Andere nationalität, andere symptome

hi

ich hab eben mit einer freundin diskutiert…die meinte das eine deutsche frau ein völlig anderes (psyschologisches)krankheitsbild hat als eine zb. türkische oder spanische…

weiss da jemand vielleicht mehr infos dazu??

mfg

asi

‚Zeitverschiebung‘
Hi Asi
Manche Kulturen stehen gegenwärtig in vieler (nicht aller!) Hinsicht etwa da, wie unsere beispielsweise vor hundert Jahren. Deswegen finden wir psychosomatisch arbeitenden Ärzte heute manchmal bei jungen Türkinnen z.B. die von Freud vor 100 Jahren beschriebenen und behandelten hysterischen bzw. konversionsneurotischen „Lähmungen“ aufgrund konflikthaft erlebter Sexualität (konventionell Sexualität unterdrückendes Elternhaus bei türkischen Mädchen, aber Aufwachsen in westlich früsexualisierter Umgebung).
Gruss, Branden

‚Mein Nabel ist gefallen‘

hi

ich hab eben mit einer freundin diskutiert…die meinte das
eine deutsche frau ein völlig anderes
(psyschologisches)krankheitsbild hat als eine zb. türkische
oder spanische…

weiss da jemand vielleicht mehr infos dazu??

Da gabs neulich einen Spiegelartikel dazu. Die Sprache ist da von Türken, die psychischen Druck öfter als körperlichen Schmerz empfinden. ZB würde eine Depression häufiger hysterische Anfälle auslösen. Oft würden türkische Depressive als psychotisch eingestuft. Auch interessant ist dazu das mit dem arc de cercle…

Hier kannst den Artikel kaufen, wenn du möchtest…
(naja ist nicht soo der Hit, aber wenns dich interessiert)
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,280466,00.html

nehmen wir mal an
es würde sowas echt geben…

es wäre ein desaster für alle versicherungen…jeder in deutschland ansässige ausländer würde seine frau versichern…nach 4 jahren psyschisch krank melden…die versicherungen müssten zahlen…weil kein arzt in der lage wäre der frau die krankheit abzuerkennen…

mfg

asi

Ich galube kaum…
…dass männliche Ausländer ihre Frauen zum Arzt schicken würden, wenn die nicht wirklich krank werden.
Gruss, Branden

arbeitsunfähigkeit bringt ca 2000 im monat
das wäre ja schon ein anreiz für leute die mit 30 schon in die rente wollen

greetz

asi

Das hat sich doch alles geändert!

das wäre ja schon ein anreiz für leute die mit 30 schon in die
rente wollen

In den letzten Mionaten hat sich die Situation rasant verändert, weil sowohl die Rentenkassen als auch das Gesundheitssystem…nun ja, ich drücke es mal vorsichtig aus…„flau“ sind.
AU-Bescheinigungen werden innerhalb kurzer Zeit vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen schärfstens auf „Herz und Nieren“ durchleuchtet. Ich will das hier nicht im Einzelnen erklären, denn das interessiert keine Sau hier im Brett.
Gruss, Branden

1 „Gefällt mir“

Hallo,

in jeder Kultur ist der Umgang mit Gesundheit und Krankheit (etwas) anders. Das betrifft auch die psychischen Störungen. Neben diesem anderen Umgang gibt es außerdem noch kulturspezifische psychische Störungen, also Störungen, die nur in einer bestimmten Kultur vorkommen. Diese Störungen tauchten zuerst in dieser Kultur (außerhalb der westlichen) auf, passen schlecht in die internationalen Störungskataloge und sind auch unzureichend erforscht. Welche Bedeutung sie haben, ist deshalb nicht klar. Es gibt jedoch die häufige Meinung, daß diese Störungen sich nur im Schweregrad von den üblichen unterscheiden und daher regionale Sonderformen der allgemein bekannten Störungen darstellen.

Im folgenden eine Aufstellung der in der ICD genannten Kulturspezifischen Störungen mit ihrem Verbreitungsgebiet:

Amok: Indonesien, Malaysia

Dhat, Dhatu, Jiryan, Shen-k’uei: Indien, Taiwan

Koro, Jinjin bemar, Suk yeong, Suo-Yang: Südwest-Asien, China, Indien

Latah: Indonesien, Malaysia

Nerfiza, Nerves, Nevra, Nervios: Ägypten, Nordeuropa, Griechenland, Mexiko, Zentral- und Südamerika

Pa-leng, Frigophobie: Taiwan, Südostasien

Pibloktoq, arktische Hysterie: Inuits

Susto, Espanto: Mexiko, Zentral- und Südamerika

Taijin kyofusho, Shinkeishitsu, Anthropophobie: Japan

Ufufuyane, Saka: Südafrika, bei Bantu, Zulu und verwandten Gruppen; Kenia

Uqamairineq: Inuits

Windigo: Ureinwohner in Nordostamerika

Grüße,

Oliver Walter

Nachfrage zu Amok
Hallo Oliver,

das finde ich interessant, obwohl ich damit eigentlich nichts zu tun habe. Insbesondere frage ich mich, wie der erste Begriff

Amok: Indonesien, Malaysia

zu verstehen ist. Ich bin im ICD noch nicht darauf gestoßen bzw. habe wohl drübergelesen und diesen Teil wieder vergessen. Den Begriff „Amok“ kenne ich nur aus dem Zusammenhang „Amokschütze“, „Amokfahrt“ etc.

Gibt es da einen Zusammenhang - und wenn, wo?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Herr Miller,

Amok ist tatsächlich dem aus den Medien bekannten Phänomen ähnlich, auf das Sie mit „Amokschütze“, „Amokfahrt“ hinwiesen. Der ursprüngliche Begriff „Amok“ bezeichnet ein Verhalten aus dem südostasiatischen Raum und wurde auf die bei uns manchmal vorkommenden Ereignisse übertragen. Amok ist aber nicht nur in Südostasien, sondern auch in anderen Kulturkreisen (u.a. Südamerika; Navajo-Indianer) in einer phänomenologisch ähnlichen Form anzutreffen.

Nachfolgend die Beschreibungen aus der ICD-10 und aus dem DSM-IV (Text-Revision).

Oliver Walter

ICD-10, Kapitel V (F), Anhang 2

Amok
(Indonesien, Malaysia)

Eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhaltens, gefolgt von Amnesie oder Erschöpfung. Viele Episoden gipfeln im Suizid. Die meisten Ereignisse treten ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Angst oder Feindseligkeit voraus. Einige Studien lassen daran denken, daß diese Fälle im Zusammenhang stehen mit einer traditionell hohen Wertschätzung extremer Aggression und suizidaler Attacken im Rahmen von Kriegshandlungen.

mögliche ICD-10 Kodierung:

F68.8 sonstige näher bezeichnete Persönlichkeits- und Verhaltensstörung

wahrscheinlich verwandte Syndrome:

Ahade idzi be (Neu Guinea)
Benzi mazurazura (Südafrika, bei den Shona und verwandten Grupen)
Berserkergang (Skandinavien)
Cafard (Polynesien)
Colerina (in den Anden von Bolivien, Kolumbien, Equador und Peru)
Hwa-byung (koreanische Halbinsel)
Iich’aa (Ureinwohner des Südwesten der USA)

DSM-IV-TR, Anhang F

Amok
Eine dissoziative Episode, die durch eine Periode des Grübelns charakterisiert ist, auf die ein Ausbruch gewalttätigen, aggressiven oder menschengefährdenden Verhaltens folgt, das sich auf Personen und Objekte richtet. Eine solche Episode scheint durch eine wahrgenommene Herabsetzung oder Beleidigung ausgelöst zu werden und nur bei Männern vorzukommen. Die Episode geht oft einher mit Verfolgungsideen, Automatismen, Amnesie und Erschöpfung sowie einer anschließenden Rückkehr zum prämorbiden Status. In einigen Fällen tritt Amok während einer kurzen psychotischen Episode auf oder kann den Beginn oder die Verschlechterung eines chronisch verlaufenden psychotischen Prozesses kennzeichnen. Die ursprünglichen Berichte, in denen der Begriff benutzt wurde, stammten aus Malaysia. Ein ähnliches Verhaltensmuster tritt in Laos, auf den Philippinen, in Polynesien (cafard oder cathard), Papua Neuguinea, Puerto Rico (mal de pelea) und bei den Navajo-Indianern (iich’aa) auf.

2 „Gefällt mir“

Sehr nett, danke! owT.