Hallo Ihr,
bitte, kann mir jemad von Euch sagen, was eine „angeborene metabolische Hirnschädigung“ ist?
Herzlichen Dank!
Liebe Grüße
Userine
Hallo Ihr,
bitte, kann mir jemad von Euch sagen, was eine „angeborene metabolische Hirnschädigung“ ist?
Herzlichen Dank!
Liebe Grüße
Userine
Hallo Userine,
„metabolisch“ heißt soviel wie: stoffwechselbedingt
Zu einer (intrauterinen) metabolischen Azidose (Übersäuerung des Organismus) kann es beim Ungeborenen kommen, durch verminderte O2-Versorgung vor und während der Geburt, z.B. infolge Plazentainsuffizienz, Nabelschnurkomplikationen, langer Geburtsdauer, Risikogeburten.
Es handelt sich um eine akute neonatale Stoffwechselkrise, also um einen geburtshilflichen Notfall, der eine Indikation für die sofortige Entbindung per Sectio (Kaiserschnitt) zur Folge haben sollte, mit anschließender „Bikarbonat-Pufferung“ und Blutgasüberwachung.
Hierbei erhält das Kind zu wenig Sauerstoff und reichert dadurch zu viel Kohlendioxid an. Dadurch entsteht eine respiratorische
Azidose. Zusätzlich kommt es noch zur metabolischen Azidose. Zusammen können beide zum schockbedingten Tod des Kindes führen.
Betroffene Neugeborene (niedriger APGAR-Core) haben direkt nach der Geburt:
herabgesetzte Reflexe, dadurch keine optimale Atmung, Schlaffer Muskeltonus, Zyanose (Blausucht), Apathie, verschlechterte Vitalität.
Durch die unzureichende Sauerstoffversorung des Gehirns besteht die Gefahr für Langzeitschäden, wenn es zur der gefürchteten infantilen Zerebralparese (Hirnlähmung) kommt. Hieraus resultieren kindliche Hirnentwicklungsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes: http://www.m-ww.de/sexualitaet_fortpflanzung/geburt/…
Viele Grüße, Renate
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Hallo Renate,
erstmal Danke für Deine Erklärung.
Doch nun bin ich noch verwirrter als zuvor!
Durch Zufall habe ich eine Diagnose unseres Kinderarztes bezüglich meines 6-jährigen Sohnes gelesen. Darauf standen folgende Dinge:
Ihm wurde Ergotherapie verordnet, wo er auch regelmäßig und gerne hingeht.
Was soll ich denn von solch einer Diagnose halten? Mir hat der Arzt nur was von ADS gesagt, aber was er aufgeschrieben hat, das deutet doch auf mehr hin - oder?
Liebe Grüße
Userine
Liebe Userine,
Doch nun bin ich noch verwirrter als zuvor!
Durch Zufall habe ich eine Diagnose unseres Kinderarztes
bezüglich meines 6-jährigen Sohnes gelesen. Darauf standen
folgende Dinge:
- angeborene metabolische Hirnschädigung
- Aufmerksamkeitsstörung
- Einschränkung i.d. zwischenmenschlichen Interaktion
ich finde es so schade und unwürdig, dass man als Betroffene erst durch Zufall wichtige persönliche Befunde zu Gesicht bekommt…
Ihm wurde Ergotherapie verordnet, wo er auch regelmäßig und
gerne hingeht.
psychomotorisches Turnen, Anregung und Förderung der Grob- und Feinmotorik, damit das Kind seine psychomotorische Entwicklungsverzögerung wieder wettmachen kann, damit er nicht mehr aneckt, sich beim Hinfallen nicht so stark verletzt, und damit durch Schulung der Feinmotorik die Fähigkeit zum Schreibenlernen (runde Buchstaben!) nicht zum täglichen Fiasko wird.
Was soll ich denn von solch einer Diagnose halten? Mir hat der
Arzt nur was von ADS gesagt, aber was er aufgeschrieben hat,
das deutet doch auf mehr hin - oder?
Ich finde es ganz wichtig, dass du mit dem Kinderarzt deine Sorgen besprichst. Er kennt dein Kind.
Es ist gut, dass du dich vorher informierst, sodass du ganz anders fragen und argumentieren kannst, sodass auch er mit seinen Antworten „weiter ausholen“ kann.
Auch ich habe einen solchen Sohn, der jetzt 20 ist. Nach einer schwierigen Zangengeburt war er blitzeblau, wie mein Mann mir erzählte. Der APGAR-Core war anfangs schlecht, aber der 3. Wert war so gut, weil unser Sohn nun kräftig brüllte, was er noch jahrelang beibehalten sollte.
Die Ärzte sagten, er sei gesund. Der Kinderarzt argumentierte, seine Gene seien der Grund für sein auffälliges Verhalten. Seine motorische Unruhe, seine Ablenkbarkeit, sein Gebrüll und seine vielen Sturzverletzungen forderten unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir mussten auf Anraten des Psychologen zum Turnen, Schwimmen, psychomotorischen Turnen, Krankengymnastik - zu Hause achteten wir auch auf Spielzeug, dass seine Bewegung förderte.
Man sieht ihm nicht an, dass er trotzdem völlig unsportlich ist, obwohl er durch tägliches Training manche Übungen profihaft beherrschte.
Aber die Ergotherapie zeigte Erfolg: Ab der Pubertät war er motorisch völlig unauffällig, nur eins blieb: seine Handschrift, er schreibt eher Druckbuchstaben.
Dazwischen war aber noch die Schule. Er war ein Kind dass durch seine Unruhe flüssig Bücher lesen konnte, als es in die Schule kam, er hatte ein erstaunliches Allgemeinwissen. Doch die Schule wurde zum Fiasko. Eine Lehrerin rief mehrmals die Woche abends bei uns zu Hause an: er sei pausenlos abgelenkt, schreibt nicht weiter… Aber die Woche hat nur 7 Tage, und die waren mit Programm gespickt. Nach Tests beim Psychologen sollte er aufs Gymnasium. Er erzählte zu Hause pausenlos, was alles in der Klasse los war, der Unterricht ansich schien gar nicht zu existieren. Nach wenigen Jahren mit viel Theater, kam er auf die Gesamtschule, wo seinen mittleren Abschluss machte.
Nach der Entbindung hatte ich mehrmals versucht eine Kopie unseres Kreissaalberichts zu bekommen. Es hieß, der würde sowieso der behandelnden Frauenärztin zugeschickt. Erst 6 Monate später kam der Bericht dort an! Es handelte sich nur um einen extrem gekürzten Bericht, dem nichts zu entnehmen war, nicht die Dramatik im Kreissaal, die Panik der Ärzte, als es fluchtartig in den OP ging, auch meine Frauenärztin war erstaunt.
Damals wurde immer verneint, dass die Auffälligkeiten des Kindes im Zusammenhang mit seiner Sauerstoffnot (Nabelschnurumwicklung) stehen könnten. Damals nannte man die Symptome MCD (minimale cerebrale Disfunktion), die man mittlerweile ADS nennt.
Man weiß noch immer nicht genug zu diesem Thema. Viele Ärzte, die man fragt, wissen nicht bescheid, und das was man weiß, steckt noch in den Kinderschuhen.
Die Ursache von ADS ist nach wie vor unbekannt. Ursache muss nicht unbedingt das metabolische Syndrom sein, da es Kinder gibt, die ebenfalls unter dramatischem Sauerstoffmangel bei der Geburt litten, die kein ADS haben, auch die Ernährung wird diskutiert, bis jetzt erfolglos.
Dopaminmangel (ein Botenstoff) im Gehirn bedingt die Auffälligkeiten dieser Kinder, aber was dazu führt, weiß man noch nicht. Man weiß aber, dass die Genetik, also die Vererbung eine entscheidende Rolle spielt. In Familien mit ADS-Kindern gibt es häufiger als üblich, Fälle von Betroffenen mit Tourette-Syndrom, endogenen Depressionen, u. a., wobei ja auch der Dopamin/Serotonin -Stoffwechsel die wichtigste Rolle spielt.
Leider meidet mein Sohn mittlerweile Ärzte, wie die Pest. Denn es gibt ein Medikament, das Ritalin, was in besonders schlimmen Fällen zum Einsatz kommt. Es war lange sehr umstritten und geht pausenlos durch die Medien. Man vermutete, es könne die Kinder nachhaltig schädigen. Neuere Berichte (Forschung des BfArM - Arzneimittelinstitut) widerlegten dies. Natürlich darf nicht jedes unruhige Kind damit ruhig gestellt werden. Aber wenn es tatsächlich unschädlich ist und die Kinder aus ihrem Chaos führt, sodass sie in der Lage sind, in Ruhe am Unterricht teilzunehmen, dann kann das gerade für die Kinder eine riesige Hilfe sein.
Ich hoffe, ich habe jetzt nicht noch mehr Verwirrung gestiftet, sondern konnte dir ein paar nützliche Anregungen geben. Manche Themen sind halt lang.
Informationen über ADS, Ritalin und Messies, bekommst du sehr gut über Google.
http://www.psychologie-online.ch/add/
http://www.psychologie-online.ch/add/add/principles.htm
http://www.psychologie-online.ch/add/add/stimulantie…
http://www.zak.ch/ADHD/
http://www.frauencoaching.de/doku/link_wellness_mess…
Alles Gute für dich und dein Kind wünscht dir
Renate
Liebe Renate,
nochmals herzlichen Dank für Deine verständliche und ausführliche Erklärung!
Nein, ich bin jetzt nicht mehr verwirrt, sondern sehe einiges klarer!
Nach ambulanter, aber enorm schwerer Geburt (mein Sohn war sehr groß: 59cm und schwer: 4500g), hat man uns „mit einem gesunden“ Kind entlassen. Keiner hat uns damals gesagt, dass sein Schlüsselbein bei der Geburt brach. Die dunkelblaue Hautfarbe wurde mir der schweren Entbindung erklärt. Seine Werte waren allerding alle 3x ok.
Niemals hätte ich gedacht, dass er während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hat.
Nun, ich denke, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, wenn ich den Bericht über die Entbindung einsehen könnte. Vielleicht bringt es ja etwas Licht ins Dunkel.
Liebe Grüße und auch Dir alles Gute
Userine