Ich bewerbe mich innerhalb meines Unternehmens auf eine abteilungsinterne Stelle (Stellvertreterin Teamleiter). Als ich das Bewerbungsschreiben formulieren wollte, bin ich bereits bei der Anredezeile gescheitert.
Die Bewerbung muss an eine Frau Müller (alle Namen geändert) von der Personalabteilung geschickt werden. Ihr Name muss also aus rein formellen Gründen sicher in die Anredezeile hinein.
De facto wird Frau Müller die Bewerbung aber unbesehen an meinen Abteilungschef Hans weiterleiten. Dieser ist mein Vorgesetzter (zwei Stufen über mir, dazwischen ist noch ein Teamleiter), und ich bin mit ihm per Du.
Hans wird die Bewerbungen zusammen mit den beiden Teamleitern Peter und Fritz, die je einen Stellvertreter suchen, durchsehen. Obwohl als Teamleiter eigentlich eine Stufe höher als ich, sind diese im alltäglichen Umgang ganz einfach Kollegen. Mit beiden bin ich ebenfalls per Du.
Die grosse Frage ist nun:
Wen alles nehme ich wie, mit welcher Anrede, in welcher Reihenfolge, in die Anrede des Bewerbungsschreiben hinein?
wenn der Wisch offiziell an Frau Müller gehen soll und muss, dann wird auch nur Frau Müller angeschrieben. Stell Dir die Situation vor, wenn nicht Du - mit deinem ganzen Wissen um die Interna - sondern Herr X von außerhalb eine Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle abgeben würde. Der weiß nur von Frau Müller, und dass verlangt wird, dass die Bewerbung an diese geht.
Anreden per Du/Vorname haben in offiziellem internen Schriftverkehr nie etwas verloren, zumal ja nicht ausgeschlossen ist, dass so ein Schreiben auch noch Dritten zur Kenntnis gelangt. Ich finde es sogar ehrlich gesagt mehr als befremdlich, wenn mir als Externem oft unternehmensinterne Mails mit bedeutendem Inhalt weitergeleitet werden, in denen man mehr persönliche Dinge findet, als sie einen Externen je etwas angehen könnten. Z.B. kritische Punkte in der Abnahme von Mio-Projekten beinhalten dann so Formulierungen wie: „Mensch Peter, da hatten wir doch damals im Biergarten noch drüber gesprochen, …“ Jetzt eskaliert die Sache, und ich muss mit den ganzen Unterlagen zur Unternehmensleitung. Ist doch peinlich für alle Beteiligten.
Ich bewerbe mich innerhalb meines Unternehmens auf eine
abteilungsinterne Stelle (Stellvertreterin Teamleiter). Als
ich das Bewerbungsschreiben formulieren wollte, bin ich
bereits bei der Anredezeile gescheitert.
ich habe in so ähnlichen fällen durchaus erfolgreich folgendes gemacht:
ich würde anreden (auch die an fr. müller) vermeiden. fr. müller ist die formelle adressatin des schreibens; das schreiben geht an die personalabteilung, z.hd. fr. müller; es ist aber nicht nötig und auch nicht sinnvoll, fr. müller im bewerbungsschreiben anzureden. ich würde das als kurzes schreiben a fr. müller konzipieren und die bewerbung in ihrer substanz beilegen:
_an die personalabteilung von
xy
z.hd. fr. müller
im hause
bez.: ausschreibung vom …
betr.: bewerbung
sehr geehrte frau müller,
anbei übermittle ich ihnen meine bewerbung um die stelle der stellvertretenden teamleiterin. (allenfalls kleinblabla auf wunsch)
mfg
alusru_
(natürlich in korrekter rechtschreibung, wenn du nicht gerade in einem „creativen“ unternehmen arbeitest. aber als rechtsanwältin …
in den bewerbungsunterlagen stellst du dich und deine fähigkeiten dar. du benötigst keine anrede für hans, franz, fritz usw.
wie Wiz schon schrieb, ist das ein formales Schreiben und muß! formal gehalten werden.
Also Frau Müller wird als solche angeschrieben, auch wenn Du sie seit dem Kindergarten kennen würdest.
Da Frau Müller die zuständige Sachbearbeiterin ist, muß auch nur ihr Name auf das Schreiben, sie kümmert sich um die interne Weitergabe.
Sollte es dann zu einem weiteren Schriftverkehr mit den anderen Herren kommen, würde ich dringend empfehlen, auch diesen formal zu halten, die Herren werden das verstehen und sicher auch so handhaben (wollen); wenn sie denn einigermaßen professionelll sind.
Auch liebe Grüße (wir sind schließlich in einem Forum
Gandalf
P.S.
bzgl. Deiner Synästhesie: Welche Form hast Du?
Herzlichen Dank für die bereits ergangenen Antworten. Der Vorschlag von Michael wäre mir eigentlich sehr sympathisch, so kann das Problem umgangen werden. Jedoch sind mein Lebenslauf, Zeugnisse etc. bereits vorhanden und bekannt. Daher macht das Begleitschreiben den wichtigsten Teil des Dossiers aus, bzw. ist es die einzige Gelegenheit, „neues“ einzubringen, nämlich ein paar kurze Sätze, weshalb ich mich für diesen Posten bewerbe und dafür die richtige Person bin. Und dies alles der Frau Müller zu schildern, die damit gar nichts zu tun hat, kommt mir merkwürdig vor.
Zu den formellen Aspekten: Der Posten ist nur intern ausgeschrieben, und die Abläufe, wer was anschauen und entscheiden wird, sind allen bekannt. Gerade darum könnte es merkwürdig wirken, wenn die Entscheidungsträger nicht direkt angesprochen werden. Und es ist hier (*) nicht üblich, in rein internen Angelegenheiten Leute, mit denen man per Du ist, per Sie anzuschreiben, auch nicht in so formellem Schriftverkehr wie bei einer Bewerbung. Würde ich den Abteilungschef Hans mit Herr Meier anschreiben, bekäme ich das garantiert noch nach Jahren regelmässig zu hören von ihm!
Ich bin aber froh um eure Anregungen, sie haben mir ein paar neue Denkanstösse gegeben. Evt. belasse ich es bei einer ganz neutralen Anrede, wie sie Adam vorschlägt; das wird Hans & co. zwar wie erwähnt im ersten Moment allenfalls irritieren, ist aber sicher nicht falsch.
Liebe Grüsse
Ursula
(*) hier = meiner Ansicht nach überall in der deutschsprachigen Schweiz
off topic, @Gandalf: diverse Formen, v.a. farbiges Hören, aber auch farbige Buchstaben und Ziffern, Farben und/oder Formen bei Geruch, Geschmack und Berührung. Auch Synäthetiker oder einfach interessiert?
Und es ist hier (*) nicht üblich, in rein
internen Angelegenheiten Leute, mit denen man per Du ist, per
Sie anzuschreiben, auch nicht in so formellem Schriftverkehr
(*) hier = meiner Ansicht nach überall in der
deutschsprachigen Schweiz
Ich lebe schon ziemlich lange in dieser Ecke, aber es würde mir nie in den Sinn kommen,
in einer Bewerbung das „DU“ zu verwenden. Für alle der möglichen Leser Deines Schreibnes tönt das sehr anbiedernd.
Erich
Ich muss zugeben, dass sich mein Umfeld hauptsächlich aus Leuten zusammensetzt, die in sozialen oder juristischen Bereichen tätig sind. Möglich, dass die Gepflogenheiten in anderen Berufsfeldern anders sind. Ich schränke meine Aussage also ein auf: In den Kreisen, mit denen ich zu tun habe, ist es nicht üblich, in rein internen Angelegenheiten Leute, mit denen man per Du ist, per Sie anzuschreiben. Nicht nur nicht üblich, sondern es würde den anderen ziemlich irritieren, plötzlich gesiezt zu werden.
Auf ein Sie ausweichen würde ich z.B., wenn ich mich von ausserhalb in ein Unternehmen bewerbe, in dem ich zufällig den Personalchef kenne und duze. Da würde ich ihn vorher kontaktieren und ihn vorwarnen, dass ich ihn in meiner Bewerbung per Sie ansprechen werde, damit bei anderen nicht der Eindruck einer Sonderposition entsteht.
Nun, wie auch immer, in meinem konkreten Fall habe ich mich entschieden für:
„Sehr geehrte Frau Müller
Lieber Hans“
Die beiden Kollegen habe ich aussen vor gelassen, auch wenn faktisch sie entscheiden werden, ist nun mal Hans der Chef.
Hallo Ursula,
Meine Erfahrungen beziehen sich primär auf die grossen internationalen Konzerne und Banken. Da rate ich definitiv ab vom „DU“.
Da man da jedoch heute oft englisch schreibt, erledigt sich das Problem von selbst. Und im persönlichen Kontakt sagt man dann bei Gelegenheit zu seinem Kollegen „You can say you to me“!
Erich