Angeklagte schweigt: verdächtig?

„DU bist Deutschland!“ :wink:

Man kann es auch verfassungsrechtlich untermauern:

Art.20 Abs.2 Satz 1 GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“

Wenn man drüber nachdenkt haben die mit ihrer Kampagne vielleicht wirklich einfach Verfassungsideen geklaut :wink:

Frank

Hallo,

Wenn Schüler A Schüler B
grundlos in den Bauch boxt und Schüler C das gesehen hat, dann
finde ich es unmöglich, wenn Schüler C nicht zur Aufklärung
des Falles beiträgt sondern bei sich denkt: Als potentiell
Verdächtigter halte ich mich mal schön raus!

Und was, wenn Schüler C denkt: ‚Wenn ich das sage, muß ich auch erklären, daß ich grade mit Schülerin D geknutscht habe und dann ist E beleidigt‘? Bist Du der Einzige, der die Dinge gegeneinander abwägen darf?

Ist ja auch viel bequemer so! Lass mal den Lehrer sich abstrampeln!

Vielleicht sollte der Lehrer mal weniger strampeln und mehr vertrauen?

Nein, ich fordere von meinen Schülern, dass sie sich für eine
friedliche und faire Gemeinschaft einsetzen, natürlich im
Rahmen ihrer Möglichkeiten als kleine Kinder (ein Lehrer hat
da natürlich andere und erweiterte Pflichten.)

Ist Vertrauen in unserer Gesellschaft keine Tugend? Ist im Gegenteil jedem zu mistrauen, der angeklagt ist? Allein schon deshalb? Ist das wirklich ein Wert, zu dem Du unsere Kinder erziehen willst?

So wie dieser Schüler C kommen mir eure Antworten auch vor:
Lass den Staat sich mal abstrampeln! Hab ich ja nix mit zu
tun!

Dann denk mal darüber nach: beim Abstrampeln werden ab und an auch Unschuldige von umherfliegenden Füßen getroffen!

Gruß
Axel

kurzer Einwand:

Anders sieht es mit Zeugen aus. Sofern sie mit dem
Beschuldigten nicht verwandt/verlobt/verheiratet sind, müssen
sie wahrheitsgemäß aussagen.

Das müssen sie auch, wenn Sie verwandt, etc. sind. Sie können aber die Aussage verweigern und gar nichts sagen. Lügen geht aber nett :wink:
Dea

Hallo!

wenn ein Angeklagter sich weigert, bis auf seine Personalien
irgend ein Sterbenswörtchen zu sagen, zu den erhobenen
Vorwürfen keine Stellung nimmt, sondern alles nur schweigend
verfolgt … macht er sich da nicht sehr verdächtig?

Vom Gesetz her nicht, in der Praxis leider oft schon.

Ich weiß, dass ein Angeklagter schweigen darf, wenn er Lust
dazu hat, und dieses Schweigen darf ihm vom Gericht nicht
negativ angerechnet werden.

Ja und das ist auch gut so.

Ich weiß aber auch, dass eine Strategie von Verteidigern ist,
einen Freispruch wegen Beweismangel zu erreichen.

Erstens hat jeder das Recht im Zweifel freigesprochen und nicht schuldig gesprochen zu werden und zweitens darf man nicht vergessen, dass ein Freispruch im Zweifel nicht automatisch bedeutet, dass ein Schuldiger nicht verurteilt wurde, sondern dass einfach nicht geklärt werden konnte, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht und deshalb freigesprochen wurde.

Wenn nun der Angeklagte aber mit den ganzen Vorwürfen
tatsächlich nichts zu tun hätte, würde er nicht darauf
brennen, zu sagen, wo er zur Tatzeit tatsächlich war und was
er dort gemacht hat?

Meistens ja. Manchmal ist es aber auch für den Unschuldigen besser, nichts zu sagen. Das wird nicht oft sein, aber es gibt eben in der Praxis alle möglichen Fälle und daher ist die Vorschrift richtigerweise auch so.

Gruß
Tom

Hallo,

Und was, wenn Schüler C denkt: ‚Wenn ich das sage, muß ich
auch erklären, daß ich grade mit Schülerin D geknutscht habe
und dann ist E beleidigt‘? Bist Du der Einzige, der die Dinge
gegeneinander abwägen darf?

Ziemlich egoistisch, dein Schüler C! Die Schmerzen von B sind ihm egal, weil er so schön geknutscht hat! Puh!

Ist ja auch viel bequemer so! Lass mal den Lehrer sich abstrampeln!

Vielleicht sollte der Lehrer mal weniger strampeln und mehr
vertrauen?

Wenn dir der Bauch sehr weh tut, würden deine hehren Worte vom Vertrauen dir selbst etwas merkwürdig vorkommen!

Nein, ich fordere von meinen Schülern, dass sie sich für eine
friedliche und faire Gemeinschaft einsetzen, natürlich im
Rahmen ihrer Möglichkeiten als kleine Kinder (ein Lehrer hat
da natürlich andere und erweiterte Pflichten.)

Ist Vertrauen in unserer Gesellschaft keine Tugend? Ist im
Gegenteil jedem zu mistrauen, der angeklagt ist? Allein schon
deshalb? Ist das wirklich ein Wert, zu dem Du unsere Kinder
erziehen willst?

Das habe ich nicht gesagt und es hat mit meinem Fall nichts zu tun!

So wie dieser Schüler C kommen mir eure Antworten auch vor:
Lass den Staat sich mal abstrampeln! Hab ich ja nix mit zu
tun!

Dann denk mal darüber nach: beim Abstrampeln werden ab und an
auch Unschuldige von umherfliegenden Füßen getroffen!

Eben darum sagte ich ja: Eine Gemeinschaft muss gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit sorgen!
Gruß
Christian

Hallo,

Und was, wenn Schüler C denkt: ‚Wenn ich das sage, muß ich
auch erklären, daß ich grade mit Schülerin D geknutscht habe
und dann ist E beleidigt‘? Bist Du der Einzige, der die Dinge
gegeneinander abwägen darf?

Ziemlich egoistisch, dein Schüler C! Die Schmerzen von B sind
ihm egal, weil er so schön geknutscht hat! Puh!

Ach, und wenn C jemand anderes zusätzlich Schmerzen bereitet (sich selber, seiner Freundin, deren Freund, natürlich auch A), geht es B besser?
Ich habe auch nicht behauptet, daß C so denkt. Vielleicht gibt es sogar noch (für ihn) wichtigere Gründe? Vielleicht wird er bedroht? Vielleicht hat er es tatsächlich gar nicht genau gesehen? Vielleicht hat er Einzelheiten vergessen? Vielleicht ist er ein Freund der beiden und will diese Freundschaft nicht aufs Spiel setzen?
Woher weißt Du, was C denkt und was er gesehen hat? Was gibt Dir das Recht, über ihn zu urteilen?

Ist ja auch viel bequemer so! Lass mal den Lehrer sich abstrampeln!

Vielleicht sollte der Lehrer mal weniger strampeln und mehr
vertrauen?

Wenn dir der Bauch sehr weh tut, würden deine hehren Worte vom
Vertrauen dir selbst etwas merkwürdig vorkommen!

Interessierst Du Dich eigentlich gar nicht für die Schmerzen von A? Woher weißt Du denn, ob sein Magenboxen tatsächlich grundlos war, ja überhaupt stattgefunden hat? Warum glaubst Du denn ausschließlich B?

Du schilderst Deinen Fall so, daß alle Tatsachen bereits festgestellt sind. Dann brauchst Du C als Zeugen gar nicht.
Wenn die Tatsachen aber doch nicht klar sind, kannst Du C auch nichts vorwerfen - Du weißt doch gar nichts, sondern vermutest nur. C aber weiß, was passiert ist und ER hat dann die Möglichkeit, Für und Wider abzuwägen. Genau diesem Urteilsvermögen könnte der Lehrer ja auch mal Vertrauen schenken. Erst recht, wenn der Lehrer gar nichts weiß.

Nein, ich fordere von meinen Schülern, dass sie sich für eine
friedliche und faire Gemeinschaft einsetzen, natürlich im
Rahmen ihrer Möglichkeiten als kleine Kinder (ein Lehrer hat
da natürlich andere und erweiterte Pflichten.)

Ist Vertrauen in unserer Gesellschaft keine Tugend? Ist im
Gegenteil jedem zu mistrauen, der angeklagt ist? Allein schon
deshalb? Ist das wirklich ein Wert, zu dem Du unsere Kinder
erziehen willst?

Das habe ich nicht gesagt und es hat mit meinem Fall nichts zu
tun!

Doch, genau darum geht es. Für Dich stehen die Tatsachen schon fest, bevor Du die Zeugen gehört hast. Du mistraust dem Angeklagten A nur deshalb, weil B ihn angeklagt hat. Und das nennst Du nun fair und gerecht?

So wie dieser Schüler C kommen mir eure Antworten auch vor:
Lass den Staat sich mal abstrampeln! Hab ich ja nix mit zu
tun!

Dann denk mal darüber nach: beim Abstrampeln werden ab und an
auch Unschuldige von umherfliegenden Füßen getroffen!

Eben darum sagte ich ja: Eine Gemeinschaft muss gemeinsam für
Frieden und Gerechtigkeit sorgen!

Du willst ja gar nicht die Gemeinschaft für Frieden und Gerechtigkeit sorgen lassen (C sprichst Du das Recht ab, selber zu urteilen), Du willst es selber als Richter tun und stellst Dich über die Gemeinschaft.
Gruß
Axel

Btw., im Ausgangspost ging es nicht um Zeugen, die die Aussage verweigern, sondern um den Angeklagten selber. Das ist ein kleiner Unterschied, findest Du nicht?

1 „Gefällt mir“