Hallo zusammen!
„Von Gerrit erfahren sie dann und wann etwas, tröstliche Nachrichten, dass die Alliierten immer weiter vorrückten und die Deuschen zunehmend an Boden verloren“
„Sie war morgens einfach nicht mehr aufgewacht. Vincent war am Boden zerstört gewesen, das erste Mal, dass Sophia ihn hatte weinen sehen“
noch eine kleine Ergänzung zur wörtlichen Bedeutung:
Wenn jemand am Boden zerstört ist, ist das am eine Ortsangabe, er liegt metaphorisch wie ein k.o.-geschlagener Boxer am Boden und ist zerstört.
Wenn etwas an Boden gewinnt, hat das an die Bedeutung, die hier unter 3. e) genannt ist: Ausdruck einer unbestimmten Menge einer Sache. Ich glaube mich zu erinnern, dass das im südlichen Oberschwaben am Übergang zum mittelhochdeutschen Alemannisch auch unabhängig von den im DWDS genannten bestimmten Verben ganz generell für unbestimmte Mengen benutzt wurde, etwa im Kaufladen: „Was hänt (= habt) Ihr denn no an Käs do?“ = „Welche Käsesorten haben Sie denn noch da?“ oder über den frisch nach Tübingen an die Alma Mater gegangenen Sohn „Des ischt oomeglich, was där älle vierzeah Däg an Wäsch’ hoimbrengt!“
Bonus track zum „am Boden“: Auch wenn das nicht viel nützte, wurde während der ganzen Zeit 1933 - 1945 im Volksmund teils beißender Spott an den offiziellen Verlautbarungen gepflegt. Als der Bombenkrieg in seine letzte, verheerende Phase des „Dehousing“ eintrat, war die beinahe täglich am Radio gehörte Formel der Propaganda, die den Leuten ich weiß nicht wie weit zum Hals heraushing, wenn es wieder irgendwo einen richtig schweren Angriff gegeben hatte: „Geringer Sachschaden.“ Und wenn über die angeblichen Erfolge der eigenen Luftwaffe mit Phantasiezahlen berichtet wurde, wurde im Radio immer unterschieden zwischen durch Jagdflugzeuge abgeschossenen feindlichen Flugzeugen und solchen, die von Kampfbombern bei Angriffen auf Basen der alliierten Luftwaffe (die ab 1944 auch in Frankreich in Reichweite der deutschen Luftwaffe lagen) „am Boden zerstört“ wurden.
Der bissige Volksmund machte daraus die Geschichte vom Halter eines Papageis, der nach Luftalarm wieder in seine Wohnung kommt, und sieht, dass diese zwar nicht ausgebrannt ist, aber von der Wucht der „Blockbuster“ alle Fenster samt Rahmen kaputt sind und auch die meisten Möbelstücke zerbrochen herumliegen. Unbeschädigt ist der Käfig des Papageis, der auf seiner Stange sitzt und krächzt, was er so oft im Radio gehört hat: „Geringer Sachschaden - Geringer Sachschaden - Geringer Sachschaden!“. Den verzweifelten Halter packt die Wut, er nimmt den Käfig mitsamt Papagei und wirft ihn mit aller Kraft in eine Ecke. Darauf der Papagei: „Der Rest am Boden zerstört - der Rest am Boden zerstört usw.“ …
dafür noch ein Kleiner von Willy Reichert, einem urschwäbischen Kabarettisten, der so populär war, dass ihn der Reichspopogandaminister und Jesuitenzögling Dr. Joseph Goebbels nicht so einfach eliminieren konnte - fast jeder Auftritt von Willy Reichert wurde mit ein paar Monaten Auftrittsverbot belohnt. Du bist inzwischen so firm in der deutschen Sprache, dass Du Witze, die auf der Mehrdeutigkeit von einzelnen Wörtern beruhen, ohne weiteres verstehst:
Der Kurzschluss
Auf einen Schlag erlöschen alle Lichter im Saal - Beleuchtung, Notbeleuchtung, die Beleuchtung auf den Gängen - einfach alles.
Es dauert einen Moment, dann kommt Willy Reichert im Hausmeisterkittel mit einer Laterne in der Hand auf die Bühne. Tritt nach vorne und funzelt den Leuten in den ersten Reihen des Publikums mit er Laterne im Gesicht herum. Tritt wieder zurück, weiter hinten auf die Bühne, und sagt:
Am Volk liegt’s net - 's mueß an dr Leidong liega!
- (Es liegt nicht am Volk - es muss an der Leitung liegen!)