Hallo Thomas!
ich hab mal wieder was zu mäkeln …
, nicht an dir und
auch nicht an der Antwort, die du gegeben hast, wohl aber an
solcher Art Studien (Da du die „nackten Fakten“ selbst in
Anführungsstriche gesetzt hast, wirst du vielleicht schon
wissen, worauf ich hinaus will).
„Mäkeln“ brauchst Du es nicht so nennen, sondern Du kannst es als berechtigte Skepsis bezeichnen.
Das glaube ich erst, wenn ich die Studien auf ihre Methode
geprüft habe. Solche Begriffe sind IMHO sehr verschieden
deutbar, so dass diese Vergleiche - so jedenfalls - fraglich
sind und möglicherweise nur das angeben, was man vorher schon
„wusste“.
Sicherlich sollten solche Vergleiche auf ihre Methode überprüft werden. Das ist eine Grundforderung an alle statistischen Vergleiche, um sicherzustellen, daß die Interpretationen zu den reinen Zahlen zutreffend sind (Stichwort: Validität).
Was meinst Du mit „solche Begriffe“? Die der einzelnen Angststörungen? Bei epidemiologischen Studien sollte natürlich darauf geachtet werden, was z.B. unter „Sozialer Phobie“ verstanden wird. Wenn 2 Studien unterschiedliche Operationalisierungen dieses Begriffes benutzen, dann ist ein Vergleich problembehaftet, schwierig bis unmöglich.
Allerdings - und jedenfalls weiß ich, daß Du die Klassifikationssysteme psychischer Störungen kennst - gibt es Möglichkeiten, sich auf eine gemeinsame Operationalisierung zu einigen. Die Interrater-Reliabilitäten für DSM-Diagnosen sind auch gar nicht schlecht. Das schon sehr alte, nicht mehr verwendete DSM-III wies bei einigen Störungsgruppen zufriedenstellende Interrater-Reliabilitäten (Maß: Cohens Kappa) auf. DSM-IV dürfte DSM-III in dieser Hinsicht deutlich überlegen sein. Mein Prof. für Klinische Psychologie, Herr Prof. Ferstl, sprach von Interrater-Reliabilitäten von 0,75 bis 0,9 bei DSM-IV-Diagnosen (ohne Gewähr!). Dies, so meine ich, ist zumindest ein starkes Argument dafür, daß die Fehlerquelle einer mangelnden Übereinstimmung in der Klassifikation des vorliegenden Syndroms inzwischen erheblich verringert wurde. Natürlich ist es nur eine Fehlerquelle, wenn auch eine bedeutende. Übrige Fehlerquellen sollten nach bewährten Verfahren der Versuchsplanung behandelt werden.
Wenn
sich die von dir genannten „gesellschaftl. Korrelate“ ergeben,
muss dass nicht unbedingt mit dem Urbanisierunggrad
zusammenhängen, sondern kann auch an der Methode bzw. an den
(möglicherweise) verwendeten verschiedenen Methoden liegen.
Dies ist richtig, weil die gleiche Kritik. Dennoch: Es kann so sein, es muß aber nicht. Außerdem gebe ich zu bedenken, daß die Befunde nicht nur bei einer Studie, sondern mehreren gefunden wurden, d.h. über mehrere Methoden stabil sind. Dies ist ein Hinweis gegen ein Methodenartefakt.
Nimm es mir nicht übel, aber ich habe meine Zweifel, ob man so
etwas wirklich statistisch erfassen kann. Ich kann mir auch
nicht vorstellen, dass du im Zusammenhang mit solchen Studien
keine Bauchschmerzen hast, aber vielleicht irre ich mich und
wir haben hier wieder eine Meinungsverschiedenheit. Dann bitte
ich dich, meinen Einwand nur als Hinweis darauf zu sehen, dass
statistische Methoden ziemlich fehleranfällig sein können.
Ich weiß nicht genau, was Du mit „so etwas“ meinst. Jedoch kann ich Dir versichern, daß gerade die Methodenausbildung an dem Institut, an dem ich z.Z. noch studiere, einen guten Ruf besitzt und daß ich daher die Möglichkeiten statistischer Methoden recht gut einzuschätzen gelernt habe. Bauchschmerzen habe ich hinsichtlich der Verwendung statistischer Methoden in der Psychologie keine. Diese Methoden sind unersetzbares Handwerkszeug wissenschaftlich betriebener Psychologie. Natürlich haben diese Methoden ihre Grenzen - wie alle Methoden. Diese Grenzen muß man kennen und beachten, sonst geht die Anwendung natürlich schief. Daß das nicht in jedem Fall passiert, ist bedauerlich.
Freundliche Grüße,
Oliver
PS: Du brauchst nicht ständig „sorry“, „nimm es mir nicht übel“ usw. zu schreiben. Nur weil andere es nicht schaffen, eine Frage bzw. Kritik ohne Beleidigungen und Polemisierungen zu formulieren, und ich mir diese inkompetente und ignorante Art und Weise nicht gefallen lasse, heißt es nicht, daß ich kompetente und inkompetente Kritik nicht voneinander unterscheiden kann.