Angst vor Magenspiegelung - sorry, lang

Hallo liebe Medizinwissende -

eventuell gehört das Folgende eher ins Psychobrett, aber ich versuch´s trotzdem erst mal hier - also:

Wegen vier Magen- und eines Darmgeschwürs habe ich mittlerweile einen reduzierten Magen und keinen Zwölffingerdarm mehr. Die Operation war eine Not-OP aufgrund einer arteriellen Blutung - und ein relativ traumatisches Erlebnis. Die Magenspiegelung vorher war aber halbwegs erträglich, weil eine Schwester meinen Kopf hielt, mir sagte, wie ich atmen sollte und dass ich das alles ganz großartig machen würde.

Vor einiger Zeit meinte ich ein neues Magengeschwür zu haben und ging zu einem Gastroenterologen, der hier als Spezialist und Koryphäe gilt (rückblickend verstehe ich nicht, warum). Seine Praxis ähnelte einer ausgebauten größeren Garage, und während ich mich in dem winzigen Wartezimmer mental vorzubereiten versuchte, hörte ich aus dem Untersuchungsraum eine Frau schreien. Meine spontane Reaktion: „Nimm deinen Kram und verschwinde hier. Ganz schnell!“ Aber natürlich war ich vernünftig und sagte mir: „Bleib, du musst da durch, das wird schon nicht so schlimm“ (ausgehend von der guten Erfahrung aus dem Krankenhaus). Ha!

Im Untersuchungsraum redete niemand mit mir (außer „Legen sie sich da hin“); die Assistentin der Koryphäe stülpte mir eins dieser kleinen Kreislaufüberwachungsgeräte auf den Zeigefinger, und die Koryphäe höchstselbst rammte mir den Schlauch in den Schlund (während der gesamten Untersuchung unterhielten sich die Koryphäe und die Assistentin über irgendwas - was aber leider nicht das Geringste mit mir zu tun hatte). Ich versuchte zwar, mich an die Unterstützung durch die KH-Schwester zu erinnern, aber trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, gleichzeitig kotzen und ersticken zu müssen.
Anschließend bekam ich die Information, da sei etwas zu sehen gewesen, was eventuell ein neues Magengeschwür sein könnte, ein Rezept und den Befehl, mich zwecks einer weiteren Magenspiegelung drei Wochen später wieder dort einzufinden. Das verschriebene Medikament habe ich vorschriftsmäßig eingenommen, die Nachuntersuchung habe ich mir allerdings erspart, weil ich mich außerstande fühlte, auch nur noch einen Schritt in diesen Laden zu setzen. Offenbar war dieses Erlebnis nicht nur relativ, sondern absolut traumatisch…

So weit, so schlecht - mittlerweile deutet alles darauf hin, dass ich wieder ein Magen- und/oder Darmgeschwür habe, aber ich bringe es einfach nicht fertig, mich untersuchen zu lassen. Nach der geschilderten Situation habe ich ein (auch für mich) kaum verständliches Vermeidungsverhalten entwickelt, das mir überhaupt keine Wahl mehr lässt. Ich weiß , dass ich mich behandeln lassen muss; ich weiß , dass ich an einem unbehandelten Geschwür sterben kann - und trotzdem kann ich mich nicht zu einer weiteren Spiegelung entschließen.

Gibt es vielleicht eine Klinik, in der man mit so irren Befindlichkeiten wie meiner umgehen kann? Würde eventuell eine Angsttherapie helfen? Ich hab es bisher eigentlich immer geschafft, mich „zusammenzureißen“ und das, was nötig war, zu überstehen, aber diese Situation kriege ich nicht geregelt - ich „weiß“ ja auch, dass das nur eine negative Erfahrung war, die sich nicht zwangsläufig so wiederholen muss - nur nützt mir dieses Wissen leider überhaupt nicht, weil ich nicht in der Lage bin, es in Handlung umzusetzen. Ich weiß eigentlich genau, was ich tun sollte, aber ich weiß nicht, wie.

Fällt eventuell jemanden was dazu ein? („Geh zum Arzt“ hilft mir nicht…)

Grüße
Susanne

Hallo du Ärmste,

„eine alternative Untersuchungsmöglichkeit ist die Magen-Darm-Passage, eine Röntgenuntersuchung, bei der ein Röntgen-Kontrastmittel geschluckt wird. Diese Untersuchung ist zur Überprüfung von Schluckstörungen gut geeignet. Aber auch Magengeschwüre oder ein Magenkarzinom können auf diese Weise diagnostiziert werden. Bei dieser Untersuchung können jedoch weder Biopsien entnommen noch therapeutische Eingriffe wie bei der Gastroskopie durchgeführt werden.“

Quelle: NetDoktor

Aber ohne Biopsie geht es sicherlich nicht bei einem Magengeschwür.
Hast du denn keine Betäubung bekommen? Da ist man doch eigentlich gut weggetreten.
Alles Gute
Manu

Hallo Susanne,

also bislang habe ich von einer Desensibilisierungstherapie gegen Angst vor Ärzten erst bei Zahnärzten gehört. Der Klient wird in mehreren Sitzungen auf den Besuch vorbereitet, er gewöhnt sich langsam an die Atmossphäre, schaut sich Filme über Behandlungen an etc.

Ob es so etwas schon in anderen Berreichen gibt, wage ich erst einmal zu bezweifeln - hier wird dann wohl eher über kostensparende „Narkosemittel“ gearbeitet.

Aber selbst ohne Therapie kannst Du ja auch selber etwas tun. Zunächst einmal scheint der Arzt gänzlich ungeeignet, Dich zu behandeln. Egal ob es sich so verhält wie Du geschildert hast - Du bist unzufrieden und fühlst Dich schlecht behandelt. Mittlerweile wird der Arzt auch als Dienstleister verstanden, und einen schlechten Dienstleister sollte man meiden - Koriphäe hin oder her.

Auch bei den heutigen Diagnoseverfahren gibt es meiner Meinung nach Unterschiede - ich glaube, neuere Geräte zur Magenspiegelung sind kleiner und wesentlich Angenehmer als ältere Bauserien. Eine ambulante Klinik könnte sehr wahrscheinlich über neuere Geräte verfügen.

Aber das wichtigste ist natürlich, dass Du dem Arzt oder auch schon der Sprechstundenhilfe bei der Terminvereinbarung auch sagst, dass Du Angst vor der Untersuchung hast. Wenn das keiner weiss, wird auch keiner versuchen, besondere Rücksicht zu nehmen. Und die zweite Frage könnte sein, ob der Arzt auch bereit ist, darauf Rücksicht zu nehmen.

Wenn die ANtwort für Dich überzeugend ausfällt, dann hättest Du doch schon ein wenig Sicherheit zurück gewonnen. Ich glaube, dass es sehr viele Ärzte gibt, die bereit wären, darauf Rücksicht zu nehmen.

Die Behandlung aufzuschieben ist indes natürlich aus zweierlei Gründen gänzlich verkehrt - erstens wir die Hürde immer höher, und zweitens ist es in Deiner Situation nicht gut, eine Behandlung allzu langeherauszuzögern.

Lieben Gruß & viel Erfolg
Patrick

Hallo Namenskollegin :smile:)

Wenn ich mir Dein Erlebnis so durchlese finde ich - ganz spontan - dass Deine Reaktion absolut verständlich ist. Dass Du jetzt eine Angst vor einer neuerlichen Untersuchung hast ist nach der unsachgemäß durchgeführten Spiegelung nachvollziehbar.
Ich verstehe auch überhaupt nicht warum Du nicht eines der kurzwirksamem Schlafmittel bekommen hast - das ist allgemeiner Standard.

Vielleicht hilft es, wenn Du Dir erstmal einen neuen Arzt suchst und ihn „beschnupperst“? Also Erstgespräch, in dem Du mit ihm Deine medizinische Vorgeschichte und die negativen Erfahrungen bei der letzen Spiegelung besprichst. Lass Dir erklären wie er/sie die Spiegelung durchführt, ob ein Beruhigungsmedikament verwendet wird usw. Wenn der Arzt da schon keine Geduld hat oder Dir unsympathisch ist lass es bleiben und suche weiter.
Wenn die „Chemie“ zwischen euch stimmt schaffst Du es dann sicher auch die Untersuchung durchführen zu lassen.

Ach ja - wenn Du nicht mehr in die Praxis gehen möchtest wegen Deiner Befunde - die kann auch Dein Hausarzt für Dich anfordern. Eventuell musst Du Portokosten erstatten.

Viele Grüße und alles Gute
Sue

Hi,

reiß Dich zusammen und probier’s nochmal bei einem anderen Arzt.
Erzähle dem die Geschichte genau so, wie Du sie hier erzählst, und frage nach einem Beruhigungsmittel vor der Untersuchung. Üblicherweise wird nämlich ein solches gespritzt (Dormicum), welches Dich in einen wunderbar gleichgültigen Zustand versetzt und dir außerdem die Erinnerung an die unangenehmen Seiten nimmt.

Falls der Arzt auf die Geschichte nicht zumindest halbwegs verständnisvoll reagiert oder das Dormicum verweigert, dann steh auf und geh.

Gruß,

Malte.