'An Weihnachten' oder 'Zu Weihnachten'?

„An Weihnachten“ oder „Zu Weihnachten“?
Wie heißt es denn nun richtig??
Ich bin ja für die zweite Variante, aber nachdem ich im Radio nun die erste hörte, bin ich total verunsichert.
Danke Euch :smile:

Caren

An Weihnachten habe ich den Tannenbaum abgefackelt
und Zu Weihnachten gab es dafür den Hintern voll…

würde ich als Nichtgermanist sagen… ist m.E. eine Frage des Bezuges.
„Zu Weinachten“ erscheint mir sprachpragmatisch für „als Weihnachtsgeschenk“ und „An Weihnachten“ eine Beschreibung des Zeitpunkts zu sein…

ich lasse mich aber gerne zu anderen Ansichten überzeugen

Grüsse

Rincewind

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Hallo, Caren,

wie immer bei solchen Doppelungen sind beide möglich.
Wobei die Erklärung von Michael schon den Unterschied klar macht.

Diese Doppelung gibt es auch bei Ostern und Pfingsten und auch bei Geburts- bzw. Namenstag.

Es steht dahinter, dass bis ins Frühneuhochdeutsche die Präposition „zu“ sehr viel häufiger bei Terminen gebraucht wurde als heute, da wir meist „an“ verwenden.

Das Wort „Weihnachten“ - also der Dativ Plural - rührt daher, dass dieses Fest ab althochdeutscher Zeit „ze den wihhen nahhten“ - d. i. „zu (heute: an) den heiligen Nächten“ hieß.

Im Duden findest du unter „zu“

_zu

2. (zeitlich) kennzeichnet den Zeitpunkt einer Handlung, eines Geschehens, die Zeitspanne, in der sich etw. abspielt, ereignet: zu Anfang des Jahres; zu Lebzeiten seiner Mutter; zu gegebener Zeit; zu meiner Zeit war das anders; das Gesetz tritt zum (am) 1.Januar in Kraft; zu (regional; über, die Zeit um) Ostern verreisen.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Es lohnt sich auch im Grimm, der hier verlinkt ist, nachzusehen, obwohl einen die Fülle dort schier erschlägt.

Gruß Fritz

Hallo, Fritz!

wie immer bei solchen Doppelungen sind beide möglich.
Wobei die Erklärung von Michael schon den Unterschied klar
macht.

Diese Doppelung gibt es auch bei Ostern und Pfingsten und auch
bei Geburts- bzw. Namenstag.

Könnte es hier auch wieder einmal regionale Unterschiede geben? Zumindest in meinen Ohren hört sich „an Weihnachten“ sehr „piefkenesisch“ (= deutsch jenseits des Weißwurstäquators) an. Hier im östlichen Ösi-Land würde niemand „an Weihnachten“ sagen.

Liebe Grüße aus dem trüben Wien

Livia

Hallo, Livia!

Könnte es hier auch wieder einmal regionale Unterschiede
geben? Zumindest in meinen Ohren hört sich „an Weihnachten“
sehr „piefkenesisch“ (= deutsch jenseits des
Weißwurstäquators) an. Hier im östlichen Ösi-Land würde
niemand „an Weihnachten“ sagen.

An dieser Vermutung ist einiges dran.
Die meisten Unterschiede zwischen dem „Reichsdeutschen“ und der „randständigen Deutsch“ besteht fast immer darin, dass die Randgebiete irgendwann die weitere reichsdeutsche Entwicklungen nicht mehr mitmachten und so als holländisch, letzeburgisch, elsässer- und schweizerdeutsch und schließlich als „österreichisch“ bei der rasanten Entwicklung „im Reich“ - oder im „großen Kanton“ wie die Schweizer sagen - nicht mehr mithalten konnten.

So ist zum Beispiel im deutschen Deutsch „trotzdem“ als Nebensatzkonjunktion nicht mehr möglich, während bei böhmischen, österreichischen und schweizerischen Autoren sehr wohl ein Satz möglich ist iwe dieser: „Trotzdem er gestern erst spät ins Bett gegangen war, stand er heute wie immer um sechs Uhr auf, um nach den neuen Emails zu schauen.“

Und so gibt es noch viele regionale Unterschiede. Ihr lebt „am Land“, wir „auf dem Land“ usw.

Gruß Fritz

Zu Weihnachten
hallo livia,

nur in den gebrauchten bundesländern heißt es „an“. im osten „zu“.

die kinder im osten lernen aber vom „sieger“ *gg*, also gehen zeitangaben wie dreiviertel vier, sonnabend und „zu weihnachten“ leider flöten.
so wie die verwendung des „ß“ und des wörtchens „nicht“.
„an“ ist also eine regionale besonderheit und ich vermute, der gute fritz hat dieses schon vor jahren in seine liste aufgenommen.
bei „an“ sträuben sich mir nebenbeigesagt die nackenhaare.

strubbel
Y:open_mouth:)

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Hallo Strubbel,

darf ich widersprechen:
dreiviertel vier
ist definitiv keine Errungenschaft des Ostens.
Auch in der Pfalz sagt man so.
Und ‚zu‘ scheint in Oesterreich fast ausschliesslich
gebraucht zu werden (–> Livia) und bei uns
immerhin in einer Bedeutungsunterscheidung moeglich
zu sein (–> erste Antwort auf das Ursprungsposting)

so wie die verwendung des „ß“ und des wörtchens „nicht“.

???

bei „an“ sträuben sich mir nebenbeigesagt die nackenhaare.

Mir straeuben sich dieselben, wenn Theorien geformt werden,
um das eigene Sprachgefuehl zu rechtfertigen.

Gruesse
Elke

1 „Gefällt mir“

trotzdem - obwohl
Servus Fritz!

So ist zum Beispiel im deutschen Deutsch „trotzdem“ als
Nebensatzkonjunktion nicht mehr möglich, während bei
böhmischen, österreichischen und schweizerischen Autoren sehr
wohl ein Satz möglich ist iwe dieser:
„Trotzdem er gestern erst spät ins Bett gegangen war, stand er heute :wie immer um sechs Uhr auf, um nach den neuen Emails zu schauen.“

Das wird nur noch umgangssprachlich, außerhalb der Schule geduldet, im Deutschunterricht wird in diesem Fall sowohl schriftlich als auch mündlich „obwohl“ verwendet.

Grüße von Helene

dreiviertel und viertel über

dreiviertel vier
ist definitiv keine Errungenschaft des Ostens.
Auch in der Pfalz sagt man so.

Öhm, und hier in Wien und in zumindest Teilen Österreichs ebenfalls.
Kennen Teile Deutschlands eigentlich das „viertel über vier“ (statt viertel nach vier)? wenn ja, welche teile?

Livia

Servas, Fritz!

Die meisten Unterschiede zwischen dem „Reichsdeutschen“ und
der „randständigen Deutsch“ besteht fast immer darin, dass die
Randgebiete irgendwann die weitere reichsdeutsche
Entwicklungen nicht mehr mitmachten und so als holländisch,
letzeburgisch, elsässer- und schweizerdeutsch und schließlich
als „österreichisch“ bei der rasanten Entwicklung „im Reich“ -
oder im „großen Kanton“ wie die Schweizer sagen - nicht mehr
mithalten konnten.

Hmm, klingt logisch. Die Umgangssprache bzw. der Dialekt ist noch dazu sowieso konservativer als die Schriftsprache.

So ist zum Beispiel im deutschen Deutsch „trotzdem“ als
Nebensatzkonjunktion nicht mehr möglich, während bei
böhmischen, österreichischen und schweizerischen Autoren sehr
wohl ein Satz möglich ist iwe dieser: „Trotzdem er gestern
erst spät ins Bett gegangen war, stand er heute wie immer um
sechs Uhr auf, um nach den neuen Emails zu schauen.“

Und so gibt es noch viele regionale Unterschiede. Ihr lebt „am
Land“, wir „auf dem Land“ usw.

wie abu schon schrieb stimmt das mit dem Trotzdem nicht ganz. Offiziell darf man nicht mehr.
Mit „auf dem Land“ ist es ähnlich. Im Dialekt jederzeit „am Land“, in der Hochsprache eher „auf dem Land“.

Allerdings kenne ich VolksschullehrerInnen mit erschreckenden Lücken in ihren Deutschkenntnissen. Die Vorarlberger haben es da allerdings oft auch schwer, denn die müssen Deutsch ja erst selbst als Fremdsprache lernen :wink:). Und manche Autoren schreiben ja bewusst in „Landessprache“ (schweizerisch oder österreichisch). Der Lektor/die Lektorin lasst es dann wohl auch als landestypisch stehen.

Liebe Grüße
Livia

Hi Livia,

danke fuer die Schuetzenhilfe.
Ich kann aber nur Negatives ueber ‚viertel ueber vier‘
vermelden.

Bei uns (nochmal:stuck_out_tongue:alz) heisst das: ‚Vertel noch de Viere‘
oder ‚vertel fuenfe‘.
Und fuer das, was die Englaender ‚top of the hour‘ nennen,
sagen wir: „um ganz“.

Gruesse
Elke

Servus, Helene und Livia!

Das mit dem „trotzdem“ bezog sich mehr auf literarische Quellen, also Autoren wie Kafka, Werfel, Herzmanowsky-Orlando, Stifter, Keller, Gotthelf, Frisch und Dürrenmatt, als auf aktuelle Texte.

Mündlich höre ich sowas wie „am Land“ und „beim Fenster herein“ in München beim WWW-Treffen in München. Und von Jenny! :wink:

Es beruhigt mich, dass dies nicht in der Schule gelehrt wird.

Aber auch bei Lehrer/innen kann man nicht sicher sein. Ich hatte Kollegen/innen, die allen Ernstes „ich bin gestanden/gesessen/gelegen“ als korrektes Hochdeutsch lehrten.

Gruß Fritz

Auf Weihnachten…
Hi Caren,

so sagt man jedenfalls im Lechrainischen, also etwa von Schongau bis Lechfeld.

Gruß Ralf

Hallo Fritz!

Aber auch bei Lehrer/innen kann man nicht sicher sein. Ich
hatte Kollegen/innen, die allen Ernstes „ich bin
gestanden/gesessen/gelegen“ als korrektes Hochdeutsch lehrten.

Über dieses Thema gab es schon einmal einen Duskurs (Hanna hatte ihn ausgelöst :smile: )
Zur Erinnerung:
„In der österreichischen Standardsprache, werden alle Verben, die eine Körperhaltung ausdrücken , mit ‚sein‘ gebildet:
ich bin gesessen, gelegen, gestanden, gehockt…, sogar gehangen, gebaumelt, geschwebt…“
(nachzulesen im ÖWB)

Vielleicht wird das in Bayern auch so gehandhabt?

Helene :wink:

Servas, Fritz!

Das mit dem „trotzdem“ bezog sich mehr auf literarische
Quellen, also Autoren wie Kafka, Werfel, Herzmanowsky-Orlando,
Stifter, Keller, Gotthelf, Frisch und Dürrenmatt, als auf
aktuelle Texte.

Tja, die sind in der Zwischenzeit a scho über 100 Jahre alt :wink:)

Mündlich höre ich sowas wie „am Land“ und „beim Fenster
herein“ in München beim WWW-Treffen in München. Und von Jenny!
:wink:

Es beruhigt mich, dass dies nicht in der Schule gelehrt wird.

Ja, in der Sprechsprache sag ich auch „am Land“, aber „zum Fenster rein“ (obwohl mir „beim“ hier durchaus geläufig ist, und mir beim Reden auch nicht auffallen würde).

Aber auch bei Lehrer/innen kann man nicht sicher sein. Ich
hatte Kollegen/innen, die allen Ernstes „ich bin
gestanden/gesessen/gelegen“ als korrektes Hochdeutsch lehrten.

Öhm, ich hätte das auch nicht als falsch erkannt. Und Duden verrät mir, dass dies die „im Süden zur Zeit übliche“ Form ist. Na, da bin ich ja erleichert. :wink:

Liebe Grüße,
Livia

Hallo, Abu!

„In der österreichischen Standardsprache, werden alle
Verben, die eine Körperhaltung ausdrücken , mit ‚sein‘
gebildet:
ich bin gesessen, gelegen, gestanden, gehockt…, sogar
gehangen, gebaumelt, geschwebt…“
(nachzulesen im ÖWB)

Vielleicht wird das in Bayern auch so gehandhabt?

Laut Duden „südlich des Main“. Da gehört Bayern wohl auch hin. :wink:
Livia

Servus, Helene:smile:

„In der österreichischen Standardsprache, werden alle
Verben, die eine Körperhaltung ausdrücken , mit ‚sein‘
gebildet:
ich bin gesessen, gelegen, gestanden, gehockt…, sogar
gehangen, gebaumelt, geschwebt…“

für mich ist, obwohl ich weiss, dass das die *deutschdeutsch* sprechler*
verpönen, einer, der *gestanden hat* noch immer einer, der etwas zugegeben hat…wenn i auf di wart, dann sag i, i \ *bin am stephansplatz g’standen und hab auf di g’wart…*lach*
liebe grüsse aus Wien, jenny

Und nochmal Meldung aus der Palz:
wir sind auch suedlich des Mains -
also bei uns auch.

Ich bin in de Wertschaft g’hockt.
Ich bin am Baam g’hange (mit den HAenden, net am Hals!)

Und auch wir reichen etwas „zum Fenschter noi“.

Gruesse
Elke

hallo elke,

das macht pfälzer in meinen ohren ja auch sympathisch, ösis sowieso.
das mit den nackenhaaren ist keine theorie sondern ein gefühl.
junge leute verwenden immer weniger das wort nicht.
selbst berliner und fischköppe verwenden stattdessen: „net“.

strubbel
E:open_mouth:)