Hallo Sabine,
Ich nehme mal an, dass jeder und jede Phasen kennt, in denen
man von Missmut und schlechter Stimmung geplagt wird.
Ja, das kenne ich auch. Das Wort „geplagt“ gefällt mir in diesem Zusammenhang allerdings weniger. Was wäre das Leben ohne Höhen und Tiefen, ohne Stimmungen? Wenn Du es als etwas normales ansehen würdest, oder als nichts Außergewöhnliches, dann glaube ich, ist es einfacher, die Ursache der Missmutigkeit herauszufinden.
Ich kenne Leute die nach außen hin immer gute Laune verbreiten, die ständig ein Lächeln auf den Lippen haben und denen es, egal wann man sie trifft, immer gut geht. Es gab sogar eine Zeit, da haben sie mir ein richtig schlechtes Gewissen gemacht. Als ich aber mal näher hingeschaut habe, musste ich feststellen, dass sie eine Maske tragen, sie wollen nicht, dass man ihre „negative Seite“ erkennt. Da sind mir Menschen, die ihre Missmutigkeit zeigen und leben, doch wesentlich lieber. Sie sind natürlich.
Nun
frage ich mich allerdings, wie häufig solche Phasen bei
durchschnittlichen Menschen auftreten und wie lange sie
ungefähr andauern, wobei mir klar ist, dass es auch vom Wesen
eines jeden Menschen abhängt, wie positiv oder lebenslustig
jemand ist.
In Zeiten von Missmutigkeit, schlechter Laune, hilft es mir nicht, wenn ich mich an anderen Leuten „messe“
Ach, könnte ich doch so fröhlich sein wie X. Das hilft mir in jedem Fall nicht weiter. Mein Eindruck ist, dass sehr viele Menschen sich an anderen orientieren: „Könnte ich doch so aussehen wie Julia Roberts.“
Wir vergeuden viel Energie damit, so sein zu wollen wie andere, orientieren uns teilweise an irgendwelche Berühmtheiten, die immer gut aussehen und gute Laune haben und verlieren den Blick für uns selbst. Mir jedenfalls hilft es, wenn ich in Phasen von Missmutigkeit ganz nah bei mir selbst bin. Mittlerweile habe ich gelernt mich so zu „ertragen“ wie ich bin. Es gehört zu mir, dass ich bei Zeiten schlecht drauf bin und nur ich bin dafür verantwortlich.
Ich persönlich leide schon seit mehreren Jahren unter
Stimmungsschwankungen und einer allgemein düsteren Stimmung,
d.h. ich bin den Großteil des Tages entweder missmutig,
unzufrieden oder bedrückt und fühle mich einfach in keiner
Weise ausgeglichen und zufrieden. Das Problem ist, dass ich
mir nicht erklären kann, wie es dazu kommt, denn im Grunde bin
ich mit meinem Leben recht zufrieden.
Viele Menschen verwenden einen großen Teil ihrer Energie gerade darauf, ihre unbefriedigende Lebensführung für „normal“ oder wünschenswert zu erklären. Viele von uns sind gerade dann besonders stolz, wenn wir meinen ein „gutes Leben“ zu leben, wobei „gut“ nichts anderes meint, als normal, durchschnittlich und „so wie es die anderen gern hätten“-die anderen die wir bewundern und achten und die uns eingeredet haben, dass das ein gutes Leben sei. Verheiratet sein, im Beruf erfolgreich sein, ein guter Vater sein, eine gute Hausfrau sein, ein Geschäftsmann sein, Einfluss haben, ein „echter Mann“, „eine echte Frau“ sein.
Die Frage die ich mir gestellt habe ist: Was bezeichne ich als ein gutes, normales Leben?
Mir ist ein „gutes Leben“ ja regelrecht eingeredet worden. Zufriedenheit bedeutet: Eine Gute Arbeit haben, Familie, Freunde, einmal im Jahr Urlaub usw.
Ist das wirklich so? Wenn ich es so betrachte, fällt es natürlich schwer einen Grund für meine Missmutigkeit zu finden.
Wenn ich aber versuche aus dem „normalen“ Leben auszubrechen, indem ich einfach mal Dinge anders mache, ausprobiere, etwas tue was ich noch nie getan habe, dann habe ich die Möglichkeit herauszufinden, womit ich zufrieden sein kann, oder nicht.
Immerhin bin ich noch
keine 20 Jahre alt, Studentin, seit einem Jahr von daheim
ausgezogen und möchte an meinem Leben nicht wirklich etwas
verändern.
Warum nicht? Du bist oft missmutig und willst nichts verändern??
Das kann ich nicht verstehen. Da behinderst Du Dich ja selbst.
Veränderung durch ausprobieren, einfach mal etwas anderes ausprobieren. Es bereichert. Wenn es mir heute schlecht geht und ich eine Veränderung anstrebe, kann diese doch eigentlich nur ins Positive verlaufen. „Ich möchte etwas verändern, weil ich nicht mehr so oft schlecht drauf sein will“
Ich kann doch nur dadurch gewinnen!
Versuche, meine Stimmung durch sportliche Betätigung,
Unternehmungen mit Freunden oder anderen Beschäftigungen zu
verbessern, sind nur mäßig und kurzfristig erfolgreich und
Phasen, in denen ich mich zufrieden und wohl fühle, sind
ziemlich selten.
Vor einiger Zeit hab ich durch die Einnahme von
homöopathischen Johanniskraut-Kapseln nicht mehr als eine
Gewichtszunahme bewirken können, möchte es aber nochmal mit
homöopathischen Mitteln versuchen und hab deshalb die Frage,
ob mir jemand Ratschläge oder Tipps geben kann.
Eigentlich soll sich nichts in meinem Leben verändern und wenn es so bleibt und es mir doch schlecht geht dann greife ich eben zu Hilfsmitteln, wie Johanniskraut, oder Ablenkung, wie Sport. Das ist die Botschaft die Du mir sendest.
Wenn es mir schlecht geht, frage ich nicht nach Medizin, sondern versuche zu ergründen, was mich so unzufrieden macht, indem ich ganz nah bei mir bin und „in mich rein“ horche.
Wenn es mir schlecht geht, frage ich nicht nach Ablenkung, denn das kann ja nur vorübergehend die Situation verbessern, der Ursache für meine Unzufriedenheit komme ich so aber nicht auf die Spur.
Liebe Sabine, ich wünsche Dir einfach den Mut zur Veränderung.
Du kannst nur gewinnen!
Liebe Grüße
Frank