Angelogen – Kuendigen oder nicht?

Hi,

ich bin nicht sicher, was ich tun soll und da es durchaus hilfreich sein kann, die Meinung Unbeteiligter zu hoeren (Denkanstoesse …), poste ich mein Dilemma – so kurz wie moeglich - hier.

Ich arbeite in einer Firma mit ca. 200 Kollegen und in einem Team von gesamt vier Leuten, einer davon mein Chef. Ich bin auf Vertragsbasis seit ueber 2,5 J. beschaeftigt. Abteilungen wurden ausgesourct und daher war eine Festanstellung zuerst nicht moeglich und ich haette mit allen anderen die betriebsbedingt entlassen wurden, Ende August 2005 gehen sollen. Mein Chef (damals wie auch heute) ueberredete mich in einer neu organisierten Abteilung zu bleiben und obwohl er keine Versprechungen machte, war es laut ihm sehr wahrscheinlich, dass ich im Oktober 2005 fest angestellt werden wuerde, also blieb ich.

Dies passierte nicht und im Laufe der letzten 15 Monate, wann immer ich fragte, seine Aussage war, dies seit nicht moeglich, derzeit wuerde man niemanden fest anstellen. Zwischendrin meinte er ab und an, es wuerde gut aussehen, man sei dabei etc.

Mein Job ist unertraeglich, mein Chef und sein Chef beide absolut inkompetent. Halbwegs ertraeglich wegen der Kollegen. Ich suche schon seit ueber einem Jahr nach einem anderen Job, bin aber sehr spezifisch und denke mir, bevor ich das Naechstbeste annehme, das ich nicht wirklich machen will, kann ich genauso gut bleiben wo ich bin (Firma ist zudem im Ort wo ich wohne).

Vor 2 Wochen fragten meine Kollegin (seit einem Jahr dabei) und ich zusammen nach einer Festanstellung. Die Antwort war wieder nein. Als wir sagten, wir wuerden dann kuendigen (wir meinten das auch), war eine Festanstellung doch moeglich. Wir sind beide ziemlich unersetzlich fuer das Team und die Firma (Gruende nicht wichtig) und da man auf uns beide nicht wirklich verzichten kann, hatten wir die besten Chancen. Den Vertrag sollen wir diese Woche bekommen, falls das Gehalt nicht stimmt, kuendigen wir (also alles noch offen, durch unsere Position aber praktisch sicher, dass wir das Wunschgehalt bekommen werden). Ich war die letzten 2 Wochen ziemlich aufgebracht, dass ganz ploetzlich die Festanstellung moeglich war, nachdem ich 15 Monate danach gefragt hatte (vielleicht muss man in der Situation sein um das Gefuehl verstehen zu koennen, ich wurde zudem auch ausgebeutet fuer z. B. Uebersetzungen, die nicht Teil meines Jobs waren, die Firma hat durch mich jede Menge Geld gespart). Verschlimmert wurde es durch alle moeglichen Luegen, die mein Chef erzaehlte.

Heute fand ich in einem Gespraech – fing als Small Talk an - mit dem Niederlassungsleiter (der Mann der Festanstellungen moeglich macht) ganz zufaellig heraus, dass mein Chef nicht ein einziges Mal in den letzten 15 Monaten dem NL vorgetragen hat, dass ich nach einer Festanstellung gefragt hatte!!! Der NL meinte, mein Job sei eine feste Position und natuerlich haette ich die Festanstellung bekommen. Ich war absolut geschockt und auf nochmalige Anfrage hin meinte der NL, er haette das nicht gewusst und zum ersten Mal vor 2 Wochen gehoert, dass ich eine Festanstellung wollte. Ich glaube nicht, dass der NL mich angelogen hat, warum sollte er. Mein Chef hat mich die ganzen 15 Monate ueber belogen. Wir verstehen uns relativ gut und vom Persoenlichen her passt es in unserem Team (Arbeit ist ein anderes Thema). Ich sehe auch nicht, warum er es haette nicht wollen, meiner Agentur bezahlt die Firma ca. 60 % mehr als die Festanstellung kosten wuerde.

Mein Problem: Mein Gefuehl sagt sofort kuendigen (das habe ich eh schon seit mindestens einem Jahr und war einige Male drauf und dran), wie kann ich mit meinem Chef nach diesem Verrat zusammenarbeiten? Mein Bleiben in der Firma hat im Moment nichts mehr mit Geld zu tun (kein Geld der Welt ist diesen Job wert). Die Vernunft sagt natuerlich bleiben des Geldes wegen (Miete etc.). Dann wiederum denke ich mir, wenn arbeitslos, in der Not werde ich eher einen Job finden als aus der bequemen Angestellenposition heraus. Meine Kollegin wird unter diesen Umstaenden auch ohne mich ein gutes Gehalt aushandeln koennen. Weihnachtszeit ist keine gute Zeit zur Jobsuche, jedoch kaeme ich 2 Monate ohne Job klar, danach ginge es an die Ersparnisse (ich lebe in England, ALG ist praktisch Null).

Mal abgesehen von meiner Wut kann ich mir nicht vorstellen, weiterhin mit meinem Chef zusammenzuarbeiten, nachdem er mich so hintergangen hat.

Wenn ihr versucht, euch in meine Position hineinzuversetzen, was wuerdet ihr tun?

Danke fuer alle Anregungen.

Gruesse,

Kris

hallo kris,

Heute fand ich in einem Gespraech – fing als Small Talk an -
mit dem Niederlassungsleiter (der Mann der Festanstellungen
moeglich macht) ganz zufaellig heraus, dass mein Chef nicht
ein einziges Mal in den letzten 15 Monaten dem NL vorgetragen
hat, dass ich nach einer Festanstellung gefragt hatte!!!

halte dich doch nicht mit sowas auf. das sind spielchen deiner vorgesetzten.
es ist schnurzpiepegal, wer was gesagt hat oder verschwiegen. wichtig ist, was für ziele du hast und ob du sie jetzt durch die zusage einer festanstellung erreichst.
wenn ja, mach nägel mit köppen und lasse nicht mehr locker, ehe sämtliche in frage kommenden vorgesetzten deinen festen arbeitsvertrag unterschrieben haben.

gruß
ann

Guten Morgen Kris,

meine erste Idee dazu: Sprich Deinen Chef darauf an. Erzähl ihm was Du rausgefunden hast und frag ihn, warum er sich so verhalten hast. Und ganz wichtig: Sag ihm wie verärgert und enttäuscht Du darüber bist.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass danach erstmal die Wut etwas verraucht ist und Du Dich dann mit der Situation auch etwas objektiver befassen kannst.

Was Du tun sollst oder nicht, kann ich dir natürlich auch nicht sagen. Ich schließe mich da vielmehr meiner Vorrednerin an: Du musst wissen wo es hingehen soll im Leben - mit was Du leben kannst und mit was nicht.

Wie sind den die Jobaussichten in Deinem Beruf? Kündigen, ohne was neues zu haben ist in der heutigen Zeit nicht ganz ohne Risiko. Auf der anderen Seite, kann ich auch nachvollziehen, wenn Du sagst, dass man sich dann eher um einen Job bemüht, als wenn man in einem sicheren Angestelltenverhältnis steht.

Wie gesagt, als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen … konfrontier erstmal Deinen Chef in einem Gespräch mit Deiner Enttäuschung und dann überleg nochmal von vorne wohin Du willst.

Liebe Grüße
Hatschepsut22

Umstaenden auch ohne mich ein gutes Gehalt aushandeln koennen.
Weihnachtszeit ist keine gute Zeit zur Jobsuche, jedoch kaeme
ich 2 Monate ohne Job klar, danach ginge es an die Ersparnisse
(ich lebe in England, ALG ist praktisch Null).

Im Klartext: Du hast doch gar keine Wahl, Du brauchst diesen Job. Über eine Kündigung kannst Du erst nachdenken, wenn du eine Alternative hast.

Mal abgesehen von meiner Wut kann ich mir nicht vorstellen,
weiterhin mit meinem Chef zusammenzuarbeiten, nachdem er mich
so hintergangen hat.

Vielleich hat auch der NL gelogen, das kannst Du nicht wissen.

Hallo Kris, willkommen in der Geschäftswelt. Dein Chef ist also total inkompetent und hat’s nicht auf der Reihe und du löffelst vermutlich öfters seinen Bockmist aus, seh ich das richtig.

Und dann wunderst du dich, dass er dein Anliegen nicht nach oben trägt?

Sieh es aus seiner Richtung, evtl hat er gesehen, dass du es mehr drauf hast, dir eine feste Stelle zu geben heißt also evtl., sich Konkurenz zu züchten.

Übeleg dir also neue Kommunikationsstrategien, ohne den NL zu nerven (bc-Kopien von Mails sind beliebt, aber manchmal auch gehasst), mach dich mit Antimobbingstrategien vertraut, evtl noch ein wenig NLP und der Chef frißt dir irgendwann aus der Hand oder geht.

Viel Glück Susanne

Hallo.

(bc-Kopien von Mails sind beliebt, aber manchmal auch gehasst), […]

Wer mich ohne eine gute Einzelfallbegründung als bc in den Verteiler nähme, hätte mit einem unguten Gespräch zu rechnen. Das ist das beste Zeichen, das man geben kann, hinsichtlich „Hier sitzt ein Intrigant, und die Chemie stimmt nicht“. Rate mal, wer nach der Methode „Ober sticht Unter“ diese Suppe auslöffelt?

Gruß Eillicht zu Vensre

Hi Kris,

ein Tip noch aus der Personalabteilung:
drohe niemals deinem/n Chef(s) mit deiner Kündigung.
Wenn du Pech hast, nimmt der AG sie an.
Bzw. setzt dich von alleine raus.
Denn jemand der über Kündigung spricht, hat sie innerlich schon vollzogen.
Da ist man als Arbeitnehmer leider immer in der schlechteren Position.

Liebe Grüße
Carolin