Helft doch bitte meinem Gedächtnis auf die Sprünge. Ich suche Erzählungen bzw. Begebenheiten (und hab das auch irgendwann gelesen), in denen die Natur (die nichtmenschliche) formell angeklagt wird wegen eines von ihr verübten Unrechts, also zB. das Erdbeben von Lissabon wegen tausendfachen Mordes, ganz formell mit einem Gerichtsverfahren, mit Ankläger und Richter ( - und Verteidiger?)
Barnes
…wenn es nicht nur um die pathetische Form der Anklage geht, sondern um eine (oberflächlich betrachtet) höchst amüsante Ausformung des Stoffs, empfehle ich die Erzählung „Die Religionskriege“ aus Julian Barnes’ „Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln“ von 1989.
Ablauf: Gerichtsverhandlung, angeklagt: Holzwürmer wegen Zerstörung der Kirche St. Michel…
Zum Erdbeben von Lissabon
…das Erdbeben von Lissabon (ca. 30.000 Opfer) hat seinerzeit eine Flut von philosphischen Diskussionen ausgelöst, u.a. haben sich Voltaire, Diderot, Rousseau, Kant dazu geäußert, Kleist hat den Stoff literarisch bearbeitet.
In diesen Diskussionen ging es nicht so sehr um eine Anklage der Natur, sondern eher um die Frage der Theodizee: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, wenn er allmächtig und allgütig ist - warum geschehen dann Katastrophen?