Hallo Bine!
Ich bin im 4. Monat schwanger. Mein Schwiegervater hat mir
schon vorher gerne mal die Finger in die Seiten geborht, um
mich zu kitzeln.
Mmmh, ein Verhalten, zu dem mir eher pubertierende Jünglinge einfallen, die gerne anfassen möchten, aber nicht wissen wie.
Mir passt das nicht wirklich, aber ausser
Ausweichen habe ich bis vor kurzem nichts dagegen unternommen.
Da dein Schwiegervater sich entschieden hat, dein Ausweichen nicht zu bemerken oder für nicht wichtig zu empfinden, wirst du nicht umhin kommen, deutlicher zu formulieren, dass du dies/wenn du etwas nicht magst. Das kann er dann nicht mehr so leicht ignorieren. Auch wenn er es vielleicht erst versuchen wird (s.u.).
Beim letzten Mal passierte das direkt nach dem Essen, und ich
merkte an, dass das im Moment weniger gut sei. Als er fragte,
wann denn dann, sagte ich, am besten gar nicht.
Naja, ich denke, er hat es bewusst überhört, darauf
eingegangen ist er jedenfalls nicht.
Er versucht erst einmal, ob er immer noch damit durchkommt, so zu tun, als wäre nichts. Er testet aus.
Da wirst du leider noch einmal bei Gelegenheit deutlicher drauf hinweisen müssen.
Vor ein paar Tagen hat er dann festgestellt, dass man so
langsam ein Bäuchlein sehen kann, und hat mir prompt auf den
Bauch gefasst.
Das ist grenzwertig und auch ich würde es als Übergriff ansehen.
Tja, und da steh ich nun, und mir ist das alles andere als
angenehm, aber wie sag ichs?
Erst einmal bestimmt und höflich, aber ohne dabei (entschuldigend) zu lächeln. Und nicht mit leiser Stimme, sondern mit fester, gut hörbarer Stimme. Es hilft wahrscheinlich, erst zuhause vorm Spiegel zu üben.
Sag ihm: „Ich möchte das nicht.“ Du brauchst (und solltest!) keine Erklärung (zu) liefern, du musst dich nicht rechtfertigen. Du magst es nicht und das sollte von deinen Mitmenschen respektiert werden. Du versuchst doch auch, die Grenzen deiner Mitmenschen zu respektieren, oder? 
Ich will ihn nicht vor den Kopf stossen,
Das ist löblich, aber er stößt DICH doch damit anscheinend schon eine Weile vor den Kopf, indem er deine Bedürfnisse nicht achtet.
Du wirst dich wahrscheinlich darauf einrichten müssen, dsss er sich sich - egal wie du es sagst - erst einmal vor den Kopf gestoßen fühlen wird. Denn: Etwas, was ER für selbstverständlich und anscheinend für sein Recht hält (dich anzufassen), wird ihm entzogen. Ich vermute, er wird deswegen es einmal trotzen und schmollen. Insbesondere, falls seine Erfahrung sonst ist, dass niemand ihm entgegentritt und er so etwas normalerweise darf.
Aber er wird sich wahrscheinlich auch wieder beruhigen.
er meint es ja nicht
böse,
Er mag es nicht böse meinen, aber er gibt sich scheinbar auch keine sonderliche Mühe, auf deine nonverbalen Signale zu achten respektive scheint sich nicht damit auseinandergesetzt zu haben oder auseinandersetzen zu wollen, wie weit man eigentlich im Umgang mit anderen gehen darf.
Selbst wenn man etwas nicht böse meint, wird es dadurch noch lange nicht gut. Und jemand anderes muss nicht erst etwas böse meinen, bevor man selbst das Recht hat, seine eigenen Bedürfnisse zu äußern!
aber es ist einfach eine Grenze, die er überschreitet,
und das will ich nicht.
Und genau das solltest du ihm auch sagen.
Ich bin generell eher zurückhaltend und schüchtern, wenn es
darum geht, andere um persönliches zu bitten,
Sei dir sicher: Genau das merkt er und das nutzt er auf gewisse Weise auch aus.
deswegen fällt
es mir sehr sehr schwer, einfach zu sagen, er soll es bitte
lassen.
Wie du selbst schreibst, ist es gar nicht so „einfach“. Oder es fühlt sich für dich auf jeden Fall nicht einfach an.
Aber im Endeffekt ist es das eigentlich doch und du kannst es vorher üben! Entweder vorm Spiegel oder vielleicht auch als Rollenspiel mit einer guten Freundin. Das ist nicht albern, denn hier geht es um dich und darum, dass du dich mehr für dich selbst einsetzt. Das ist wichtig!
Zumal ich absolut nicht wüsste, in welchem Tonfall.
Siehe oben.
Ich sehe aber auch die kommende Zeit, und ich befürchte, dass
ich mich nun auf immer wiederkehrendes Bauchtasten einstellen
kann. Und DAS will ich nun auf gar keinen Fall. Mal davon
abgesehen ist es auch sehr unangenehm, mit spitzen Fingern
nicht gerade sanft in die Rippen gepiekt zu werden *seufz*
Noch ein Argument, die Sache anzugehen. Und du wirst dein blaues Wunder erleben: Es wird nämlich funktionieren, deine Umwelt (im vorliegenden Fall dein Schwiegervater) wird dich nach anfänglichem Gemaule gerade aufgrund der Tatsache, dass du dich klar für dich selbst einsetzt, mehr respektieren und je öfter du es tust, desto einfacher wird es werden.
Ich habe auch so ein bisschen die Befürchtung, wenn ich allzu
deutlich meine Meinung sage, als empfindlich oder sowas
angesehen zu werden.
Falls das jemand sagen sollte, ist das nur eine vorgeschobene Ausrede und ein (letzter) Versuch, dich noch einmal dahin zu manipulieren, wo man dich hin haben will. Sie es mal so: Dein Schwiegervater fühlt sich zurechtgewiesen, ist dies nicht gewohnt, fühlt sich dabei schlecht und versucht dann wahrscheinlich erst einmal jemand anderen (hier: dich) für sein sich schlecht fühlen verantwortlich zu machen. Das ist eine recht weit verbreitete Verhaltensweise und im Normalfall geschieht das auch nicht bewußt oder mit Absicht. Der Sinn ist einfach, das eigene schlechte Gefühl los zu werden. Wenn’s dann jemand anderes trägt (z.B. du, in dem du dich dafür entschuldigst, so „empfindlich“ zu sein), braucht man sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen, ob denn das eigene Verhalten wirklich okay ist und fühlt sich gleich wieder besser.
Mag sein, dass das in der Hinsicht so ist,
Nein, ist es nicht. Du bist nicht empfindlich, wenn du möchtest, dass deine persönlichen Grenzen respektiert werden. JEDER Mensch hat ein Recht darauf.
aber auf solche
persönlichen Dinge nimmt man dort eher weniger Rücksicht, so
meine Erfahrung.
Tja, dann wirst du wohl Pionierarbeit leisten müssen. Vielleicht hilft es da wirklich, wenn du dir noch etwas moralischen Rückhalt bei einer guten Freundin holst, die dir immer mal wieder bestätigt, dass das, was du möchtest, vollkommen okay und legitim ist.
Ich weiß nicht, inwiefern dein Mann dazu in der Lage ist, da es sich aber um seine Ursprungsfamilie handelt, in der er geprägt wurde, kann es ja sein, dass er erst einmal auch etwas „betriebsblind“ ist.
Habt ihr nicht ein paar Tipps für mich, wie man das Ganze
vielleicht eher locker-flockig angehen könnte?
Du solltest es eben nicht locker-flockig angehen! Und zwar deswegen nicht, weil du damit dem Nicht-ernst-genommen-werden wieder Tür und Tor öffnest. Damit gibst du deinem Schwiegervater sozusagen eine Vorlage für die Interpretation: „Ach, das meint sie doch nur als Scherz!“
Wenn du als Mensch mit eigenen Bedürfnissen ernst genommen werden möchtest, ist es manchmal auch nötig etwas ERNST rüberzubringen. Nicht bierernst, aber sachlich, gefasst, höflich und NICHT lächelnd!
Ich muss ja auch selbst erstmal lernen, mit der wachsenden
Fülle umzugehen, im Moment fühle ich mich noch nicht so ganz
wohl damit. Und dann werde ich schon mit Blicken (ist er
gewachsen?) ständig drauf hingewiesen, da muss ich nicht noch
angefasst werden. Eigentlich sollte das meiner Meinung nach
auch selbstverständlich sein, dass man andere nicht einfach
anfasst.
Leider ist es nicht ganz so einfach.
Schade eigentlich.
Aber du schaffst das und wirst dabei eine Menge Gutes lernen, da bin ich mir sicher!
Grüße und viel Erfolg
Christiane