Guten Morgen Christian
Findest Du die Tätigkeit als Filialmitarbeiter unwürdig?
Erwartest Du eine individuelle, kostenlose Beratung auch für
Klein- und Kleinstbeträge? Bist Du der Ansicht, daß bei Saturn
und Mediamarkt hochqualifiziertes Personal rumläuft? Meinst
Du, daß Saturneinkäufer vor allem auf Qualität und gute
Beratung achten?
Auf jede einzelne Frage: nein. Ich weiß auch nicht, warum du mir dies unterstellst. Du fingst recht schnell mit diesen pauschalen Aussagen an, die in keinem Bezug zu dem von mir gesagten stehen. Dies entspricht keineswegs meinem Weltbild. Vermutlich sind wir uns in diesem Punkt einig.
An welcher Stelle willst Du meinen Ausführungen widersprechen,
außer daß ich mit meiner Vermutung falsch lag und alle Deine
Bekannten tatsächlich hochdotierte Family Office-Mitarbeiter
sind, die aber trotzdem eine vorgegebene Produktpalette
anbieten müssen?
Jetzt haben wir’s.
Im übrigen gab es in einer der Frühjahrs-Ausgaben der Wirtschaftswoche
einen Artikel hierzu, wo qualitative Unterschiede zwischen unabhängigen Vermögensberatern und bei Banken angestellten Anlageberatern diskutiert wurden.
Letztendlich - so der Konsens - sind bei Banken angestellte Anlageberater abhängig von den aktuellen zumeist marketing-orientierten Interessen der Bank. Schließlich will die Bank primär selbst-emittierte Produkte verkaufen (bzgl. Anleihen, Zertifikate und Fonds) und an zweiter Stelle die von Partner-Unternehmen, Beteiligungen etc.
Und genau diesen Sachverhalt höre ich auch immer wieder von Bankern aus dem eigenen privaten Umfeld. Du wirst es anders sehen.
Falls es mir gestattet ist, möchte ich zusätzlich als Beispiel eine Anekdote anbringen, die mir irgendwie sehr detailliert hängen geblieben ist, also inklusive des Gesichtsausdrucks und der Stimmlage des Erzählers (ein guter Freund, betreut 10 Mio Euro von 7 Kunden):
Ende letzten Jahres besuchte er einen seiner vermögenden 7 Kunden auf seinem Anwesen zu einem Gespräch und wurde noch vor der Begrüßung gefragt, warum er keine Solarworld hat.
Die Antwort war gleichermassen traurig und simpel: darf ich nicht.
Letztendlich verschwand der Kunde und drückte damit massiv die Jahresrendite des Freundes nach unten.
Weitere Anekdote: meine Mutter (die von solchen Sachen einfach keine Ahnung hat!) hörte 10 Jahre lang auf die Anlageberater ihrer Bank. Die Rendite war zum Teil massiv negativ („Deka Chance“), bei konstant Null (Difa Grund) und auch sonstwedig wenig erfolgreich bei zahlreichen anderen Produkten.
Eines Tages (lange her) bei einem Familien-Grillen regte sie sich darüber auf und fragte, warum die Bank (die Produkte lassen erkennen, um welches Haus es sich hierbei handelt) immer nur „solches Zeugs“ empfiehlt, während der Onkel nebenan mit seinem privaten Anlageberater durchaus Rendite erwirtschaftete. Antwort der Tante, die bei der Deutschen Bank arbeitete: die müssen das empfehlen.
Bei diesem Beispiel greift deine Bemerkung bzgl. der Theken-Mitarbeiter. Somit habe ich zwei Beispiele gewählt, eins aus dem Premium-Segment, eines aus dem Otto-Normal-Verbraucher-Segment.
Woran verdient schließlich die Bank? Am Umsatz, an der Transaktion. Sowohl beim Kaufen als auch beim Verkaufen. Sie ist nicht prozentual beteiligt an der Rendite und hat somit auch kein Intresse an dieser (außer natürlich daran, das der Kunde hinterher noch mal wieder kommt). Aber auch hier gibts doch massive Argumente für den kleinen Mann/Frau: „naja, der war ja auch sehr aktienlastig. Die liefen nicht gut“ - „Hm… gut. So ist das halt mit Aktien.“ - „Aber sehen Sie mal, wie haben hier etwas ganz neues“ … REPEAT GOTO 10
Um nicht wieder mißverstanden zu werden: wer keine Ahnung hat und sich auf die Bank verläßt, darf auch nicht jammern. Vermutlich sind wir auch hier einig.
Ich hoffe, diesmal deutlicher und weniger mißverständlich argumentiert zu haben. Falls nicht, lass es mich wissen.

Grüße, Hagen