Andenken

Hallo,

in einem Forum habe ich gelesen:
„Erst wenn du wirklich partout nicht mehr schlafen kannst, würde ich andenken, abends noch etwas zu nehmen.“

Gibt es das Verb „andenken“ wirklich? Ich hätte statt dessen „erwägen“ benutzt. Übrigens scheint man dieses Verb nicht konjugieren zu können, oder sagt jemand: „ich denke an, abends etwas zu nehmen“?

Deutsch ist nicht meine Muttersprache, daher diese Frage.

LG

Benoît

Hallo Benoît,

das Verb „andenken“ ist eine den Verben anfangen, angreifen, anpacken vergleichbare Konstruktion.
Ich vermute, dass es ursprünglich SPIEGEL-Deutsch war. Dieses Nachrichtemagazin hat ja nach em Krieg durch eine ganze Reihe von Neubildungen unsere Sprache geprägt, wenn auch nicht immer bereichert.

Gruß - Rolf

hi,

in einem Forum habe ich gelesen:
„Erst wenn du wirklich partout nicht mehr schlafen kannst,
würde ich andenken, abends noch etwas zu nehmen.“

Gibt es das Verb „andenken“ wirklich? Ich hätte statt dessen
„erwägen“ benutzt. Übrigens scheint man dieses Verb nicht
konjugieren zu können, oder sagt jemand: „ich denke an, abends
etwas zu nehmen“?

das präfix „an-“ ist produktiv; „andenken“ ist eine korrekte bildung mit ingressivem charakter … also „anfangen zu denken“ in etwa. und es ist verräterisch: der / die betreffende würde den einsatz des medikaments also nicht „durchdenken“, würde den gedanken nicht zu ende bringen. „andenken“ empfinde ich immer wieder als schmalspurdenken, unvollständiges denken.

man kann das auch konjugieren. du findest das weniger im präsens in der 1. person, denn wer andenkt, ist ja gerade mit andenken beschäftigt. aber „er hat angedacht, …“ gibts durchaus.

hth
m.

Hallo Benoît

Das Wort «andenken» löst bei mir dieselbe unangenehme Empfindung
aus, wie z.B. «andiskutieren» oder das schlicht unsinnige «aufzeigen»
(statt «zeigen»). Modischer Krimskrams!

Daran ändert sich auch dann nichts, wenn man zugeben muss, dass die
Verben korrekt konstruiert sind.

Freundliche Grüsse
Rolf

Gibt es das Verb „andenken“ wirklich? Ich hätte statt dessen
„erwägen“ benutzt.

Hallo Benoît,

das trifft es nicht so ganz. „an“ kann recht verschiedene Bedeutung haben, in diesem Fall wirkt es vermindernd im Sinn von „ein wenig“ wie in anschleifen = nur vorsichtig an der Oberfläche oder anbraten = nur kurz, gegart wird später.

Gruss Reinhard

Hallo allerseits!

Vielen Dank für eure Antworten. Ich weiss nicht, ob das Spiegel-Deutsch ist. Auf jeden Fall ist das bestimmt eine Modeerscheinung, denn eine Kollegin von mir, die Deutsche ist und seit mehreren Jahrzehnten in Frankreich wohnt, meinte, es gebe dieses Verb nicht. Deshalb hatte ich die Frage gestellt. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das vor 10 Jahren gehört zu haben.

Mir ist in der Presse auch aufgefallen, dass statt „mieten“ fast immer „anmieten“ steht. Gibt es also einen Unterschied zwischen „eine Wohnung mieten“ und „eine Wohnung anmieten“?

LG

Benoît

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Mir ist in der Presse auch aufgefallen, dass statt „mieten“
fast immer „anmieten“ steht. Gibt es also einen Unterschied
zwischen „eine Wohnung mieten“ und „eine Wohnung anmieten“?

Hallo Benoît,

nein, zwischen mieten un anmieten gibt es keinen Unterschied. Ich halte „anmieten“ für Bürokratendeutsch; die Bürokraten sind ja mit den einfachen Worten nicht zufrieden, sondern müssen die auf irgendeine Weise wichtiger klingen lassen. Und „anmieten“ klingt nun mal wichtiger als bloß „mieten“.
Und eine „Zielsetzung“ ist natürlich viel gewaltiger als ein „Ziel“ - aber das nur nebenbei.

Gruß - Rolf

Hallo!

das präfix „an-“ ist produktiv;

Also wenn ich nun schon so lange fürs Examen gelernt habe, muss ich ja mal was dazu sagen :wink:
an- ist nicht unbedingt Präfix, zumal verbale Präfixe doch eher nicht großartig produktiv sind, oder?! Nach Barz ist das hier eine Partikelverbbildung, wobei ich bis heute noch nicht verstanden habe, warum eine Präposition ein Partikel sein soll. Aber das ist erst einmal zweitrangig. Der Unterschied zwischen wirklich präfigierten Verben wie ‚verkaufen‘ und eben Partikelverben wie ‚andenken‘ ist die Teilbarkeit. Besser ist dieses Beispiel:
„Das Fenster läuft an.“
*„Das Fenster schlägt be.“

Aber das nur so als Einwurf :wink:

‚andenken‘ ist übrigens ein mir sehr geläufiges Wort. Vielleicht ist es ja auch regional verteilt? Ich würde viel eher sagen, dass ich etwas angedacht habe, als dass ich etwas erwogen habe.

LG
Sonne

nein, zwischen mieten un anmieten gibt es keinen Unterschied.
Ich halte ‚anmieten‘ für Bürokratendeutsch; die Bürokraten
sind ja mit den einfachen Worten nicht zufrieden, sondern
müssen die auf irgendeine Weise wichtiger klingen lassen. Und
‚anmieten‘ klingt nun mal wichtiger als bloß ‚mieten‘.

Hallo Rolf,

Das war auch mein Eindruck, aber ich wollte mich dessen vergewissern. Danke für die Bestätigung!

LG

Benoît

MOD: Vollzitat gekürzt.

Gibt es das Verb „andenken“ wirklich?

Ja, aber man benutzt es nicht. Das Andenken benutzt der Deutsche nur für Souvenir. Ansonsten sagt man nur: Ich denke an etwas.

Hallo René,

Ja, aber man benutzt es nicht. Das Andenken benutzt der
Deutsche nur für Souvenir. Ansonsten sagt man nur: Ich denke
an etwas.

Du verstehst das nicht: Das war von Benoit doch auch nur mal so angedacht. Benoit und ich, wir verstehen uns halt besser, weil wir dieselbe Sprache sprechen.
:wink:

Gruß Gernot

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hallo keiner,

Ja, aber man benutzt es nicht. Das Andenken benutzt der
Deutsche nur für Souvenir. Ansonsten sagt man nur: Ich denke
an etwas.

Du verstehst das nicht: Das war von Benoit doch auch nur mal
so angedacht. Benoit und ich, wir verstehen
uns halt besser, weil wir dieselbe Sprache sprechen.
:wink:

Ich könnte dir auch noch 5 Beispiel nennen, aber verwenden tut es trotzdem keiner, auch wenn es jeder könnte. Erst recht im Präsens wird es nicht verwendet. Das Partizip klingt nach Andacht, deshalb vertraut.
Vor allem das Beispiel, was Benoit benutzt hat, sagt und schreibt man überhaupt nicht.

mfg:smile:
rené

‚andenken‘ ist übrigens ein mir sehr geläufiges Wort.
Vielleicht ist es ja auch regional verteilt? Ich würde viel
eher sagen, dass ich etwas angedacht habe, als dass ich etwas
erwogen habe.

Du denkst (es) an, deinen Freund zu besuchen?
Ich sehe, ich muss mein Deutsch noch perfektionieren, damit ich überall verstanden werde:wink:))

Hallo René,

Ich könnte dir auch noch 5 Beispiel nennen, aber verwenden tut
es trotzdem keiner, auch wenn es jeder könnte. Erst recht im
Präsens wird es nicht verwendet. Das Partizip klingt nach
Andacht, deshalb vertraut.

Das wäre das Letzte, woran ich beim transitiven Verb „etwas andenken“ denken würde, eher fände die Analogie zu „anklingen“ bei mir „Anklang“.

Wir sollten auch folgenden Gedanken mal nicht nur „andenken“, sondern ihn ruhig zu Ende denken: Dass es die Verben „schneien“, „regnen“ und „hageln“ praktisch nur in der dritten Person Singular mit dem unpersönlichen Pronomen „es“ gibt, heißt ja auch nicht, dass es die entsprechenden Verben und deren Grundformen (Infinitive) nicht gibt. Manche Verben sind halt nicht komplett und werden der Vollständigkeit halber eben nur in Konjugationstabellen geführt oder in dichterischer Freiheit gebraucht.

http://www.google.de/search?hl=de&client=firefox-a&r…

Was haben wir da nur „andiskutiert“? Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht allzu „angemacht“! Ich bin gerade vom Roten schon etwas „angehagelt“, „drum tu den Wein ich auch nicht trinken, sondern beißen“.
:wink:

Gruß Gernot