dialogisches Verhalten
Hi Laralinda,
Es geht um einen nahen Verwandten, mit dem sogut wie jedes Gespräch eskaliert.
Im Dialog zwischen einem, der radikal auf Einigung aus ist und einem anderen, der radikal auf Dissenz aus ist, gibt es immer nur einen Sieger: Nämlich der Letztere. Das ist eine Konstante in jeder Konfliktmoderation.
Und wenn der unterlegene Dialogparter selbst derjenige ist, der das Metagespräch sucht, wird das ebenso eskalieren, denn der andere kann seine Gewinnstrategie ohne Probleme in den Metadialog mit hinübernehmen. Das kostet ihn ein Lächeln. Im Gegenteil, das Metagespräch ist ja gerade die Ausgangsbasis für die Möglichkeit der Abwertung des Gesprächspartner als Gesprächspartner.
Das Metagespräch, das in das aktuelle Gespräch eingebaut wird:
„ich hab dir schon hundert mal gesagt …“,
„wie sprichst du denn mit mir!“
„du spinnst ja“ usw. usw.
besonders mit argumentativ unwiderlegbaren Positionen:
„das ist mal wieder typisch für dich“
„klar, das machst du ja auch unbewußt!“
oder Blockaden:
„ich habe Recht und damit basta!“
„sowas hab ich niemals gesagt!“
„ich halt das nicht aus!“
„ich sag jetzt nichts mehr“ usw. usw.
ist dann auch der virtuelle Raum, in dem die Eskalationstechnik sich voll entfalten kann.
Die Frage ist dann die der Motive. Diese Eigenschaften finden sich vorzüglich im Umfeld der sog. „narzißtischen“ Persönlichkeitsstrukur, wogegen sich im Umfeld „Borderline“ noch viel raffiniertere Strategien finden, die dialogische Überlegenheit zu erreichen.
Die Einsicht, daß die eigene Position und Situationsbewertung der objektivierbaren Realität nicht angemessen ist, erleben solche Persönlichkeiten als existentiell bedrohlich. Einsicht würde Kontrollverlust bedeuten und das versetzt in Panik. Das gilt auch für Personen, die nicht in die oben genannte Charakterisierung fallen.
Die Abwehr dieser Bedrohung ist je nach Aggressionspotential entweder
die Abwertung, das Niedermachen des anderen:
„du bist ja therapiebedürftig!“, oder
das Hilflosmachen durch Ausspielen der größeren Kompetenz:
„ich bin schließlich von uns beiden der Fachmann“, oder
der Macht:
„solange du deine Füße unter meinem Tisch hast …“,
„wer bringt denn das Geld ins Haus!?“), oder
der Ohnmacht:
„du weißt ganz genau, daß mich sowas krank macht“, oder
der Blockade: geht raus und schlägt Tür zu, oder
der Regression: fängt an zu weinen.
Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus?
Gar nicht, solange man den Teufelskreis als solchen akzeptiert. Man kann das selten erreichen, solange man in den gewohnten Handlungsstandarts des sozialen Kontextes bleibt (Eltern-Kinder, Partnerschaft, Freundeskreis, Arbeitsplatz, Nachbarschaft …). Das hat meist zur Folge, daß man selbst grenzüberschreitend werden muß.
Das ist auch schon dadurch möglich, daß ein Außenstehender gesucht wird, der allerdings von beiden Parteien akzeptiert werden muß. Speziell bei den obengenannten Persönlichkeitstypen dürfte der es allerding schwer haben 
Vielleicht findest du ein paar Anregungen unter dem Stichwort
„emotionale Erpressung“
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
oder „Grenzüberschreitungen“
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
auch wenn die Beispiele nicht ganz deiner Situation entsprechen.
Wo gibt es Hilfe, wie bekommt man eine solche Person zu einer Therapie
Wieso? Hat diese Person denn selbst Therapiebedürftigkeit kundgetan? Wenn nicht, kannst du das vergessen.
Kopf hoch!
Gruß
Metapher