(Vorsicht LANG) Kann es sein,…
Hallo,
… dass hier einmal mehr eine Diskussion beginnt, in der so herrlich-schrecklich aneinander vorbei geredet wird?
Was soll denn dieser Pseudokampf Makler - Ausschließlichkeitsvertreter/-MA? Bringt nichts und führt beim geneigten Leser nur zur Verwirrung.
Halten wir doch einmal fest: Von den theoretischen Grundlagen her hat der Maklerstatus in der Tat Vorteile gegenüber der Ausschließlichkeit,
denn der Makler kann als einziger aus dem gesamten Bauchladen der verschiedenen Versicherungsgesellschaften und ihrer Tarife schöpfen (und ehe die Koblenzer Fraktion jetzt wieder aufschreit: DOCH, auch beim Verein am Deutschen Eck kann der interessierte Makler eindecken. Es geht, wie ich persönlich bestätigen kann!) und nur er ist kraft Vertrags ausschließlich dem Kunden verpflichtet.
Würde man nun die Betrachtungen an dieser Stelle enden lassen, müsste man sagen: 1:0 für den Makler.
Aber kann denn der Wald- und Wiesenmakler diesen Vorteil für alle Gegebenheiten und für alle denkbaren Kundenklientel nutzen?
Ich behaupte: Nein, das kann er nicht. Und zwar aus dem ebenso einfachen wie schicksalsharten Grund, dass es in den letzten Jahren und Jahrzehnten unmöglich geworden ist, die Vielzahl der Versicherungsformen, der unterschiedlichen Tarife, der enormen Anzahl der Gesellschaften einerseits und der sich immer mehr differenzierenden Anforderungsprofile auf Seiten der Kunden andererseits zu erfassen, fachgerecht zu beurteilen und das berühmt-berüchtigte „Beste für den Kunden“ auszuwählen.
Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Makler besteht darin, dass der erstere zumindest VERSUCHT, dass in seinen Möglichkeiten liegende Optimum heraus zu holen (und dem Kunden auch sagt, dass dies nicht das Absolut-Optimale ist), wohingegen der letztere vor dieser Herausforderung kapituliert hat und sich mit einem ordentlichen Courtagesatz als Auswahlkriterium begnügt.
Kann sich also die AO zufrieden zurücklehnen und sagen: „Siehste, die Damen und Herren Über-Vermittler sind doch nicht göttlich unantastbar?“
Mitnichten, denn die oben geschilderte Problematik trifft sie ganz genauso. Wenn ich sehe, welche Schrottversicherungen der Vertreter von nebenan - befreit von allzu lästigem Fachwissen, aber bewehrt mit lustigen Werbeaussagen und markigen Verkaufstrainings-Sprüchen - mitunter an die Kunden bringt, gruselt es mich geradezu.
Und auch hier gilt wieder: Nicht der Vermittlerstatus macht den Unterschied, sondern die Bereitschaft des Einzelnen auch einmal über den Tellerrand des bisherigen Wissensstandes hinaus zu blicken.
Gibt es für den im Tarif-Dschungel verzweifelnden Kunden also keine Lösung? Doch, und das Zauberwort heißt „Spezialisierung“. Wenn ich bereit bin, mich auf einen bestimmten Kundenkreis ODER auf eine spezielle Versicherungssparte zu beschränken, dann kann ich mich wieder in die Lage versetzen, den verlorenen Überblick, die notwendige Fachkompetenz, etc., zurück zu erlangen. Wer dagegen glaubt, „Alles für Jeden“ optimal anbieten zu können, der erweist seinen Kunden einen Bärendienst.
Die einzige akzeptable Alternative hierzu lautet aus meiner Sicht: dem Kunden offen und ehrlich sagen, dass man ihn NICHT optimal (im Sinne von objektiv bestmöglich) betreuen kann, sondern nur sein PERSÖNLICH Bestes tun kann. Punkt, Schluss.
Vielen Dank allen, die bis hierher gelesen haben.
Viele Grüße
Frank Hackenbruch