Hi Mark,
danke nochmals für deine Mail. Also ich bin kein Techniker, der hier die Leute verarschen will. Ich versuche mir halt nur Klarheit über das Wesen des BWL Berufes (der ja total breit angelegt ist) zu verschaffen.
DIe Ausführungen, die ich machte, waren so meine Gedanken. Und Controlling, Steuern, Finanzen habe ich ausgeklammert, weil mich diese Bereiche nicht interessieren. Gerade deswegen, will ich ja erforschen, was es darüber hinaus noch gibt. Denn ich glaube, es ist eindeutig, dass diese 3 Bereiche der Kern der BWL sind, also das, was auch nur die BWL und sonst kein anderes Fach macht! Alle anderen Bereiche sind ganz eindeutig Kernbereiche anderer Wissenschaften. Die BWL bezieht sie in die Lehre mit ein, weil sie notwendig sind für betriebliche Führung und ist insofern anderen Fächern sicher überlegen, weil meiner Meinung nach Organisation und /oder Marketing sehr leicht auch in ein Psychologie Curriculum passen, bisher aber noch nicht integriert wurden. Das legt wiederum den Schluss nahe, dass die BWL ohne diese ganzen zusätzlichen Bereiche nicht genug Stoff hätte, um ein universitäres Studium zu füllen (FH Studium ja).
DIese These wird auch dadurch gesützt, dass viele Akademiker (egale welcher Fachrichtung) noch ganz ohne Probleme einen MBA machen können, nachdem sie schon was „richtiges“ gelernt haben (Entschuldige die Polemik, ich will niemanden hier angreifen, studiere ja selbst BWL). Der MBA dauert auch nur 2 Jahre und lehrt alles, was im BWL Hauptstudium rankommt. insofern ist das Grundstudium nur Beschäftigungstherapie.
Kurz gesagt: Meiner Meinung nach ist ein 4-jähriges BWL Studium sinnlos, 2 Jahre MBA (mit einem beliebigem akademischen Abschluss) oder 3 Jahre BWL pur (wenn man keinen Abschlus hat) sind doch völlig ausreichend.
Und dann kommt man zu der Kernfrage, die ich mir derzeit stelle: „Was mache ich als BWLer?“ und „Ich will nicht auf Sachbearbeiter Niveau arbeiten.“ . Vielleicht aber heisst im englischen BWL nicht umsonst Business ADMINISTRATION. ALso, ein VERWALTUNGSstudiengang, nur nicht für staatliche, sondern privatem Tätigkeiten. Und in der Marketingabteilung ein Budget zu verwalten, stelle ich mir eben nicht so spannend vor. Ich muss hearausfinden, was für Alternativen die BWL bietet, die nicht Verwaltung sind.
Unternehmensberater ist ja sehr beliebt, aber das da Leute am Werk sind, die nicht wirklich was drauf haben, zeigen Artikel im Manager Magazin (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/beratertest/). Da schneiden die Berater sehr schlecht ab. Und wieder kommt an einer solchen Stelle der Gedanke in mir auf, ob der BWL Studiengang für sich allein genommen noch zukunftsfähig ist. Diese Frage aber natürliche nur, wenn man die Bereiche ausklammert (du weisst warum). Finanzen, COntrolling, Steuern zweifle ich keinesfalls an, dies sind, wie gesagt, die wahren BWL-Meister. Der Rest ist „Rest“ (würde ich sagen…).
Deine Aussage:
Entscheidend für Erfolg und Zufriedenheit ist doch
letztendlich die eigene Motivation, Persönlichkeit, Können und
was man daraus macht.
trifft die Sache sehr gut auf den Kopf. Die Motivation gilt es natürlich zu hinterfragen. Dies ist eine wirklich wertvolle und wichtige Aussage!
Von wievielen Ökonomen wird denn unser Land gelenkt?
Ökonomen sind ja VWLer und so. Vor denen habe ich ja auch höchsten Respekt, ich rede ja hier nur von der BWL.
Ich kenne keinen - leider. An der Spitze unseres Landes stehen Lehrer,
Juristen, ehemalige Fliesenleger. Nichts gegen diese Berufe,
aber welcher Bereich ist für die Zukunftsfähigkeit eines
Landes wichtiger als die Wirtschaft?!?
Die Bildung -> gute Leute -> Innovationen im Land -> neue Produkte und Dienstleistungen aus Deutschland -> und dann erst der BWLer, der das Zeug vertreibt.
Ökonomie müßte schon ab
der 5. Klasse Bestandteil des Lehrplanes sein; Dieter
Durchschnitt kann doch gar nicht mehr begreifen, auf welchen
wirtschaftlichen Abwegen sich diese Regierung befindet.
Absolut korrekte Aussage. Ökonomie ist sehr wichtig. Ich habe schon gegrübelt, ob ich mich für VWL interessieren „sollte“. Das ist mir dann aber zu viele Modelle (mit der Mathematik habe ich keinerlei Probleme), die zu weltfremd sind und die man nur in Forschungsinstituten anwenden kann. Im echten Leben also nicht so tiefe Kenntnis jener Modelle nötig .> VWL nicht das Richtig für mich. Und BWL wird sicher nicht so bald in den Schule gelehrt werden, dann schon eher Ökonomie, das ist ja auch ein wirklich gute Sache, könnte fast den Unterricht im Fach Politik ersetzen.
Controlling/Steuern/Finanzen klammerst Du bei deinen Aussagen
aus - warum? Schon mal in einem Unternehmen gearbeitet, in dem
Marketing und Vertrieb nicht funktionieren?
Marketing und Vertrieb sind doch aber genau diese Verwaltungstätigkeiten, die ich nicht wünsche.
Ein BWL Studium
bildet alle betriebswirtschaftlichen Funktionen ab. Ein
komplexes Gebilde, ähnlich einem Motor, der nur dann rund
läuft, wenn alle Teile funktionieren.
Ja, aber ich arbeite ja später nicht in allen Bereichen. Derjenige, der wissen muss, wie alles läuft, ist doch der Chef und der ist man ja als BWLer selten, wie ich in der vorhergehenden Mail schon festgestellt habe. Ausser es ist ein Internet StartUp aber bei „richtigen“ Unternehmen (Industrie, Elktronik, Chips, Software), da sitzen doch all die Techniker und Naturwissenschaftler… (zumindest häufig).
Ansonsten ist das mit dem Betrieb als Motor, der rund laufen muss, meiner Meinung nach ein sehr guter Vergleich. Hier erscheint es mir aber so, dass ein Rater (Unternehmensbewertung) als so jemand auftraten könnte, der schaut, ob das Ding INSGESAMT gut läuft und abgestimmt ist (Prozessoptimierung, Business Reengeneering).
Mark, ich hoffe diese Mail ist nicht zu stressig, obwohl … ich denke doch. Also lass dir Zeit, falls du überhaupt antworten willst.
Also bis dann,
Alex