Angebot für Postion als Geschäftsführer dubios?

Hallo,

ein Freund hat mich heute sehr verwundert. Er hat mir von zwei Arbeitsangeboten erzählt, die ich etwas dubios finde.

Kurz zu seiner Vita:
Nach dem Studium hat er sich als Lehrer versucht, scheiterte aber nach 1,5 Jahren im Referendariat. Dann arbeitete er ca. 1 Jahr bei der Postbank als Kundenberater und trennte sich auch von diesem Unternehmen „in gegenseitigem Einvernehmen“ (d.h. er wurde entlassen).

Jetzt arbeitet er seit gut 1,5 Jahren als Personaldisponent bei einer Zeitarbeitsfirma. Da er nur einen Zeitvertrag hat, und wohl auch mit seinem Chef nicht sooo gut klar kommt, sieht er sich z.Z. nach was Dauerhaftem um und hat nun zwei erstaunliche Angebote erhalten:
Einmal als Geschäftstellenleiter für eine neu zu gründende Niederlassung einer Zeitarbeitsfirma und ein Angebot sogar als stellvertretender Geschäftsführer (mit fester Perspektive „richtiger“ Geschäftsführer zu werden) ebenfalls bei einer Zeitarbeitsfirma.

Verständlicherweise ist er von diesen Angeboten sehr angetan. Ich bin da jedoch skeptisch. Erstaunt hat mich an den Angeboten, dass er eigentlich keinerlei Managementerfahrung oder Leitungserfahrung hat und auch Branchenkenntnis erst seit weniger als 2 Jahren. Seine beiden Entlassungen hat er in den Vorstellungsgesprächen wohl zu „ich bin gegangen“ umdefiniert. Das wurde ihm dadurch erleichtert, dass die Firmen keine Zeugnisse von ihm sehen wollten. Sie haben sich nur mit seinem Lebenslauf zufrieden gegeben. Was ich - besonders für die Positionen um die es geht - ebenfalls erstaunlich finde.

Zugegeben, ich kenne mich im Bereich Geschäftsführung oder Personal-Leasing eher nicht aus. Bin nur „normaler Angestellter“. Vielleicht ist eine solche Vorgehensweise in diesem Bereich bzw. dieser Branche ja normal, aber erstaunen tut’s mich jedefalls.

Was meint ihr? Ist meine Skepsis berechtigt, oder sehe ich Gespenster und mein Freund sollte es ruhig auf eine der Stellen versuchen?

Danke für Eure Meinung
Jürgen

Guten Morgen, Jürgen!
Hm, für mich stellt sich die Frage, ob die einen GF suchen oder ein „Männchen für alles“. Vielleicht qualifiziert ihn einfach ausreichend, dass er „gut 1,5 Jahre ohne Probleme (bei der Konkurrenz?) Personaldiponent“ war???

MfG, Jogi

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Hallo,

mir kommt das Vorgehen der beiden potentiellen Arbeitgeber Deines Freundes ziemlich oberflächlich vor. Damit will ich nichts gegen Deinen Freund sagen, aber einen GF einstellen zu wollen, ohne Zeugnisse und Referenzen einzusehen, finde ich bemerkenswert.

Gruß

Nordlicht

Hallo Jürgen,

Verständlicherweise ist er von diesen Angeboten sehr angetan.
Ich bin da jedoch skeptisch. Erstaunt hat mich an den
Angeboten, dass er eigentlich keinerlei Managementerfahrung
oder Leitungserfahrung hat und auch Branchenkenntnis erst seit
weniger als 2 Jahren.

Das muss in diesem Bereich nicht unbedint etwas heissen. Ich habe einen ähnlich gelagerten Fall einmal mitbekommen und kann daher sagen, dass im Bereich Personal und insbesondere dann, wenn es um Zeitarbeitsvermittlung geht, die Qualifikationen nur bedingt eine Rolle spielen.
Man muss das trennen. Es gibt zum einen „echte“ Personal-Vermittler, etwa wie Kienbaum. Dort werden dann u.a. auch Head-Hunter Dienstleistungen angeboten. Hier ist eine entsprechende Qualifikation natürlich unumgänglich. Handelt es sich jedoch (hauptsächlich) um die privat organisierte Vermittlung von „Arbeitslosen“, sind die Ansprüche weitaus geringer. Von daher würde ich die fehlenden Anforderungen in puncto Qualifikation in diesem Fall per se als nicht so dramatisch ansehen.

Seine beiden Entlassungen hat er in den
Vorstellungsgesprächen wohl zu „ich bin gegangen“ umdefiniert.
Das wurde ihm dadurch erleichtert, dass die Firmen keine
Zeugnisse von ihm sehen wollten. Sie haben sich nur mit seinem
Lebenslauf zufrieden gegeben. Was ich - besonders für die
Positionen um die es geht - ebenfalls erstaunlich finde.

Na ja, also zugegeben, seriös klingt anders. Letztlich ist es aber das Unternehmen, welches sich dadurch Schaden zufügen könnte. In einem anderen Fall den ich kenne war es so, dass jemand kurz nach Beendigung seiner Ausbildung von seinem damaligen Arbeitgeber zum Geschäftsführer in einem neu gegründeten Tochterunternehmen gemacht wurde. Das fand ich damals schon besonders interessant. Wie sich ein halbes Jahr später herausstellte, liefen die Geschäfte dort nicht gerade ganz sauber ab (im Tochterunternehmen), wovon der „junge Geschäftsführer“ aber gar nichts wusste. Man hatte hier nur einen „Sündenbock“ gesucht. Natürlich kann man dies auf Deinen Fall auf Grund der wenigen Infos nicht übertragen und unterstellen soll man auch nichts. Nur wollte ich damit zeigen, dass man GF durchaus sehr schnell und aus den unterschiedlichsten Gründen werden kann.

Was meint ihr? Ist meine Skepsis berechtigt, oder sehe ich
Gespenster und mein Freund sollte es ruhig auf eine der
Stellen versuchen?

Dein Freund wird jetzt sicherlich von dem „schillernden“ Titel „Geschäftsführer“ ein bisschen geblendet sein. Nur muss man immer dazu sehen, das Geschäftsführer nicht immer gleich Geschäftsführer ist. Jedes Restaurant hat einen Geschäftsführer, der sich wiederum stark von dem Geschäftsführer eines z.B. mittelständischen Unternehmens mit über 1.000 Beschäftigten unterscheiden wird. Wie und wo der Geschäftsführerposten der nun Deinem Freund angeboten wird einzustufen ist, kann man von hier aus natürlich nicht beantworten.

Deine Skepsis ist jedoch nicht ganz unberechtigt, wenngleich ich aber auch sagen würde, dass es jetzt nicht sooo besonders dramatisch ist. Wie gesagt, gerade bei diesen privaten Zeitarbeitsvermittlern sollten keine allzu hohen Maßstäbe gewählt werden. Man bedenke nur mal im Vergleich das Wirken und Schaffen der staatlichen Arbeitsvermittlung -also was die Qualität und Qualifikation der dortigen Angestellten angeht. Da werden auch kurz um ehemalige Jugendämt’ler zu Arbeitsvermittlern „umgeschult“.

Viele Grüße
TraderS

Hi Jürgen,

Was meint ihr? Ist meine Skepsis berechtigt, oder sehe ich
Gespenster und mein Freund sollte es ruhig auf eine der
Stellen versuchen?

Einen konkreten Tip hätte ich auch nicht. Nur noch einen anderen Denkanstoß.
Wollen sie wirklich ihn als Person oder nur seine Kontakte? Letzteres bedeutet, daß er nach dem „Melken“ wieder entlassen würde.

mfg Ulrich

Hallo,

Man bedenke nur mal im Vergleich das Wirken
und Schaffen der staatlichen Arbeitsvermittlung -also was die
Qualität und Qualifikation der dortigen Angestellten angeht.
Da werden auch kurz um ehemalige Jugendämt’ler zu
Arbeitsvermittlern „umgeschult“.

… und die sind dann immer noch die „Creme de la creme“. Ich las letztens daß die Bahn die letzten verbliebenen beamteten Lokführer loswerden möchte und diese nun auch zu Arbeitsvermittlern gemacht werden.

Gruß,

MecFleih

Hallo,

mal ein anderer Aspekt in der Sache: wie kommt es denn daß Dein Freund in 2 Unternehmen nicht klargekommen ist (Lehrer und Postbank) und auch jetzt, in der Zeitarbeitsfirma, unzufrieden ist?

Das fällt mir genauso auf und da frage ich mich: was macht er falsch, was liegt ihm immer nicht, daß er so oft nicht zurecht kommt?

Da er aber in seiner jetzigen Position ebenfalls unzufrieden ist: warum sollte er sich nicht auf eines der beiden neuen Angebote einlassen? Zu verlieren hat er ja nix, weil über kurz oder lang wird er sich wohl mit seinem jetzigen Arbeitgeber überwerfen, so wie das schon 2x der Fall war… oder?

Gruß,

MecFleih

mal ein anderer Aspekt in der Sache: wie kommt es denn daß
Dein Freund in 2 Unternehmen nicht klargekommen ist (Lehrer
und Postbank) und auch jetzt, in der Zeitarbeitsfirma,
unzufrieden ist?

Kann natürlich nur berichten, was er mir erzählt hat. In der Lehrerausbildung (Referendariat) hat er wohl zwei entscheidende Lehrproben verbockt. War also nicht so sehr ein persönliches Problem.
Und bei der Postbank hat er sich in eine neue Filiale versetzen lassen und dort die entsprechende geforderte Leistung (letztlich wohl Abschlüsse) nicht gebracht.

Das fällt mir genauso auf und da frage ich mich: was macht er
falsch, was liegt ihm immer nicht, daß er so oft nicht zurecht
kommt?

Da er aber in seiner jetzigen Position ebenfalls unzufrieden
ist: warum sollte er sich nicht auf eines der beiden neuen
Angebote einlassen? Zu verlieren hat er ja nix, weil über kurz
oder lang wird er sich wohl mit seinem jetzigen Arbeitgeber
überwerfen, so wie das schon 2x der Fall war… oder?

Nach dem was er mir erzählt, ist der Chef wohl eher uninteressiert an ihm. Ein direkter Rausschmiss ist wohl nicht zu erwarten. Allerdings ist sein Vertrag auch nur befristet und mehr als Verlängerung ist wohl nicht drin.

Hallo Nordlicht,

mir kommt das Vorgehen der beiden potentiellen Arbeitgeber
Deines Freundes ziemlich oberflächlich vor. Damit will ich
nichts gegen Deinen Freund sagen, aber einen GF einstellen zu
wollen, ohne Zeugnisse und Referenzen einzusehen, finde ich
bemerkenswert.

Genau das meinte ich. Ich hätte erwartet, dass Firmen, auch kleine, sich doch zumindest für solche Führungspositionen die Zeugnisse zeigen lassen.
Allerdings ist mein Freund ist ein recht guter Selbstdarsteller, hat also ein gutes Auftreten und ich kann mir schon vorstellen, dass er in Vorstellungsgesprächen gut ankommt. Aber auch dann, mich macht das skeptisch…

Jürgen