An die Medizinstudenten im Forum

Zur Zeit läuft die Ausstellung Körperwelten an.
Was haltet Ihr davon?
Ich habe mit 35 Jahren bereits geplant, dass ich ähnlich enden werde.
Nicht als Objekt zum Spannen für Neugierige, sondern nur für die Ausbildung in der Pathologie.

Hallo Kermit,

bin zwar kein Medizinstudent, habe aber die Ausstellung damals in Basel gesehen. Für mich war es eine Mischung aus attraktiv (da ich so etwas noch nie zuvor gesehen habe) und abschreckend (Tote mit Raucherlunge & im Mutterleib gestorbene Embryonen sowie die Kinder mit den Wasserköpfen).
Die damals ungeklärte Herkunft der Leichen und die „show-mäßige“ Vermarktung und stellenweise reißerische Darstellung (der Tote mit der Haut auf dem Arm) ließen mich aber hellhörig werden. Außerdem fragte ich mich, ob es für medizinische Studiosen nicht mittlerweile andere Anschauungobjekte gibt.
Da Du wahrscheinlich noch keinen Zugang in das Archiv dieser Seiten hast, empfehle ich Dir einen Blick in früher mal geschriebene Artikel und den dazugehörenden Artikelbaum, den Du oberhalb davon findest:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Schöne Grüße. Martin

  1. Versuch mit dem link
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Hallo Kermit!
Ich bin zwar auch keine Medizinstudentin, aber ich habe die Ausstellung damals in Oberhausen gesehen. Bin da alleine hin, weil niemand mitkommen wollte. Ich konnte das überhaupt nicht verstehen, und war vollkommen fasziniert davon. Am meisten beeindruckt haben mich die Plastinate vom Mann mit der Haut über’m Arm und von dem Schubladenmenschen. Mittlerweile sind wohl noch mehr dazu gekommen.
Ich kann auch die Kritik an Prof. Gunther von Hagens nicht nachvollziehen. Ich bewundere diese Arbeit. Sollte die Ausstellung noch mal in meine Nähe kommen, gehe ich sicher wieder hin.

Gruß
Stefanie

Hi Kermit!

Schon wieder eine, die auch nicht medizin studiert(e). Aber vielleicht als Krankenschwester…

Ich für mein Teil habe die Ausstellung in München besucht. Und das gleich 2 mal. Ich war wirklich begeistert von dem was ich sah! Und somit stimme ich Stefanie voll zu!!

Mich hat es in zweierlei Hinsicht bestens gefallen, nämlich: Als Krankenschwester und als Mensch, der sich dafür interessiert warum, was, wo und wie im eigenen Körper so läuft, wie es halt läuft. Warum?:

Als Krankenschwester habe ich dauernd mit Menschen zu tun, die krank sind. Irgendeinen Organ funktioniert nicht richtig. Und ich höre dauernd von Lungen, Herz, Kreislauf, Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Hirn,… und ich kann mir darunter nur vage etwas vorstellen. zB: die menschliche Lunge hat links 2 Flügel und rechts 3 (wg Herz). Wie schaut es aus? Was versteht ein Arzt unter „ein Flügel“ in die Lunge?? Auch jeder Laie hat mal ein gekritzeltes herz gesehen. Doch jeder Arzt wird sagen, daß es so nicht stimmt: so schaut das Herz nicht aus! Wie denn? Oder wie sehen die Venenklappen aus? Oder die Wirbeln? Für ein Bäcker ist unvollstellbar noch nie Mehl gesehen zu haben. Ein Architekt hat 1000 Zeichnungen von verschiedenen Gebäuden gesehen. Ein Anwalt geht jede Woche zum Gericht. Und eine Krankenschwester? Sie kümmert sich um das Wohl eines kranken menschen ohne niemals die Ursache dafür gesehen zu haben!!! Irgendwie irritierend, oder?

Und als Interessierte: Warum stirbt man an (großflächigen) Hirnblutungen? Was ist überhaupt Krebs und wie entsteht es? Warum? Und als Mutter: wie wächst das Kind im mutterlichen Bauch? Was ist eine Plazenta (Mutterkuchen)?

Na ja. Beides geht so ziemlich ineinander über, aber ich hoffe es war nicht allzu wirr!

Jedenfalls wir lesen immer Zeitungen was sonstwo auf die Welt passiert und wissen nicht genau was in uns selber vorgeht! Das ist zumindest etwas merkwürdig, finde ich…

Wegen den Streit in München über die Ausstellung, ärgerte ich mich sehr. Denn ich fühle mich -unabhängig davon wie Dr. von Hagens zu den Körpern gekommen ist- in meinem Recht auf Bildung verletzt, wenn ich etwas sehen will und dieses nicht erlaubt wird. (Besonders dann wenn erst fieberhaft nach einem Gesetz gesucht wird, die so was irgendwie verbietet!)

Und so wie Melanie auch: Sollte die Ausstellung wieder in meiner Nähe stattfinden, werde ich sie mit Sicherheit sehr gerne wieder besuchen. Und ich hoffe, mein Sohn wird schon alt genug sein, um zu verstehen was da zu sehen ist und was ich ihm diesbezüglich erkläre.

Alles Gute und schöne Grüße
Helena
PS. Die Ausstellung ging am 18. August in München zu Ende (nur zur Info).
PS2. Zu deiner Entschluß, Dein Körper für die Pathologen zu Verfügung zu stellen: In aller Bescheidenheit behaupte ich, daß es evtl. wesentlich sinnvoller und dankbarer wäre, Deine in Frage kommende Organe (also: Herz, Lunge, Augen und Nieren) zu spenden. Ist das für dich evtl. eine Überlegung wert? Wenn nicht, schau mal zB in einer Dialysezentrum vorbei!

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Hallo!

Ok, dann oute ich mich eben als Medizinstudentin *g*

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, was ich davon halten soll. Zum einen mag es ganz gut sein, um sich, wie schon geschrieben, mal einen reellen Einblick in den Körper zu verschaffen - Bildung, wenn man es denn so nennen will.

Aber:
Genau dasselbe kriegt man auch in der Uni zu sehen, in Köln z.B. im Anatomischen Institut der Uni Köln - für Interessierte das ganze Jahr über geöffnet. Allerdings nicht in reißerischen Posen (was mich am meisten stört), sondern einfach so, wie man es am besten sieht. Da sind nicht nur die normalen Verhältnisse dargestellt, sondern auch Erkrankungen, Mißbildungen u.ä.
Eine derartige reißerische Aufmachung finde ich persönlich entwürdigend und hat mit makabrer Kunst weit mehr zu tun, als mit Information und Medizin an sich.

Ich denke, wer ernsthaft daran interessiert ist, wie der menschliche Körper von innen aussieht, hat bessere Möglichkeiten als diese Ausstellung. Ich vergleiche es sogar mit Tageszeitungen: bei gleichem vorliegenden Material gleicht die Ausstellung vom Niveau her eher der *hüstel* Bild oder Express…

Nicht als Objekt zum Spannen für Neugierige, sondern nur für
die Ausbildung in der Pathologie.

Falls deine Frage deswegen an die Medizinstudenten gerichtet war, dann dazu folgendes:
Von den Studis gibts sicher nicht wenige, die aus Neugier zu der Ausstellung gegangen sind. Aber nötig ist das sicher nicht, denn wir lernen den Aufbau des menschlichen Körpers an Verstorbenen.

Die Verstorbenen haben zu Lebzeiten ausdrücklich (!) zugestimmt, daß ihr Körper zu Forschungs- und Ausbildungszwecken eingesetzt wird. Eine schriftliche ERlaubnis MUSS vorliegen, sprich, es werden nicht einfach Körper aus der Leichenhalle „geklaut“ :wink:

Im Anatomiekurs wird der Leichnahm aufgeschnitten und systematisch präpariert, seziert. Dabei wird NICHTS weggeworfen - IMHO einzige Ausnahme ist das Fettgewebe.
Nach dem Kurs wird der Leichnahm VOLLSTÄNDIG beerdigt, es fehlt also nichts. Zudem wird dann auch soweit ich weiß auch an allen Unis ein Gottesdienst gefeiert, zudem auch die Angehörigen meist erscheinen und ebenso fast alle Studenten, die dann auch eine Rede halten.
Dies ist sozusagen ein festes Ritual, bei dem die Würde des Menschen geachtet wird und nicht der Eindruck entsteht, die Mediziner würden die Verstorbenen nur benutzen.

Irgendwie steht das im krassen Gegensatz zu dem, was in der Ausstellung abläuft - meiner Meinung nach.

Natürlich werden diejenigen, die sich „zur Verfügung“ stellen, nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Forschung genommen, z.B. für die Pathologie.
Ich finde dies auch weitaus sinnvoller als diese Zurschaustellung.

Daher auch *Daumenhoch* von mir für dein Vorhaben :wink:

Gruß,
Sharon

Ergänzung zum Mann mit Haut
Hallo zu dem Mann mit der Haut über dem Arm lässt sich sagen, dass v.HAgens diese Darstellung von einem der bedeutensten Anatomen der Neuzeit (17.Jh.)übernommen hat, Andre VEsal. Wie im übrigen auch einige andere Präparate. die „Fabrica“ ist bis heute eines der faszinierensten Bücher zur Antomie das mehrfach versucht wurde zu kopieren (ähnliche Darstellungen bei anderen Autoren bis ins 19. Jh. hinein). Neu was vor allem, dass sich Vesal über die bisher geltenden anatomischen Kenntnisse hinwegsetzte und das zeichnen lies (von Tizianschüler), was er wirklich sah und nicht was Galen 2oo n. Chr so beschrieb (bis dahin geltende dogmatische Authorität). Darstellungen von Menschen in entsprechnder Pose in einer Landschaft waren bereits vor Vesal bekannt. ein anderer (Frederick Ruysch 18.Jh.)hat auch „künstlerisch gestaltete“ Pathologische Präparate durch Wachseinspritzungen geschaffen, in denen zB. Skelette von Neugeborenen auf Bergen aus Gallensteinen stehen, umgeben von Bäumen aus Arterienästen. Wundert mich das v. Hagens noch nicht darauf kam, aber mit seiner Methode sind solch ziselierten Darstellungen wie unterspritzte Kapillaren nicht möglich (da diese erst nach der Plastination heraus"geschnitzt"werden).
Soviel zu dem einzigartigen und Neuen.
Susanne