Angst vor dem Tod

Hallo zusammen,

als letztes Jahr die Mutter eines sehr guten Freundes relativ jung gestorben ist, haben wir danach viel über den Tod geredet. Dabei haben wir festgestellt, daß unser Angst vor dem Tod ganz unterschiedlich ausgeprägt ist.

Er hat eine relativ große Todesangst, sicherlich bedingt durch den frühen Tod seiner Mutter. Er hat Angst vor allen Arten von Krankheiten, Unfällen, Gewaltverbrechen. Er lebt sehr gesund und ist vielen Dingen sehr vorsichtig, stellenweise bis ins Zwanghafte hinein. Aber das ist sein Problem, um das es hier nicht geht. :smile:

Als wir darüber gesprochen haben, war mein erstes Empfinden: Ich habe im Gegensatz zu ihm überhaupt keine Angst vor dem Tod. Später habe ich festgestellt, daß das so nicht stimmt - es gibt einige (wenige) Vorstellungen, bei denen ich Angst vor dem Tod empfinde.

Was ich nicht verstehe: Warum ausgerechnet bei diesen Vorstellungen und bei anderen nicht? Es ist keine Frage der Intensität, ich fürchte mich nicht unbedingt vor den „größeren“ Gefahren als er.

Der Gedanke, eine Thrombose zu haben oder Diabetes oder einen Herzinfarkt, lässt mich rückwärts aus den Pantinen kippen; der Gedanke an ein Krebsgeschwür lässt mich dagegen völlig kalt. Einen familären Hintergrund finde ich dafür nicht: Mein Opa hatte Diabetes, mein Onkel Krebs.

Ich laufe völlig angstfrei Nachts durch die übelsten Viertel der Stadt, ich habe keine Angst davor, daß mich ein Raser auf der Autobahn rammt, aber ich habe Angst davor, daß an meinem alten, rostigen T3 ein Reifen Platzen könnte oder eine Aufhängung brechen und ich in der darauffolgenden Massenkarambolage sterbe. :smile:

Vor Jahren gab es mal eine Bombendrohung für einen Zug, mit dem ich fahren wollte. Obwohl die Spürhunde der Polizei nichts fanden, entschieden sich 2/3 der Passagiere, eine anderen Zug zu nehmen. Das diese Angst sicher irrational war, brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich hatte aber nicht nur keine Angst, sondern empfand geradezu das Gegenteil - ich hatte das Gefühl, es würde mir überhaupt nichts ausmachen, jetzt mit dem Zug in die Luft zu fliegen … Hätte sich in dem Moment aber ein Arzt neben mich gesetzt und mir erzählt, daß durch das lange Sitzen im Zug eine tödliche Thrombose emtstehen kann, hätte ich vermutzlich eine Panikattache bekommen. Rational betrachtet ist das eine so unwahrscheinlich wie das andere. Aber selbst wenn da ein minimaler Risikounterschied wäre, ist das kein Grund, warum mich der eine Gedanke ängstigt und der andere geradezu glücklich amcht …

Ich finde keinen gemeinsamen Nenner bei den Situationen, die bei mir Angst verursachen, habe aber das Gefühl, da müsste einer sein. Und ich ahbe das Gefühl, daß die Antwort darauf mir zu reiner tieferen Erkenntnis über mich verhelfen könnte.

Anregungen, Vorschläge, Ideen, in welche Richtung ich mal suchen könnte? Der familiäre Hintergrund ist es, wie gesagt, nicht.

Gruß,
Max

Angst ist nicht rational
Hallo!
Angst ist einfach nicht rational zu ergründen, denke ich. Sie spricht teilweise unsere Urinstinkte an, die uns gar nicht bewusst sind und die verschiedenen Menschen sicher unterschiedlich ausgeprägt sind.

Was ich nicht verstehe: Warum ausgerechnet bei diesen
Vorstellungen und bei anderen nicht? Es ist keine Frage der
Intensität, ich fürchte mich nicht unbedingt vor den
„größeren“ Gefahren als er.

Vielleicht eine Frage der Vorstellungskraft. Wobei ich jetzt nicht wüsste, ob ich mich vor Dingen mehr fürchte, die ich mir bis ins Detail ausmalen kann oder eher vor Unbekanntem.

Ich denke einfach, Angst ist etwas sehr persönliches, so wie bei persönlichen Vorlieben auch ist die Palette da sehr weit gestreut. Ich weiß nicht, die Suche nach „Auslösern“ wird in vielen Fällen wohl erfolglos bleiben, weil das ja so unterbewusst stattfindet.

Ein Beispiel: Ein kleines Kind erschreckt sich heftig vor einer Spinne: Wer kann voraussagen, ob das Kind sein Leben lang eine Phobie mit sich rumträgt, ob es Wissenschaftler wird und Spinnen erforscht oder ob es Spinnen sein Leben lang hassen, verfolgen und töten wird?

Ich finde keinen gemeinsamen Nenner bei den Situationen, die
bei mir Angst verursachen, habe aber das Gefühl, da müsste
einer sein. Und ich ahbe das Gefühl, daß die Antwort darauf
mir zu reiner tieferen Erkenntnis über mich verhelfen könnte.

Ich denke, den Nenner gibt es nicht. Außer, dass Deine Ängste eben Deine persönlichen Ängste sind. Die Lehre daraus könnte lauten: Es gibt Dinge, die kann man im Einzelnen nicht erklären und muss sie einfach so nehmen, wie sie sind.

Grüße
kernig

Hallo,

hat der Mensch Angst vor dem Tod, oder ist es doch eher die Angst vorm sterben.

Wie ich sterbe, ist es schmerzhaft und qualvoll, dauert es lange, oder geht es schnell.

Sterbe ich allein, plötzlich, ohne das ich mich verabschieden kann, all das nicht mehr sagen kann was ich noch hätte sagen sollen.

ich persönlich habe weniger Angst vor dem Tod ansich, eher vorm sterben.

Gruss
pue

Hallo! Ganz schön finsteres Thema!
Ich denke es kommt auf deine Prioritäten an! Du meinst, dass etwas unwahrscheinlich wäre und ignorierst es! Anderes nicht! Dein Freund hat eine wichtige Person verloren! Er projeziert seine Gefühle jetzt auf den Tod! Und er will Gedanken an den Tod und speziell den Tod an sich vermeiden! Und so hat er die Priorität auf alles zu achten was ihm schaden könnte! Außerdem hat er einen Schock erlitten! Er ist jetzt sehr empfindlich allem gegenüber! Unterstützte ihn wo es geht und bring ihn auf andere Gedanken!
Viel Glück für dich und deinen Freund!!!

Hallo Max,

Da die anderen Kommentare schon sehr umfassend sind und ich ihnen zustimme, grenze ich die Antwort auf andere Aspekte ein.

Für meinen Teil habe ich keine Angst vor dem Tod - bin ihm schon mal von der Schippe gesprungen - aber vor langer schmerzhafter Sterbequal habe ich Angst, weshalb ich mich auch schon mit den Euthanasievereinen beschäftigt habe, letztlich aber von einer Mitgliedschaft Abstand genommen habe.

Der Gedanke, eine Thrombose zu haben oder Diabetes oder einen
Herzinfarkt, lässt mich rückwärts aus den Pantinen kippen.

Ersteres ist mir bereits mehrfach widerfahren, es hat Folgen hinterlassen, aber in echter Gefahr war ich nie. Könnte dich das vielleicht beruhigen? Sofortige Behandlung verhindert fast immer Ernsteres, zumal sie in den meisten Fällen in den Beinen beginnt. Auch Diabetes ist nicht tödlich, sofern sie behandelt wird.

Angst vor Herzinfarkt ist schon eher verständlich, kann sehr plötzlich kommen, geht aber meist sehr schnell, wenn der Verlauf tödlich ist. So einen Tod würde ich mir wünschen - kein langes Siechen… Im übrigen kann man einem Herzinfarkt durch gesunde Lebensweise vorbeugen und Artikel, die hierzu die Panik schüren einfach nicht lesen.

Ich laufe völlig angstfrei Nachts durch die übelsten Viertel
der Stadt, ich habe keine Angst davor, daß mich ein Raser auf
der Autobahn rammt.

Da geht es mir ähnlich - selbstbewußtes Auftreten schreckt Täter ab, und Rasern kann man aus dem Weg gehen.

aber ich habe Angst davor, daß an meinem
alten, rostigen T3 ein Reifen Platzen könnte oder eine
Aufhängung brechen und ich in der darauffolgenden
Massenkarambolage sterbe. :smile:

Liegt das vielleicht an Unkenntnis der Technik? Die reale Gefahr einschätzen können, würde diese Angst beheben. Mir ist mal ein Runderneuerter vorne rechts auf der Überholspur im Ausland geplatzt - dennoch ist nichts passiert und ich landete unversehrt und ohne andere zu gefährden auf dem rechten Grünstreifen. Seitdem sind Runderneuerte für mich Tabu! Bei guten Reifen ist das unwahrscheinlich. Hier könnte aber ein Fahrertraining (z.B. beim ADAC) helfen, wo man lernt ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug wieder in den Griff zu bekommen.

Vor Jahren gab es mal eine Bombendrohung für einen Zug, mit
dem ich fahren wollte. Obwohl die Spürhunde der Polizei nichts
fanden, entschieden sich 2/3 der Passagiere, eine anderen Zug
zu nehmen.

Diesen Passagieren hätte ich mich angeschlossen. Denn auch Spürhunde sind nicht unfehlbar.

Hätte sich in dem Moment aber ein Arzt
neben mich gesetzt und mir erzählt, daß durch das lange Sitzen
im Zug eine tödliche Thrombose emtstehen kann, hätte ich
vermutzlich eine Panikattache bekommen. Rational betrachtet
ist das eine so unwahrscheinlich wie das andere. Aber selbst
wenn da ein minimaler Risikounterschied wäre, ist das kein
Grund, warum mich der eine Gedanke ängstigt und der andere
geradezu glücklich amcht …

Hier dürfte der Unterschied darin liegen, daß das Hintergrundwissen bei Thrombose weniger auf Fakten, sondern auf dem Unwissen darüber entsteht, während das Vertrauen in Spürhunde aus einem anderen Grunde auf Wissen oder vermeintlichem Wissen beruht.

Ich finde keinen gemeinsamen Nenner bei den Situationen, die
bei mir Angst verursachen, habe aber das Gefühl, da müsste
einer sein. Und ich ahbe das Gefühl, daß die Antwort darauf
mir zu reiner tieferen Erkenntnis über mich verhelfen könnte.

Vielleicht ist der gemeinsame Nenner, daß wir vor allem Angst haben, das uns unbekannt ist oder vor dem, über das wir unseres Wissens unzureichend informiert sind. Wobei die Einschätzung zu welcher der beiden Kategorien eine Situation gehört, für jeden Menschen sehr individuell ist und auch von seinen persönlichen Erfahrungen geprägt wird.

Ein Tip zur Angstvermeidung: informiere dich gründlich über die Angstszenarien, spiele dann in Gedanken mehrfach verschiedene Varianten durch, was du in jedem einzelnen Fall unternehmen kannst, um die Situation zu entschärfen.

Kinder machen so etwas, wenn sie sich in die Situation eines Helden versetzen - dann sind sie in ihrer Phantasie Superman und können alles. Auch Fußballer spielen so mehrfach Spielsituationen durch und reagieren im echten Spiel um einiges schneller, weil sie nicht mehr nachdenken müssen, sondern direkt reagieren können - da die Information schon gespeichert und abrufbereit ist.

Gruß,
p+p

Hallo Max,

ich denke, es geht weniger um deine Angst oder Nicht-Angst vor dem Tod, sondern eher um die Bewertung dessen, was du als für dich lebensbedrohlich einstufst.

Situationen, die du als für dich nicht bedrohlich definierst, lösen demzufolge auch weder Panik noch Todesangst aus - andere hingegen schon.

Die Gründe für die Bewertungen sind sicher primär affektiv und deshalb wohl kaum logisch zu analysieren. Eine Idee, die mir beim Lesen der von dir beschriebenen Situationen gekommen ist ist die, dass du Dinge, die du selbst entscheiden kannst, offenbar angstfrei erleben kannst. Der Krebs passt allerdings nicht in das Schema.

Insgesamt also auch ratlos :smile:

Schöne Grüße,
Jule

Hallo P+P!

Könnte dich
das vielleicht beruhigen?

(…)

Die reale
Gefahr einschätzen können, würde diese Angst beheben.

(…)

Ein Tip zur Angstvermeidung:

Ich brauche keine Tipps zur Angstvermeidung. Ich kann die reale Gefahr in allen beschriebenen Situationen sehr genau einschätzen. Deswegen habe ich auch keinerlei Form von „Beruhigung“ notwendig und brauche auch keine Argumente, warum diese und jene Angst verständlich ist oder nicht. Es geht auch nicht darum, daß ich irgendwelche Ängste „beheben“ müsste. Das alles ist nicht meine Frage gewesen.

Angst vor Herzinfarkt ist schon eher verständlich,

Auch die Angst vor Krebs wäre sehr verständlich. Trotzdem habe ich sie nicht und hatte sie auch nie.

Da geht es mir ähnlich - selbstbewußtes Auftreten schreckt
Täter ab, und Rasern kann man aus dem Weg gehen.

Trotzdem haben andere Leute hier Angst. Es wäre schön, wenn ich jetzt sagen könnte, daß ich halt keine irrationalen Ängste habe, aber wie Du selbst oben zeigst, ist das nicht der Fall. Ich habe sehr wohl irrationale Ängste. Aber warum suche ich mir aus dem großen Pott der Möglichkeiten genau diese eine irrationale Angst aus und nicht die andere - und keine anderen?

Hier dürfte der Unterschied darin liegen, daß das
Hintergrundwissen bei Thrombose weniger auf Fakten, sondern
auf dem Unwissen darüber entsteht, während das Vertrauen in
Spürhunde aus einem anderen Grunde auf Wissen oder
vermeintlichem Wissen beruht.

Mein Gefühl war aber nicht: „In diesem Zug ist keine Bombe, weil die Spürhunde gut gearbeitzet haben.“ Sondern: „Es ist mir egal, ob hier eine Bombe drin ist. Meinetwegen fliege ich in die Luft.“ Ich ahtte einfach keine Angst davor.

Vielleicht ist der gemeinsame Nenner, daß wir vor allem Angst
haben, das uns unbekannt ist oder vor dem, über das wir
unseres Wissens unzureichend informiert sind.

Ich habe nicht die geringste Ahnung von Krebs. Trotzdem keinerlei Angst davor.

Vielleicht muß ich die Frage noch einmal anders stellen - alle Antworten gingen bisher weit an dem vorbei, was mich beschäftigt. :frowning:

Gruß,
Max

Hallo Jule,

viel dank für Deine Antwort. Du hast genau den Punkt getroffen, um den es mir geht. Warum empfinde ich bestimmte Situationen bedrohlich und andere nicht? Rationale Gründe sind es mit Sicherheit schon mal nicht. :smile: Auch andere Muster wie „gut informiert - schlecht informiert“, „schneller Tod - schmerzhafter Tod“, „große Wahrscheinlichkeit - kleine Wahrscheinlichkeit“ passen nicht.

Situationen, die du als für dich nicht bedrohlich definierst,
lösen demzufolge auch weder Panik noch Todesangst aus - andere
hingegen schon.

Die interessante Frage wäre jetzt, warum ich etwas als bedrohlich definiere. Und andere Situationen nicht.

Die Gründe für die Bewertungen sind sicher primär affektiv
und deshalb wohl kaum logisch zu analysieren.

Ich hoffe dennoch auf eine Erkenntnis. Um es mit Freud zu sagen: „Wo Es war, soll Ich werden.“ :smile:

ist ist die, dass du Dinge, die du selbst entscheiden kannst,
offenbar angstfrei erleben kannst. Der Krebs passt allerdings
nicht in das Schema.

Ein interessanter Gedanke. Der Autobahn-Raser passt da aber eigentlich auch nicht wirklich rein. :-/

Insgesamt also auch ratlos :smile:

Vielleicht fällt Dir noch etwas ein.

Viele Grüße,
Max

Guten Abend!

Ich finde keinen gemeinsamen Nenner bei den Situationen, die
bei mir Angst verursachen
Anregungen, Vorschläge, Ideen

Ein möglicher gemeinsamer Nenner deiner Auflistung ist der Faktor „selbst schuld“.

Thrombose, Herzinfarkt, Diabetes gelten klischeehaft, Volks-ätiologisch als typische Zivilisationskrankheiten (Übergewicht, viel Rumsitzen, Nicht-Befolgen der uns ubiquitär aufgedrängten „Gesundheitstipps“ usw.), stehen also in Bezug zur eigenen Lebensweise.
Ein Schaden an der eigenen alten Rostkarre kann sicherlich auch leicht unter „selbst schuld“ fallen.

Krebs dagegen gilt gemeinhin als „Schicksal“, als „kann jeden treffen!“ (vom komplizierten Faktor Rauchen mal abgesehen).
Vom Raser totgefahren werden sowieso.
Die anderen beiden Dinge (nachts in der Stadt ermordet zu werden oder im Zug einem Anschlag zum Opfer zu fallen) ebenfalls, auch wenn manche Menschen sich dabei eine Teilschuld geben mögen im Sinne von „Was lauf ich denn auch nachts in der Stadt rum“.

E.T.

Das ganze Thema ist natürlich ein höchst persönliches. Einige Fragen fallen mir schon dazu ein, die werfe ich mal so als Impuls rein, ohne die Erwartung, dass du öffentlich weiter machst :wink:

Erst Auffälligkeit für mich: Einerseits schreibst du, du hättest keine Angst vor dem Tod, andererseits sprichst du dann direkt von regelrechter Panik. Da wäre m.E. erst einmal interessant, wo sich dieses Gefühl wirklich bewegt. Eine gewisse Angst vor dem Tod oder bestimmten Situationen zu haben, ist ja nicht nur nicht ungewöhnlich, sondern sogar nützlich. Du benutzt bei deiner Beschreibung Abstufungen. Vielleicht spürst du mal selber hinein, wie stark diese Abstufungen bei was sind. Das kannst du auch in Form einer wirklichen Übung machen, wenn es dir hilft. (Bspw. Beutel mit Steinen befüllen, je schwerer, desto Panik)

Zweite Sache: die Beispiele, die du nennst, sind nicht vordergründig Todesgefahr. Mit Diabetes lebst sich sehr lange, auch Thrombose ist nicht per se tödlich. Ich würde mal behaupten, dass ein Großteil von Otto und Petra Normalverbraucher dies nicht mit Todesgefahr in Verbindung bringen würde. Daher wäre für mich weniger die Überlegung relevant, was du als schwerwiegender empfindest (Krebs oder Diabetes), sondern warum du das eine überhaupt als so stark pot. tödlich empfindest.

Drittens: Du schreibst, dass du bei geplatztem Reifen Angst davor hast, der Beginn einer dann für dich tödlichen Massenkarambolage zu werden. Wenn ich an geplatzte Reifen denke, ist meine erste Assoziation, mit Pauken und Trompeten in die Leitplanke zu semmeln. Beides ist im Zweifel eine recht letale Angelegenheit. Allerdings stutze ich, dass dir sofort eine Fremdbeteiligung in den Sinn kommt, die letztlich dann Ursache ist. Zufall?

Viertens: Zum Opa / Onkel, Krebs / Diabetes. Ich lasse mal die nahe liegende Assoziation weg, dass der Opa meist näher steht als der Onkel. Spannender in dem Zusammenhang die Frage: Beides tödlich im Ausgang? Was hast du vom Leiden mitbekommen? Wie alt warst du?

Und dann darauf aufbauend die Fragen: Hast du überhaupt schon Leid direkt oder indirekt mitbekommen? Einen Sterbenden begleitet? Selbst in Todesgefahr gewesen?

Hallo Janina,
danke für deine ASnregungen und Inspirationen. :smile:

Erst Auffälligkeit für mich: Einerseits schreibst du, du
hättest keine Angst vor dem Tod, andererseits sprichst du dann
direkt von regelrechter Panik.

Das ist natürlich zum Teil auch der pointierten Darstellungweise geschuldet. Es ist aber unbestreitbar, daß sich bei mir durchaus deutliche körperliche Reaktionen einstellen, wenn ich den Artikel über Thrombosen in Wikipedia lese - ein flaues Gefühl in den Händen, leichte Schweißausbrüche. Eine waschechte Panikattacke ist das natürlich nicht nicht, aber es lässt sich auch nicht übersehen. Lese ich den Artzikel über Hautkrebs - nichts.

Das ist um so interessanter, weil (wie Du richtig festellst) eine Thrombose gar nicht tödlich sein muß. Der Ausgangspunkt bei dem Gespräch mit dem Freund war damals allerdings auch, ich hätte keine Angst vor Krankheit. Vielleicht ist deshalb die Frage falsch gestellt. Vielleicht geht es gar nicht darum, warum ich (Todes-)Angst habe, sondern wovor?

Vielleicht spürst du mal selber hinein, wie stark diese
Abstufungen bei was sind.

Das tue ich ohnehin. Es gibt da verschiedensta Abstufungen von „leicht ungutes Gefühl“ bis „deutliche körperliche Reaktion“.

Zweite Sache: die Beispiele, die du nennst, sind nicht
vordergründig Todesgefahr.

Das stimmt.

sondern warum du das eine überhaupt als so stark
pot. tödlich empfindest.

Wie ich oben schon geschrieben habe: Vielleicht ist es gar nicht der Tod, denn ich fürchte? Die Gespräche über den Tod und die Todesangst des Freundes waren der Ausgangspunkt meiner Introspektive - möglicherweise hat mich das auf eine falsche Fährte gelockt …

Wenn ich an geplatzte Reifen
denke, ist meine erste Assoziation, mit Pauken und Trompeten
in die Leitplanke zu semmeln. Beides ist im Zweifel eine recht
letale Angelegenheit. Allerdings stutze ich, dass dir sofort
eine Fremdbeteiligung in den Sinn kommt

Da steckt Musik drin. Ein interessanter Gedanke.

die letztlich dann
Ursache ist. Zufall?

Was meinszt Du mit Ursache? Die Ursache des bin ich ja selbst, nicht die anderen.

Beides tödlich im Ausgang? Was hast du vom Leiden mitbekommen?

Beides tödlich - und mitbekommen habe ich von beidem gar nichts. Diese Erklärung würde eigentlich nur für Herzinfarkt passen, weil den mein Vater hatte. Es hatte auch nie jemand eine Thrombose in meiner Familie.

Und dann darauf aufbauend die Fragen: Hast du überhaupt schon
Leid direkt oder indirekt mitbekommen?

Am direktesten habe ich den Tod wohl bisher beim Krebstod der Mutter des Freundes mitbekommen. Davon ausgehend müsste ich eigentlich Krebs fürchten. :smile:

Selbst in Todesgefahr gewesen?

Ich habe keine Ahnung, was ich empfinden würde, wenn ich wirklich Krebs hätte oder neben einer Bombe säße. :smile: Es geht hier tatsächlich nur um die Gefühle, die ich beim Gedanken an eine deratige Situation habe.

Liebe Grüße,
Max

Hallo Ernst!

Ein möglicher gemeinsamer Nenner deiner Auflistung ist der
Faktor „selbst schuld“.

Das ist … ja, das ist ein interessanter Gedanke. Da steckt Musik drin.

Ein Schaden an der eigenen alten Rostkarre kann sicherlich
auch leicht unter „selbst schuld“ fallen.

… stehen in Bezug zur eigenen Lebensweise …

Krebs dagegen gilt gemeinhin als „Schicksal“, als „kann jeden
treffen!“ (vom komplizierten Faktor Rauchen mal abgesehen).

Da ich beinahe Nichtraucher bin (eine Handvoll Zigarren und Zigarillos im jahr, die ich paffe, also ohne Lungenzüge), spielt dieser komplizierte Faktor keine Rolle. Das ist meine Lebensweise sozusagen einwandfrei - wenn ich Krebs kriege, kann mir das keiner vorwerfen. :smile:

Die anderen beiden Dinge (nachts in der Stadt ermordet zu
werden oder im Zug einem Anschlag zum Opfer zu fallen)
ebenfalls, auch wenn manche Menschen sich dabei eine
Teilschuld geben mögen im Sinne von „Was lauf ich denn auch
nachts in der Stadt rum“.

Man ist aber in den Augen der rechtschaffenen Bürger dennoch ein anerkanntes Opfer. :smile:

Interessante Gedanken, auf die Du mich bringst.

Gruß,
Max

Guten Morgen,

da der Begriff bereits in mehreren Beiträgen, aber in anderer Bedeutung gefallen ist: Schmerzen, Schmerzempfinden. Als für jeden nachvollziehbares, weil bereits erlebtes Beispiel. Die Gedanken und Erläuterungen (subjektive-objektive Aspekte) im nachfolgenden Link könnten vielleicht auch für deine Sache zumindest allgemeine Lösungsansätze beinhalten (konkrete Antworten natürlich nicht):
http://www.medizinfo.de/schmerz/empfindung.htm

Franz

Der Ausgangspunkt
bei dem Gespräch mit dem Freund war damals allerdings auch,
ich hätte keine Angst vor Krankheit…Vielleicht geht es gar nicht darum, warum ich (Todes-)Angst habe, sondern wovor?

Wenn ich an geplatzte Reifen
denke, ist meine erste Assoziation, mit Pauken und Trompeten
in die Leitplanke zu semmeln. Beides ist im Zweifel eine recht
letale Angelegenheit. Allerdings stutze ich, dass dir sofort
eine Fremdbeteiligung in den Sinn kommt

Da steckt Musik drin. Ein interessanter Gedanke.

die letztlich dann
Ursache ist. Zufall?

Was meinszt Du mit Ursache?

->Hier nur zu Beantwortung der Frage als Einschub: Nein, die Ursache liegt, in Pointierung zur Leitplanke, in der Massenkarambolage.

Ich habe mir deinetwegen jetzt einmal den Artikel über Thrombose durchgelesen. Mich lässt der völlig kalt. Allerdings habe ich mal versucht zu spüren, was mich anfixen könnte. Das einzige, was bei mir angekommen ist: Es ist viel vom (Blut-)Fluss die Rede, der gestört wird, verstopft. Ist es das?
Wie sieht es in dem Zusammenhang aus einerseits, um bei Krankheiten weiter zu machen, mit so Sachen wie Lungenembolie (in Nähe zur Thrombose), Asthma?
Und noch weitere Paare, z.T. nicht unbedingt mit Angst, besonders unangenehm reicht ja: Querschnittlähmung vs. Augenlicht verlieren.
Oder Gipsfuß vs. sichtbarer Hautausschlag.

Wie Freiheitsliebend bist du? Wie stark kommst du sonst damit klar, dass dich etwas / jemand einschränkt? Nur, um mal eine ganz andere Richtung aufzuwerfen, abseits von Krankheit.

Ich habe keine Ahnung, was ich empfinden würde, wenn ich
wirklich Krebs hätte oder neben einer Bombe säße. :smile: Es geht
hier tatsächlich nur um die Gefühle, die ich beim Gedanken an
eine deratige Situation habe.

Das ist schon klar, dass es um die Gefühle geht. Trotzdem spielt ja eine große Rolle dabei, ob man selbst schon Erfahrungen dieser Art gemacht hat, sei es, dass man es unmittelbar bei anderen erlebt hat oder sogar am eigenen Leib. Ich kann das aus beiden Richtungen für mich selbst eindeutig sagen: Sowohl die (besonders die erste) Sterbebegleitung als auch das (bei mir akut und überraschend) Erlebnis der Todesgefahr (mit der dazugehörigen -angst) sind sehr prägende Erfahrungen. Die Bedeutung geht über den unmittelbaren Kontext sicher hinaus.

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Hallo Max.

Die Angst vor dem Tod ist zwar einerseits etwas sehr reales, aber andererseits auch sehr irrational.

Wir alle wissen, dass wir irgendwann sterben müssen, aber wir schieben es weg, verdrängen es, wollen es bis zuletzt gar nicht wahr haben.

Würden wir in dieser Hinsicht nur einigermaßen logisch denken, kein Mensch würde sich freiwillig in ein Auto setzen, geschweige denn eine Autobahn benutzen.

Die Folge sind eine Reihe von irrationalen, im Prinzip grundlosen (grundlos bevorzugten) Ängsten, die sich, wie andere, scheinbar grundlose Ängste auch, an irgend etwas festmachen.

Dabei dürfte es eine große Rolle spielen, wie, wann und unter welchen Umständen wir, meist schon im Kindesalter, von einer Todesmöglichkeit gehört haben und weiterhin davon hören.

In welcher Stimmung wir waren, als wir das hörten, in welcher Stimmung die waren, die es uns erzählt haben usw.

So etwas wie ein logischer roter Faden, lässt sich da fast nie erkennen, bei dir nicht und bei tausend Anderen auch nicht.

Manchmal mag es schon der Klang eines Wortes sein, der uns beeinflusst.
„Thrombose“ kann so ein Wort sein, dunkel, geheimnisvoll und undeutsch, wirkt es wahrscheinlich bedrohlicher als das gute alte deutsche Wort „Krebs“, der wiederum durch „Karzinom“ oder „Tumor“ ersetzt, um ein Vielfaches gefährlicher erscheint.

Im Verkehr, und auch sonst, haben wir natürlich mehr Angst davor, dass uns die Kontrolle genommen wird, wir eingeklemmt, aufgespießt oder sonst was werden, als dass uns jemand plötzlich ins Auto knallt. Solange wir das Steuer in der Hand haben, kommen wir uns relativ sicher vor. Die Vorstellung, dass du nichts mehr machen kannst, kommt mit dem geplatzten Reifen.

Das Hochgefühl im Zug, dürfte einfach der Lohn dafür gewesen sein, dass du nicht so „dämlich oder feige“ warst, wie die, die sich von der Fahrt abhalten ließen. Du warst einwandfrei ein Gewinner und das Adrenalin dürfte da eine Hauptrolle gespielt haben.

Adrenalin ist es auch, wenn wir uns bewusst einer Gefahr aussetzen und sie meistern, also der Weg durch finstere Großstadtgassen usw.

Vor etlichen Jahren hatte ich mir mal in den Kopf gesetzt, in stockfinsterer Nacht allein durch den Wald zu laufen. Im Anfang war mir schon etwas mulmig, aber nach kurzer Zeit stellte sich ebenfalls eine Art Hochgefühl ein, ich hatte meinen inneren Schweinehund besiegt.

Das sind halt meine Gedanken zu dem Thema.

Gruß, Nemo.

Hallol!

Allerdings
habe ich mal versucht zu spüren, was mich anfixen könnte. Das
einzige, was bei mir angekommen ist: Es ist viel vom
(Blut-)Fluss die Rede, der gestört wird, verstopft. Ist es
das?

Hmmm … ich gehöre schon ein bißchen zu den leuten, die „kein Blut sehen können“. Der Spur werde ich nachgehen.

Lungenembolie

Treffer!

Asthma?

Nix.

Querschnittlähmung

Nix.

Augenlicht

Da ich kutsichtig bin, ist das ein Thema, mit dem ich mich immer schon auseinandersetze. Es wäre fürchtbar, löst aber keine oder nur sehr leichte physische Angstgefühle aus.

Oder Gipsfuß

Nix.

sichtbarer Hautausschlag.

Peinlich. Aber Angst? Ne, eigentlich nicht.

Wie Freiheitsliebend bist du? Wie stark kommst du sonst damit
klar, dass dich etwas / jemand einschränkt? Nur, um mal eine
ganz andere Richtung aufzuwerfen, abseits von Krankheit.

Das ist ein komplexes Feld. Ich bin durchaus freiheitsliebend, kann mich aber auch gut anpassen und einschränken. Die Kehrseite der Medaille ist dann oft, daß ich den kürzeren ziehe, was dann auf Dauer auch nicht gut tut. In Bezug auf Krankheit klingelt da aber nichts.

Gruß,
Max

Hallo!

„Thrombose“ kann so ein Wort sein, dunkel, geheimnisvoll und
undeutsch, wirkt es wahrscheinlich bedrohlicher als das gute
alte deutsche Wort „Krebs“, der wiederum durch „Karzinom“ oder
„Tumor“ ersetzt, um ein Vielfaches gefährlicher erscheint.

Findest du? Für mich klingt „Krebs“ genauso wie „Tumor“.

Das Hochgefühl im Zug, dürfte einfach der Lohn dafür gewesen
sein, dass du nicht so „dämlich oder feige“ warst, wie die,
die sich von der Fahrt abhalten ließen. Du warst einwandfrei
ein Gewinner und das Adrenalin dürfte da eine Hauptrolle
gespielt haben.

Das ist ein guter Gedanke - Danke. Kann sein. Warum aber stellt sich das Adrenalin nur da ein und nicht in anderen Situationen … *grübel*

Lg,
Max