seit zwei Jahren beschäftige ich mich nun mit dem Thema Angst/Angststörungen. Ich meine nicht die Angst vor der Achterbahn oder vor anderen „normalen Dingen“, sondern Angst davor das Haus zu verlassen oder sonst alltägliche Dinge zu tun, von Reisen ganz zu schweigen. Der Grund dafür ist meine Partnerin, die unter solchen Angststörungen leidet. Nachdem ich erkannt habe,dass irgendetwas nicht stimmt und immer wieder nachgehagt habe erzählte sie mir irgendwann was sie für Probleme hat. Nach einer gemeinsamen Informationsphase hat sie dann eine Therapie begonnen. Seither erweitert sich ihr „Aktionsradius wieder Stück für Stück“ und ich bin davon überzeugt, dass sie in absehbarer Zeit wieder ein ganz „normales“ Leben führen kann. Mich würde mal interessieren ob von Euch auch jemand Erfahrungen in diesem Bereich gemacht hat und wie diese aussehen. Was wurde unternommen, was hat wie geholfen und wie verändert sich die Situation im Laufe der Behandlung? Sind vielleicht sogar welche unter Euch, die die Angst hinter sich gelassen haben?
bei www.paniker.de im „Expertenforum“ gibt es viel Information.
Aus eigener Erfahrung weis ich, daß diese Krankheit, wenn sie sozusagen in vollem Umfang ausgebrochen ist, langwierig verläuft. Zwar gibt es Therapieerfolge, v.a. mit der Konfrontationstherapie, aber bei manchen Leuten verschwinden die nach einiger Zeit wieder, ohne daß man weis, warum. Manchmal kommt mit der Zeit noch eine Depression hinzu, was alles noch schwieriger macht. Medikamente sind oft auch nur eine kleine Unterstützung. Beruhigungsmittel vom Benzodiazepin-Typ (Valium etc.) sind, mit Ausnahme von extremen Notfällen, wegen der Abhängigkeitsgefahr obsolet.
Richtig helfen tut also v.a. die Konfrontations- und Verhaltenstherapie. Analytische Therapie hat bei mir wenig gebracht. Sehr von Nutzen ist Entpannungstherapie nach Jakobson. Ich habe da gelernt, auf Kommando zu entspannen, und viele Panikanfälle im Keim zu ersticken.
Generell ist es gut, die Dinge des Lebens nicht so ernst und verbissen zu sehen, bzw. zu nehmen, aber das ist in der Praxis nicht immer umsetzbar. Falsches Streßmanagement in Verbindung mit Perfektionismus ist oft ein Hauptgrund für Panikanfälle. Wie damit umgehen in dieser Zeit, habe ich aber auch noch nicht richtig herausgefunden.
Überlege Dir, was Du Deiner Freundin von den Schwierigkeiten und der eventuellen Langwierigkeit erzählst, weil sie das entmutigen könnte.
Grüße
Erwin
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die Behandlungen haben etwas mit dem Menschenbild zu tun, das der Therapeut vertritt. Wenn er/sie Angst als erlernt ansieht, sind Verhaltenstherapien in Ordnung, wenn er/sie als Programmfehler im Gehirn ansieht, werden Medikamente eingesetzt.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, da wir Menschen „logisch“ reagieren. D. h. unlogisch erscheint Verhalten dann, wenn wir die dahinterliegenden verschlungenen Pfade der Seele nicht kennen. Das Aufspüren dieser logischen Pfade ist oft mühsam. aber auf dem Weg durchs Dickicht lernt man viel über sich selbst und am Ende steht häufig eine Erweiterung an.
Ängste od. andere Symptome sind nach meinen Erfahrungen meist Ausdruck für irgendetwas, z.B.fürhere Erlebnisse, Wünsche an jemanden, Strategien, um jemanden zu etwas zu bewegen usw.
Es ist manchmal sinnvoll nach einer ersten, vielleicht erfolgreichen Therapie, abzuwarten, ob sich neue Symptome einstellen. Wenn ja, dann mit einer anderen Form weiter zu machen. Beispiel : Von Gestalt/Transaktion/Gespräch nach Roger etc zur Gruppen/Hypnotherapie/Traumatherapie/Familiensystemik usw. zu wechseln. Wobei damit immer der eigene Wunsch nach weiterer Entwicklung ausschlaggebend ist.
die Reise kann mühevoll, aber auch sehr spannend werden.
Grüße
Leska
habe es selbst zum teil wegbekommen, durch konfrontation.
bin abends grundlos u-bahn gefahren, erst eine station, dann 2 und so weiter.
jetzt sind die panikattacken weg, medikamentös mit johanniskraut unterstützt.
der zusammnehang ist etwas kompliziert, daher nur die kurzerklärung.
cu
strubbel
meiner Freundin ging es genauso, allerdings ist es uns beiden recht früh aufgefallen so daß wir etwas tun konnten. Ich habe hier bewusst das Wort „dagegen“ (tun) vermieden da ich den Eindruck hatte dass jeglicher Zwang in der Anfangsphase eher das Gegenteil bewirkte.
Sie hat sich mittlerweile wieder gut „derrappelt“ wobei wir nicht hundertprozentig wissen woran es gelegen hat. Zum einen hatte sie eine leichte Überdossierung ihres Schiddrüsenhormons reduziert und zum andern hat sie eine Selbsthilfegruppe unter Leitung einer Psychologiin besucht die ihr sehr gut weitergeholfen hat.
Mittlerweile geht sie wieder ins Kino (wenn auch nur am Rand sitzend) und traut sich unter die Leute. Das ganze wird begleitet von Übungen: Sie steht z.B. im Kino mitten unterm Film auf und geht raus oder drängelt sich durch einen vollen Saal von einer Seite zur anderen um sich zu beweisen dass diese Aktionen keine Folgen haben.
Für mich als Vielreiser besonders wichtig: Sie fliegt wieder! Mittlerweile sind wir bei 5 h Flugzeit angelangt und letztens hab ich sie von Rom nach München alleine im vorderen Teil des Fliegers hocken lassen wärend ich hinten sass. Sie hats locker weggesteckt )))
Du siehst, die Angst ist in den Griff zu bekommen. Dieser Prozess ist aber schwer und langwierig und stellt auch eine, ansonsten perfekte, Beziehung auf die Probe. Es wird von Dir als Partner sehr viel Verständnis für die, nicht nachvollziehbaren, Probleme nötig sein.
Mir hat schon viel gebracht, endlich diese merkwürdigen Anfälle die ich hatte ‚benennen‘ zu können. Endlich wusste ich was ich habe - das hat mir sehr viel gebracht. Auch der Austausch im Forum auf der obengenannten Linkseite hat mir viel gebracht.
Ich habe bei mir beobachtet, dass ich diese Attacken in Phasen habe - es kann 6 Monate bis 2 Jahre dauern, dann hab ich eine Woche lang ziemlich viele Attacken und danach praktisch keine mehr…
Ich nehme jetzt Bachblüten und die helfen mir sehr. Auch positive Literatur und weniger grübeln hilft mir. Bin eine ziemliche Grüblern gewesen…
Bei mir ist eigentlich die bekannte ‚Angst vor der Angst‘ das Schlimmste. Auch Angst vor dem verrücktwerden hatte ich, als ich noch nicht wusste was es eigentlich ist.
Therapie mache ich keine - therapiere mich sozusagen selber und bin bisher zufrieden mit den Erfolgen. Sollte es mal schlimmer werden, werde ich bestimmt einen Therapeuten aufsuchen.
Viel Glück und Kraft und ganz viel Humor (der darf nicht fehlen!)
Tanja