Hallo Jessi!
Sich zwei Hunde anzuschaffen ist im Grunde genommen sicher eine gute Idee. Schliesslich sind Hunde Rudeltiere und ein Mensch kann niemals einen Hund ersetzen. Damit will ich aber nicht sagen, dass einzeln gehaltene Hunde unbedingt bedauernswerte Kreaturen sind - ganz im Gegenteil!
Du sagst, Du möchtest Dir zwei Hunde anschaffen, weil Du „nicht jede Sekunde mit ihnen zusammen sein kannst“ weil Du arbeitest und weil Du möchtest, dass Deine Hunde trotzdem glücklich sind. Das klingt sehr vernünftig. Doch ganz konkret: wie lange werden die Hunde pro Tag alleine sein? 4-5 Stunden täglich sind absolut vertretbar - bei erwachsenen Hunden. 6-8 Stunden sollten die Ausnahme bilden - das sollte wenn irgendwie möglich nicht vorkommen, doch mehr als 9 Stunden sind eindeutig viel zu viel. Falls Du die Hunde täglich mehr als 6 Stunden ununterbrochen nur sich selbst überlassen müsstest, würde ich mir an Deiner Stelle Dein Vorhaben nochmal gut überlegen. Dennoch gibt es Lösungen: vielleicht gibt es jemanden in der Nachbarschaft (z.B. Jugendliche, Rentner) die die Hunde ein- bis zweimal in Deiner Abwesenheit ausführen können. Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft jemanden, der selbst keinen Hund haben kann/darf, doch sich gerne mit einem "Pflege"hund beschäftigen würde…?
Suche diese Leute BEVOR Du Dir die Tiere anschaffst, das zeigt Dir dann auch, ob es überhaupt Leute gibt, die Deine Hunde gerne ausführen würden.
Obwohl Dir bis jetzt geraten wurde, zwei Hunde gleichzeitig zu kaufen, bin ich persönlich da eher skeptisch. Es kommt allerdings sehr darauf an, was für Hunde Du kaufen und wie Du sie halten möchtest. Dachtest Du eher an zwei Yorkshire Terrier, zwei Labradors oder zwei Bernhardiner? Willst Du die Tiere während Deiner Abwesenheit oder auch ganz generell im Garten lassen?
Gewisse Rassen sind überhaupt nicht geeignet, im Zwinger oder im Garten zu leben, das ist allerdings nicht unbedingt von der Grösse abhängig. So können zwei Dackel durchaus draussen gehalten werden, zwei (Rough) Collies oder zwei Afghanen eher nicht.
Ich würde höchstens gleich zwei Hunde auf einmal kaufen, wenn sie vor allem draussen leben sollen. Dann ist es von Vorteil, wenn sie sich eher an ihrem Argenossen als an „ihrem“ Menschen orientieren. Zwei Hunde auf einmal also nur, wenn die Tiere von Anfang an oft alleine bzw. zu zweit gelassen werden.
Möchtest Du die Hunde im Haus halten und eine enge Bindung zu ihnen aufbauen (vielleicht möchtest Du z.B. mal Hundesport machen), würde ich eher erst den einen und dann den zweiten kaufen. Warum? Junge Hunde durchlaufen empfindliche Phasen, während denen die Hunde ganz besonders durch alle Erlebnisse geprägt werden. Möchte man den Welpen sorgfältig prägen, braucht man sehr viel Zeit. Zwei Welpen zusammen benötigen logischerweise viel mehr Zeit. Die Welpen schauen sich alles ab - ALLES. Das heisst, wenn z.B. der eine Gefallen an der Jagd findet, wird der zweite mit grösster Wahrscheinlichkeit mitziehen. Mag der eine aus irgend einem Grund andere Hunde nicht, wird der zweite mitziehen. Dann braucht man noch viel mehr Zeit, weil man eine gewisse Zeit lang getrennt mit den Hunden spazieren / üben gehen muss, will man die Kontrolle nicht total verlieren. Ausserdem: solltest Du mit den Welpen eine Welpenspielgruppe oder später einen Erziehungskurs besuchen (was sehr empfehlenswert ist) wirst Du Schwierigkeiten haben, zwei Hunde auf einmal zu „handlen“. Viele Profis haben damit Mühe. Du bräuchtest jemanden, der Dir den zweiten Hund abnimmt - was wiederum das Problem mit sich bringt, dass nicht DU mit dem Hund gearbeitet hast.
Deshalb ist es meiner Meinung besser erst einen Hund zu kaufen und gut zu erziehen und erst später einen zweiten anzuschaffen. Dazu sollte der erste allerdings erwachsen sein, dh. je nach Rasse 2- besser 3 Jahre alt sein. Lass Dich nicht täuschen, viele Leute behaupten, Hunde seien mit 1 Jahr ausgewachsen, was allerdings so nicht stimmt. Geistig sind die meisten Hunde erst mit 2,5 Jahren voll entwickelt und ausgewachsen.
Selbstverständlich kann es auch gut gehen einen zweiten Hund schon nach einem Jahr anzuschaffen, doch ich würde eher davon abraten.
FALLS die Hunde keine besondere Erziehung absolvieren sollen und eher im Garten leben und einfach ab und zu spazieren geführt werden ist es durchaus sinnvoll Hunde-Geschwister zu nehmen. Die Trennung ist dann nicht ganz so schwierig.
Ich würde Dir eher die Kombination Rüde und Hündin empfehlen. Das ist meist am Unkompliziertesten. Dabei sollte aber unbedingt einer der beiden oder noch besser beide kastriert werden.
Deine Überlegungen zur „artgerechten“ Hundehaltung haben durchaus etwas für sich. Vergiss aber nicht, dass sich zwei Hunde nur weil es zwei sind deswegen nicht selbst erziehen. Die beiden (solltest Du Dich denn wirklich für ein Paar auf einmal entscheiden) müssen unbedingt VIEL Kontakt zu anderen Hunden haben und das nicht nur, wenn sie jung sind.
Ich behaupte, dass Du Dir wohl weniger Stress einheimst, wenn Du Dir einen Hund um den anderen kaufst und nicht beide auf einmal - wenn Du die Tiere im Haus (eben als Haustiere) mit viel Familienanschluss halten möchtest.
Was die zwei Hunde und das Putzen betrifft: hier kommt es wieder auf die Rasse an, aber generell hast Du an zwei Hunden nicht viel mehr Putzarbeit zu leisten als an einem. (Das ist jedenfalls bei mir so - ab 3 machts dann allerdings schon einen Unterschied). Haben jedoch beide einen Virus eingefangen und Durchfall und erbrechen - DANN spielt es eine grosse Rolle ob Du einen oder zwei Hunde hast… :o)
Im Übrigen finde ich es super, dass Du Dich informiert BEVOR Du die Hunde gekauft hast!
Gruss,
Semiramis