Angst vor Hunden

hallo,
mein 7-jähriger sohn hat große angst vor hunden. woher das kommt, kann ich nur erahnen: als er 3 jahre war, haben wir freunde besucht. wir haben geklingelt, die haustür wurde geöffnet und wir sind die treppe hochgegangen. plötzlich kamen aus einer anderen wohnung 2 hunde die treppe runtergerannt (golden retriever). zwar schwanzwedelnd und freundlich aber auch sehr sehr schnell. in der mitte der treppe standen sie plötzlich auge-in-auge meinem sohn gegenüber, der sich natürlich aufs heftigste erschreckte. seitdem ist er natürlich sehr vorsichtig. nun ist er in der schule und geht auch schon mittags alleine nachhause - bis letzte woche jedenfalls. sein schulweg ist eher ein feldweg (es gibt keine alternative) und da gehen auch schon mal hunde spazieren. eines nachmittags auf seinem nachhause-weg kam ihm ein hund entgegen, einen hundebesitzer konnte er nicht sehen. er war mutterseelen alleine und die panik stieg in ihm hoch. er drehte um, rannte und versuchte sich hinter einem gebüsch zu verstecken. das dauerte ca. 10 min und mein sohn muß höllenqualen gelitten haben.
seitdem ist seine angst riesengroß. wenn wir auf dem spielsplatz sind und er nur einen hund (sogar an einer leine)in über 100m entfernung sieht, bekommt er schon angst, klammert sich an mich und ich muß mit ihm nachhause gehen, weil er richtig fertig ist.
wir wollen uns bald eine kleine katze kaufen, das wünschen wir uns alle und der zwerg darf natürlich mit ins tierheim. er freut sich sehr auf die katze, hat schon genaue vorstellungen, wie sie aussehen oder heißen soll. jetzt ist es so, daß er sagte:" mama, hol du das kätzchen alleine ab, mir ist es egal, wie es aussieht!" nach behutsamen nachfragen bekam ich aus ihm heraus, daß er selbst angst vor dem gebelle im tierheim hat und der gedanke daran, läßt ihn schon erstarren. wenn er mit müßte, das kätzchen holen, würde er lieber auf die katze verzichten.
leider haben wir im bekanntenkreis niemanden mit einem hund, an den wir ihn langsam heranführen könnten.
hat jemand erfahrung? was kann ich tun?

danke
claudia

Hi Claudia
Ich finde die Realtion und das Verhalten Deines Sohnes ziemlich normal.
Als ich bei einem Spaziergang im Grunewald mit meinem Jüngsten (damals vielleicht etwa 4 oder 5) einem Hund nach dem andeen begegnete, die den kleinen Knirps in Augenhöhe mindestens „interessant“ fanden, stehenblieben und ihn beäugten, sagt mein Kleiner schließlich auch sowas wie „Das waren jetzt aber n paar Hunde zuviel - ich glaube hier gehen wir erstmal nicht mehr lang“.
Wenn ich solche Riesenköter in Augenhöhe vor mir hätte, würde ich aber genug haben…
Ob ne Katze das richtige „Heilmittel“ dagegen ist?
Gruss, Branden

Hi Claudia

hi branden,

Ich finde die Realtion und das Verhalten Deines Sohnes
ziemlich normal.

echt???
ich find schon komisch, daß er gleich anfängt zu weinen, selbst wenn ein hund auf der anderen straßenseite an der leine in 50 metern entfernung zu sehen ist.

Als ich bei einem Spaziergang im Grunewald mit meinem Jüngsten
(damals vielleicht etwa 4 oder 5) einem Hund nach dem andeen
begegnete, die den kleinen Knirps in Augenhöhe mindestens
„interessant“ fanden, stehenblieben und ihn beäugten, sagt
mein Kleiner schließlich auch sowas wie „Das waren jetzt aber
n paar Hunde zuviel - ich glaube hier gehen wir erstmal nicht
mehr lang“.
Wenn ich solche Riesenköter in Augenhöhe vor mir hätte, würde
ich aber genug haben…

ja, das ist schon klar, aber mein zwerg läßt ja nicht mal einen hund auf distanz an sich herankommen.

Ob ne Katze das richtige „Heilmittel“ dagegen ist?

nein, die katze ist seit sehr langem geplant, hat nichts mit der angst zu tun und soll um-gottes-willen auch kein heilmittel sein.

Gruss, Branden

grüße
claudia

Hi,

es könnte eine isolierte Phobie sein. Erstmal ist Angst vor großen Tieren zwar normal im Vorschul-/ Grundschulalter, aber die Ausprägung und das deutliche Vermeidungsverhalten können ein Hinweis auf eine Phobie sein.

Das von dir erinnerte traumatisierende Erlebnis mit den zwei Retrieverhunden (auch wenn es „objektiv“ nicht schlimm war, aber darauf kommt es nicht an) und das neue, verstärkernde Erlebnis auf dem Nachhauseweg erklären auch gut und schlüssig die Ursache der Phobie.

Jetzt ist der Kleine noch ein Knirps, deswegen ist es auch nicht so schlimm, das wächst sich meistens aus.

Wichtig ist, dass die Eltern das Vermeidungsverhalten nicht einfach unterstützen, sondern das Kind ermutigen, sich solchen Situationen zu stellen. Angst verschwindet, wenn das Kind lernt, das es die Angstsituation durchstehen konnte. Das kann natürlich auch Unterstützung erfordern, z.B. Abholen und auf dem Fußweg begleiten, nicht mit dem Auto abholen, oder mal bei Oma den Dackel auf den Schoß nehmen oder eben bewuß mal mit dem Knirps ins Tierheim und erstmal die kleinen Hunde streicheln.

Sollte die Phobie jedoch länger andauern, sich weiter Verstärken und von wirklich behinderndem Vermeidungsverhalten geprägt sein, dann kann es natürlich sinnvoll sein, einen Kinder- und Jugendpsychiater aufzusuchen.

Gruß

Yoyi

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Hallo Claudia,

leider haben wir im bekanntenkreis niemanden mit einem hund, an den wir ihn langsam heranführen könnten.

einige Hundeschulen bieten Verhaltenstrainings für (ängstliche) Kinder an. Auf Anhieb habe ich beim googlen nur eine Regensburger Hundeschule gefunden: http://www.vier-pfoten-team.de/kindundhund.htm, vermutlich wird es auch in Frankfurt vergleichbare Angebote geben.

Vielleicht wäre das eine Möglichkeit?

Viele Grüße
Diana

spezifische Phobien
Hallo Claudia,

bei spezifischen Phobien (sofern Dein Sohn tatsächlich eine haben sollte - dies ist via Internet nicht zu beurteilen und sollte von einem Psychologen oder Psychiater diagnostiziert werden) erwiesen sich verhaltenstherapeutische Interventionen als sicherste und schnellste Methode, die phobischen Reaktionen zu überwinden.

Als phobische Reaktionen gelten Angstreaktionen bis hin zu Panikattacken (wenigstens 4 der folgenden Symptome treten bei einer Panikattacke auf und erreichen innerhalb von 10 Minuten ihren Intensitätshöhepunkt: 1. Palpitationen, Herzklopfen, beschleunigter Herzschlag; 2. Schwitzen; 3. Zittern oder Beben; 4. Kurzatmigkeit oder Atemnot; 5. Erstickungsgefühle; 6. Schmerzen/Beklemmung in der Brust; 7. Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden; 8. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit (Ohnmacht nahe); 9. Derealisation (Gefühle der Unwirklichkeit), Depersonalisation; 10. Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden; 11. Parästhesien (Taubheits- oder Kribbelgefühle); 12. Hitzewallungen oder Kälteschauer [vgl. DSM-IV]).

Unter den Interventionstechniken existieren vor allem die folgenden Methoden (Auswahl der wichtigsten Techniken). Da nur die Effizienz von verhaltenstherapeutischen Verfahren empirisch
abgesichert ist, sollen vor allem diese hier genannt werden. Allgemeine Grundlagen der verhaltenstherapeutischen Interventionen sind eine tatsächliche und/oder vorgestellte Annäherung an die phobischen Situationen und Objekte, damit dem Patienten die Gelegenheit gegeben wird, einerseits den Teufelskreis von Angst und Vermeidung zu durchbrechen und andererseits die Ungefährlichkeit der bis dahin bedrohlich wirkenden Situation zu erfahren. Die verschiedenen Techniken können dabei kombiniert werden, z.B. werden die Situationen zunächst vorgestellt und in einem weiteren Schritt real aufgesucht, etc.

 Expositionsbehandlung
Der Betroffene wird einer phobische Situation ausgesetzt. Hier sind mehrere Techniken möglich:

  • in sensu (die Situation wird nur vorgestellt) vs. in vivo (die Situation wird aufgesucht)

  • systematische Desensibilisierung
    von einer harmlosen Situation [z.B. Bild von Hund im anderen Zimmer] wird in Absprache mit dem Patienten einer immer schwierigere Situation aufgesucht - dabei werden Entspannungstechniken eingesetzt, die das Aufsuchen der phobischen Reaktion in entspanntem Zustand ermöglicht. Eine Situation soll solange geübt werden, bis sie in Entspannung aufgesucht und verlassen werden kann, dann erst wird die nächstschwierigere Situation aufgesucht. Dazu ist es notwendig, mit dem Patienten eine „Angsthierarchie“ aufzubauen, in der phobische Situationen von äusserst geringem Angstgehalt (z.B. Bild von kleiner gemalter Spinne im Nebenraum) bis zur Situation mit dem extremsten phobischen Charakter (reale Vogelspinne auf der Hand) vom Patienten genannt werden. Die Therapie arbeitet die Stufen schließlich ab, indem die nächste Stufe dann genommen wird, wenn alle vorigen ohne Angst überwunden sind.

  • Reizüberflutung
    eine [ggf. übertriebene] phobische Situation wird aufgesucht und so lange in ihr verblieben, bis sich die körperlichen Stressreaktionen (siehe oben) zurückgebildet haben.

 Operante Ansätze

  • positive Verstärkung
    Aufbau und Festigung angemessenen Verhaltens durch Gabe von positiven Verstärkungen [z.B. Lob, Geschenke etc - es ist je nach Patient unterschiedlich, was als Verstärker wirkt]. Die Wahrscheinlichkeit eines Aufsuchens der Situation nimmt zu, wenn in der Vergangeheit dafür Belohnungen [positive Verstärker] erhalten wurden.

  • Shaping
    positive Verstärkungen erfolgen nach schrittweiser erfolgreicher Annäherung an das gewünschte Verhalten; dabei werden angsthierarchisch bestimmte Stufen gesetzt, ist eine phobische Situation ohne Symptome gemeistert worden, wird ihr Betreten nicht mehr verstärkt, und das Betreten der nächstschwierigeren Situation lässt Verstärkungen folgen bzw. wird eine größere Verstärkung als in der niedrigeren Stufe erlangt

  • Löschung
    phobisches Verhalten wird nicht mehr positiv oder negativ verstärkt, z.B. indem nicht gemeinsam mit dem Betroffenen die phobische Situation „aus Verständnis“ gemieden wird oder das Kind als Reaktion auf die phobischen Symptome eine Belohnung („zur Beruhigung“, „zum Trost“) erhält

 Modelllernen
Modellpersonen machen das gewünschte Verhalten vor, das schließlich imitiert werden soll (stellvertretendes Modelllernen). Möglich ist auch eine Beteiligung an der Exposition zusammen mit dem Modell (teilnehmendes Modellernen). Auch hier wird eine Angsthierarchie abgearbeitet, die stufenweise den phobischen Gehalt der Situation / des Objektes erhöht.

Nach empirischen Studien erwiesen sich die verhaltenstherapeutischen Interventionen als so ziemlich gleich günstig hinsichtlich der Behandlungserfolge und der Langzeiteffekte. Wichtig scheint aber der direkte Kontakt mit dem phobischen Objekt bzw. der phobischen Situation zu sein.

Zusammenfassend empfehle ich Dir das Aufsuchen eines Kinder- und Jugendpsychologen bzw. Psychiaters, der Deinen Sohn diagnostiziert und eine Intervention vorschlägt. Meine persönliche Empfehlung hierfür sind im Falle einer tatsächlichen spezifischen phobischen Störung verhaltenstherapeutische Interventionen.

Viele Grüße,
Der Captain

Anhang:
Als Spezifische Phobie
werden konsistent auftretende, klinisch bedeutsame Angstreaktionen beschrieben, die durch die tatsächliche oder befürchtete Konfrontation
mit einem bestimmten gefürchteten Objekt oder einer bestimmten Situation ausgelöst werden und häufig zu Vermeidungsverhalten
führen. Die Person erkennt dabei die Unangemessenheit ihrer Reaktionen, allerdings ist letzteres bei Kindern nicht als notwendiges Kriterium zu erachten.

Das DSM-IV listet die folgenden Kriterien auf (vgl. DSM-4):

A.
Andauernde und deutliche Angst, die unrealistisch oder übertrieben ist und von der Gegenwart eines spezifischen Reizes ausgelöst wird

B.
In der gefürchteten Situation tritt fast unvermeidlich Angst auf, die einer Panikattacke ähneln kann

C.
Die Betroffenen erkennen die Angst als übertrieben oder unbegründet (muss bei Kindern nicht der Fall sein)

D.
Die gefürchtete Situation wird vermieden oder nur mit starker Angst
durchstanden

E.
Die Angst oder Vermeidung beeinträchtigt die normal Routine, Fähigkeiten, Beziehungen oder soziale Aktivitäten

F.
Bei Betroffenen unter 18 Jahren besteht die Angst seit mindestens 6 Monaten

G.
Keine organischen Ursachen für die Ängste

H.
Die Ängste beziehen sich nicht auf Symptome anderer psychische oder
körperlicher Störungen, z.B. Essanfälle, Zittern bei Parkinson

Zusammenfassung: Erklärungen zu spezifischen Phobien und ihrer Interventionen. Verhaltenstherapeutisch.

Hallo Claudia,

hallo inselchen,
zunächst mal herzlichen dank für deine antwort.

Als sie knapp zwei Jahre alt war, kam ein großer Hund
unangeleint in unseren Hof gerannt, der „nette“ Besitzer rief
ihn halbherzig, aber erfolglos zurück, meinte dann noch cool
von weitem „der tut nix“, aber leider machte meine Tochter
einen ängstlichen Schritt rückwärts, stolperte, fiel hin und
wurde von dem Köter freundlich beschnuppert. Passiert ist also
nichts - aus der Sicht des Hundehalters *grummel*, der konnte
gar nicht verstehen, warum ich sauer war.

ohja…das kenne ich…„der tut nix“. das ist ein satz, auf den ich schon allergisch reagiere. aber einmal ist immer das erste mal und ich finde es rücksichtslos von hundebesitzern, daß sie, obwohl sie sehen, daß jemand angst vor hunden hat, den hund nicht anleinen oder zumindest zurückrufen. wer angst vor hunden hat, hat eben ANGST und basta! nicht vor einem eventuellen biß, einem beschnuppert-werden sondern bloße angst. wenn einer höhenangst hat, dann fährt er auch keine seilbahn, obwohl nix passiert. aber egal…es is halt so. *aufreg*

Ich mußte selbst staunen, aber der regelmäßige Kontakt hat ihr
geholfen - inzwischen ist die Angst vor Hunden deutlich
schwächer, sie hat nach unserem Umzug sogar Kontakt zu
Nachbars Schäferhund aufgenommen (wobei dieser Kinder gewöhnt
und immer angeleint oder auf dem eingezäunten Grundstück ist).

das ist prima und freut mich für euch. leider weiß ich nicht, wie ich meinen sohn an einen hund heranführen soll. ich habe keine möglichkeit. wenn ich nur erwähne, mal mit einem kleinen hund gassi zu gehen (nachbarschaft), flippt der kleine schon aus und blockt. da ist wirklich nichts zu machen. - leider -

grüße
claudia

„Der tut nichts“

…physisch nicht…und die psyche???

„Ach, das hat er aber noch nie gemacht“

gebissen nicht…aber ne phobie ausgelöst oder verstärkt.
darüber sollten sich die lieben hundehalter mal gedanken machen!

Hallo Claudia,

hallo diana,

danke für den tipp. aber bei meinem sohn kann ich das nicht machen. er kriegt echte panik. wie sollte ich ihn dahin schleppen? ihm nichts sagen? dann könnte ich ihn gleich zur streckbank bringen!

ich schätze, daß ich doch mal zu einem kinderpsychologen muß. zahlt sowas eigentlich die krankenkasse?

grüße
claudia

Hallo Claudia,

bei meinem sohn kann ich das nicht machen. er kriegt echte panik. wie sollte ich ihn dahin schleppen? ihm nichts sagen?

auf keinen Fall: Vertrauensverlust pur!

Ruf doch einfach erstmal bei einer geeigneten Hundeschule an und frag nach, was die Experten dort in einem solchen Fall empfehlen. Vielleicht läßt sich das Problem ja unkomplizerter lösen als vermutet.

Viele Grüße
Diana

Moin,

das ist prima und freut mich für euch. leider weiß ich nicht,
wie ich meinen sohn an einen hund heranführen soll. ich habe
keine möglichkeit. wenn ich nur erwähne, mal mit einem kleinen
hund gassi zu gehen (nachbarschaft), flippt der kleine schon
aus und blockt. da ist wirklich nichts zu machen. - leider -

Vielleicht musst du die Schwelle noch niedriger anlegen. Erstmal einen Stoffhund anschaffen, der einfach nur auf dem Sofa liegt oder vor der Tür, oder vielleicht einen Kinderfilm mit Hund schauen (ich denke da an sowas wie „Lassie“), Bilderbuch mit Hund anschauen, schöne Geschichten mit Hund vorlesen, irgendwo ein Hundeposter aufhängen etc.

Gruß
Marion

2 „Gefällt mir“

kindliche Erlebniswelt vs. Phobien b. Erwachsenen
Moin,

also wirklich, das hast du sicher schön abgeschrieben (aus urheberrechtlichen Gründen empfiehlt sich hier übrigens die Nennung der Quelle, wäre doch schade, wenn deine Tipparbeit wegen Verstoß gegen das Copyright gelöscht werden müsste), aber

Zusammenfassend empfehle ich Dir das Aufsuchen eines Kinder-
und Jugendpsychologen bzw. Psychiaters, der Deinen Sohn
diagnostiziert und eine Intervention vorschlägt. Meine
persönliche Empfehlung hierfür sind im Falle einer
tatsächlichen spezifischen phobischen Störung
verhaltenstherapeutische Interventionen.

Obige Empfehlung von dir ist doch wohl ein Witz. Wenn Eltern ihre Kinder bei aus Sicht der Erwachsenen irrationalen Ängsten immer gleich zum Psychiater (sic!) zerren würden, dann können wir sämtliche Spielkreise und Kinder und Jugendgruppen gleich in psychiatrische Praxen verlagern.

Wie Brandon schon sagte, solche Ängte sind bei Kindern ziemlich normal und damit umzugehen gehört zur täglichen Erziehung, die Eltern nun mal leisten. Aber vielleicht verstehst du die Situation besser, wenn du dir vorstellst, was es für dich für ein Gefühl sein mag, wenn ein Tier, was dir an Größe und Kraft überlegen ist (sagen wir mal ein Elefant) auf dich zugerast kommt, dich umwirft und dann vielleicht noch anfängt zu beschnuppern.

Groschen gefallen ?
Gruß
Marion

2 „Gefällt mir“

Hallo Claudia !

Ich gebe auch mal meinen Senf dazu …

  1. Auch wenn ich natürlich ebenfalls der Meinung bin, dass Angst vor grossen Hunden normalerweise völlig verständlich und sogar eine Art Selbstschutz sein könnte (ich bin eher Hundefreund), so stellt sich doch bei einer übermässig stark ausgeprägten Angstsymptomatik die Sache völlig anders da. Angststörungen im Sinne einer spezifischen Phobie (möglicherweise hier aber auch einer Posttraumatischen Belastungsstörung) sind ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer übermässigen und nicht situationsangemessenen Reaktion kommt.

Es wäre also gesund, vernünftig und normal vor so einem grossen Biest Angst zu haben. Aber man würde nicht in Panik geraten, nicht bestimmte Orte nicht mehr aufsuchen, möglicherweise beim Gedanken an einen Hund schon in Angst und Schrecken verfallen.

Das Ausmaß und die genaue Zuordnung der Angstsymptomatik ist für mich online nicht möglich. Natürlich könnte es sich um eine isolierte Angst (Phobie) vor einem Hund handeln (Tierphobie). Dann wäre die Therapie eine gestufte Exposition, d.h. Konfrontation. Das Vorgehen ist hier auch schon mehrfach relativ richtig beschrieben worden. Man stellt zunächst eine Angsthierarchie auf, d.h. man sortiert verschiedene Auslöser der Angstreaktion auf einer Art Thermometer. Die stärkste Angst wäre dann vielleicht diesem Hund wieder zu gegegnen und gebissen zu werden. Eine sehr niedrige vielleicht ein Bild von einem Hund in einer Zeitschrift zu sehen…

Je nach gewählter Methode fängt man entweder mit einer sehr niedrigen Konfrontationsstufe (z.B. Anschauen eines Bildes von einem Hund) oder aber der maximalen Konfrontation (Flooding) an, d.h. man geht mit dem Kind nach entsprechender Vorbereitung direkt in ein Tierheim und lässt ihn da solange, bis er selber eine Abnahme der Angstreaktion merkt. (Das klingt jetzt hart, wird aber eben auch erst nach entsprechender Vorbereitung gemacht).

Ich möchte aber auch eine „Mikrotraumatisierung“ oder sogar eine regelrechte Traumatisierung im Sinne einer Posttraumatischen Belastungsstörung zur Diskussion stellen. Diese ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass ein Erlebnis mit Bedrohung der eigenen (subjektiven) Unversehrtheit unvorhergesehen eintritt. Dabei geht es nicht immer um lebensbedrohliche Ereignisse. In der Ausprägung kann eine Posttraumatische Belastungsstörung ähnlich einer Phobie sein
Wesentlich ist aber, dass auch Bilder bzw. innere Filme (Flash-Backs) oder andere weitere Symptome hinzukommen können.

Die Behandlung kann zwar ähnlich wie bei einer Phobie sein. Ich würde aber auch noch eine weitere Behandlungsmethode diskutieren (die auch bei einigen Phobien mit einem solchen ursächlichen Ereignis) wirken kann : EMDR, d.h. eine spezielle Psychotherapiemethode, die innerhalb weniger Sitzungen zum Verschwinden der Angst bzw. Bilder etc. führt. Dabei erfolgt nach entsprechender Vorbereitung über wechselseitige Augenbewegungen eine Anregung eines speziellen Verarbeitungsprozesses, wo die Bilder und Gefühle der Angst und Hilflosigkeit bearbeitet werden können. Dies sollte aber ein spezialisierter EMDR-Therapeut machen (mit Erfahrung bei Kindern).

Abwarten und hoffen, dass sich die Problematik verwächst halte ich zwar grundsätzlich für eine Erwägung. So wie Du es schilderst (oder ich es subjektiv verstehe) sehe ich aber eher die Gefahr, dass durch weitere Vermeidung bzw. Angst vor der Angst eine Ausweitung der Angstsymptomatik droht. Daher würde ich einen Kinder- und Jugendpsychologen aufsuchen und das Probem vor Ort besprechen. Dieser sollte entweder von Verhaltenstherapie (VT) und/oder EMDR eine Ahnung haben…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!

Wie Brandon schon sagte, solche Ängte sind bei Kindern
ziemlich normal und damit umzugehen gehört zur
täglichen Erziehung, die Eltern nun mal leisten.

Ich habe zwar noch keine eigenen Kinder, aber doch zahlreiche Erfahrungen mit meiner Nichte und weiß auch noch, was ich meinerzeit für Ängste hatte. Und ich muss sagen - ja, etwas Angst vor einem Hund ist „normal“. Die hatte meine Nichte anfangs auch, da ist sie dem Hund ebenfalls ausgewichen. Das ging aber niemals soweit, dass sie alleine schon die Anwesenheit des Hundes vor lauter Angst nicht hätte ertragen können. Die Nähe (nicht allein schon die Anwesenheit im Zimmer!) beunruhigte sie, versetzte sie aber doch nicht in einen ausgeprägten Angstzustand. Und das selbst, nachdem sie mal direkt vor dem Hund hingefallen ist und er sie beschnuppert hat. Mit der Zeit wurde sie dem Hund gegenüber dann auch immer zutraulicher. Und im Übrigen ist meine Nichte jetzt gerade mal 3,5 Jahre alt, also auch nicht gerade groß im Vergleich zu unserem Tier.

Des weiteren weiß ich, dass ich selbst schon immer auffällig ängstlich gewesen bin, was alle möglichen Situationen angeht. Aber solche Angst, dass ich schon eine Situation in der Vorstellung als so schlimm empfunden hätte, dass ich mich weigern würde, sie aufzusuchen, obwohl mich dort was ganz Tolles (hier: die Katze) erwartet, sowas gab es auch bei mir nicht.

Insofern denke ich schon, dass es sich lohnen würde, zumindest Rat bei einem Kinderpsychologen einzuholen. Claudia schreibt ja, dass sie keine Möglichkeit hat, ihr Kind an Hunde überhaupt zu gewöhnen, so stark ist seine Angst. Meiner Meinung nach ist es besser, einmal zu oft einen Experten um Rat zu fragen - gerade was die (psychische) Gesundheit eines Kindes angeht - als zu wenig und damit eine bleibende Angststörung zumindest zu riskieren. Das Herunterspielen von Kinderängsten ist schließlich auch keine Lösung.

Gruß,
Anja

3 „Gefällt mir“

Moin,

Ich habe zwar noch keine eigenen Kinder, aber doch zahlreiche
Erfahrungen mit meiner Nichte

Ich kenn 6-jährige, die schimpfen einen Hund kräftig aus, nachdem er sie umgeworfen hat. Was sagt uns das ? Jedes Kind ist anders.

Vielleicht hat deine Nicht panische Angst vor Spinnen, Kühen, einem komischen Fleck an der Tapete, dem Zahnarzt, dem Wandschrank, einem bestimmten Baum, Blutabnehmen, tiefem Wasser, Käfern etc…

Des weiteren weiß ich, dass ich selbst schon immer auffällig
ängstlich gewesen bin, was alle möglichen Situationen angeht.
Aber solche Angst, dass ich schon eine Situation in der
Vorstellung als so schlimm empfunden hätte, dass ich mich
weigern würde, sie aufzusuchen, obwohl mich dort was ganz
Tolles (hier: die Katze) erwartet, sowas gab es auch bei mir
nicht.

Bei mir schon. Kein Mensch der Welt bekommt mich auf eine Skipiste oder gar eine Sprungschanze :smile:

Insofern denke ich schon, dass es sich lohnen würde, zumindest
Rat bei einem Kinderpsychologen einzuholen.

Rat einholen ist immer gut, das macht Claudia ja auch hier. Meine Meinung ist da eine von vielen. Claudia wird schon für sich entscheiden, welche nach ihrem Verständnis am meisten Sinn macht. Rat einholen ist aber IMHO nicht gleichzusetzen mit: sein Kind zum Psychiater bringen.

Claudia schreibt
ja, dass sie keine Möglichkeit hat, ihr Kind an Hunde
überhaupt zu gewöhnen, so stark ist seine Angst.

Bist du sicher, dass das Kind die Angst vor Hunden überhaupt loswerden will ?

Meiner
Meinung nach ist es besser, einmal zu oft einen Experten um
Rat zu fragen - gerade was die (psychische) Gesundheit eines
Kindes angeht - als zu wenig und damit eine bleibende
Angststörung zumindest zu riskieren.

Zustimmung.

Das Herunterspielen von
Kinderängsten ist schließlich auch keine Lösung.

Zustimmung. Das Vergleichen von Kinderängsten mit Phobien von Erwachsenen meiner Meinung nach aber auch nicht.

Gruß
Marion

Hallo Claudia,

das Verhalten Deines Sohnes Hunden gegenüber hört sich auffällig an und ist vermutlich nicht mehr als „normale“ Kinderangst zu bewerten. Genaueres müßte aber eine psychologische Untersuchung zeigen. Auch bei Kindern können sich Phobien entwickeln (beide großen Therapierichtungen, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie, begannen u.a. mit Fällen, in denen Kinder phobische Ängste hatten) und es ist immer - wie bei uns Erwachsenen auch - ratsam, sich Ängste auf ihren Schweregrad hin anzusehen. Während bei Erwachsenen Einsicht in die Irrationalität und übertriebene Intensität der Angst und des Vermeidungsverhaltens bestehen muß, um von einer Phobie zu sprechen, muß dies bei Kindern nicht der Fall sein (der „Captain“ wies bereits darauf hin und intuitiv dürfte dies jedem klar sein). Ein Besuch bei einer Expertin / einem Experten mit verhaltenstherapeutischer Orientierung halte ich - nach dem zu urteilen, was Du schreibst - in Eurem Fall für sinnvoll: einmal, um abzuklären, ob es sich tatsächlich um eine Phobie handelt und ggf. wie schwer diese ist; zweitens und wichtiger, damit Du Dir verhaltenstherapeutisch fundierten Rat holen kannst, wie die Angst gemindert werden kann. Dies schadet nichts, auch wenn es eine „normale“ Angst ist. Ein bis zwei Termine für beratende Gespräche reichen oft aus. Ein Besuch in der Ambulanz einer Kinder- und Jugendpsychiatrie kann dafür ein gangbarer Weg sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß dies in der Regel völlig unproblematisch ist, auch wenn es ein paar Wochen dauern kann, bis man einen Termin erhält. Da behalten werden sie Deinen Sohn wegen einer Phobie nicht. Wenn die Tipps dem Problem Deines Sohnes gegenüber angemessen sind und ihr sie konsequent umsetzt, dann könnt ihr als Eltern selbst effektiv etwas für eine Minderung der Angst eures Sohnes tun.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo Claudia,

die Idee mit der Hundeschule von Diana halte ich für gut.
Speziell solltet ihr in eine Welpengruppe gehen.
Zum einen sind die Hunde dann eher klein, zum anderen haben sie eine anderes Verhalten als erwachsene Hunde, eben mehr ‚kindlich‘.

Wenn das dann klappen sollte, könnt ihr es in einer Junghundgruppe versuchen oder ev. auch mit einzelnen jungen Hunden.

So könnt ihr das langsam ‚steigern‘.

Unser kleiner hatte, obwohl wir selber einen recht großen Hund haben, mit anderen Hunden Probleme wenn sie gebellt haben. Mit der Zeit hat er aber gelernt, daß das alles nicht so schlimm ist.

Manchmal verfliegen Ängste wie ein Pfurz, wenn es klar wird, daß sie irrational sind.

Gandalf