Hallo Nicole
Vielleicht wird es doch klarer, wenn ich die Bewerbung im Einzelnen zerpflücke. Ganz wichtig: nix ist böse oder herablassend gemeint! Ich tue einfach mal so, als würde ich deine Bewerbung in die Finger bekommen und schreibe, was mir so durch den Kopf geht! Zu keiner Zeit möchte ich deine tatsächliche Qualifikation anzweifeln.
Ich hatte bewusst gefragt, wo du dich bewirbst, denn aus deiner Bewerbung schreit es förmlich heraus, daß sie als Standardbewerbung für hunderte von Betrieben geeignet ist. Nichts wird konkret fixiert. Man kann sie ebenso an Personalgesellschaften schicken, wie auch an Versicherungen und Staubsaugervertriebe.
Sie suchen eine engagierte, zuverlässige, und flexible Teamassistentin? Dann bin ich genau die Mitarbeiterin, die Sie suchen!
Schon tausendmal gelesen… Jeder, der sich hier meldet, ist „genau der Richtige…“
Aufgrund meiner langjährigen Berufserfahrung im Dienstleistungsbereich bringe ich alle gewünschten Anforderungen mit.
Langweiliger Standardsatz, für alles geeignet. Wischi-waschi. Wird zudem dadurch noch unterstrichen, daß du später alles noch mal aufzählst. Weg mit dem Satz (zumindest an dieser Stelle!). „Dienstleistungsbereich“ könnte ebenfalls als Formulierung schwammiger nicht sein. Man könnte meinen, du vermeidest bewusst die konkreten Bezeichnungen, weil du denkst „das passt nicht so ganz, dann sortiert man mich hier schon raus“. Oder eben „das passt so immer, bei jeder Bewerbung, da muß ich nicht immer alles individualisieren“.
Meine ersten Berufserfahrungen habe ich bewusst im Vertrieb gesucht, weil: „Menschen kaufen von Menschen“.
Grammatikalisch haarsträubend. Überflüssig wie ein Kropf.
Deshalb war ich bei der xxxx als xxxx in xxxx beschäftigt.
„Deshalb“ absolut deplaziert und eine aus der Not geborene Überleitung. Weiter: „Ich habe bewußt gesucht, … deshalb wurde ich beschäftigt.“ Der Wechsel vom Aktiven in das Passive ist ein eklatanter Widerspruch. Passive Formulierungen rausnehmen.
Zu meinen Aufgaben gehörten, verkaufsbezogene Administration und Korrespondenz, die Erstellung und Durchführung von Verkaufsmaßnahmen, die Erstellung und Vorführung von Präsentationen beim Kunden sowie die Analyse und Optimierung des Supply Chains durch technische Integrationslösungen.
Was du mal gemacht hast, ist eigentlich irrelevant; was du machen willst ist wichtig. Was du kannst, finde ich schon selber raus. Jetzt wirst du sicherlich fragen, wo denn da bitte der Unterschied liegt, hm?
Die Passage ist inhaltlich noch die beste Stelle des Anschreibens, aber sie sollte zukunftsorientiert verfasst sein. Zudem interessiert es keinen, was mal deine „Aufgaben“ waren, sondern was du konkret kannst, wo deine Schwerpunkte liegen. Die „Aufgaben“ ergeben sich aus dem hoffentlich beiliegenden Zeugnis.
Mit den MS-Office-Programmen bin ich sehr gut vertraut. Hierbei kommt mir meine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel und mein Studium der Absatzwirtschaft zu Gute.
*Gähn* Dir kommt also etwas zu Gute? Tja, da liegen neben dem Personaler tausend andere Bewerber, denen etwas „zu Gute“ kommt. Also „who cares“? Die Ausbildung ist i.d.R. zu vernachlässigen, denn Kfm und Kffr gibt es eine Millionen. Das Studium ist schon interessanter, also mehr Gewicht darauf legen und warum erwähnst du nicht, daß du es erfolgreich abgeschlossen hast??? (ich hoffe doch, daß du es erfolgreich abgeschlossen hast…).
Durch meinen täglichen Umgang mit unterschiedlichen Ansprechpartnern zählt zu meinen besonderen Fähigkeiten mich flexibel auf neue Situationen und Aufgaben einzustellen.
Welchen besonderen „täglichen Umgang mit unterschiedlichen Ansprechpartnern“ hat man denn so als arbeitslose Mutter? Raus mit dem Satz!
Gleichzeitig bin ich auch ein Mensch der komplexe Sachverhalte schnell erfasst, wiedergibt und bei der Lösungssuche kreativ mitwirkt.
Das ist nett von dir… Problem ist aber, daß ich von einer Führungsperson das Erfassen komplexer Sachverhalte eh voraussetze, aber leider die eigenständige Erarbeitung und Umsetzung von Lösungen erwarte. Jemanden, der „kreativ mitwirkt“ brauch ich nicht auf diesen Positionen. Du stiehlst dich hier aus der Verantwortung!
Während meiner Schwangerschaft und beruflichen Orientierungsphase
*Argh* „Berufliche Orientierungsphase“… Den Teilsatz komplett rausnehmen.
habe ich in Teilzeit als Vertriebsassistentin bei der XXX gearbeitet. Dabei umfasste mein Aufgabengebiet die Unterstützung der Filialmitarbeiter, Terminvereinbarung und Koordination, Korrespondenz sowie die Administration.
Aufgabengebiet rauslassen, zumindest in der Form. Warum schränkst du deine Tätigkeit selber ein und minimierst es auf die einfachsten Aufgaben? Du warst/bist Vertriebsassistentin. Das ist doch gut! Und damit reicht das für den „Erstkontakt“ aus. Die Pauschalbegriffe danach stören nur.
Nachdem ich mich in den vergangenen 8 Monaten hauptberuflich dem Projekt Familie gewidmet habe, möchte ich mich beruflich neu orientieren und suche nun eine neue Aufgabe.
fehlt nur noch „irgend“… „suche nun irgendeine neue Aufgabe. Ist mir egal ob bei Ihnen oder woanders. Ist mir auch egal, ob als GF-Assistentin oder als Teamleiter im Postversand. Gehalt ist mir auch wurscht, aber bitte, bitte, stellen Sie mich ein! Die anderen sagen dauernd ab…“
Überprüfen Sie meine Bewerbungsunterlagen und stellen Sie fest, inwieweit Sie meine Fähigkeiten für Ihre Zwecke, einsetzen können.
AUTSCH! Raus mit dem Satz! Da muß nix „überprüft werden“. Unsicherheiten sind "Todes"urteile. Du musst dir sicher sein, daß man dich einladen wird! Niemals eine Qualifikation zur Diskussion stellen. Ein einfaches „Auf die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.“ reicht meist vollkommen aus. Dieser Satz suggeriert Selbstvertrauen und ist vor allen Dingen eins: kurz! Personaler haben nämlich weder Zeit noch Lust, viel Blabla zu lesen. Kurz, knapp, prägnant muß es sein. Man will nur wissen, was ist dein Ziel und was ist dein evtl USP (unique selling product). Wenn du zielorientiert, selbstbewusst und nicht unqualifiziert wirkst, dann macht man sich auch mal die Mühe, deinen Lebenslauf zu durchforsten. Mehr kannst du mit einem Anschreiben eh kaum erreichen. Ist der LL dann zum Anschreiben stimmig, wirst du evtl eingeladen.
Insgesamt ist das Anschreiben eine Ansammlung von Textbausteinen nach dem Motto „ach ja, das habe ich vergessen … und ach ja, das wollte ich auch noch sagen … usw“.
Ach und ob die Bewerbung unkorrekt ist, kannst du nicht
beurteilen kennst meine Vita nicht 
„Unkorrekt“ kann ich wirklich nicht beurteilen, aber das habe ich ja auch nicht geschrieben. „Unkonkret“! Das kann ich beurteilen, denn die Vika spielt dabei keine Rolle. Kennst du jemanden, der ein/n unsichere/n unkonkret agierende/n Führungsperson sucht? Ich kenne keinen.
Um dem Vorwurf vorzubeugen, ich würde nur alles zerpflücken und kaum konstruktive Alternativen aufweisen vorzubeugen: Ich kenne weder deinen LL, geschweige denn dich, noch die Stelle, um die du dich bewirbst. Also kann ich auch keine Formulierungen raushauen, die passen. Das hat aber auch den Vorteil, daß ich den Personaler spielen kann, der eine Bewerbung einer ihm völlig unbekannten Frau bekommt und diese einschätzen soll. Und da kann ich nur für dich hoffen, daß dein LL so gut aussieht, daß der Personaler das Anschreiben kaum zur Kenntnis nimmt.
Mein abschließendes Urteil: dein Anschreiben ist zusammengepflückt. Es ist nicht individuell und schon gar nicht auf diese konkrete Stelle zugeschnitten. Da habe ich hundert andere in petto. „Frau Meisel, schicken Sie eine Absage und drücken Sie unser ausdrückliches Bedauern aus!“
Beste Grüße,
LeoLo