Angst vor der Zukunft

Hallo,

geht es Euch auch so? Wenn ich an die Zukunft denke, seh ich sie düster. Ich habe ein bestimmtes Alter, Mitte 40, und bin schon seit über 3 Jahren ohne Arbeit. Ich habe mich unzählige Male beworben, habe mich weitergebildet, war sogar im Ausland 2mal je ein Vierteljahr - aber konnte einfach keine Berufserfahrung weiter sammeln. Dabei möchte ich doch so gern arbeiten. Ich bin gelernte Bürokauffrau mit - wie gesagt - vielen weiteren Qualifikationen. Ich bin im Laufe meiner Arbeitslosigkeit regelrecht zusammengefallen. Ich habe keine Hoffnung mehr. Ich habe Angst vor der Zukunft. Ich habe wegen der fehlenden Berufserfahrung, ich war zuletzt von 2001 bis 2006 bei einem Verein beschäftigt, wenig Chancen. Vor 2001 hatte ich auch keine Arbeit, habe die Zeit aber mit Weiterbildung, Umschulung, Führerschein und ehrenamtlichen Tätigkeiten genutzt. Aber nun fehlt mir jede Zuversicht. Mein Kopf ist immer so voll - und doch so leer. Ich fühle mich gehetzt und gejagt - von mir selber - weil ich doch was machen muss. Ich werde doch auch immer älter, und die Zeit läuft mir davon. Ich bin glaub ich nicht der Mensch, der leicht auf andere zugeht, ich bin eher zurückhaltend - zumindest am Anfang. Ich hab mittlerweile so eine Art Angst vor den Menschen. Und besonders vor potenziellen Arbeitgebern. Irgendwie hab ich im Gefühl, die sind alle miese Ausbeuter und so. Das ist bestimmt Unrecht, aber in meinem Kopf hat sich das so festgesetzt. ich habe auch Angst, Anforderungen nicht mehr erfüllen zu können. Ich habe Angst, nicht mehr gut genug zu sein. Was soll ich tun? Kann mir jemand raten?
B.

Hallo Birgit,

du hast eine abgeschlossene Berufsausbildung. Du bist multipel qualifiziert. Du hast alles mögliche angestellt, um im Berufsleben weiterzukommen.

Es gibt nichts, was du dir vorzuwerfen hast.

Bitte verliere all diese Umstände niemals aus den Augen, wenn du wieder meinst, ganz automatisch, so wie früher, dein Selbstwertgefühl ausschließlich aus deiner Erwerbstätigkeit abzuleiten.

Versuche doch statt dessen, andere Dinge zu finden, für die du dann eben Prioritäten setzt. Nicht immer sich krampfhaft über seine trübselige Arbeitslosigkeit definieren.

So unglaublich bescheuert und abgedroschen es klingen mag: einen neuen, andersartigen Lebensinhalt. Deine zusammengefallene Hülle wieder ein bißchen aufplustern.

Ein Freund von mir, mitte Fünfzig, seit 9 Jahren von Massnahme zu Weiterbildung, hat angefangen zu zeichnen und hängt den ganzen Tag in Museen rum. Übrigens ganz ausgesprochener Eigenbrötler, der auch nicht einfach so auf Menschen zugehen mag.

Das ist einer der gebildetesten und facettenreichsten Menschen, mit denen ich jemals Bekanntschaft schließen durfte.

Ist bei dir mutmaßlich ganz genauso.

Wahrscheinlich gibt es für dich auch noch andere erstrebenswerte Tätigkeiten außer Arbeiten. Da häng dich halt rein.

Ich beispielsweise werde wohl mein Leben mit ganz furchtbar unterbezahlten Jobs zu fristen gezwungen sein. Oder ich werde gleich nächstens arbeitslos. Alles im Bereich des Möglichen.

Aber wenn es um expressionistische Stummfilme geht, macht mir keine lebende Seele was vor *lach*.

Gut, so weit muss es mit dir ja nun wirklich nicht kommen *gg*.

Aber du verstehst wahrscheinlich, was ich meine. Es gibt ein farbiges Leben ausserhalb der Arbeitswelt.

Alles Gute wünscht dir

Annie

ich finde es immer wieder schlimm zu lesen, wie in der Gesellschaft mit Menschen umgegangen wird, die im Leben alles gegeben haben, um am Ende noch mehr rumgeschubst zu werden. Und trotzdem geben die Menschen nicht auf, tun sogar noch etwas für die Gesellschaft, machen etwas Ehrenamtliches. Harz IV & Co ist eine beschämende Sache für die Politik.

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…nur noch hinzuzufügen, dass daraus vielleicht auch resultieren könnte, dass du bei einem Vorstellungsgespräch als ganz anderer Mensch auftrittst.

All die Ängste und Unsicherheiten, all der Frust und die Enttäuschungen schlagen sich ja auch in deiner Art des Auftretens nieder. Schlimmstenfalls wird man unterwürfig und bettelt förmlich nach einem Job. In beiden Fällen kann man fast sicher sein, den Job niemals zu erhalten.

Strahlst du jedoch Selbstbewusstsein aus, nach dem Motto „Die können froh sein, wenn sie mich kriegen!“, dann erhöht das deine Chancen ungemein.

Was dir momentan vielleicht noch helfen könnte, um neue Wege zu beschreiten, wäre Coaching.
Solltest dich aber vorher umhören, damit du auch an jemand Fähiges gerätst.

Alles Gute dir,
jeanne

P.S. Dein Verhalten, dass du Chefs „eh alle als Ausbeuter siehst“ ist ein schlichter Abwehrmechanismus, wie er bei Ängsten gewöhnlich zuschlägt.

Hallo,

geht es Euch auch so? Wenn ich an die Zukunft denke, seh ich
sie düster. Ich habe ein bestimmtes Alter, Mitte 40, und bin
schon seit über 3 Jahren ohne Arbeit. Ich habe mich unzählige
Male beworben, habe mich weitergebildet, war sogar im Ausland

OK, du hast alles getan, was möglich ist, um einen neuen Job zu bekommen, und darauf solltest du STOLZ sein! Wer dich nicht will hat eben Pech gehabt und soll dir den Buckel runter rutschen!

Wenn du nun doch keine Anstellung findest - beliebte Ausrede des Arbeitsamtes - bekam auch ich mal zu hören: sie sind zu alt, über- oder unterqualifiziert, alles Quatsch. Es gibt einfach zu wenig Jobs, und die werden jetzt immer weniger. Also keine schönen Aussichten, aber du kannst trotzdem etwas damit machen:

Du warst im Ausland, kannst also wahrscheinlich Fremdsprachen? Wenn ja, geh mal zu kleineren Exportfirmen (haben oft kein Geld um feste Fremdsprachenleute einzustellen) und biete Übersetzungsdienste an, stundenweise fremdsprachliche Korrespondenz tippen, nicht über’s Internet, da wirst du nur abgezockt.

Schau dir deine weiteren Qualifikationen an, was du kannst - du wirst feststellen, daß das weit mehr ist, als du vermutest, mach eine Liste und überlege dann in welcher Branche/Beruf das nützlich sein kann.

  • willst du was für den Umweltschutz tun? Wende dich an Organisationen, ob sie jemanden stundenweise brauchen können.
  • Betreue ältere Leute, gehe für sie einkaufen usw., dann bekommst du auch Kontakt (putzen meine ich nicht - eher hilfreiche Gesellschafterin)
  • Betreue stundenweise Kinder als Omaersatz für berufstätige Mütter
  • bist im Deutschen fit, hilf Diplomanden usw. ihre Arbeiten korrigieren
  • mach für diese Dienste kleine saubere Zettel, häng sie in Läden, an der Uni usw. in deiner Nähe an die Bretter
  • selbst Hundesitter werden gesucht, wenn du Vierbeiner magst
  • hast du ein Hobby, das du liebst und ausüben kannst, jetzt wo du endlich mal Zeit dafür hast? Dann tue es…
  • gründe einen Canasta/Rommée-Vierer für nette Abende/Nachmittage zusammen, oder Skat oder MahJongh oder…

Auch wenn alle diese Möglichkeiten kein oder nur wenig Geld bringen, sie bringen dich unter Leute, geben dir eine Aufgabe, bei der du dich nützlich fühlen kannst und durch Kontakte findest du irgendwann vielleicht auch wieder einen richtigen Job. Geh zu den Montagsdemos, das sind die reinsten Tauschbörsen für Tipps zum Einkaufen u.v.m.

Gutes Gelingen und den Mut nicht verlieren, es kann doch nur noch aufwärts gehen, oder?

Gruß,
Cantate

Ihr Lieben,

ich danke euch für eure Zuschriften. Es ist tröstlich zu wissen, dass man damit nicht allein dasteht. Was die Tipps anbelangt - für die ich mich ganz herzlich bedanke - naja, alle helfen mir nicht weiter. Aber ein großer Teil ist sehr nützlich, vielen Dank. Ich bin ja in einer AGH mit Entgeltvariante seit Juli 2009, die läuft aber zum 31.12. aus, und was dann kommt, weiß keiner. Wahrscheinlich wieder Hartz 4, wenn meine Bewerbungen, die ich trotz allem schreibe, keinen Erfolg haben. Zur Zeit bin ich - naja, wieder mal - in einer Weiterbildung (darf ich machen in dieser AGH). Ich mache Lohn- und Gehaltsabrechnung mit Lexware. Is ja Wahnsinn, wieviel verschiedene steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Dinge da zu beachten sind. Ist aber sehr interessant, und mein Ziel ist ja auch, entweder in der Lohnbuchhaltung oder in der Finanzbuchhaltung zu arbeiten. Ich kann gut mit Zahlen - konnte ich schon immer. Wenn ich ab 1. Jan. 2010 wieder Hartz 4 sein sollte, suche ich mir ein entsprechendes Praktikum oder wieder eine ehrenamtliche Tätigkeit oder - wenns nicht anders geht - einen MAE-Job in diesen oder ähnlichen Bereichen. Hauptsache Berufserfahrung sammeln. Ist mir egal, ob ich dafür Geld krieg oder nicht. Solange mein Lebensunterhalt gesichert ist, mach ich auch was ohne Bezahlung. Hauptsache ich bekomme Berufserfahrung. Dann traue ich mir auch wieder was zu; wenn ich selber merke, dass ich noch was kann. Ich muss es SELBER fühlen. Wenn mir andere das erzählen, oder wenn ich mir mein Lebenslauf ansehe, dann glaub ich nicht dran; glaub nicht an das, was da steht auf dem Papier. Nein, ich muss es selber spüren. Und das kann ich nur, wenn ich es ausprobiere. Da ist ein Praktikum oder ehrenamtliche Arbeit oder MAE schon ganz gut - da geht es erstmal um nichts und ich kann erstmal wieder Vertrauen zu mir selber bzw. in meine eigenen Fähigkeiten fassen. Und dann - erst dann weiß ich wirklich, was ich kann. Weil ich es nicht nur vom Kopf her weiß, sondern auch vom Gefühl her. Und dann kann ich auch dahinter stehen - quasi hinter mir selber und mich selber stützen. Naja, so jedenfalls meine Theorie. Ich hab zwar „die Hosen voll“, aber es geht nicht anders. Ich muss es einfach tun. So ihr Lieben, ich wünsch euch alles Gute, und ich bedanke mich nochmal ganz herzlich für die Beitäge auf meinen Artikel.
Schöne Tage wünscht B.