Angst vor allem und jeden!

Hallo!

Ich bin noch sehr jung (19) und glaub nicht, dass das normal ist:

War letztes mal auf Fortbildungslehrgang und da ist es mir besonders aufgefallen. Ich sondere mich immer von der Gruppe ab. Und wenn andere mich einladen ignorier ich das einfach. Ich hab immer das Gefühl verfolgt zu werden. Naja… zumindestens dass mich alle beobachten. Hab irgendwie Angst zu versagen und dumm dazustehen. Oder etwas Falsches zu sagen. Ich fühl mich in Gesellschaft irgendwie unwohl. Beim Autofahren. Beim Einkaufen. Trau mich fast nicht mehr vor das Haus. Ich kann zwar ganz gut Smalltalk führen und wirke deshalb auf viele ganz normal, aber der erste Schritt etwas zu machen oder auf andere zuzugehen oder neue Freizeit/Sport/Vereinstätigkeiten aufzunehmen fällt mir unglaublich schwer!! Bin extrem deprimiert deswegen!!

Ich leb noch zu hause und ich glaub dass das auch z.T. an meiner Mutter liegen könnte. Die hat immer etwas auszusetzen. Bei allem was ich tue. Hab dadurch überhaupt kein Selbstvertrauen. Hab auch fast keine Freunde. Sie war früher selber wegen Depressionen in Behandlung und ist meistens störrisch aufgelegt und ihr fällt jeder Fehler sofort auf oder reagiert grundlos hektisch. Mein Vater ist Alkohliker. Der kümmert sich um gar nichts.

Ich bin auch extrem gefühlskalt. Ich kann mich anderen Menschen gar nicht öffnen. Ich kann meine Gefühle gar nicht ausdrücken. Kann anderen auch nicht gut zuhören. Hab keine Freunde. Schon allein aus Angst dass meine Mutter wieder was zu lästern hat. Hab Angst wenn ich ausziehen würde, dass ich total versagen würde wie meine Mutter immer sagt. Und das schlimme ist ich glaub sie hat damit sogar recht. Ich muss immer einfach 80 km (!!) in die Großstadt zur Arbeit fahren und das Leben dort würde mich ohnehin umbringen. Viel zu hektisch. Das ist überhaupt keine Alternative. Ich wohn auf dem Land. Außerdem würd ich dann endgültig nur noch 0% meiner Mitmenschen kennen. Anonymität würd mir endgültig den Rest geben wenn sich überhaupt niemand mehr um mich kümmert.

Ach gott, ich weiß gar nicht mehr weiter, weiß blos dass es so auch nicht weitergehen kann. Was soll ich nur machen. Ich muss noch sagen ich bin einigermaßen intelligent und kann hart an mir arbeiten wenn mir nur die richtigen Tipps gegeben werden. Aber momentan weiß ich halt gar nicht mehr was richtig und was falsch ist. Not gegen Elend sozusagen.

Wie den Lebensweg gehen
Hallo Tobias!

MIt einer psychologischen Fachausbildung kann ich nicht dienen, aber ich kann Dir sagen, wie mir die Situation erscheint und wo persönliche Erfahrungen konvergieren:

Ich lese, Du bist Student und fährst weit in die Stadt. Zu Hause hast Du ein sehr schwieriges Verhältnis zu deinen Eltern.
Ich kenne da den Spruch „Den ganzen Schmutz abklopfen!“

Solange du so weit zur Uni fährst und zu Hause wohnst, so lange wirst Du nie wirklich Student sein, so wie Studenten idR sind. Ich denke, man sollte in der Lage sein, das alte Leben ein Stück weit hinter sich zu lassen um seinen eigenen Weg zu gehen. Deshalb wär es vielleicht gut, Du zögst in Erwägung in der Stadt zu wohnen.
Du wärst frei von den elterlichen Einflüssen und könntest vielleicht eher zu Dir selbst finden. Auch kann es sehr schön sein als Student sehr spontane Dinge mitzumachen wie zusammen Kochen, was Grillen, nen Spieleabend usw. Partys natürlich auch, obwohl das nicht so mein Ding ist, aber Barabend in der Kellerbar mir Kickern und so, das ist schon alles sehr nett.

Deshalb kann ich Dir nur empfehlen, über einen Umzug nachzudenken und vielleicht in ein Studentenwohnheim zu ziehen. Das ist wirklich ein wenig „geschütztes“ Umfeld. Oft hilfsbereite Nachbarn und wirklich ungezwungene und TATSÄCHLICH kollegiale Gemeinschaft. Studenten sitzen oft in einem Boot und als Student fühlen sich viele Leute endlich frei von einengenden Einflüssen der Eltern, Mitschüler usw. Es trifft auf mich zu, aber extrem vielen geht es ähnlich. Auch ist es irgendwie ein Schritt des Erwachsenwerdens, dass man mal von zu Hause wegzieht und selbst was auf die Beine stellt. Und ich frage Dich, was hält dich zu Hause? Hat es was mit der fehlenden Natur zu tun? Finanzen/Konflikt darum mit den Eltern? „Muffensausen“ auf die Nase zu fallen? Hast Du Angst vor den Leuten? Angst vor bestimmten Umgangsformen?

Letztendlich ist v.a. die Frage: Was wünschst Du? Und damit meine ich nicht unbedingt, dass man immer das „ganz normale“ wollen muss, sondern es geht wirklich darum, WAS DU WILLST :smile:

VG, Stefan

Hallo Tobias,

was Stefan Dir geschrieben hat, finde ich schon mal sehr gut…

Ich würde Dir auch raten, daß Du unbedingt zuhause aus dem Problem-Umfeld raus mußt. Stell Dich auf eigene Füße und versuche nach dem Motto „zuerst ICH dann DU dann WIR“ Dein Studentenleben zu geniesen.

Hab kein schlechtes Gewissen, wenn Du den Alkoholiker und Deine Mutter, die Dir eh nix zutraut, alleine läßt. Du bist ja nicht aus der Welt und kannst sie ab und zu besuchen, sofern es Dich nicht jedes Mal wieder um „Welten zurückwirft“.

Wenn Du den Weg in die SElbstständigkeit angehst, wirst Du viele kleine Erfolgserlebnisse haben, und Dein Selbstvertrauen kehrt langsam aber sicher zurück. Mit steigendem Selbstvertrauen, steigert sich auch die Lebenslust und die Angst vergeht nach und nach…

Und laß Dich von kleinen Mißerfolgen nicht gleich wieder in den Sumpf ziehen. Es gibt für alles eine Lösung.

Vielleicht solltest Du auch in Erwägung ziehen, parallel zu einem Neurologen/Psychiater zu gehen. Bei einer ernstzunehmenden behandlungsbedürftigen Depression, solltest Du vielleicht Antidepressiva nehmen. Nur: solche Medikamente heben vielleicht Deine Stimmung, aber sie lösen Dein Problem nicht!

Die Notwendigkeit einer Behandlung sollte allerdings ein Facharzt beurteilen.

NUR MUT!!

Liebe Grüsse

Gabriele

Hallo Tobias,

Dein Artikel hat mich sehr bewegt- vielleicht auch deshalb, weil es ein wenig auch meine Geschichte sein könnte. Ich habe selber viele Jahre mit einer Angststörung gelebt und bis auf den Alkoholkranken Vater trifft so fast alles auch auf mich zu.

Dein Artikel beschreibt Deine gesamte Situation sehr deutlich und klar-der Leser könnte vermuten, dass dahinter ein sehr sicherer Schreiber steht, der es versteht die richtigen Worte zu finden. Du kannst Dich öffnen- sonst würdest Du nicht Dein „Elend“ hier darlegen. Etwas an Deiner Situation ändern zu wollen, zeugt für mein Verständnis auch auf eine Portion Selbstvertrauen- in jedem Fall aber auf Mut- das alles ist positiv und sind m.E. gute Voraussetzungen, um wirklich Veränderung zu schaffen.

Angststörungen- vielleicht ist das auch schon zu weit ausgeholt- wir könnten ja auch von großer UNSICHERHEIT sprechen, kann aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen und auch ganz unterschiedliche Formen annehmen- hier wäre sicher ein Fachmann der besserer Ansprechpartner.

Mein Problem war lange, dass ich als ängstlicher, unsicherer Mensch Strategien entwicklet habe, die dafür sorgten, dass man mir das bloß nicht anmerkt.
Wenn ich mal den Mut hatte über meine Ängste zu reden, kam das wohl nie glaubhaft rüber: „Frank, Du und Angst???- Du bist so sicher und souverän“. Wie oft habe ich das hören müssen- und genau das macht es so schwierig- niemand nimmt Dich ernst und ich habe geglaubt mit meiner Angst ganz alleine zu sein.

Angsthasen- wie ich einer war- entwickeln oft ein großes schauspielerisches Talent, damit ihre Angst für andere nicht sichtbar wird. Ich bin oft in die OFFENSIVE gegangen, weil ich eben dort nicht „angreifbar“ war: So lange ich rede, kann mir keiner unangenehme Fragen stellen. So lange ich mache und tue- kann niemand anders mir etwas tun. Davon ist heute noch viel geblieben- sagen wir: ich habe versucht das Beste aus meiner Unsicherheit zu machen. Ich bin ein unsicherer Mensch geblieben- kann aber prima damit leben. Im Beruf habe ich mir Positionen gesucht, in denen ich agieren kann und deligieren kann und nicht unbedingt Ausführender sein muss- so ist stückweise auch meine Selbstsicherheit wiedergekehrt.

Ich habe 1996 eine Angsttherapie in einer Klinik gemacht- es war für mich das Beste was ich in dieser Richtung in die Reihe bekommen habe.

Vieles lief nach dem Prinzip Patienten helfen sich untereinander- ich habe geschnallt, dass ich nicht alleine war mit meiner Angst, sondern das ganz viele Menschen ähnliche Probleme haben.
Nun ich will nicht so weit ausholen- aber ich bin mir sicher, dass auch Du es schaffst. Ich jedenfalls brauchte nicht „hart dafür zu arbeiten“ sondern es hat mehr spielerisch und über AUSPROBIEREN funktioniert- erzwingen konnte ich nichts.

Vieles hat sich von selbst erledigt- Angst kann auch wachsen und je mehr BEDEUTUNG ich ihr zukommen lasse, je mehr ich darüber spreche und je mehr ich mich damit beschäftige- umso größer kann sie unter Umständen werden.

Veränderung erscheint mir auf Grund meiner eigenen Erfahrungen das Wichtigste- weg von den Menschen die Dir am NÄCHSTEN sind- Freiraum schaffen- ausprobieren- vorsichtig, langsam, Babyschritte, üben, kleine Risiken eingehen, wachsen, stärker werden, Anerkennung bekommen, Niederlagen verkraften um noch stabiler zu werden und so weiter- Du weißt schon.

Alles Gute

Frank

Hi Stefan,

Und ich frage Dich, was hält dich zu Hause? Hat es was mit der
fehlenden Natur zu tun? Finanzen/Konflikt darum mit den
Eltern? „Muffensausen“ auf die Nase zu fallen? Hast Du Angst
vor den Leuten? Angst vor bestimmten Umgangsformen?

es gibt Frauen, die lassen sich zehn Jahre von ihrem Mann verprügeln- lassen sich scheiden und heiraten wieder einen Mann von dem sie die nächsten zehn Jahre misshandelt werden. Was hält sie??

Was hält Tobias- warum hat er bisher nichts geändert an einem UNERTRÄGLICHEN Zustand??
Ich kenne soooo viele Menschen die sich in UNERTRÄGLICHKEITEN zu suhlen scheinen.

Meine Vermutung- auch für Tobias: Die unerträgliche Situation ist mir bekannt,vertraut, eine neue UNBEKANNTE Situation ist ein RISIKO, dass für Verunsicherung und Angst sorgt- um so höher ist es zu bewerten, dass Tobias die Kraft hat, etwas ändern zu wollen!

Ich bin mir beinahe sicher, dass es auch in Deinem Leben Dinge gibt die Du gerne ändern würdest- dennoch lieber bei den vertrauten Dingen bleibst- auch wenn sie nicht optimal laufen.
Entschuldigung, dass ich mich da eingemsicht habe, aber das musste ich noch los werden

Liebe Grüße

Frank

Hallo Frank

Ich bin mir beinahe sicher, dass es auch in Deinem Leben Dinge
gibt die Du gerne ändern würdest- dennoch lieber bei den
vertrauten Dingen bleibst- auch wenn sie nicht optimal laufen.
Entschuldigung, dass ich mich da eingemsicht habe, aber das
musste ich noch los werden

Natürlich zeigt sich eine ausgeprägte Absurdität darin, an etwas zu hängen, das man ändern will. Dennoch stimmt es. Ja, Du hast Recht. Ich habe ja geantwortet, weil ich mich in nicht wenigen Teilen selbst wiedergefunden habe.
Die „Ängste“ nach denen ich gefragt habe waren und/oder sind sogar zum größeren Teil ähnliche wie die, dich ich empfunden habe oder es tue. Weil diese FÜR MICH nachvollziehbar und „logisch“ wären, habe ich danach gefragt. Bedenke bitte, dass meine Fragen nicht rethorisch gemeint waren.
Und JA, natürlich kann ich verstehen, dass man ungewollte Eigenschaften behält (und ich meine das WIRKLICH ernst), aber dass Tobias hier schreibt, zeigt seinen Willen, jetzt tatsächlich etwas zu ändern. Würde man die Möglichkeit etwas zu ändern immer negieren, weil man eh „aus Gewohnheit“ oder ähnlichen Gründen nichts ändert, dann wär es auch sinnlos über eine Veränderung nachzudenken, denn sie fände eh nie statt.
Ich habe deshalb aufzeigen wollen, was mich in einer davon garnicht so unähnlichen Situation zu einer (beginnenden) Lösung des Problems geführt hat.
Am Schluss möchte ich nur noch sagen, dass ich es wichtig finde, Wünsche zu artikulieren. Tobias hat ja an einigen Stellen gesagt was ihm schwef fällt oder was er nicht mag und ihm keinen Spass macht. Nur dachte ich daran, dass er für sich selbst klarmachen muss, was er will. Denn wenn man Ziele hat, dann zeigen sich Wege idR leichter.

(Größere Partys machen mir zB überhaupt keinen Spass. Früher hab ich mich geärgert und sagte, „Och, das finde ich schlecht, dass mir das keinen Spass macht wie den anderen“ Jetzt sage ich „Es macht mir keinen Spass und deshalb geh ich da nur sehr selten hin und wenn, dann nur wegen der Leute mit denen ich dahingehe.“ Es ist ja keine Schande nicht immer das „Algemeinübliche“ zu tun/wollen. Nur muss man versuchen, sich klarzumachen was man will. Unfähigkeiten festzustellen oder eigentlich mehr noch sie sich endlich einzugestehen, ist da ein Schritt in die Richtung glaube ich. Nur dabei sollte es nicht bleiben, denn das wäre wirklich nur Selbstaufgabe wenn keine Ziele mehr definiert werden. Und am Anfang des Studiums war ich in einer solchen Situation, mich selbst fast aufzugeben, wenn auch aus teilweise anderen Gründen. Und JA, anfangs habe ich auch kaum mehr Ziele gehabt und gerade deshalb habe ich erlebt wie wichtig es ist, dass einen Leute ermuntern, die einen fragen, was man ändern will, aber nicht einfach die eigene Situation nur gutreden oder ausschließlich Mitleid ausdrücken.
Ich habe Tobias also garnicht kritisieren wollen, sondern mich darüber gefreut, dass er anscheinend seine Situation angehen will und wollte ihn nur darin bestärken. Wenn die Änderungen angegangen werden, ist der Weg ja eh noch lang genug und allzu einfach ist es eh nicht :wink:

VG, Stefan

Hallo Stefan,

ich wollte meinen kleinen „Einwurf“ nicht als Kritik an Deinem Artikel verstanden wissen- im Gegenteil ich fand ihn sehr hilfreich!
Es ist nur immer das Selbe: Menschen beklagen sich über unerträgliche Situationen in denen sie leben müssen. Fragt man sie, warum sie nichts ändern, finden sie dafür TAUSEND Gründe.

Das war nur so eine Feststellung!

Gruß
Frank

hallo tobias,

ich hätte dir nun gerne einen hier mal gelesenen link gegeben über prägungen - leider finde ich ihn ausgerechnet nun nicht. - vielleicht kann dies jemand anderer nachholen, denn er wird interessant und nicht
wenig aufschlussreich für dich sein - das mal vorweg.

ich kenne 2 männer, denen es ähnlich ging wie dir -

meiner ansicht nach haben dir deine eltern viels nicht beigetracht was man als eltern seinem kind mit auf den weg gibt damit es „hinaus in die welt geht“ - im gegenteil - sie haben ihre probleme auf dich übertragen und dich damit daran gehindert vieles zu lernen was eben wichtig für die entwicklung ist. ein kind entwickelt dann eigene strategien - wie du - diese sollem ihm helfen zu kompesieren und es zu schützen - auch vor den eltern z.b - das problem ist nur, je älter das kind wird - desto problematischer sind diese strategien.

schjreicklich finde ich auch, dass deine mutter bis heute weitermacht und dein vater ja auch. jeder auf seine weise hat bei dir spuren hinterlassen und tut es noch.

das du ausziehen solltest, wird dir ohnehin klar sein - doch das problem wird sein, dass du dich das nicht traust weil deine mutter es dir eben ausreden will und jedweden grund angibt.

man könnte hier nun alles aufzählen doch finde ich nun, das ist wenig hilfreich.

meiner ansicht nach brauchst du einen profi - eine oder einen therapeuten - ob man oder frau musst du entscheiden -
diese person kann dir helfen - zum einen zu erkennen was bei euch zuhause gelaufen ist und was jeweils dahinter steckt - das halte ich für wichtig (wobei es nicht auf mich ankommt hierbei sondern auf dich und den/die thera). in der therapie könnte es (es hängt ja von deinen zielen ab) ein bestandteil sein, dass du dich unabhängiger v. den eltern - spezial der mutter fühlst - das geht nat. nciht von heute auf morgen aber wenn du regelmässig (evtl. sogar mehrmals die woche) hingehst, kann es recht fix gehen, dass du die kraft und den glauben bekommst dich zu lösen und eine eigene innere stimme und auch selbstvertrauen zu entwickeln deinen weg zu gehen.

in einer therapie kannst du also im nachherein das erlernen was dir deine eltern verweigert haben (aus unfähigkeit oder egoismus oder warum auch immer, is auch erstmal „egal“)
mut zu neuen dingen und vieles mehr trägt man nicht einfach in sich - das lernt man als kind indem man v. den bezugspersonen ermutigt und gelobt wird z.b - bei dir war es wohl das gegenteil - klar depremiert dich das - du hast die gleichen ziele wie alle in deinem alter aber du merkst - selbst die für dich scheinbar banalsten dinge gehen nicht wie du es dir ersehnst - klar wird da jeder depressiv - ich aber glaube, das ist ein ergebnis von dem ganzen und wie vieles andere - der mangel an frohsinn und kontaktarmut auf grund v. unsicherheit etc - das alles kann sich mittelfristig ändern.

nur ich für meinen teil bin davon überzeugt, das kannst du nicht allein schaffen - dafür hat man als kind und jugendlicher und wie es scheint bis heute zu vieles bei dir falsch gemacht.

aber in einer psychotherapie kannst du das lernen - nicht nur zu verstehen was da geschehen ist in der familie, wie diese dinge funktionen, was es bei einem kidn auslöst und welche folgen es hat, nein, auch kannst du eben wirklich sagen - xxx will ich lernen - und der oder die thera wird mit dir zusammen so gut es geht nachholen was die aufgabe deiner eltern war und dich auch unterstützen bei versuchen, beim herausfinden wie in einezelnen bereichen dein weg aussehen könnte, dich motivieren auch fehler zu machen, dir bei deinen ängsten helfen etc. - das alles und mehr kann man allein nicht schaffen, da man ja nicht weiss wie das gehen soll - denn dazu gehört ja auch wieder etwas und das „etwas“ hast du nat. auch nicht beigebracht bekommen (wobei das nun für fast alle menschen gilt)

alles was du beschreibst hängt miteinander zusammen und zumindest für mich ists es sozusagen logisch das du diese probleme hast.
auch die folgen und folgesfolgen schränken dich ein.

ich würde mir an deiner stelle überlegen wie lange du noch so weiter leben willst - und wenn du auch nicht weisst was das neue mit sich bringt - allein wäre es nat. gar nicht möglich - so suche dir hilfe,
so hast du eine begleitung und dann wird in deinem tempo nach deiner entwicklung schritt für schritt möglich wonach du dich sehnst.

hierfür kannst du versch. wege gehen - nur mal einer:
du rufst die kassenärztliche vereinigung an und lässt dir die stelle geben, die psychotherapeutendaten hat.
dann wirst dudort nach der plz gefragt - in deinem falle wäre nähe der arbeit nat. ne gute sache - und dann bekommst du merhere adressen und tel von theras - die gerade aktuell patienten aufnehmen können.
wenn du dann nicht tagelang wartest (und somit die theras evtl nun schon andere patienten haben und keinen mehr aufnehmen könnnen - wäre dem so, musst du wieder bei der nr. anrufen unddir neue geben lassen)
kannst du bald einen termin machen. dann gehste hin und vorher hast du dir evtl einige notizengemacht oder ausgedruckt was du hier gepostet hast - als hilfe. ja und dann schaust du einfach wie es sich anfühlt dort, ob ihr eine ähnl. sprache sprecht, du dir vorstellen kannst mit der person zu reden und ihr auch mal zu vertrauen im laufe der zeit etc. - dann haste probandensitzungen (weiss nimmerwie viele) und dann wird dir der thera sagen was er denkt was das problem ist und was er bei der kasse beantragen würde - man wird dich auch nach deinen zielen fragen (die du nat. jederzeit auch verändern darfst:smile: )
ja und dann wird die kasse das wohl genehmigen und du bekommst XXX stunden und dann gehts richtig los…

also nichts auf die schnelle - aber auf die schnelle gibt es ohnehin nichts was helfen würde.

du kannst auch von deiner krankenkasse adressen bekommen, dort ist man aber nicht informiert ob diese derzeit patienten aufnehmen können.
aber wenn du kein problem hast ggfs. vergebens anzurufen, geht auch das.
evtl musst du aufs band sprechen - da musste nicht viel sagen - man ruft dich zurück - oder du rufst dort jeweils ca. 10 min vor der vollen stunden an - die meisten aber haben in band laufen oder geben alternativ tel- sprechzeiten an.

so, das wars erstmal - ist sehr lang geworden aber ich wollte dir gleich diemöglichkeiten der umsetzung mitliefern - nun weisst du wie es geht:smile: (du musst nur 10,-- bezahlen wenn du in dem quartal noch bei keinen doc warst - dann aberbekommst du auch da ein beleg undsolltest du z.b zu 2 o 3 theras wollen, weils nicht passt für dich, musst du nur den beleg vorlegen und nicht erneut zahlen)

glaube mal, nun habe ich alle infos zum händling.

den ersten schritt hast du hierschon getan und selbst das war sicher nicht so leicht - eine therapie ist eine echt gute chance und ein garant für bestimmte möglichkeiten etwas zu ändern - wenn du bereit bist - ich wünsche dir diese bereitschaft.

ausziehen und was alles noch - freunde, zugang zu den eigenen gefühlen und vieles mehr - das alles wird sich dann nach und nach finden.

liebe grüsse

nina

Kognitive Verhaltenstherapie: wie funktioniert’s?
Hallo Tobias

Den untenstehenden Text habe ich aus meiner virtuellen Schublade
gezogen, deshalb passt er vom Einstieg und von den Beispielen her
nicht so ganz zu deinem Problem. Du findest in ihm die Prinzipien der
Kognitiven Verhaltenstherapie erklaert, so wie ich sie verstehe.
Diese Behandlungsmethode eignet sich besonders gut bei
Angststoerungen. Vielleicht denkst du ja beim Lesen, dass diese
Methode auch dir helfen koennte. Wenn ja, dann wende dich an einen
Psychotherapeuten, der diese Methode anwendet. Wie du das konkret
anstellst, kannst du hier im Forum fragen.

Alles Gute, Tychi

Der Text ist in besserer Schrift auch unter
http://www.fasala.com/kvt.htm zu finden.

Nimm an, du hättest du drei Wünsche frei. Was würdest du dir
wünschen?
Beantworte die Frage, bevor du weiterliest.
War es viel Geld, dauernde Gesundheit, höhere sexuelle Attraktivität,
mehr Wissen, Ruhm und Ehre, Friede auf Erden, dass dein heimlicher
Schwarm dich liebe oder etwas ähnliches?
Ist es nicht erstaunlich, dass kaum jemand auf die Idee kommt, sich
zu wünschen, dass er glücklich und zufrieden sei mit dem was er hat
und dem, was ihm das Leben noch bringt?
Stattdessen fällt jedem nur ein, wie seine Umwelt sich ändern müsste,
damit er sich glücklich und zufrieden fühlt. Zu deiner Umwelt gehören
dein Kontostand, die Reaktionen anderer Menschen auf deinen Körper
und deine Ausstrahlung, die Meinung, die die Menschen von dir haben
usw.
Warum wünschst du dir Glück und Zufriedenheit nicht direkt, sondern
gehst den Umweg über eine Änderung der Umwelt, in der du lebst?
Wie kommt es, dass wir nicht auf den Gedanken kommen, uns selbst zu
ändern, sondern immer nur denken, die Welt müsse anders sein?

Wenn jemand unglücklich ist, dann kann er zwei Dinge tun:

  1. Seine Umwelt ändern, also z.B. woanders hinziehen, sich vom
    Partner trennen, neue Freunde suchen, den Nachbarn anzeigen.
  2. Seine Einstellungen ändern, d.h. sich an die Umwelt anpassen.

Beides ist oft schwierig und manchmal ist das eine besser und
manchmal das andere. Manche werden mit einem neuen Partner
glücklicher, andere sind froh, schwierige Zeiten durchgehalten und an
sich gearbeitet zu haben.

**WIR LEIDEN NICHT AN DEN DINGEN, SONDERN AN UNSERER EINSTELLUNG ZU   
 IHNEN.**   

Diese alte Weisheit (z.B. formuliert von Epiktet) ist die Grundlage
der KVT.

Kognitive Verhaltenstherapie.

Psychische Probleme sind immer emotionale Probleme. Zu den
unangenehmen Emotionen zählen Angst, Niedergeschlagenheit, Neid, Ekel
oder Scham.
Wie entstehen Emotionen?
Verschiedene Menschen reagieren verschieden auf dieselben
Situationen. Wenn man sie fragt, warum sie dieses oder jenes Gefühl
gehabt hätten, werden sie antworten, dass die Situation schön oder
scheußlich gewesen sei, dass etwas stattgefunden habe, was sie gut
oder schlecht fänden usw. Manchmal wissen sie aber auch nicht, warum
sie das jeweilige Gefühl hatten.
In der KVT sieht man Emotionen als das Ergebnis unserer Bewertung
einer Situation. Genauer: Etwas geschieht. Dieses kann man objektiv
beschreiben.
Daran schließt sich eine individuelle Bewertung, und auf die
Bewertung folgt die Emotion.

Beispiel:

  1. Situation: Frau K. erfährt, dass ihr Mann in einem Autounfall
    umgekommen sei.
  2. Bewertung: Oh, wie schrecklich! Wie soll ich jetzt
    weiterleben?
  3. Emotionen: Schreck, Angst, Trauer.

oder

  1. Situation: Frau M. erfährt, dass ihr Mann in einem Autounfall
    umgekommen sei.
  2. Bewertung: Endlich ist er tot. Jetzt kann ich ein neues Leben
    beginnen.
  3. Emotionen: Erleichterung, Freude.

Oft folgen Emotionen prompt auf Situationen, d.h. der Schritt
„Bewertung“ scheint nicht stattzufinden. Das ist aber eine Täuschung,
denn in Wahrheit findet er sehr wohl statt, nur blitzschnell und
unbewusst. Dies ist immer dann der Fall, wenn wir die Situationen so
oder so ähnlich schon gut kennen und der lange Weg über das
Bewusstsein nicht mehr genommen werden muss. Es handelt sich um
verinnerlichte Bewertungen.

Nehmen wir mal das Beispiel eines schüchternen Menschen Herrn K., der
nicht in der Lage ist, vor Publikum zu sprechen.

  1. Situation: Herr K soll auf einer Hochzeitsfeier spontan eine
    kleine Rede halten. Die Gäste wissen nichts von seiner Angst.
  2. Bewertung: Großer Gott, das kann ich doch gar nicht. Ist das
    peinlich!
  3. Emotion: Scham.
  4. Verhalten: Herr K. bleibt sitzen und schüttelt den Kopf.

Hier ist noch ein weiteres Element hinzugekommen, nämlich das
Verhalten.

Herr K. bekam schon oft den Ratschlag zu hören, er solle sich nicht
so anstellen, sich zusammenreißen und auch, dass das doch gar nicht
so schlimm sei usw.
Irgendwie sieht er das ja auch alles ein, aber es nützt ihm nichts.
Er ist einfach nicht in der Lage, den Ratschlägen und Vorsätzen zu
folgen.
Das hat folgende Ursache:
Unsere psychischen Vorgänge sind größtenteils unbewusst. Das
Bewusstsein, d.h. unser Ich, ist nur ein kleiner Teil der Psyche.
Dieser kleine Teil ist sehr langsam im Verarbeiten von Daten und
überhaupt nur schlecht informiert über die Dinge, die um uns herum
oder in uns stattfinden. Deshalb hat das Ich auch nur wenig zu sagen,
wenn Entscheidungen und Handlungen anstehen. Das Unbewusste bestimmt,
was wir tun, was wir fühlen und wie wir uns entscheiden. Die
Entscheidungen, die Gefühle und die Handlungsanweisungen werden dem
Ich und dem Körper mitgeteilt. Der Körper verhält sich entsprechend,
und im Ich entsteht die Illusion es selbst hätte den Körper
veranlasst so und nicht anders zu handeln oder die Entscheidung
gefällt zu haben.
Manchmal kommt es auch zu Diskrepanzen zwischen dem Wollen
(Bewusstseinsinhalt, Ich) und dem Handeln. Dann wird offensichtlich,
was meistens verborgen bleibt, nämlich dass das Ich nur wenig
Einfluss hat.
Ratschläge, Aufforderungen usw. sind Bewusstseinsinhalte, d.h. sie
erreichen meistens nur das Ich. Dieses hat aber auf das Unbewusste
kaum Einfluss. Das Ich ist bildlich gesprochen mit einer fast
semipermeablen Membran vom Unbewussten abgetrennt. Während es vom
Unbewussten immerzu Anweisungen erhält, nimmt dieses vom Ich nur
wenig entgegen.
Das Unbewusste ist das Ergebnis der Vergangenheit, sowohl der
Vergangenheit der Spezies Mensch, die sich in den Genen niederschlägt
als auch der individuellen Vergangenheit, d.h. der Erziehung und
aller anderen Erfahrungen.
Dieser gewaltige Informationsvorrat bestimmt uns. Freilich ist es
möglich und auch recht häufig, dass Erfahrungen widersprüchlich sind
(z.B. wird ein bestimmtes Verhalten von den Eltern getadelt und von
den Freunden gelobt). Der Informationsvorrat ist also nicht
konsistent. Deshalb verspüren wir widersprüchliche Bestrebungen und
geraten oft in emotionale Turbulenzen.

Unbewusste Muster umzustrukturieren und durch neue zu ersetzen, ist
eine harte Arbeit und erfordert viel Geduld. Wir können nicht per
Beschluss anders sein als wir sind. Psychische Veränderungen sind
Prozesse, die sich über Wochen, Monate und Jahre hinziehen. Ausnahmen
davon bilden Schlüsselerlebnisse. Sie können einen Menschen
schlagartig verändern. Aber sie lassen sich nur sehr schlecht planen
und sind daher als systematische Therapie nur in manchen Fällen zu
gebrauchen.

 **ERFAHRUNGEN PRÄGEN UNS STÄRKER ALS VORSTELLUNGEN.**

Vieles müssen wir am eigenen Leib erfahren, um ein Gefühl dafür zu
bekommen und um es zu glauben. Ich kann mir zwar vorstellen, wie es
ist, ein gebrochenes Bein zu haben, aber wenn es wirklich gebrochen
ist, habe ich andere Gefühle und andere Gedanken als bei der
Vorstellung. Ich glaube dann auch mehr über diese Situation zu
wissen, in der jemand mit gebrochenem Bein ist, obwohl meine
Erfahrung überhaupt nicht allgemeingültig ist.
Wegen dieser Tatsache hilft es oft auch wenig, einem Menschen vor
einer Gefahr zu warnen oder ihm etwas bildhaft zu beschreiben, so
dass ihm die Lust vergehe oder dass seine Neugier befriedigt werde.
Er muss es selbst erleben, um zufrieden zu sein oder um die Gefahr zu
glauben.
Auch kann ich ihm nicht meine Weisheit schenken. Ich kann ihm in
einem Entscheidungskonflikt sagen: „Entscheide dich für A, denn damit
habe ich gute Erfahrungen gemacht.“ Das nützt dem anderen aber nur
dann etwas, wenn diese Entscheidung mit seinen eigenen Erfahrungen,
d.h. mit seinem Unbewussten in Einklang steht.

Herr K. begibt sich in eine Psychotherapie, um seine Schüchternheit
zu überwinden. Das heißt, er möchte andere Gefühle haben und sich
anders verhalten.

Der erste Schritt besteht in einer genauen Selbstbeobachtung. Herr K.
muss herausfinden, was genau er befürchtet, wenn er eine Rede halten
soll. Er muss sich also bemühen, seine unbewussten Bewertungen
bewusst zu machen und auch die bewussten Bewertungen genau zu
formulieren. Eine Hilfe zur Bewusstmachung ist der Gedankenstop.
Immer, wenn Herr K. seine von der Schüchternheit herrührende Angst
kommen spürt, hält er inne und versucht seine gegenwärtigen Gedanken
zu entdecken. Am Ende dieser Analyse wird vielleicht so etwas stehen:
„Es ist mir wichtig, was andere von mir denken. Sie werden nur dann
gut von mir denken, wenn ich gut bin. Ich glaube aber, dass ich nicht
gut bin. Die anderen werden insgeheim über mich lachen.“
Erziehungseinflüsse sind hier deutlich: Herrn K.s Selbstwert und
seine Selbstachtung sind von anderen Menschen und von seiner Leistung
abhängig. Möglichweise führte zu wenig Lob dazu, dass Herr K. sich
außerdem keine guten Leistungen zutraut. Auch Beschämung als
Erziehungsmaßnahme oder ein negatives Schlüsselerlebnis
(Ausgelachtwerden in der Schule) kommen als Ursachen in Frage.

Nachdem das Bewertungssystem entdeckt und formuliert ist, beginnt
Herr K. es zu hinterfragen:
„Kann ich wissen, was andere von mir denken oder sind meine Ansichten
nur Mutmaßungen? Ist es tatsächlich so, dass die Selbstachtung eines
Menschen von den Meinungen anderer abhängt? Sind Meinungen nicht
kulturabhängig, d.h. ist es nicht denkbar, dass dieselbe Leistung,
von anderen Menschen gelobt würde? Ist dann die Meinung anderer
überhaupt ein Maßstab, wenn es die Meinung als solche gar nicht gibt?
Warum glaube ich, dass ich nicht gut bin? Wer kann das objektiv
beurteilen?“

Als Ergebnis der Hinterfragung steht ein alternatives
Bewertungssystem:
„Da die Geschmäcker verschieden sind, ist die Meinung anderer
Menschen kein Maßstab für meine Leistung. Außerdem kenne ich die
Meinungen der anderen Menschen ja gar nicht, sondern ich kann sie nur
vermuten. Es genügt, wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, um ein
gutes Selbstwertgefühl zu haben. Wenn andere Menschen ein Problem mit
mir haben, dann liegt das nicht an mir, sondern an ihren
Einstellungen.“
Herr K. lernt diese Alternative, die seine bisherigen Bewertungen
ersetzen soll, auswendig.
Anschließend formuliert er eine Zielemotion, die Angst und Scham
ersetzen soll: Gleichgültigkeit. Freude wäre ein zu hoch gestecktes
Ziel. Es ist wichtig, realistisch zu bleiben.
Als Zielverhalten wählt Herr K., dass er in Zukunft Reden vor
Publikum hält.

Der letzte Teil der Therapie besteht darin, Situationen zu suchen, in
denen Herr K. trainieren kann. Es wäre Unsinn, sich gleich um eine
Stelle als Motivationstrainer in Massenveranstaltungen zu bewerben.
Herr K. stellt sich 10 Übungen, die zunehmend schwieriger werden. Als
einfachste Übung wäre vielleicht das Ansprechen eines Fremden
günstig, um ihn nach dem Weg zu fragen. Die freie Rede vor großem
Publikum wäre dann die 10. Übung.
Jede Übung muss Herr K. so konkret wie möglich in Gedanken
durchspielen und sich genau überlegen, was er tun und sagen wird.
Immer wenn er Angst bekommt oder wenn andere seiner alten Gefühle
durchdringen, sagt er sich sein auswendig gelerntes neues
Bewertungssystem auf, bis er sich beruhigt hat.

Die praktischen Übungen sind wichtig, damit Herr K. die Erfahrung
macht, dass es tatsächlich keinen Grund gibt, Angst zu haben oder
sich schämen zu müssen.
Denn wie gesagt: Erfahrungen prägen uns weit stärker als
Vorstellungen.

Einwände gegen die KVT:

  1. Es ist zweifelhaft, ob Gefühlen immer (evtl. unbewusste)
    Bewertungen vorausgehen. Babys und Tiere haben auch intensive
    Emotionen und treffen eigentlich keine Bewertungen.
  2. Bei dauerhaft negativen Gefühlen, die an keine besonderen
    Situationen gebunden sind, kann die Therapie nur wenig helfen, da sie
    von situationsgebundenen Bewertungen und Gefühlen ausgeht.
  3. Da Erfahrung in der Situation therapeutisch eingesetzt wird,
    greift die Therapie nicht so gut in Fällen, in denen jemand etwas
    unterlassen will.
    Nehmen wir an, Herr P. sei vom Gedanken besessen, eine Bank
    ausrauben zu müssen, weil er glaubt, anders nicht glücklich sein zu
    können. Er hat aber gleichzeitig große Angst davor, erwischt zu
    werden. Weil er sich selbst vor seinem Impuls schützen will, beginnt
    er eine KVT. Da er die Situation „Banküberfall“ aber nicht üben kann,
    kann er auch nicht durch Erfahrung lernen. Seine Erfahrung wird
    weiterhin im Verzichtenmüssen bestehen. Die KVT kann ihm nur helfen,
    ohne Banküberfall glücklich zu werden, aber die Erfahrung
    „Banküberfall ist schlecht“ kann sie ihm nicht bieten, obwohl diese
    das Einzige wäre, was ihn heilen könnte.
  4. Man muss zu Beginn der Therapie schon wissen, was man will
    (nicht mehr schüchtern sein, keine Angst vor Spinnen mehr haben,
    wagen, ein Geschäft zu gründen, die Ehe retten). Was aber, wenn einer
    nicht weiß, was er will? Was wenn er Angst hat, eine Entscheidung zu
    treffen, weil diese ihn anderer Optionen beraubt? Zu wissen, was man
    will, ist das Ergebnis von Lebenserfahrung, d.h. dieses Wissen
    entwickelt sich mit der Zeit. Die KVT kann keine Lebensziele
    vorgeben. Sie kann höchstens in Entscheidungskonflikten bei der
    Analyse der Alternativen helfen.