An Rainer und Hanna: Ein Angebot

Dank Dir, Hanna, für’s Sonett,
Doch in diesem gehst Du fehl:
Drum sag’ ich laut und im Falsett,
Mach aus der Muse keinen Hehl!

Dein Reimen ist gewandt und schön
Und steht dem uns’ren in nichts nach!
Gern würd’ ich mehr von diesem seh’n
Und lesen. Denn es hält mich wach.

Wach für die Worte, die verspielten,
Für Wahrheit und für Ehrfurcht gar.
Die Worte, die wir hier erhielten
Sind Schätze, die Du botest dar.

Doch sieh: Die Reime gleiten tiefer
in diesem Thema, bald verschlingt
Der Drache das Gedicht, als rief er
Es zu sich, im Archiv versinkt

Die Kunst. Und doch: Sie wir mir fehlen.
Drum frag ich Dich und Euch geschwind:
Woll’n wir uns nicht Gedichte mailen?
Und Worte weben mit dem Wind?

Danke! Ich nehme an!
Welch großes Lob, welch süßer Sinn
Liegt ach, in Deinen Worten.
Du siehst in mir die Dichterin
Und öffnest mir die Pforten.

Zu viel der Ehre, fürchte ich
Und fühle mich beschämet.
Doch schüchtern, zaghaft, vorsichtig
heb ich den Blick, der tränet.

Willst wirklich Du mir hören zu,
Die selber so fein dichtet?
Nun gut! Ich schnür des Dichters Schuh,
Den Sinn nach vorn gerichtet.

Zwar weiß zu feilen ich den Reim,
Wort’ gibt’s in Überfülle!
Doch liegt die Kunst nicht insgeheim
Darin, dass sie verhülle?

Und jener nur, der sich nimmt Zeit,
Sich dort hineinzusenken,
Taucht in des Nebels lichtes Kleid
Und lässt sich dort beschenken.

Er ist geheimnisvoll, der Ort,
Den er fortan beschreitet,
Und Schwere, Tiefe kommt dem Wort,
Das ihn fortan begleitet.

Dies Wunder offenbart sich nicht,
Dem Flüchtigen, der eilet,
Der nur auf Zeitvertreib erpicht,
Und weder ruht, noch weilet.

Bin wie ein ahnungsoses Kind,
Betrete scheu den Raum,
Wo durch Gestalten streift der Wind.
Sein Singen hör ich kaum.

Gar seltsam Wesen leiten mich
Durch Wort- und Hirngespinste.
Bald schwebe ich, bald falle ich.
Manch Ungeheuer grinste.

Und staunend, lernend ich begreif’
Bedeutungsschwang’re Worte,
Die glitzernd wie der raue Reif
Umkleidet Zaubers Orte.

Ihr habt mich hier hereingeführt
In der Gedanken Welt
Voll Unbekanntem. Und mich rührt,
Dass Ihr nicht stolzgeschwellt.

Behutsam tastend, seh und hör
Und schmeck ich Dichterkünste,
Dass alle Sinne mir betör
Der reifen Worte Dünste.

Und weiter zieht’s mich. Ich erfahr,
Was Fabelwesen raunen,
Bald schaudernd, bald beglückt gewahr,
Worüber Kinder staunen.

Viel Licht, viel Schatten mich entrückt
Und wirbelt um mich her
Zu Tod erschrocken, dann beglückt.
Mir wird der Kopf so schwer.

Und müd vom Rausche ist es mir,
Als würd’ ein Traum zerstieben.
Doch nein! Ich will es künden Dir:
Hab’ ein Gedicht geschrieben!