Hallo,
Und was, wenn Schüler C denkt: ‚Wenn ich das sage, muß ich
auch erklären, daß ich grade mit Schülerin D geknutscht habe
und dann ist E beleidigt‘? Bist Du der Einzige, der die Dinge
gegeneinander abwägen darf?
Ziemlich egoistisch, dein Schüler C! Die Schmerzen von B sind
ihm egal, weil er so schön geknutscht hat! Puh!
Ach, und wenn C jemand anderes zusätzlich Schmerzen bereitet (sich selber, seiner Freundin, deren Freund, natürlich auch A), geht es B besser?
Ich habe auch nicht behauptet, daß C so denkt. Vielleicht gibt es sogar noch (für ihn) wichtigere Gründe? Vielleicht wird er bedroht? Vielleicht hat er es tatsächlich gar nicht genau gesehen? Vielleicht hat er Einzelheiten vergessen? Vielleicht ist er ein Freund der beiden und will diese Freundschaft nicht aufs Spiel setzen?
Woher weißt Du, was C denkt und was er gesehen hat? Was gibt Dir das Recht, über ihn zu urteilen?
Ist ja auch viel bequemer so! Lass mal den Lehrer sich abstrampeln!
Vielleicht sollte der Lehrer mal weniger strampeln und mehr
vertrauen?
Wenn dir der Bauch sehr weh tut, würden deine hehren Worte vom
Vertrauen dir selbst etwas merkwürdig vorkommen!
Interessierst Du Dich eigentlich gar nicht für die Schmerzen von A? Woher weißt Du denn, ob sein Magenboxen tatsächlich grundlos war, ja überhaupt stattgefunden hat? Warum glaubst Du denn ausschließlich B?
Du schilderst Deinen Fall so, daß alle Tatsachen bereits festgestellt sind. Dann brauchst Du C als Zeugen gar nicht.
Wenn die Tatsachen aber doch nicht klar sind, kannst Du C auch nichts vorwerfen - Du weißt doch gar nichts, sondern vermutest nur. C aber weiß, was passiert ist und ER hat dann die Möglichkeit, Für und Wider abzuwägen. Genau diesem Urteilsvermögen könnte der Lehrer ja auch mal Vertrauen schenken. Erst recht, wenn der Lehrer gar nichts weiß.
Nein, ich fordere von meinen Schülern, dass sie sich für eine
friedliche und faire Gemeinschaft einsetzen, natürlich im
Rahmen ihrer Möglichkeiten als kleine Kinder (ein Lehrer hat
da natürlich andere und erweiterte Pflichten.)
Ist Vertrauen in unserer Gesellschaft keine Tugend? Ist im
Gegenteil jedem zu mistrauen, der angeklagt ist? Allein schon
deshalb? Ist das wirklich ein Wert, zu dem Du unsere Kinder
erziehen willst?
Das habe ich nicht gesagt und es hat mit meinem Fall nichts zu
tun!
Doch, genau darum geht es. Für Dich stehen die Tatsachen schon fest, bevor Du die Zeugen gehört hast. Du mistraust dem Angeklagten A nur deshalb, weil B ihn angeklagt hat. Und das nennst Du nun fair und gerecht?
So wie dieser Schüler C kommen mir eure Antworten auch vor:
Lass den Staat sich mal abstrampeln! Hab ich ja nix mit zu
tun!
Dann denk mal darüber nach: beim Abstrampeln werden ab und an
auch Unschuldige von umherfliegenden Füßen getroffen!
Eben darum sagte ich ja: Eine Gemeinschaft muss gemeinsam für
Frieden und Gerechtigkeit sorgen!
Du willst ja gar nicht die Gemeinschaft für Frieden und Gerechtigkeit sorgen lassen (C sprichst Du das Recht ab, selber zu urteilen), Du willst es selber als Richter tun und stellst Dich über die Gemeinschaft.
Gruß
Axel
Btw., im Ausgangspost ging es nicht um Zeugen, die die Aussage verweigern, sondern um den Angeklagten selber. Das ist ein kleiner Unterschied, findest Du nicht?