Angst vor Nähe!

Ich habe Probleme, mich zu öffen. Jemanden anzusprechen, geschweige um etwas zu bitten.

Puh, was habe ich im Elternhaus gelernt? Meine Eltern sind kaum zu jemanden gegangen. Sie waren hilflos, haben aber niemanden um Rat gefragt. Sie haben kaum Freunde bzw. kennen wenige Leute. Andererseits ist meine Oma nicht auf dem Mund gefallen und schlagfertig!
Liebe und Zuneigung? Eine Umarmung? Selten! Zuneigung = ein Geschenk! Sie konnten nicht sagen: „Ich liebe dich!“ oder mich Umarmen, sondern drückten es durch Gesenke oder Essen aus.
Erzählte ich etwas, wurde ich sofort bewertet oder ausgelacht. Oder es war die riesige Katastrophe, was ich angestellt hatte. Der mich beschützen hätten sollen, hat geschwiegen oder aus dem Staub gemacht.
Ermutigung? Fehlanzeige! Ich verschaure eh doch alles. All die teuren Sachen! Und all der Dreck! Das lerne ich alles in der Schule. Doch in der Schule wurde vieles vorausgesetzt.

Hmmm, habe ich da etwas übernommen? Wie gehe ich mit diesen Ernahrungen um? Wie kann ich das heute lernen, konstruktiv mit mir und den anderen umzugehen??

Hallo Sylvia,
als ich deinen Artikel gerade gelesen hatte, dachte ich, dass meine Freundin ihn geschrieben hatte. Wir sind seit 7 Jahren zusammen und selbst Leuten, die sie relativ gut kennt (hauptsächlilch über mich) kann sie sich schlecht öffnen. Ich muß dazu sagen, daß sie eine Reihe von Therapien hinter sich hat, die aber nicht wirklich etwas geholfen haben. Bei dir wäre interessant zu wissen, wie alt du bist, ob du einen Beruf hast, ob du noch zu Hause wohnst etc. Viele Menschen mit diesen Verhaltensweisen bekommen ihren normalen Lebensalltag schlecht in den Griff-gerade wenn man unselbständig gehalten wird.
Liebe Grüße
Skippy

hallo.

wie alt bist du denn? und wohnst du noch bei deinen eltern? oder lebst du allein?

Ich habe Probleme, mich zu öffen. Jemanden anzusprechen,
geschweige um etwas zu bitten.

naja… auch wenn’s ne andere situation ist: HIER klappt’s ja ganz gut :smile:

jemanden ansprechen, heißt das z.b. jemanden nach der uhrzeit fragen? die dame an der käsetheke um 150g emmentaler bitten? irgendjemanden anrufen, den du gar nicht kennst (amt, auskunft, kino, …)?

und wie äußern sich die probleme, die du damit hast? einfach nur ein angstgefühl? kloß im hals? schweißausbrüche? …?

aus sowas rauszukommen ist schwer, aber nicht unmöglich. von heut auf morgen wird’s allerdings nicht gehen. dazu braucht’s schon ein paar jahre „übung“.
ungeschickt wär’s, im fehlverhalten der eltern eine rechtfertigung für die eigenen unzulänglichkeiten zu suchen („wenn ihr nicht hättet, dann würd ich jetzt…“). auch wenn’s eigentlich logisch erscheint - weiterbringen tut’s dich nicht.

gruß

michael

Hi Silv,

ja ich denke man kann es lernen. Eine Beurteilung allerdings ist annähernd unmöglich, insbesondere, wenn man jemanden nicht kennt. Was gibt es allgemein zu sagen?

Vertrauen zu jemanden fassen ist u.U. sehr schwer. Ich habe auch keine Ahnung, welche Erfahrungen Du hinter Dir hast, wie oft und stark Du enttäuscht worden bist, ob Du gute und enge Freunde hast, ect…

Ebenso ist es oft ein Problem, jemanden um Hilfe zu bitten! Warum? Manchmal wirken die eigenen Probleme zu unwichtig bis lächerlich, manchmal will man andere „nicht nerven“ oder belasten, weil diejenigen selber genug am Hals habe, manchmal wirken eigene Probleme als nicht sozialfähig (Bsp. Suizidgedanken, Depressionen) oder man glaubt schlicht und ergreifend es gibt keinen Ausweg.

Ich denke, man kann vom Elternhaus viel übernehmen, aber man kann auch viel dazulernen, vor allem, wenn man merkt, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist. Wie es bei Deinen Eltern z.B. klingt, sehen diese Hilfe als ein Anzeichen von Schwäche an. Das bedeutet wiederum, dass die Kinder Hilfe auch als eigene Schwäche bewerten. Das dies falsch ist, muss man dann erst mal erkennen.

Wie hast Du damit umzugehen? Auf jeden Fall Hilfe suchen! Wie das aussieht ist wie gesagt im Forum definitiv nicht zu beurteilen. Je nach Problemlage und Deiner Situation ist eine Möglichkeit mit Freunden reden. Der Anfang kann sehr schwer sein, aber auf die Frage „wie geht´s Dir, alles klar?“ einfach mit „nein“ zu antworten, kann ein guter Einstieg sein. Ansonsten gibt´s es oft (auch kostenlose) psychologische Stellen, die unter der Schweigepflicht zum einen einfach zuhören können und auch weitere Hilfe aufzeigen können.

Im Ergebnis musst Du den ersten Schritt tun. Überlege, was Deine Probleme sind. Wenn du das nicht rausfindest, suche jemanden, der Dir dabei hilft. Auch Schwäche zeigen, kann Stärke bedeuten. Ich denke alleine kommt keiner klar! Das Schlagwort ist Vertrauen!

Offenheit macht verletzlich, aber es kann sich auch unwahrscheinlich rentieren.

Gruß

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Hallo Sylvia,

Angst vor Nähe ist mir sehr gut bekannt, allerdings aus ganz anderen Gründen, wie Du sie schilderst. Meine Eltern haben genau das Gegenteil getan: Sie haben mich mit Liebe zugeschüttet, erdrückt- sie waren ständig so NAH BEI MIR, dass es mir Angst gemacht hat- im späteren Leben habe ich dafür gesorgt die Menschen auf Distanz zu halten. Heute- widerum viele Jahre später- denke ich, habe ich ein gesundes Verhältnis zu anderen Menschen- manche möchte ich nah bei mir haben- andere halte ich auf Distanz.

Wie bin ich dahin gekommen: ich denke dadurch, dass ich mich auf mich selbst und meine Bedürfnisse konzentriert habe und nicht auf das geachtet habe, was andere von mir ERWARTEN KÖNNTEN.

Wer sagt Dir, dass Du Dich „öffnen“ sollst? Wer erwartet das und was soll daran so gut (positiv) sein? Mir sind Menschen wesentlich symphatischer, die mir nicht sofort Ihr ganzes Leben erzählen und was sie sonst noch so alles bewegt.

„offen“ sein für andere- das bedeutet auch angreifbar, verletzbar zu sein- Offenheit birgt keine Geheimnisse, schade.
Alles von anderen zu wissen ist uninteressant. Offenheit ist langweilig…
Oft möchten wir gerade so sein, wie wir nun mal nicht sind. Wir bewunderen andere Menschen für Eigenschaften, die wir selbst nicht besitzen. Wir möchten das Aussehen von Julia Roberts, die Intelligenz von Einstein, den Mut von …, den Charme von… u.s.w.

Wie wäre es wenn wir uns mit den Eigenschaften beschäftigen, die wir mitbringen- Du bist vielleicht nicht der Typ der anderen um den Hals fällt und Bussis verteilt- genau so wenig wie ich- aber dafür können wir beide ganz andere wunderbare Dinge tun… da bin ich fest von überzeugt- also Kopf hoch und schau nach Dir und nicht nach anderen!

Ein lieber Gruß aus der Distanz

Frank

Hallo,

ich bin jetzt 39 Jahre alt, schon über 10 Jahre von zuhause weggezogen und lebe nun alleine. Vorher bin ich 8 Jahre mit einem Freund zusammengelebt. Alte Strukturen sind weggebrochen oder fehlen, ich muß mir einen neuen Kreis aufbauen.

Ich würde gerne mit anderen Menschen Kontakte knüpfen. Aber ich brauche lange, bis ich „warm“ werde. Auch denke ich, ich wäre langweilig. Ich bin nur Durchschnitt. Als Kind durfte ich nichs ausprobieren oder wurde nicht dazu ermutigt. Nun könnte ich ja! Aber es ist schwer. Ich bin auch nicht über meine Bedürfnisse nicht klar.

Arbeiten tue ich auch. Schließlich muß ich etwas sinnvolles tun und meine Brötchen verdienen. :wink: Ich würde mir gerne etwas anderes suchen, weiß aber nicht was. Verkaufen kann ich mich schlecht. Ich kann nicht hinstellen und sagen, das und das kann ich, das und das will ich! Weil ich denke, es wär nichts besonderes? Es ist nicht der Rede wert?

Apropos Arbeit! Ich muß wieder …

Viele Grüße
Sylvia