Anleihe, Inhaberschuldverschreibung über Umwege

Hallo,

ich habe hier ein Angebot von meiner Sparkasse vor mir liegen und frage mich, warum machen die das so. Also es geht um eine Anleihe die über insgesamt 7 Jahre läuft. Die jährliche Verzinsung beträgt 4% für die ersten 3 Jahre, danach kann der Zinssatz noch weiter steigen wenn die Inflationsrate entsprechend steigt. Ausgabeaufschlag ist 1%.

Die Anleihe wird nicht von der Sparkasse selbst ausgegeben sondern von einer Luxemburger Verbriefungsgesellschaft. die Kurzinformation ist hier zu finden: http://www.platino.lu/Concern/Downloads/Kundenbrosch…
Der komplette Verkaufsprospekt ist hier:
http://www.platino.lu/Concern/Downloads/EndgueltigeA…

Wenn ich den Verkaufsprospekt richtig verstanden habe, müsste das eigentlich so laufen. Die Platino Gesellschaft verkauft mir die Anleihe mit ca. 4% Verzinsung. Im Gegenzug kauft die Platino dann eine nachrangige Schuldverschreibung von derselben Sparkasse im selben Wert mit 5,4% Verzinsung. Das Risiko reicht die Platino natürlich an mich weiter.

Welche Rolle spielt eigentlich die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) bei dieser Anlage? Warum verkauft mir die Sparkasse nicht direkt diese Inhaberschuldverschreibung? Warum über diese Luxemburger Gesellschaft? Ich selber würde das Risiko bei dieser Anlage als mittel einstufen. Wie seht ihr das?

Vielen Dank für die Antworten.

Stefan

Hallo,
vorab ich bin kein Bankexperte, habe mich aber in letzter Zeit auch mit dem ein oder anderen Finanzprodukt beschäftigt.

Die wichtigste Info gibt es auf der letzten Seite des Prospekts:
"Die wesentlichen Vermögenswerte des betreffenden
Teilvermögens bestehen aus

  • einer nachrangigen Inhaberschuldverschreibung
    (ISIN: DE 000A0Z2M00), die von der Förde Sparkasse
    ausgegeben wurde und
  • einer Absicherungsvereinbarung zwischen der Emittentin
    und der LBBW im Hinblick auf die Zinszahlungen aus der
    Anleihe."

D.h. wenn der Sparkasse Förde das Geld ausgeht, sichert die LBBW die
Zinszahlungen. Aber das eingezahlte Geld ist wahrscheinlich weg, da es eine nachrangige Schuldverschreibung ist. Da man auch während der Laufzeit nicht an sein Geld kommt, heisst das, dass man zuschauen muss wie das Geld verschwindet, wenn die Sparkasse insolvent wird.
Übrigens in den Niederlanden gerade bei der DSB Bank passiert und die Anleger konnten nichts machen.

Also mir wäre das Risiko für die 4% zu hoch. Dann lieber risikoloses Festgeld für 3%.

MfG

Hallo,

Wenn ich den Verkaufsprospekt richtig verstanden habe, müsste
das eigentlich so laufen. Die Platino Gesellschaft verkauft
mir die Anleihe mit ca. 4% Verzinsung. Im Gegenzug kauft die
Platino dann eine nachrangige Schuldverschreibung von
derselben Sparkasse im selben Wert mit 5,4% Verzinsung. Das
Risiko reicht die Platino natürlich an mich weiter.

ganz so ist es nicht. In der Tat trägt der Anleihegläubiger das Risiko aus der Nachrangigkeit, aber das liegt schlicht daran, daß das compartiment (also die Serie 4 von Platino) bei Fälligkeit nur dann auszahlen muß, wenn aus Sparkassenanleihe was kommt, sozusagen.

Das läuft im Prinzip aufs gleiche hinaus, ist aber eine strukturelle Besonderheit dieser Konstruktion.

Welche Rolle spielt eigentlich die LBBW (Landesbank
Baden-Württemberg) bei dieser Anlage?

Die LBBW hat die ganze Struktur aufgesetzt (Platino ist die frühere SachsenLux, ein Vehikel, das ursprünglich die SachsenLB gegründet hatte) und zahlt Platino IV darüber hinaus die aus der Anleihe fälligen Zinszahlungen. Im Gegenzug erhält die LBBW die Zinszahlungen aus der Sparkassenanleihe (was schon mal für die ersten 3 Jahre einen Zinsgewinn für die LBBW von 1,4% p.a. ausmacht).

Warum verkauft mir die
Sparkasse nicht direkt diese Inhaberschuldverschreibung?

Ich kenne die Bedingungen der zugrundeliegenden Nachranganleihe nicht, aber ich nehme an, daß die Sparkasse für den Fall, daß sie einen Jahresfehlbetrag ausweist (und das ist angesichts der Ertragsentwicklung 2008 schon für 2009 nicht ganz unwahrscheinlich), die Zinsen darauf nicht zahlen muß. Die Anleihe kann damit dem Ergänzungskapital, d.h. dem Eigenkapital, zugerechnet werden.

Da sich aber eine solche Anleihe zu diesem Zinssatz kaum plazieren ließe, hat man wohl diese Variante gewählt.

Warum
über diese Luxemburger Gesellschaft?

Naja, die ist ja nicht für diese Transaktion gegründet worden, sondern da ist ja insgesamt wohl ein 50 Mrd.-Programm geplant, unter dem das ja jetzt die 4. Serie ist. Warum Luxemburg, weiß ich nun auch nicht, aber da werden aufsichtsrechtliche und steuerliche Gründe eine Rolle spielen.

Ich selber würde das
Risiko bei dieser Anlage als mittel einstufen. Wie seht ihr
das?

Daß das Ding komplett ausfällt, ist eher unwahrscheinlich und die laufenden Zinszahlungen sind durch die LBBW garantiert. Davon mag man halten, was man will.

Insgesamt ist das aber mal wieder eine geile Struktur. Danke, daß Du sie uns vorgestellt hast.

Gruß
Christian

Hallo,

Übrigens in den Niederlanden gerade bei der DSB Bank passiert
und die Anleger konnten nichts machen.

die Anleger haben viel gemacht, u.a. die Pleite durch Abhebungen verursacht. Das geht bei einer faktischen Nachranganleihe mit der Laufzeit natürlich nicht ohne weiteres.

Gruß
Christian

Hallo Christian,

die Anleger haben viel gemacht, u.a. die Pleite durch
Abhebungen verursacht. Das geht bei einer faktischen
Nachranganleihe mit der Laufzeit natürlich nicht ohne
weiteres.

Ja, dass stimmt natürlich.
Aber es gab eben auch die ca. 4000 Sparer, die ein nachrangiges Festgeldkonto hatten. Die haben vor einigen Jahren natürlich auch niemals damit gerechnet, dass (irgend) eine Bank „umfällt“. Und wenn man dann zuschauen muss, wie die Bank leergeräumt wird und man kann selber nicht an sein Geld - nicht so schön. Vorallem wenn man weiss, dass man auch unter keine Garantie fällt und das Geld definitief weg ist.

MfG

Vielen Dank für die ausführlichen Infos! owT.
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