Anästhetikum

Hallo,

beim letzten Zahnarztbesuch bekam ich eine Betäubungsspritze die mir irgendwie nicht bekam. Ich hatte weder Angst vor dieser, noch hat sie weh getan. Im Gegenteil ich war erstaunt, wie wenig ich doch von der Spritze spüre.
Doch als das Anästhetikum eingespritz war, bekam ich ein Schwindelgefühl und war für ca 10 Sekunden nicht ansprechbar (nicht vollständig weg). Danach ging es mir wieder zunehmend besser und meine Hautfarbe färbte sich auch wieder von kittelweiß zu lebendig.
Ich empfand diese „Auszeit“ auch nicht einmal besonders schrecklich. Es war halt da und hörte wieder auf.

Doch möchte ich solche Situationen lieber vermeiden, wenn ich noch einmal eine Betäubungsspritze beim Zahnarzt bekomme.

Nun zu meiner Frage: Kann ich mich durch die Ernährung am Vortag (oder ähnliches!!!) einigermaßen dafür stärken und darauf vorbereiten? Ich hatte vorgehabt 1-2 Tage vorher mal nicht zu rauchen, obs was bringt weiß ich nicht, schaden wirds sicher nicht :wink:

Lieben Dank für eure Antworten
vastitas

Hallo Vastitas,

deiner Beschreibung nach zu urteilen, wurde bei der Applikation des Anästhetikums etwas davon in ein lokales Blutgefäß abgegeben statt - wie beabsichtigt - in das Gewebe.

Üblicherweise wird vor der Abgabe der Spritzenzylinder etwas zurückgezogen (Aspiration), um zu überprüfen, ob man nicht vielleicht ein Gefäß getroffen hat. Dennoch kann es (vor allem im Unterkiefer) bei entsprechend individueller Gefäßlage durchaus vorkommen und ist nicht immer vermeidbar.

Das Mittel stellt dann die Gefäße weit, der Pulsschlag verringert sich und der Blutdruck fällt in den Keller. Fazit ist, dass das Gehirn kurzzeitig mit Sauerstoff unterversorgt wird. Häufig treten zu den von dir genannten Symptomen noch ein metallischer Geschmack, Schläfrigkeit, Ohrklingeln und eine verwaschene Sprache auf.
In der Regel stellt dies bei überwiegend gesunden Menschen keine lebensbedrohliche Komplikation dar.

War dies die Ursache für deinen Zustand, kannst du dir vermutlich ausgiebige Vorbereitungen auch in Zukunft sparen. Ausnahme: Nicht auf ganz nüchternen Magen spritzen lassen!

Grüße,
Kahoona

… schnipp …

Nun zu meiner Frage: Kann ich mich durch die Ernährung am
Vortag (oder ähnliches!!!) einigermaßen dafür stärken und
darauf vorbereiten? Ich hatte vorgehabt 1-2 Tage vorher mal
nicht zu rauchen, obs was bringt weiß ich nicht, schaden wirds
sicher nicht :wink:

Lieben Dank für eure Antworten
vastitas

Servus Vastitas (ist das ein litauischer Nick?),

wenn Du nicht zu den Leuten gehörst, die ihre täglichen 3,5 Liter Espresso mit der gleichen Menge Wodka 'runterspülen, ist auf der Ernährungsseite nicht viel an Prophylaxe möglich :wink:

Besser wäre es, wenn Du Deinen Zahnarzt beim nächsten Mal bittest, das Anästhetikum zu wechseln s.u. Er kann auch den gefäßkontrahierenden Zusatz in geringerer Konzentration anwenden, daran liegt es nämlich meistens, wenn die Patienten nach der Spritze ‚wegrutschen‘. Wahrscheinlich bist Du ein Hypotoniker. Wenn er hat, kann Dein ZA auch Mepivacain spritzen, das wirkt von selber etwas gefäßkontrahierend, ohne die Kreislaufwirkung der anderen Mittel.

Kai

Servus Kahoona,

In der Regel wird in der Zahnmedizin mit vasokostriktorischen Zusätzen (also KEINE Relaxation) gearbeitet.

guck mal da:

http://209.85.129.104/search?q=cache:2qqWF_GIOJIJ:ww…

scrollen bis -, oder suchen nach: 8.5.1

Kai

Servus Kai,

Völlig Richtig, i.d.R. sind vasokonstriktorische Zusätze enthalten die, wie der Artikel auch bemerkt, die Verweildauer vor Ort erhöhen und die systemische Anflutung verlangsamen sollen. Der Rest ist leider weniger Richtig.

Man könnte meinen, dass das Anästhesie-Adrenalin konstringierend über alpha1-Rezeptoren die KLEINEN Blutgefäße in der Peripherie und über beta1 am Herzen positiv inotrop, dromotrop und chronotrop wirkt und das Herzminutenvolumen und RR deshalb ansteigen sollte. Das findet aber nur bei entsprechend „hohen“ Konzentrationen statt. Tatsächlich liegt die bei intravasaler Applikation ohnehin schon hohe Verdünnung (beim Praxenprimus Articain 1:200K sind in 1,2 ml (Standarddosis) nur 7,2µg EpinephrinHCl) nach ein paar Herzschlägen im unteren µg-Bereich, was über die selektive beta2-Aktivierung den RR sogar noch absenkt.

Aber wirklich ausschlaggebend für die klin. Effekte (Hypotonie, Sinusbradykardie, Asystolie…) und den „käsbleichen“ Patienten ist die Sympathikusblockade, welche u.a. auch zu einer art. und ven. VasoDILATATION führt und den RR in den Keller jagt (und vermutlich sogar die Adrenalinfreisetzung aus den neuroendokrinen Zellen des NNM hemmt).
Deshalb wird den Zahnärzten bei kardiovaskulären Dekompensationen ja auch ausser 02-Gabe (wg. der Minderperfusion des Gehirns), bei Bedarf Volumensubstitution, Adrenalin/Dopamin (Frühphase) und Benzos für die Spätphase empfohlen.

Keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber klingt das nicht ein bisschen plausibler?

Gruß,

Kahoona

Hallo Kahoona,

ich danke dir für deine Antwort. Dieser Artikel hier ist (im Vergleich zum unteren :wink: ) sehr gut verständlich und erklärt für Laien „mundgerecht“, was da eigentlich passiert, wenn der Arzt mit der Spritze kommt und den Patienten ausschhaltet. *grins*

Ich muss hinzufügen, dass ich bei einer Studentin in der Uni Versuchskanninchen gespielt habe. Also es durchaus möglich ist, dass sie etwas vom Anästhetikum in das Blutgefäß abgegeben hat.

Das beruhigt, denn morgen ist der Oberarzt persönlich dran. :smile: Auch wenn er auch nur ein Mensch ist, fühle ich mich etwas sicherer. Jedenfalls weiß ich nun, dass es nicht unbedingt an der eigentlichen körperlichen Schwäche liegt, wenn dergleichen passiert.

Von Hypotonie und Adrenalin haben die dort auch was gefaselt, doch war mir das, wie bei deinem zweiten Artikel „leicht“ zu viel Information :wink:

Liebe Grüße
vastitas

Mepivacain
Hallo Kai,

ich werde meinem Zhnarzt mal nach diesem Mittel fragen.

PS: „vastitas“ ist kein litauischer Nick, sondern ein lateinisches Wort mit einer sehr „speziellen“ und alten Bedeutung für mich.

liebe Grüße
vastitas

Keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber klingt das nicht ein
bisschen plausibler?

Gruß,

Kahoona

Ähhhhhhhhhhhhh, schon - wenn man’s zweimal gelesen hat :wink:
Gott, was Ihr als Studenten schon so drauf habt. Da bin ich aber schon so froh daß ich jetzt in Rente …

Danke und servus!

Kai

[Da bin ich
aber schon so froh daß ich jetzt in Rente …]

Tausche Schulwissen gegen klinische Erfahrung.
Chiffre …

Gruß,
Kahoona