schild gewarnt. Wo ist die Grenze dessen, was man als Fahrer vorausahnen muss?

Siehe auch mein Antwortposting an Wiz.

Gruß Eillicht zu Vensre

Hallo,

Da das ja alles rein theoretisch ist, wird dir meine weitere negative Nachricht dann ja glücklicherweise keine Kopfschmerzen mehr verursachen :wink:

Andererseits ist
im vorliegenden Fall das Problem ja nicht nur der Regen,
sondern vor allem der durch die anfahrenden Fahrzeuge
verursachte Rutschfilm an dieser Stelle. Motorradfahrer X habe
sich die Stelle noch mal etwas genauer angeschaut …

Ändert meine Beurteilung insoweit nicht, weil so eine Situation für Ampeln, Kreuzungen und Einmündungen ganz allgemein nichts besonderes ist. Mir fallen spontan gleich zwei Situationen an unterschiedlichen Ampeln ein, wo mir Ähnliches schon (zum Glück mit dem Auto) passiert ist, und seither achte ich verstärkt auf den Straßenzustand vor Ampeln. Da gibt es eigentlich regelmäßig spätestens ein Jahr nach der letzten Sanierung entsprechende Probleme. Muss man also wohl mit rechnen und in den Bremsweg einbeziehen.

Gruß vom Wiz

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