Hallo,
seit kurzem plagen mich Angstattacken,
die wahrscheinlich ausgelöst wurden
durch die ständige Diskussion im
Fernsehn über BSE. Bevor ich diese
Angstattacken genauer beschreibe,
möchte ich zuerst etwas allgemeines zu
meiner Situation und zu meinem Leben
erzählen, damit ihr besser
versteht warum ich mir solche Sorgen
mache und nicht mehr weiter so leben
möchte wie bisher.
Also zur Zeit studiere ich Informatik, was
ehrlich gesagt ziemlich streßig ist, da ich
mich erfolgsmäßig ziemlich unter Druck
setze. Die jetzigen Angstattacken passen
da garnicht in meinen Plan aber ich kann
mich dagegen kaum wären. Meine
psychologische Geschichte beginnt ca.
zwischen dem 7 und 8 Lebensjahr; ich
erinnere mich jedoch nicht mehr an den
gesamten Ausmaß der Probleme,
sondern nur noch an Einzelheiten und
bestimmte Situationen von denen ich nun
einige beschreiben möchte:
1.) Ich hatte Berührungsängste vor
unbekannten. Dies ging soweit, daß wenn
ich beim Einkaufen mit meinen Eltern
irgendeine Person berührt habe, meine
Eltern zu dieser Person gehen mußten und
sie anfassen mußten, da ich Angst davor
hatte durch die Berührung vergiftet zu
werden.
2.) Beim gemeinschaftlichen Abendessen
mußte mein Vater oder Mutter immer die
andere Hälfte des Brotes essen.
3.) Ich hatte den wohl bekannten
Waschkomplex, d.h. ich habe mir ziemlich
oft die Händegewaschen und den Mund
ausgespült.
4.) Ich erinnere mich noch an eine
Situation als ich mit meiner Mutter zum
Blumenladen gegangen bin ist irgendeine
Kleinigkeit passiert, daraufhin habe ich
bis wir wieder zu Hause waren den
Speichel im Mund behalten und als wir
dann zu Hause waren diesen oftmals
ausgespült.
5.) Ich hatte große, sehr große Angst
vor einer Atomkatastrophe.
Ich ging damals auch mit meinen Eltern
zum Kinderarzt und dieser meinte, daß
es damals vielen Kindern so ging,
ausgelöst wahrscheinlich durch die
Tschernobyl Katastrophe. Außerdem
meinte er, daß es auch mit der Tatsache zusammenhängen könnte, daß meine
Mutter einige Zeit früher wegen Brust-
krebs lange Zeit im Krankenhaus war.
Nach einiger Zeit jedoch gingen diese
Probleme jedoch wieder von alleine weg.
Ich weiß jedoch nicht mehr wie,
wahrscheinlich war es einfach der Faktor
Zeit, der mir geholfen hat. Die nächsten
paar Jahre verliefen gut. Ich hatte viele
Freunde, trieb viel Sport, nahm die
Schule nicht so wichtig und hatte
einfach viel Spaß. Keine wesentlichen
psychischen Probleme belästigten mich.
Die einzigste Sache, die mich
einschränkte war das Alkoholproblem
meines Vaters, das er aber mittlerweile
überwunden hat und wegen dem ich mich
oftmals schähmte jemand zu uns nach
hause einzuladen. Am Ende der 7.Klasse
im Gymnasium kam ein Wendepunkt in
meinem Leben. Irgendwie kapselte ich
mich immer mehr von meinen alten
Freunden ab und baute eine neue zu
einer damals ziemlich unbeliebten Person
auf. ich zog mich zurück und während
meine alten Freunde ins Schwimmbad
gingen und die ersten Erfahrungen mit
Alkohol machten, lernte ich mit dieser
Person viel für die Schule, ging mit ihr ins
Kino, unterhielt mich lange mit seinen
Eltern und es ging sogar soweit das ich
mehr bei dieser Person war, als bei mir zu
Hause. (ich mag diese Person aber immer
noch sehr gern ).
Außerdem wollte ich immer, daß sich
meine Mutter, mit der Mutter dieses
Freundes anfreundet. Ich denke so ca.
am Anfang der 8. Klasse kamen bei mir
erneut psychische Probleme auf, die aber
diesmal wesentlich heftiger waren
vielleicht kommen sie mir jedoch auch in
meinem Erinnerungsvermögen nur so vor
). Mir ist es jetzt zwar ein wenig peinlich
weiter zu berichten, aber ich denke, daß
dies hoffentlich in dieser Newsgroup
nicht zu Gelächter und Spotterei
kommt, denn diese psychischen Probleme
äußerten sich anfangs im wesentlichen
in einem komischen Gefühl in meinem
„besten Stück“. Anfangs ignorierte ich
dies und dachte es würde nur damit
zusammenhängen, daß ich kurze Zeit
zuvor erste sexuelle Erlebnisse mit mir
selber hatte. Ich unterlies also die Selbst-
befridigung und hoffte, daß dieses
komische Gefühl wieder weggehen würde.
Jedoch ging es nicht weg und schränkte
mich immer mehr ein. Meine größte Sorge
war, daß ich nicht mehr für die Schule
lernen könnte, da dieses Gefühl in mir
eine sehr starke Unruhe auslöste. Ich
redete darüber auch in Ansätzen mit
meinen Eltern, aber diese konnten mir
dabei nicht weiterhelfen. Irgendwann
ging ich dann zum Kinderarzt und dieser
stellte die Diagnose: „Krampfader im
Hoden“, die operable entfernt werden
müssen.
Von dem Tag bis zur Operation gingen
dieses Gefühl größtenteils weg. Dann
kam die Operation und kurze Zeit später
begann dieses Gefühl von neuem.
Mittlerweile zog ich mich auch in der
Schule immer mehr zurück, viele
spotteten über mich und lachten mich
aus, weil ich mir alles gefallen ließ, da
mein Selbstvertrauen zu diesem
Zeitpunkt gegen null ging. Ich saß dann
oftmals nur noch vor dem Computer und
ging zu dem einen Freund, von dem ich
oben schon berichtet habe. Das
komische Gefühl ging jedoch nicht weg.
Irgendwann dann begann ich mir ständig
die Hände zu waschen und meinen mund
auszupsülen, was am abend schon
manchmal eine halbe Stunde dauerte.
Mein Vater regte sich darüber oftmals
furchtbar auf. Wenn ich auf Toilette ging
legte ich vorher die Klohbrille mit
Toilettenpapier aus und setzte mich
garnicht auf die Klobrille. Auch duschte
ich oftmals über eine Woche nicht. Dieser
Waschzwang ging soweit, daß ich bevor
ich irgendwo hinging meine Hose mit
Wasser nass spritzte. Zum Psychater
ging ich nie, da meine Eltern und alle die
sonst noch was davon mitbekamen, es
waren jedoch nicht viele, immer eine
gundsätzlich sehr negative Einstellung
gegen Psychologen hatten und ich mich
alleine nicht traute dort hin zu gehen.
Alledings war dies nicht das einzigste
psychische Problem. Gleichzeitig hatte
ich ganz grauenvolle Angst vor dem
Clown im Film „Es“, mich plagten
Schuldgefühle, und ich hatte irgendwann
einfach nur noch Angst vor der Angst!
Dieser Zustand hielt eine ganze Weile an.
Allerdings kamen diese Probleme mehr in
Schüben und waren oftmals ausgelöst
auch durch die Medien, denn ich hatte
z.B. auch mal Angst vor den killerviren
und bei der ersten Debatte vor BSE und vor Aids. Oftmals artete dies dann
soweit aus, daß ich einfach nur angst
vor der Angst hatte. ich persönlich half
mir damit weiter indem ich sachen vor
denen ich angst hatte und die mich
belasteten aufschrieb, auch z.B. wie oft
ich meine Hände unter der und der
Position unter dem Wasserstrahl bewegt
habe und wieviele cm. der Stuhl während
dem ich geduscht habe von der Toilette
entfernt stand. Mit der Zeit ( es war
aber ein längerer Zeitraum ) gingen diese
psychischen Probleme zurück. Ich litt
dann noch einige Zeit unter
Schlafstörungen, die soweit gingen, daß
ich den ganzen Tag an nichts mehr
anderes denken konnte als an das
spätere Schlafengehen und ich immer
sorgenerfüllt war. Auch das
Händewaschen und das Ritual auf der
Toilette hielten lange vor, jedoch baute
ich Schritt für Schritt, wahrscheinlich
einfach durch vergssen immer mehr von
diesen Sorgen ab. Allerdings war mein
Selbstvertrauen und meine persönliche
Meinung von mir immer noch relativ
gering. Ich hatte wenig Freunde und war
im Prinzip ein Außenseiter in meiner
Klasse. Dies wurde dann nicht schlagartig
aber mit der zeit besser als ich in die 11.
klasse kam und dann mit anderen leuten
zusammenwaren ( Mathematik Leistungskurs ). Das einzigste woran ich
immer dachte und woran ich mich immer
maß waren die Tatsachen ob ich der
Beste in den Mathematik Klausuren war
und die Person mit dem meisten Know-
How im Computerbereich war. Allerdings
war ich nie überzeugt und bin es auch
heute noch nicht wirklich von meiner
intelligenz. Sobald irgendjemand aus meinem „Freundeskreis“, der zu diesem
Zeitpunkt ein wenig größer geworden
war, anfing sich für Computer zu
interessieren, versuchte ich alles daran zu
setzen, diesen von diesem Gedanken
abzubringen. Wirklich psychische Ängste
und Probleme hatte ich zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr. Ich konzentrierte
mich immer mehr auf den Computer und
auf Mathematik und wollte unbedingt
der beste sein. Mein einzigstes Ziel war
der Reichtum. Ich setzte Tagesplaner
auf, die ich jedoch nur selten einhielt
und dann war ich immer unzufrieden mit
mir. Ich lass Bücher über
Softwareentwicklung und der gleichen…
Am Anfang der 12. klasse dann lernte ich
durch meinen damals besten Freund
eine Person kennen, die ca. 15 Jahre
älter war als ich. Diese Person hatte eine
sehr positive Grundeinstellung und war
hauptsächlich dafür verantwortlich,
daß sich meine sicht von mir selbst
schlagartig änderte. Mit dieser Person
konnte man sich gut unterhalten,
es war ihr egal wie man aussah und sie
respektierte voll und ganz meine
Interessen und förderte sie sogar noch.
Mit dieser person und seinem 10 jahre
jüngeren Bruder machte ich zum
erstenmal erfahrungen mit Alkohol, was
ich sehr lustig fand. Diese Person
verschaffte mir auch einen Job, bei dem
ich in sehr kurzer Zeit beim Programmieren
sehr, sehr viel Geld verdiente. ( Vorher
war ich noch 3xmal durch den
Führerschein gefallen und hatte da auch
einige psychische Probleme, diese waren
aber nicht wirklich schwerwiegend ).
Mir ging es gut, ich sammelte neues
Selbstvertrauen und wurde langsam
wieder ein gern gesehener Gast auf
Partys.
Nachdem ich ausgemustert wurde (
ich behauptete mit Atesteten das ich
psychische Probleme hätte ) und mein
Abitur bestanden hatte, fing ich an ca.
150 km von meinem Elternhaus entfernt
informatik zu studieren. Bis vor kurzem lief
alles gut ( jedoch war ich oftmals
unzufrieden über meine nur guten
Noten… ich wollte immer überall eine
1,0 haben, schaffte dies aber meistens
nicht ).
Ich war am Anfang des 3. Semesters
davon überzeugt, daß ich niemlas wieder
Angstzustände bekommen würde ( ich
wollte niemals wieder meine Lebenszeit
damit verschwenden mir Sorgen und
Ängste zumachen und sah die damalige
Zeit als verschwendet an ) und wollte
meine Psyche endlich einsetzen angeregt
duch einen Freund meiner Eltern
Unternehmensberater ), deswegen
begann ich Bücher über Zeitmanagement
und effektiveres Arbeiten zu lesen.
Außerdem lernte ich unmengen viel (
tägliche 7-8 h ) außer in den Ferien.
Anfang November 2000 dann begann ich
angeregt durch diese Bücher mir
Gedanken über mein Leben zu machen,
ich dachte auch oftmals über den Tod
nach und war garnicht mehr davon so
überzeugt unbedingt unendlich reich
werden zu müssen. Allerdings hatte ich
nicht den Mut mich von meinem
Reichtumswahn vollständig loszusagen.
Was wahrscheinlich auch daran liegt, daß
viele meiner Freund ziemlich erfolgreich
sind und von mir das gleiche erwarten
und sehr überzeugt von mir und meinem
Können sind, wesentlich mehr als ich
selber.
Dann, ich war total in
Weihnachtsstimmung und lernte immer
noch sehr viel, begann Mitte November
dieses Jahres die Debatte über BSE. Zu
anfang störte es mich nicht sonderlich,
da ich auch nicht wirklich viel darüber las
und zu beschäftigt damit war von
meinem frisch verdienten Geld Aktien zu
kaufen. Ende November dann spitzte sich
die Diskussion darüber zu und plötzlich an
einem Freitag abend begannen meine
Augen beim Lesen nichts mehr richtige
fokussieren zu können ( kurz davor hatte
ich was über die Symptome von BSE
gelesen und mich auch auf der Spiegel
Hompage etc. dazu umgesehen ). Ich
fuhr abends dann heim zu meinen Eltern
und es stellte sich dabei bei mir ein
gewisses Benommenheitsgefühl ein. Ich
nahm irgendwie alles unbewußt war.
In mir steigerte sich die Angst, bis ich
dann zu Hause in ein tiefes Loch viel und
100%ig davon überzeugt war, daß ich
BSE habe und bald sterben würde. Dieser
Zustand hielt an mehr oder weniger
schlimm bis Montag. Es war
wahrscheinlich eins der schlimmsten
Wochenenden in meinem Leben. Ich war
total machtlos. Naja auf jeden Fall
verbesserte sich dann die Situation, da
ich gleich am Montag einen Termin beim
Neurologen machte. Ich bekamm einen
Termin am Donnerstag und schwänzte
solange die Uni. Am Donnerstag ging ich
dann zum Neurologen er klärte mich ein
wenig über die Symptome auf und
veranlasste eine kernspintographie. Mich
plagten zu diesem Zeitpunkt nur noch
Kopfschmerzen und ein bischen auch
dieses Benommenheitsgefühl noch. Dann
ich begann schon wieder den versäumten
Stoff von der Uni nachzuholen packte
mich obwohl ich nicht sonderlich darüber
nachdachte wieder eine Angstattacke
( am 20.12.2000 ); ich war absolut
unfähig mich dagegen zu wären, obwohl
ich versuchte mit noch so vielen
positiven Gedanken dagegen
anzukämpfen, die Angstattacke war
stärker. Immer wenn ich dachte, ich
habe bestimmt kein BSE, dann dachte ich
an die Symptome, dort stand, daß eins
davon Psychosen sind und in England bei
einer Person anstatt BSE, Psychosen
diagnostiziert wurden. Dies steigerte
meine Angst erheblich und ich wußte
keinen Ausweg mehr aus diesem
TEUFELSKREIS ( = BSE ==> Psychose ).
Es überfiehl mich einfach. Da ich
mittlerweile wieder Angst hatte an den
Feiertagen nicht zum Arzt gehen zu
können, ging ich erneut zum Neurologen
mit der Begründung ein Notfall zu sein (
ich hielt diese Angst einfach nicht mehr
aus und hatte mittlerweile auch wieder
Angst vor der Angst und Angst eine
Psychose zu bekommen). Dieser hörte
mich 5 min an und verschrieb mir
daraufhin Insidon. Ich glaubte, das es
helfen würde und es half auch solange
ich bei meinen Eltern war. Nun sind
schon mehr als 2 Wochen vergangen. Ich
habe Weihnachten und Silvester überlebt
ohne Psychosen nur mit dem unwohlen
Gefühl, daß eine Psychose wieder mich angreift
und ich mich dagegen nicht wehren kann
( zumindestens weiß ich nicht wie ).
Nun heute hat die Uni angefangen und
ich bin alleine 150 km entfernt von
meinen Eltern in meiner Wohnung. Vor
diesem Zeitpunkt hatte ich Angst und
vorhin als ich geduscht habe, kam mir
kurzzeitig wieder der Gedanke Psychose
==> BSE und schon hatte ich wieder
Angst. Deswegen habe ich dieses hier
auch alles geschrieben, weil ich nicht
wußte wie ich mich sonst ablenken
kann. Ich bin mittlerweile überzeugt zum
Psychologen zu gehen und mich einer
Psychotherapie zu unterziehen, da ich
einen solchen Angstzustand auf die
Dauer nicht aushalte und diese
Ohnmacht dagegen überwinden möchte.
Mich würde nun interessieren, was ihr
einerseits dazu sagt, sollte ich zum
Psychologen gehen oder wie soll ich
diesen Zustand sonst bekämpfen. Wenn
mein Kopf klar ist weiß ich, daß ich
wahrscheinlich kein BSE habe, aber
sobald eine solche Angstattacke
hereinbricht bin ich vollkommen machtlos
und dies beeinträchtigt mein gesamtes
Leben ungemein! Oder was für
Möglichkeiten habe ich sonst noch.
Achso mich würde auch mal interessieren
ob jemand von euch vielleicht einen
guten Psychologen im Raum Frankfurt am Main kennt.
Vielen Dank im voraus und
Entschuldigung wenn ich mich
verschrieben habe und der Satzbau nicht
ganz astrein ist. Mich würden auf jeden
Fall Kommentare dazu sehr freuen. Bei
Fragen könnt ihr mir einfach eine mail
schreiben.
Viele Grüße
Jan Hoffer