Anpassungsstörungen

Hallo

Ich leide unter dieser reaktiven Depression, war gerade eine Woche in der Klinik
(Krisenintervention).
Leider bin ich noch von der KK gesperrt, was eine Therapie angeht, die letzte ist noch keine 2 Jahre her.
Ich bin alleinerziehend und kann nicht mehr. Ich habe alle Symptome einer Depression und fühle mich nicht in der Lage, für das Kind dazusein.
Freunde sind kaum vorhanden und ja auch keine Ersatztherapeuten…
Ich habe solche Schuldgefühle meinem Kind gegenüber, aber ich kann nicht mehr und bin am Ende.
Gibt es eine Möglichkeit, das OHNE Therapie zu überwinden? Mein Kopfkino lässt mir keine Sekunde Ruhe, Konzentration liegt bei 0% und ich weine permanent…
Ich fühle mich unendlich einsam, ungeliebt und wertlos… Hat irgendjemand einen Tip?

Vielen lieben Dank

Entwicklungshilfe
Mütter sind besonders starke SENDER. Du sendest Deinem Kind Deine Schuldgefühle. Es sendet sie Dir automatisch zurück. Also hör auf mit diesem Unsinn, mit Schuldgefühlen hilfts Du niemand! So erschöpfst Du nur Dich und alle, und da ist es doch logisch, dass man so alle Freunde in die Flucht schlägt.
Du hast gut erkannt, dass Dein Kopfkino pausenlos läuft. Der Mensch kann nicht nicht denken, sagt Paul Watzlawick. Aber er kann sein Denken ändern, sagt É.Coué. Seine Autosuggestion ist eine probate Lebenshilfe und für ein paar Euro in jeder Buchhandlung zu bekommen.
Warum bringt einen das Leben in solche Nöte wie Dich?
Weil man dann gezwungen ist, seine besten Talente zu entdecken und zu nutzen. Du hast diese Talente. Und Du wirst Deine Probleme damit lösen. Ich freue mich auf Deinen Erfolg.
Franz Josef Neffe

Hallo,

hast du eine Möglichkeit, dein Kind gut unterzubringen? Verwandte, Freunde, Bekannte? Wenn ja, solltest du das tun. Du tust deinem Kind keinen Gefallen, wenn du es in diesem Zustand um dich hast. Und was das schlechte Gewissen betrifft: Eine gute Mutter sein kann auch heißen, dafür zu sorgen, dass es dem Kind woanders gut geht.

Wenn du nicht weißt wohin mit dem Kind, dann wende dich ans Jugendamt. Dort vermittelt man Pflegestellen, bei denen dein Kind so lange betreut werden kann, wie du dich nicht in der Lage fühlst, die Betreuung selbst zu übernehmen.

Aus einer Depression ohne Therapie rauszukommen ist schwer, aber nicht unbedingt unmöglich. Wichtig wäre eine passende Medikamentierung, die dir hilft, zumindest einigermaßen handlungsfähig zu sein. Der Psychiater deiner Wahl kann hier sicher weiterhelfen.

Der Rest ist - ohne Therapie erst recht - harte Arbeit. Ein Weg führt über Bewegung. Wenn du es hinkriegst, dich jeden Tag ausgiebig an der frischen Luft zu bewegen und dabei gut ins Schwitzen zu kommen, hast du einen Riesenschritt geschafft. Die körpereigenen Endorphine helfen nämlich ganz gut dabei, aus dem Tief rauszukrabbeln. Die Energie aufzubringen, dich in Bewegung zu setzen, ist die Schwierigkeit dabei.

Wichtig ist, dass du dich auch bewegst, wenn du überhaupt keine Lust dazu hast. Nicht mit dir diskutieren, sondern einfach anziehen und loslaufen. Wenn du das packst, wirst du auch merken, dass Kopfkino und körperliche Anstrengung nicht zusammenpassen.

Ich weiß, dass das kein leichter Job ist, aber ohne eine Therapie der beste, der mir einfällt.

Schöne Grüße,
Jule

Es gibt Organisationen wie wellcome,
http://www.wellcome-online.de/cgi-bin/adframe/index…

Frag doch mal da nach, ob man Dich irgendwie ein bisschen entlasten kann.

Alles Gute (und nicht vergessen, es ist eine PHASE!),
Isabel

Abgesehen davon, dass ich die Aufforderung

Also hör auf mit diesem Unsinn, mit Schuldgefühlen hilfts Du
niemand!

gegenüber jemandem, der offenbar an einer akuten Depression leidet, als geradezu zynisch empfinde, frage ich mich, was man sich unter der von Dir - zu Problemen aller Art - mantraartig wiederholten Floskel

… seine besten Talente zu entdecken
und zu nutzen. Du hast diese Talente. Und Du wirst Deine
Probleme damit lösen.

konkret vorzustellen hat.

Was verstehst Du unter Talenten?
Was muss man nach Deiner Theorie tun, um sie zu entdecken?

Da Du nach eigenen Worten über ausreichend einschlägige Erfahrung verfügst, kannst Du das doch sicher anschaulich in eigenen Worten darstellen, sodass wir zumindest eine grobe Vorstellung bekommen, ohne erst irgendwelche Bücher kaufen zu müssen, die Du empfiehlst.

Gruß
Kreszenz

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Hallo Maria,

Du hast eine reaktive Depression - Anpassungsstörung, dafür muss es doch einen Grund geben, irgend ein Ereignis hat Dich aus der Bahn beworfen?

Ich halte es für wichtig, dass Du Dir bewußt wirst was es denn ist was Dich so nieder drückt, womit Du nicht klar kommst, dass Du ggf. versuchst Dein Leben so zu ändern, dass es für Dich wieder lebenswert wird.

Wenn Du jetzt vor einem Haufen Problemen stehst, die Dir alle unüberwindbar erscheinen, dann schreib sie auf. Du kannst keinen Hebel umlegen und alles ist eitel Sonnenschein, aber Du kannst Stück für Stück daran arbeiten Dir den Sonnenschein zurück zu holen.

Versuch aus dem Hamsterrad auszubrechen, mach Dir nicht noch Vorwürfe wegen Deiner Schuldgefühle. Ich würde mich eher über Dich wundern, wenn Du die als Mutter nicht hättest, halte es für völlig logisch, Du merkst Du kommst nicht klar, da ist es doch nur legitim sich Sorgen zu machen ob man für das eigene Kind die Mutter ist, die man sein will, die ein Kind braucht. Allein schon dadurch, dass Du Dich damit auseinander setzt zeigst Du doch wie wichtig Dir Dein Kind ist, was für eine gute Mutter Du bist, auch wenn es für Dich zusätzlich belastend ist finde ich, dass es gut ist, denn Du reflektierst Dich! Kann Dir diese Liebe zu Deinem Kind Kraft geben? Wenn nicht für Dich, dann für das Kind diese Phase zu überstehen?

Du bist weder wertlos, noch ungeliebt, schau doch mal wie viele Leute Dir allein hier versuchen zu helfen, das zeigt Dir doch wieviel Anteil genommen wird!

Wie wäre es mit einer Selbsthilfegruppe? Schau doch mal hier im Verzeichnis http://www.sekis-berlin.de/index.php?id=21
Dort lernst Du dann auch gleich Leute kennen. Leute, die selbst betroffen sind, die Dich verstehen, stützen können, die Dir zuhören.

Was gegen Depressionen sehr gut helfen soll ist Lichttherapie http://www.dr-mueck.de/HM_Depression/HM_Lichttherapi… mir reicht im Herbst/Winter schon das Solarium, warm, kuschelig, hell.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute! Gib Dich nicht auf, Du schaffst das, Du kommst durch diese Phase hindurch, auch wenn Du dafür viel Kraft brauchst - DU SCHAFFST DAS!!!

Cha’kwaina

Dankeschön!

Ja, ich weiß was die Depression ausgelöst hat, der Kindsvater. Das macht die ganze Sache nicht einfacher, weil ich nun ohne jegliche Unterstützung dastehe.
Er hat mich so sehr gedemütigt und verletzt, dass ich in die Klinik musste.
Tja, und nun habe ich nicht mal mehr ihn, bin komplett auf mich gestellt.
Die Tatsache, dass er weiß, wie schlecht es mir geht und wie schwer es in so einem Zustand ist, für das Kind zu sorgen, er sich aber nicht meldet, nicht mal fragt, wie es dem Kind geht oder Unterstützung anbietet… naja, dass lässt mich immer tiefer fallen. Ich habe schwere Zeiten hinter mir, deswegen habe ich eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, die mich mit solchen Dingen schlecht umgehen lässt (extreme Verlustängste, PAnik bei Liebesentzug).

Langsam bin ich am Überlegen, mir Antidepressiva zu besorgen, obwohl der Psychiater im KH meinte, dass sie nicht nötig wären. Ich muss aber nun auch noch viel arbeiten (auf Honorarbasis: keine Arbeit - kein Geld) und ich fühle mich kaum dazu in der Lage…

Vielen Dank für die lieben Worte!
Maria

Danke, das klingt sehr interessant!

Liebe Grüße
Maria

Hallo!

Also, als ich im KH war, war das Kind bei 3 verschiedenen Leuten, weil keiner über einen längeren Zeitraum für sie sorgen konnte, das hat mich noch zusätzlich fertig gemacht!

Es gibt faktisch niemanden, bei dem sie bleiben könnte…
Pflegefamilie - Oh Gott, allein die Vorstellung reißt mir das Herz raus, meine Kleine zu Unbekannten geben zu müssen, ich glaube, das würde die Depri noch zusätzlich verschlimmern. :frowning:

Sport, ja… aber es ist so unendlich schwer. ICh glaube, ich werde doch noch mal bei einem Psychiater nach Antidepressiva fragen, anders sehe ich im Moment keinen Ausweg.

Vielen lieben Dank
Maria

Guten Tag, Maria!

Leider bin ich noch von der KK gesperrt, was eine Therapie
angeht, die letzte ist noch keine 2 Jahre her.

Diese Therapiesperre ist aber nicht in Stein gemeißelt, sondern für Ausnahmefälle durchaus offen. Es lässt sich also mW auch in der Sperrzeit über das Gutachterverfahren die Kostenübernahme durch die KK beantragen (der Therapeut macht das), wenn dabei die Notwendigkeit zur „Ausnahme“ gut begründbar ist. Direkt nach einer Kriseninterventionsmaßnahme sollte das ein guter Therapeut eigentlich hinkriegen.

Ansonsten bist du für die unabdingbare medikamentöse Behandlung ja ohnehin nicht gesperrt. Das solltest du dringend angehen, falls noch nicht geschehen. Auch weil diese die Voraussetzung für eine gelingende psychotherapeutische Maßnahme ist.

E.T.

ICh glaube, ich
werde doch noch mal bei einem Psychiater nach Antidepressiva
fragen, anders sehe ich im Moment keinen Ausweg.

Das ist wohl das wichtigste jetzt wo es so akut ist mit deiner Depression! Ich würde dir raten sofort einen Termin auszumachen. Mit den richtigen Medikamenten wird es dir sicher leichter fallen deinen Alltag zu bewältigen! Alles Gute!

LG Melli

Eins war noch nicht dran, nämlich die Akzeptanz.
Das dumme an der Depression ist, dass sie handlungsunfähig macht, deshalb kann man keine großen Vorschläge und Pläne machen. Nur eher kleine Tricks. Einer dieser kleinen Tricks hilft zwar erst mal, ist aber saugefährlich und kann nach hinten losgehen, und das ist die Pharmazie.
Ein anderer Trick ist es, die doofe Gedankenmühle zu benutzen und eine Gebetsmühle draus zu machen, die dir zB sagt: Diese tiefe Senke ist ok, da geh ich rein, anders käme ich nicht über die Ursache hinweg. Dass jede Bewegung nur mit Handbremse geht, ist ok, da geh ich rein, hinterher kann mich nicht mehr schrecken, … usw. o.ä.

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Hi Maria!

Also, als ich im KH war, war das Kind bei 3 verschiedenen
Leuten, weil keiner über einen längeren Zeitraum für sie
sorgen konnte, das hat mich noch zusätzlich fertig gemacht!

Es gibt faktisch niemanden, bei dem sie bleiben könnte…
Pflegefamilie - Oh Gott, allein die Vorstellung reißt mir das
Herz raus, meine Kleine zu Unbekannten geben zu müssen, ich
glaube, das würde die Depri noch zusätzlich verschlimmern. :frowning:

Naja, dass du jetzt alles negativ siehst, liegt ja im Wesen der Depression.
Aber du hast ja anscheinend drei Möglichkeiten:

  • Kind zu 3 verschiedenen Bekannten geben
  • Kind zu Pflegeeltern geben
  • Kind weiter mit deine Depressionen konfrontieren.

Ist die Lösung mit den Pflegeeltern nicht eindeutig die beste? Vor allem wenn wir jetzt mal annehmen, dass Pflegeeltern diesen ‚Job‘ machen, nicht um reich zu werden, sondern um einem Kind zu helfen. Keiner sagt, dass du sie an der Tür abgeben sollst und man sich nicht erst kennenlernen kann.

Sport, ja… aber es ist so unendlich schwer. ICh glaube, ich
werde doch noch mal bei einem Psychiater nach Antidepressiva
fragen, anders sehe ich im Moment keinen Ausweg.

Ja, aber verlasse dich bitte nicht auf die Antidepressiva allein. Das wird nicht funktionieren.

Ich wünsche dir das Allerbeste und möchte dir sagen: Man kann von Depressionen geheilt werden. Ich habe es erlebt!

Alles Gute
wünscht die
Flaschenpost