Angstreduktion ---> Freud

Hallo,

folgender Fall:

ein 5-jähriges Mädchen, ruhig, zierlich ist in einem Regelkindergarten. Ihr rechter Arm ist seit Geburt verkrüppelt. In der Kindergartengruppe ist sie beliebt, nimmt zum Bsp. gern an Bewegungsangeboten teil, hat feste Freunde/beziehungen innerhalb der Gruppe.

Sobald allerdings besondere Ereignisse anstehen, bzw. stattfinden, z.B. Besuch des Zoos, Zauberer im Kindergarten usw. fiebert dieses Kind hoch. Erzieher wie Eltern sind besorgt.

Hinter diesem Fall steht die Frage nach der Theorie, welche ihr Verhalten erklären kann. Das wäre dann hier Freud’s Instanzenmodell und Angst in seiner psychoanalytischen Theorie, sowie Spannungsreduktion.

Liege ich da richtig?
Und wie könnte man dann als ErzieherInnen gemeinsam mit den Eltern handeln?

Freue mich über Eure Beiträge!
Gruss

Lars

Hallo Lars,

Deine Anfrage ist theoretisch.
Ich mag versuchen, auf die Lage des Kindes einzugehen, und das theoretische Konzept dahinter ist die moderne Psychoanalyse, die sich manchmal auch in der psychosomatischen Medizin manifestiert.

Fieber ist eine Temperaturerhöhung, die wir mit der Immunantwort auf eine Infektion in Zusammenhang bringen: Immunantwort der zellulären Abwehr.
Mir geht es bei Deinem Bericht so, dass ich das Gefühl bekomme, als wüsste das Mädchen um seine Hand-Problematik genau Bescheid und ängstige sie sich vor jeder Veränderung, die sie aus den gewohnten Beziehungen und Bewegungsmustern (bzw. Freiheiten, diese anzunehmen oder abzulehnen) heraus reißt und sie mit der Außenwelt in einen fremden Kontakt bringt. „Fremd“ bedeutet Risiko verletzt zu werden, „Fremd“ ist ja auch das, wogegen die Zellen der Immunabwehr sich ausrichten.

Ich habe dieses Bild bewusst so neben Deines gesetzt, ohne mir eine Diagnose anzumaßen.
Ich mag auch hier keinen wissenschaftlichen Monolog halten.
Klar ist mir aber, dass man versuchsweise mit der eben geäußerten Vermutung experimentieren kann:

Das Mädchen auf eine Angst auslösende Situation behutsam vorbereiten, d.h. in Form von Märchen und Bildern, sie dabei aktiv gestalten lassen und ihr auf diese Weise auch da die Freiheit der Wahl zugestehen, z.B. ein Angebot abzusagen.

Der Körper spricht - „psychosomatisch“ betrachtet - nur dort so deutlich, wo die Wortsprache (aus Sicht des Kindes) vermutlich nicht zum Ziel führt.

Das bedeutet für die Eltern, die anderen verfügbaren „Sprachen“ noch eingehender zu studieren. So sie sich verstanden fühlt und Strategien gegen die befremdliche Situatuion rechtzeitig entwicklen lernt, wird Angst reduziert auf gesunde Furcht vor Gefahr (siehe auch http://www.helpsv.com/angst.html) und behält nicht länger den geschilderten Symptom-Charakter bzw. bildet nicht länger körperliche Symptome (Somatisierungen) aus.
Kurz: Wo keine Angst, da auch kein psychogenes Fieber.

Zu beachten ist natürlich: Diese Körpersprache hat einige Zeit gebraucht, sich zu entwickeln, sie wird nicht sofort abgelegt werden können.

Alles Gute.
V.

Hallo!

Vielen Dank für Deine super Antwort!
Ich habe leider vergessen, dass es sich hier wirklich nur um ein rein hypothetischen Fall handelt, dieser entnommen einer Aufgabenstellung einer Klausur. Hintergrund ist das Thema „Angst“, eben als Grundlage Freud’s Theorien dazu. Also nochmals meine Entschuldigung, dass meine Anfrage so in der Luft hing.

Deiner Antwort entnehme ich aber genau das, was ich mir „mehr oder weniger“ (weit weniger detailiert sowie auf den Punkt kommend) auch gedacht habe. Interessant und wichtig ist, was du zu dem Punkt der „Elternarbeit“ geschrieben hast, der sich mir nicht erschliessen wollte, dazu fiel mir nichts konkretes ein.

Also, danke!
Lieben Gruss

Lars