Hallo!
Ich meine, wenn es schon ein Eigenname ist, darf man dann
einfach hergehn und in der Mitte(!) was verändern?
Widerspricht das Nicht dem Prinzip des Eigennamens?
Seit wann ist es Prinzip eines Eigennamens, sich nicht zu verändern? Das widerspräche ja der deutschen Grammatik, und das geht gar nicht!
Kennst Du das Deutsche Eck? Das ist da, wo die Mosel in den Rhein mündet. Es ist unzweifelhaft ein Eigenname, denn wörtlich ergibt es einfach keinen Sinn: Warum ist eine Mündung ein „Eck“? Und was soll an diesem Eck besonders deutsch sein?
Aber wenn ich in den Atlas oder in den Stadtplan von Koblenz schaue, steht dort nicht „Das Deutsche Eck“, da steht einfach „Deutsches Eck“, schön in der Nennform. Und wenn ich zum Deutschen Eck fahren würde, dann hätte ich noch ein n in der Mitte. Aber willst Du wirklich lieber „zum Deutsches Eck“ fahren?
Oder Buchtitel: Hast Du mal den „Schatz im Silbersee“ gelesen? Da musstest Du dann nämlich sogar die Anführungszeichen verschieben, denn „der Schatz im Silbersee“ hat eigentlich den Artikel auf dem Einband aufgedruckt.
Und wenn Du mal auf dem Klavier den „fröhlichen Landmann“ von Robert Schumann gespielt hast, dann hast Du alles beisammen: „Der fröhliche Landmann“ hat ein n dazudekliniert bekommen und der Artikel ist aus den Anführungszeichen herausgewandert. (Darüber hinaus hat er noch seinen Untertitel verloren, aber das ist das Schicksal aller Untertitel.)
Fazit: Nichts steht so fest wie die deutsche Grammatik.
Wie wäre es, wenn der Eigenname mit einem - geschrieben wird
alias: „Flotte-Lotte“.
Grausig. Hier verbiegst Du die deutsche Rechtschreibung, denn der Bindestrich steht ja nur bei Zusammensetzungen, die man aus dem einen oder anderen Grund nicht zusammenschreiben will oder darf. Es gibt sicherlich diverse Flotte-Lotte-Verkäufer, eventuell nur einen Flotte-Lotte-Hersteller, aber wenn ich dieses praktische Gerät mit nichts zusammensetze, dann gehört dort auch kein Bindestrich hin. (Als Zusammensetzung müsste man’s auch vorn betonen: die Flóttelotte.)
Andererseits: Sobald Du eine Zusammensetzung erstellst wie eben ich es tat, dann musst Du die Bindestriche setzen, da schützt auch der Eigenname nicht.
Aber zu deinem Einwand alias, es hört sich deutscher an.
Nehmen wir folgenden Satz:
Der Flotten Lotte’s Griff ist abgebrochen.
Der Flotte Lotte’s Griff ist abgebrochen.
Ist beides falsch. Mal davon abgesehen, dass die Satzgliedstellung etwas altertümelnd ist, deklinieren wir mal schnell „die Flotte Lotte“:
Was ist hier neu? Die Flotte Lotte ist hier neu. (Nominativ)
Wessen Griff ist ab? Der Griff der Flotten Lotte ist ab. (Genitiv - ohne s!)
Wem gebührt Hochachtung? Der Flotten Lotte. (Dativ)
Was brauche ich? Ich brauche die Flotte Lotte. (Akkusativ)
Das s (wenn auch ohne Apostroph!) ist allerdings nicht so abwegig wie es gerade scheint: Du schriebst ja, dass Du gerade die Besonderheiten von Eigennamen behandelst, und dazu gehört, dass erstaunlicherweise auch Feminina das Genitiv-s annehmen - aber nicht bedingungslos, sondern nur dann, wenn sie ohne Begleitwort stehen, und zwar nicht nur ohne das Beiwort im eigentlichen Sinne („Beiwort“ ist die deutsche Bezeichnung für „Artikel“), sondern ohne jegliches Beiwort. Wir nehmen einmal nur den Vornamen „Lotte“, und zwar in verschiedenen Kontexten:
Lotte hat eine Puppe. Es ist Lottes Puppe. (Mit s, aber ohn Apostroph!)
Die Lotte hat eine Puppe. Es ist die Puppe der Lotte.
Ich kenne eine Lotte, die eine Puppe hat. Damit kenne ich auch die Puppe einer Lotte.
Als letztes Beispiel muss ich etwas arg konstruieren: Sagen wir, ich kenne zwei Mädchen, die Lotte heißen. Damit man sie besser auseinanderhalten kann, nenne ich sie „kleine Lotte“ und „große Lotte“. Kleine Lotte hat auch eine Puppe, und kleiner Lotte Puppe spielt auch oft mit ihr im Sandkasten. Die Puppen der großen Lotte sind längst im Müll gelandet, weil sie sich zu alt dafür findet.
Du siehst: Nirgends mehr Genitiv-s.
So heißt es auch: „Peter Müllers Aufsatz“ (mit Genitiv-s, weil kein Beiwort), oder „der Aufsatz Peter Müllers“ (ebenso), aber „der Aufsatz des Peter Müller“ (mit Beiwort - ohne s) oder „der Aufsatz eines Peter Müller“ (ebenso).
Bei manchen Namen sieht es auf den ersten Blick anders aus, ist es aber gar nicht: „Die Regierung Friedrichs I“ (ausgeschrieben: Friedrichs des Ersten) hat zwar ein Beiwort, aber das ist nachgestellt. Es zählt quasi als Apposition, auch wenn es nicht durch Kommata abgegrenzt ist. Damit muss der Satz auch ohne die Apposition funktionieren: „Die Regierung Friedrichs“. Das geht nicht ohne Genitiv-s.
Liebe Grüße
Immo