Angedockt und abgezockt ? !

hallo alle,
gerade als e-Mail erhalten. Kann ich nur unterschreiben!

Ein Vorstandsmitglied einer großen Ersatzkasse bejammert den Verlust von über 360.000 gesunden GKV-Versicherten an die PKV und beklagt gleichzeitig die Belastung durch über 140.000 Arbeitslose, die vorher in der PKV versichert waren (die wohl alle erhebliche Gesundheitsrisiken mitbringen?). Rund zwei Milliarden Euro stünden dadurch für die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung.

Auf Drängen der Ersatzkassen und wohl auch der AOKen ist die Politik (Ulla Schmidt, Müntefering bis hin zum Bundeskanzler Schröder) zur massiven Einbindung (Andockung?) von Besserverdienern in die GKV bereit.

Das soll durch die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze (bis zur BBG der Rentenversicherung?) geschehen.

Eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze zur KV (BBG KV) wird vehement bestritten und dem PKV-Verband wurde per einstweiliger Verfügung (250.000 Euro Ordnungsgeld) die Schlussfolgerung - gedeckt durch eine repräsentative Umfrage untersagt (74% aller betroffenen GKV-Versicherten rechnen bei einer Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze AUCH mit einer steigenden Beitragsbemessungsgrenze).

Ich will mich natürlich nicht solch einer einstweiligen Verfügung aussetzen! Zitate und Erfahrungen mit Aussagen von Politiker aller Richtungen will ich aber für meine „persönliche“ Aussicht aufnehmen:

Phase 1 : Leugnen und in Abrede stellen
Phase 2 : Gesetzesgrundlagen schaffen
Phase 3 : Gesetz durchführen (hier: andocken)
Phase 4 : Gesetz erweitern (hier abzocken?)
Phase 5 : Weitere Pfründe ausloten und anpacken
. . . weiter mit Phase 1 !

Fazit : Wohl dem, der seine Pfründe (Mitgliedschaft zur PKV) sichern kann!

Zitat BK Schröder in einem Interview : " . . . . wir halten eine Anhebung der Versicherungspflichtgrenze für richtig. Dies betrifft allerdings niemanden, der sich nach geltendem Recht bereits für die PKV entschieden hat. In diesen Fällen gilt Bestandsschutz."

Soll also heißen: wer bis zum Inkrafttreten des Gesetzes privat versichert ist und unter der neuen BBG verdient, darf trotzdem drin bleiben. Obwohl ich aus Erfahrung sagen muss: was Schröder (oder jeder andere Politiker) sagt, muss nicht unbedingt auch eingehalten werden („was interessiert mich mein Gerede von gestern!?“).
Also, wer schon mit dem Übertritt zu Privaten geliebäugelt hat: schnell seinen Makler aufsuchen und wechseln. Denkt daran: Ihr habt 2 Monate Kündigungskarenzzeit. Wer im Juli kündigt, kann erst zum 1.10.2002 privat versichert sein.
Allerdings vermute ich, dass Schröders Tage gezählt sind. Aber wer weiß das schon…?
Grüße
Raimund

was die CSU/CDU dazu sagt.

Lieber Raimund,

entweder steht dasselbe im Wahlprogramm oder es steht garnix drin, weil man die eigene Klientel nicht verjagen will.

Wenn du´s genau betrachtest, ist dies doch der richtige Weg fürs Allgemeinwohl. Denn darum geht es, nicht um das Wohl der PKV und ihrer Klinkenputzer.

gruss
winkel

Danke für die Berufsbezeichnung…
hallo Winkel,
nein, das ist nicht zum Wohl der Allgemeinheit. Es ist zum Nachteil (abgesehen von der unlogischen Aussage des Kassenbosses).
Mit der Übernahme von allen (oder den meisten) Privatversicherten übernimmt die Kasse auch diejenigen, die krank sind und ebenso, die alt sind. Das kostet… und treibt die Beiträge nach oben!
Dazu kommt der nicht zu unterschätzende Kapitalschub, den die Privaten in die Wirtschaft machen und der dann ausfällt. Das kostet…und zwar Arbeitsplätze!
Und die vielen AN, die die Versicherung dann entlassen muss. Das kostet… den Steurzahler!
Es gibt noch viele andere Gründe, die dagegen sprechen. Die Grünen haben das Thema auch nicht deswegen angesprochen, um der Allgemeinheit was gutes zu tun, sondern um den Neidfaktor für die Wahl einzusetzen.
Leider gibt es bei uns in Deutschland ein eigenartiges Phänomen: den Neid.
Jeder missgönnt dem anderen etwas, was er sich selbst nicht leisten kann oder was er aus bestimmzten Gründen nicht erreichen kann. Aus Deutschland stammt auch der Spruch: Eigentum ist Raub.
Glaubst Du wirklich, dass 5 % der Versicherten die Kassen retten werden? Sollten diese 5% auch noch drin bleiben dürfen und nur noch die Neuen erst ab der BGG für Rentenversicherung in die Private gehen dürfen, dann bringt das noch weniger. Es ist nicht mal der berühmte Topfen auf den heißen Stein. Es ist ein Staubkorn im Hochofen. Es gibt ganz andere Heilmittel für die Kassen. Doch die sind unpopulär.
Grüße an den Schreibtischhengst :smile:
Raimund

Hallo Winkel,

sicherlich mag deine Meinung aus deinem Gesichtspunkt richtig sein. Aus kalkulatorischen Gründen wäre dieser Schritt aber ein ziemlicher Supergau. Egal für wen.

Mich als jungen Menschen, den der aus der PKV rausmuss… etc.
Es ist eine Momentaufnahme und bringt aktuell sicherlich wahnsinnig viele Mehreinnahmen im Bereich der GKV. Im Moment. Aber dann lass mal die heute 40 jährigen, die sich hätten privat versichern können 20 Jahre älter werden.
Wenn die GKV vorne das verbrennt, was hinten reinkommt, dann kann da nichts angespart werden. Selbst diese Mehreinnahmen gleichen im besten Fall nur das Minus aus. Vielleicht auch ein leichtes Plus. Das verhindert aber nur, dass die Beiträge die nächsten 2 Jahre nicht steigen.

Sei´s drum. Ich bin der Meinung, das Sozialstaatsprinzip (Subsidiaritätsprinzip) wird dadurch fahrlässig untergraben. Dies aus folgendem Grund: Der Staat hat die Aufgabe, so viel wie nötig, aber gleichzeitig so wenig wie möglich zu zahlen. Gerechterweise muss man sagen, dass nicht nur die 10% derzeitig PKV-Versicherte es alleine schaffen, sich einen adäquaten Versicherungsschutz zu beschaffen. Dies kann auch anderen zugemutet werden. Somit ist diese Grenze eigentlich immer noch zu hoch.
Klar. Jetzt wird es wieder heißen, aber dann hauen die ganzen Gesunden ab. Keine Frage. Aber die sind auch irgendwann mal krank oder glaubst du allen ernstes, dass nur die in der GKV schwer krank werden? Beide Seiten würden von dieser Risikostreuung auf lange Sicht profitieren. Aktuell ist sicherlich nicht viel zu retten, nur es muss angepackt werden. Sonst stehe ich irgendwann da und zahle neben einem Beitrag von vielleicht 18% (inkl. AG-Anteil) auch noch horrende Selbstbeträge in Form von Zuzahlungen.

Btw. Warum wurde denn in der GRV eine Kapitaldeckung eingeführt und hier wird es verringert?

Gruß
Marco