Ansehen der USA

Das Ansehen der USA hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, sicherlich auch ein Mitverdienst von George W. Bush.
Doch das war nicht immer so. Soviel ich weiss, waren wir der USA sehr dankbar für die Arbeit welche sie im Kalten Krieg übernommen hatte.
So wurden in Deutschland entlang des eisernen Vorhanges amerikanische Truppen stationiert, auch war es die USA welche die Europäer im Konflik in Ex-Jugoslawien unterstützte.
Ab wann und welche Ereignis führte dazu, dass das Ansehen der amerikaner so zu leiden begann? (denke der Irakkrieg hat noch den letzten Schub gegeb) aber wo sind die Wurzeln zu suchen?

besten Dank

Hi!

aber wo sind die Wurzeln zu suchen?

Der Antiamerikanismus in Europa basiert auf drei Grundgedanken:

Die USA waren bereits vor der französischen Revolution eine parlamentarische Demokratie in Form einer Republik. Für die Europäer der damaligen Zeit (Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts) eine minderwertige, dem Untergang geweihte Staatsform. Herrschaft begründete sich durch Abstammung und war dem Adel vorbehalten. Mit jedem Jahr, den das Staatsgebilde USA überlebte, wurde die europäische Auffassung von Staat und Herrschaft in Frage gestellt.

Die Entstehung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert war in Europa verbunden mit dem Begriff des „Volkes“, also einer ethnischen Gemeinschaft. Gemeinsame Sprache, gemeinsame Kultur, gemeinsame Wurzeln galten als Grundvoraussetzung für einen funktionierenden und überlebensfähigen Staat. Die USA entsprachen genau diesem Denkschema nicht. Dieser Staat war ausschließlich aus Einwanderern entstanden, aus einem Bevölkerungsgemisch unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Ethnien. Und entgehen aller Erwartungen der kritischen Europäer war dieser Staat erfolgreich.

Die Menschen, die aus Europa in die USA emigrierten, waren Querdenker, Störenfriede, außerhalb der Gesellschaft stehende Menschen. Leute, die hier in Europa nicht mehr gebraucht wurden. Leute, die Außenseiter waren und nicht anerkannt wurden. Und denen es auf der anderen Seite des Atlantiks gelang, einen Staat aufzubauen, der eine immer stärkere Anziehungskraft entwickelte. Und irgendwann den Menschen in Europa politisch, militärisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell sagen konnte, wohin die Reise geht.

Ist es da ein Wunder, wie tief der Antiamerikanismus heute in Europa verankert ist?

Grüße
Heinrich

Das, was Heinrich geschrieben hat, halte ich für durch die Bank falsch, weil es eine Kontinuität der Ideengeschichte vom 18. Jahrhundert bis heute herstellt, die nicht oder zumindest nicht in dieser Stärke besteht.

Für die (teils übertriebene) Kritik an Amerika in unseren Tagen („Antiamerikanismus“ halte ich für ein zu starkes Wort) sind meiner Meinung nach die Gründe in der jüngeren Vergangenheit zu suchen. Da wäre zumindest in Deutschland zunächst die Feindpropaganda des NS-Regimes, die die USA als rassisch und kulturell minderwertig darstellte. In Frankreich mag nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikanisierung der Populärkultur als starke Bedrohung der französischen Staatskultur empfunden worden sein, ebenso die anglo-amerikanische Dominanz in der Weltpolitik als Bedrohung der französischen Außenpolitik. Im geringren Maß mag dieses kulturelle Bedrohungsgefühl auch in Deutschland eine Rolle gespielt haben, das außenpolitische dagegen wohl kaum. Das dritte Element dürfte die Studentenbewegung sein, die sich grundsätzlich als links und antikapitalistisch verstand. Sie hatte logischerweise an einer streng kapitalistisch ausgerichteten Weltmacht eine Menge zu kritisieren.

Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten, abgesehen von tatsächlichen außenpolitischen Fehlentwicklungen der USA, die wichtigsten Gründe für Kritik an Amerika.

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Hallo,

nun ja. doie Menschheit ist schon recht eigenartig.
Ich begreife ja noch, daß die Westberliner den Amerikanern dankbar waren wegen der Rosinenbomber damals. Aber die Westdeutschen? Keine Ahnung. Objektiv waren die Amis genauso Besatzer wie hier die Russen und daß die Russen nie ernsthaft vorhatten, nach 45 weiter nach Westen zu marschieren und somit das Märchen von der Schutzmacht Amerika ein frommes Märchen war, sollte sich ja eigentlich herumgesprochen haben. Im Übrigen: Hier in Thüri9ngen sind 45 die Amerikaner einmarschiert und dann vertragsgemäß wieder abmarschiert - sie haben uns den Russen überlassen. DA hält sich meine Dankbarkeit echt in sehr engen Grenzen…

Im Übrigen kann man das nicht vergleichen mit heute. In den 2. Weltkrieg wurde die USA gezwungenm das war erst einmal ein Verteidigungskrieg. Und daß sie den gewonnen haben am Ende, kann man ja schlecht verurteilen.
Aber wer hat die USA nach Vietnam gezwungen? Denn da begann ja eigentlich das Bild schon etwas zu kippen. Das war reine Aggression, genau so wie die Angriffe auf Afghanistan und auf den Irak. Mag bei Afghanistan noch Bin Laden als Ausrede herhalten (aber erobert man wegen einer Figur gleich ein ganzes Land und bringt dabei zwangsläufig Tausende mehr oder minder unschuldige arme Bauern um?), beim Irak beruhte der Begründung aber dann echt nur auf einer selbstfabrizierten Lüge (Sadam konnte ja nun wirklich der UNO keine MAssenvernichtungswaffen ausliefern, die er gar nicht hatte).
DA (und durch ein paar andere kleine Kriege zwischendurch) entsteht das Bild einer Macht, die nach Gutdünken Staaten in bestimmte Schemata einordnet und lobt oder bestraft. Ein Staat, der nur nach seinen MAßstäben urteilt und diese allen anderen aufzwingen will - und genau das steht eigentlich keinem Menschen zu, höchstens Gott. Aber der ist noch nicht Präsident der USA, leider.
Es isr doch wie mit allem im Leben: Eine gute Tat (mag sie auch noch so groß sein) reicht nicht fürs ganze Leben, wenn man anschließend immer wieder Scheiße baut. Alte Lorbeeren mögen ihre Berechtigung haben, aber letztlich wollöen Anerkennung und Respekt immer wieder neu gewonnen sein.

Gernot Geyer

Hallo!

Das, was Heinrich geschrieben hat, halte ich für durch die
Bank falsch, weil es eine Kontinuität der Ideengeschichte vom
18. Jahrhundert bis heute herstellt, die nicht oder zumindest
nicht in dieser Stärke besteht.

Stimmt, das sehe ich genauso.

Für die (teils übertriebene) Kritik an Amerika in unseren
Tagen („Antiamerikanismus“ halte ich für ein zu starkes Wort)
sind meiner Meinung nach die Gründe in der jüngeren
Vergangenheit zu suchen. Da wäre zumindest in Deutschland
zunächst die Feindpropaganda des NS-Regimes,

… aber auch da kann ich keine Kontinuität erkennen. Wenn die „Feindpropaganda“ noch heute unser Denken bestimmen würde, dannn müssten wir ganz Osteuropa für Untermenschen halten und die Franzosen und Engländer mindestens ebenso „hassen“ wie die Amerikaner.

Für mich ist der Hauptgrund für den Antiamerikanismus ein Minderwertigkeitskomplex der Europäer. Je mehr die Europäer von den USA vorgeführt bekommen, dass sie eigentlich nur der Juniorpartner der USA sind, desto mehr fühlen sie sich in ihrem Stolz gekränkt. Zwar heißen die Europäer „Verbündete“, aber faktisch sind es nur Vasallen-Staaten der USA. Die Weltpolitik wird in Washington gemacht, nicht in Brüssel oder Berlin.

Manche US-Administrationen gehen mit diesem ungleichen Verhältnis sensibler und respektvoller um als andere. Bush (junior) hat zudem den Fehler begangen, aufgrund der Schwäche der Europäer die eigene Stärke zu überschätzen.

Fazit: Überheblichkeit auf der einen Seite und Minderwertigkeitskomplex auf der anderen Seite führen zu Ablehnung gegenüber dem Großen Bruder.

Michael

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Hallo!

nun ja. doie Menschheit ist schon recht eigenartig.
Ich begreife ja noch, daß die Westberliner den Amerikanern
dankbar waren wegen der Rosinenbomber damals. Aber die
Westdeutschen? Keine Ahnung.

Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg im Westen aufgewachsen sind (z. B. meine Eltern) erinnern sich aber nicht an Amerikaner als Besatzer. Die Amis waren für die Westdeutschen vielmehr diejenigen, die Schokolade verschenkt haben, Care-Pakete geschickt haben und durch den Marshall-Plan den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder im Westen ermöglicht haben. Vielleicht hatte man Vorurteile gegenüber diesen Männern, die Kaugummi kauten, komische Musik hörten, eine Sprache sprachen, die keiner verstand und sich mit deutschen Frauen einließen - aber man empfand sie nicht als Unterdrücker. (Und dazu hätten sie als Sieger des 2. WKs durchaus Grund gehabt).

Michael

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Hallo Gernot,

entscheide Dich! Erst schreibst Du:

Objektiv waren die Amis genauso
Besatzer wie hier die Russen

Und dann:

sie
haben uns den Russen überlassen. DA hält sich meine
Dankbarkeit echt in sehr engen Grenzen…

Aha. Sollte möglicherweise doch ein Unterschied zwischen den Besatzungsmächten bestanden haben? Nur mal so als Anregung…

Gruß,
Andreas

Unzeitgemäße Tradition der US-Politik
Hallo,

das, was wir in Deutschland als Antiamerikanismus kennen hat seinen Anfang in den Studentenprotesten ende der 60er Jahren.
Zuvor gab es eine unkritische Bewunderung für die Amerikaner mit ihrem Way of Live und ihrem ökonomischen Erfolgen. Man wollte hier auch so frei sein un im Wohlstand leben, wie die Amerikaner.

Mit den Studentenprotesten wurde der neue Lebensstil der Deutschen in frage gestellt. Dieser neue Lebensstil lief darauf hinaus, möglichst viel materiellen Wohlstand zu erlangen, bis auf einen Antikommunismus unpolitisch zu sein und möglichst über die jüngste Vergangenheit zu schweigen. Der Kapitalismus war der ideologische Unterbau dafür und die USA desen Verkünder.
Hier entstand eine Opposition, die antikapitalistisch, sozialistisch und dementsprechend gegen das kapitalistische Amerika war. (Schizophrenerweise übernahm man dabei immer noch Aspekte der amerikanischen Kultur, z.B. Bluejeans). Der Vietnamkrieg verstärkte diese Vorbehalte.

Nominell behaupteten die USA Freiheit und Demokratie zu verteidigen, praktisch unterstützten die USA jeden Diktator oder Warlord, solange er behauptete gegen den Kommunismus zu kämpfen, man denke hierbei an Pinochet, den persischen Schah Pahlevi oder Somoza.

Die militärische Durchsetzung der eigenen Interessen war vor hundert Jahren noch eine Selbstverständlichkeit. Im Prinzip führen die USA nur eine lange Tradition weiter.
http://de.wikipedia.org/wiki/US-Interventionen_im_Au…

In einer demokratischen und globalisierten Welt stößt so etwas auf Ablehnung und erzeugt Ablehnung.

Gruß
Carlos

… aber auch da kann ich keine Kontinuität erkennen. Wenn die
„Feindpropaganda“ noch heute unser Denken bestimmen würde,
dannn müssten wir ganz Osteuropa für Untermenschen halten und
die Franzosen und Engländer mindestens ebenso „hassen“ wie die
Amerikaner.

Bestimmen sicher nicht, aber beeinflussen schon. Ich kenne durchaus Leute, die um 1990 meinten, dass „die Tschechen sowieso nicht in der Lage sind, einen eigenen Staat aufrecht zu erhalten“. Und das waren keine Rechtsradikalen. Gerade was die Einschätzung der amerikanischen Kultur angeht, sehe ich schon Kontinuitäten. Der Begriff „Niggermusik“ war in Deutschland ja durchaus bis in die 1960er Jahre hinein verbreitet.

Hallo,

ich habe mich jetzt durch den ganzen Thread gewühlt und es war ein ziemlicher Mix. Und weil ich zu faul bin nun sechs mal das Gleiche zu schreiben, docke ich einfach mal hier oben an.

Es gibt eine Kontinuität, aber die liegt tiefer. Das politische Selbstverständnis der USA beruht immer noch auf der Unabhängigkeitserklärung. Die besagt ganz klar …

When in the Course of human events, it becomes necessary for one people to dissolve the political bands which have connected them with another, and to assume among the powers of the earth, the separate and equal station to which the Laws of Nature and of Nature’s God entitle them, a decent respect to the opinions of mankind requires that they should declare the causes which impel them to the separation.

(Zitat Ende, ich habs einfach reinkopiert)

Das bedeutet bis heute aber auch, dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit und die Pflicht für Freiheit zu kämpfen hat. Es geht ja noch weiter …

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn, that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable, than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.

Also nicht leichtfertig, aber wenn eine Regierung lange genug Despotismus ist, dann ist es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht etwas zu tun. Und genau diesen Balanceakt finden wir von damals bis heute immer wieder in der amerikanischen Politik. Ob das der provozierte Krieg gegen Spanien war, der erste Weltkrieg in den die USA hinein wollten und einen Grund suchten (und zwar schon vor der Mexiko-Affäre) oder der zweite Weltkrieg, in dem die Bevölkerung nicht richtig wollte, weil man auch die Engländer nicht gerade als wirklich „frei“ ansah, aber ein Krieg gegen Japan vermittelbar war wegen dem, was in China stattfand. Natürlich hat Japan dann angegriffen. Man hatte diesen Angriff auch lange genug provoziert. Korea, Vietnam, die gleiche Geisteshaltung.
Wir sehen hier zwei Mißverständnisse: Es ist nicht so, dass man die Amerikaner jemals wirklich in einen Krieg gegen ein Regime zwingen muste, das seine Bevölkerung unterdrückt. Es gibt lediglich Sachzwänge, die einen solchen Schritt verzögern oder ganz unterbinden können. Der Aspekt, der dabei aber gerade die Europäer immer wieder überrascht (vor allem nach Ende des 2.WK) ist, dass die USA immer wieder bereit waren, den ganzen Salat auch noch zu bezahlen.
Nach dem 1.WK waren es amerikanische Kredite, die in D die goldenen Zwanziger schufen. Aber das ging schief, weil 1929 auch die amerikanische Wirtschaft getroffen wurde. Aber nach dem 2.WK hat es geklappt mit Care und so weiter. Südkorea wurde aufgefüttert, nach Nordkorea kam man ja nicht rein (amerikanische Hilfsorganisationen versuchen es ja trotzdem ständig). Vietname, gleiches Spiel. Nun haben wir Afghanistan und den Irak. Daktator weg, Millionen und Abermillionen US-Steuerdollars fließen in den Aufbau. Alles schön und gut, aber …
Die Europäer, die von den USA schon dreimal wieder mitaufgebaut wurden (denn das Wiederaufbauspiel begann in Grenzen bereits nach den napoleonischen Kriegen), waren nun wieder wer. Und damit hat das Verständnis dafür, dass es anderswo Stellen auf der Erde gibt, an denen ein Handeln notwendig wäre, sich gegen Null bewegt. Das mag Realpolitik sein. Nur, hier liegt ein Mißverständnis vor, die USA machen da gar keine Realpolitik. Die glauben an Freiheit und Demokratie. Und damit meine ich jetzt nicht nur die Politiker, das geht hier viel tiefer.
Auch die Vorstellung der Zeit des Kalten Krieges „unpolitisch bis auf Antikommunismus“, die ich in einem Posting gelsen habe, ist eine deutsche bzw. europäische Einschätzung. Für die USA ist gerade die McCarthy-Ära eine Art Schock, der immer noch genauso aufgearbeitet wird, wie z.B. der Vietnam-Krieg. Denn da passierte den USA genau das was eigentlich im gesellschaftlichen Kontext als genau das Feindbild gesehen wird. Und je mehr eine aus den Fugen geratene Obrigkeit dieses Bild durchzusetzen versuchte, desto mehr wurde die Bevölkerung politisch. Nicht umsonst trifft der Brutalantikommunismus mit dem Auftreten schwarzer wie auch weißer Bürgerrechtler zusammen.
Halten wir also fest, dass Politik und Demokratie, basierend auf Vorstellungen von Freiheit, in der US-Bevölkerung weit mehr gegenwärtig sind als in D. Das führt dazu, dass eine Regierung in derartigen Konfrontationen anders handeln wird, ja handeln muss. Was glaubt Ihr denn, was hier gerade wegen dem Kongo los ist? Und man soll auch nicht glauben, dass Georgien bereits aus der Diskussion ist.

Für Europa sieht das alles nach „kriegslüstern“ aus. Eine weitere Trendaussage eines gepflegten Antimaerikanismus. Die Cowboys rasseln schon wieder mit dem Säbel. Nun hofft man auf Obama, der alles richten wird. Aber da würde ich mich nicht wirklich drauf verlassen. Er wird vielleicht die Grenzen bis zu einem Eingreifen weiter stecken, aber es wird diese Grenzen geben. Und was den Irak angeht, so könnte Obama sich sehr bald in der gleichen Situation wiederfinden, in der sich Kennedy damals wiederfand. Dann aber werden die Sympathien, die er derzeit in Europa geniest (er, aber nicht die USA) auch abnehmen. Weil die USA nämlich einfach nicht begreifen, dass genau die, die vor sechzig Jahren mit dem Löffel gefüttert wurden, jetzt strikt dagegen sind, dass andere mit dem Löffel gefüttert werden. Die verstehen es einfach nicht. Das Ding dem gewöhnlichen Amerikaner auf der Straße zu erklären, geht einfach nicht. Umgekehrt kann man keinem Europäer erklären, dass man irgendwo für die Freiheit und den Schutz irgendwelcher Neger in Afrika einen Krieg riskieren soll. Oder irgendwelcher Muftis, die doch so offensichtlich gar nicht wollen. Da wird dann eher geglaubt, es geht um Öl oder Coca Cola. Selbst wenn das schon tausend Mal widerlegt wurde. Das Problem des Antimaerikanismus ist nicht, dass man wirklich gegen die USA ist. Man versteht sie nur einfach nicht und was man nicht versteht ist böse und bedrohlich. So hat europäische Politik über Jahrhunderte funktioniert.
Kann man das lösen? Ja, aber man kann es nicht auf den normalen diplomatischen Kanälen tun. Jeglicher …ismus erfordert zur Lösung, dass die Gesellschaften einander besser kennen lernen, statt immer nur vereinfacht nach Klischees zu urteilen.

Gruß
Peter B.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Peter,

ich verstehe dein Posting so, dass die die außenpolitischen Handlungen der USA vor allem von dem inhärenten Wunsch getragen ist, die Freiheit in die Welt zu tragen.
Inhalte das für weitgehend falsch.

Ja, die Freiheit als Wert ist in den USA ganz oben angesiedelt. Und wenn ein Präsident in den Krieg ziehen will, dann wird er den Kampf für die Freiheit propagieren.

Wenn man sich die reale Außenpolitik der USA ansieht, dann ist davon auch manchmal etwas zu sehen. Aber meistens erkennt man hegemoniale Machtpolitik.
http://de.wikipedia.org/wiki/US-Interventionen_im_Au…

Ein Beispiel; bei der Vertreibung der Taliban stützten die USA sich auf die Nordallianz, HALLO! DIE NORDALLIANZ!
Ich erinnere mich noch gut an Berichten, dass die Menschen in Kabul damals glücklich darüber waren, dass die Taliban die Nordallianz vertrieben hatten, weil mit ihnen das Morden, Rauben und Vergewaltigen aufhörte.
Hierin sehe ich eine lange us-amerikanische Tradition, nämlich bei der Wahl der Verbündeten so völlig skrupellos zu sein. Hätte sich die amerikanische Botschafterin April Glaspie sich klarer gegenüber Saddam Hussein ausgedrückt, dann wäre Saddam immer noch ein guter Verbündeter der USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Golfkrieg#Hinte…

Bei den Eingriffen der USA in Europa und Japan ging es wohl durchaus auch um den Kampf für die Freiheit. Aber gerade in Mittel- und Südamerika ist dies nicht erkennbar. Ein schönes Beispiel ist Nicaragua. Das Land ist heute ein Demokratie, bettelarm und die Verhältnisse sind auch nicht berauschend, aber eine Demokratie. Und die USA hat gegen die Demokratisierung gekämpft.
Auch im mittleren Osten, Afrike oder Asien ist von einem Kampf der USA für die Freiheit wenig zu sehen.

Weil die USA nämlich einfach nicht begreifen, dass
genau die, die vor sechzig Jahren mit dem Löffel gefüttert
wurden, jetzt strikt dagegen sind, dass andere mit dem Löffel
gefüttert werden. Die verstehen es einfach nicht. Das Ding dem
gewöhnlichen Amerikaner auf der Straße zu erklären, geht
einfach nicht. Umgekehrt kann man keinem Europäer erklären,
dass man irgendwo für die Freiheit und den Schutz
irgendwelcher Neger in Afrika einen Krieg riskieren soll.

Ganz einfach, dem gewöhnlichen Amerikaner auf der Straße wird erzählt, es ginge um die Freiheit. Der schreit dann USA, USA, USA, und alles ist klar. Der gut informierte Amerikaner versteht schon, warum sich die USA unbeliebt machen, aber der ist nicht entscheidend für die Wahl des Präsidenten. Ansonsten ist die Breitschaft des gewöhnlichen Amerikaner für die Freiheit und den Schutz irgendwelcher Neger in Afrika einen Krieg zu ziehen genauso gering, wie die eines Europäers.
Übrigens das passierte ein einziges Mal, 1992 in Somalia. Erinnerst du dich an die operettenhafte Stürmung der somalischen Küste durch US Marines im Scheinwerferlicht der Reporter?
Mit Freiheit und Demokratie ist das damals auch nichts geworden.

Gruß
Carlos

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Hallo,

nun ja…

Nach allem, was mir meine Eltern und Großeltern erzählt haben, gab es unmittelbar nach dem Einmarsch der Amis bzw. der Russen kaum Unterschiede. Die spielten sich beide als Besatzer auf und das allgemeine Chaos war auch das Gleiche.
Später war dann dann sehr wohl anders. DA wurde der Westen beim Aufbau von den Amis unterstützt und im Osten eurde statt dessen ven Russen erst mal noch ne Menge abmontiert und weggeschleppt. Das nehme ich den Russen nicht übel - im Gegensatz zu den Amis hatten ja die Russen auch nur ihr von den Deutschen zerstörtes Land und hatten damit mehr als genug selber zu tun. Aber es war halt ein sehr sehr großer Unterschied für die betroffenen Gebiete in Deutschland.

WAhrscheinlich hat das auch zu völlig anderen Wahrnehmungen in Ost und West geführt. Der Osten hat den Wiederaufbau nach 45 trotz aller Hemmnisse geschafft - daraus entseht eine Mischung aus Selbstbewußtsein und Trotz. Der Westen wußte, daß es nicht allein die eigene Kraft war - da war immer auch ein Stück Dankbarkeit und Demut dabei - zumindest bei der Generation, die damals dabei war.
Das ist auch der Grund für einige Probleme nach der Wiedervereinigung. Es fällt uns einfach schwer einfah mal „Danke“ zu sagen und Hilfen danöbar anzunehmen. Wir wollen lieber selber was machen.

Aber um beim Thema zu bleiben: Die Stimmung im Osten gegenüber Amerika ergab sich aus 2 Fakten: Das eine war eine gewisse Gleichgültigkeit, weil man mit den USA ja nichts zu schaffen hatte - in keinster Weise. Und das andere war die unterschwellige Wirkung von 40 Jahren Propaganda gegen die Vereinigten STaaten, die bewußt oder ungewußt ja doch eine gewisse Wirkung hatte. Und die Summe war eine ARt diffuse Ablehnung. Mir stehen rein emotional heute noch die Russen näher als die Amerikaner. Das ist ganz einfach: RUssen kenne ich, in der SU war ich - das kann ich einordnen. Die andere Seite kann ich gefühlsmäßig einfach nicht zuordnen, die Sitten und Bräuche der Amis sind mir schlichtweg fremd.
Und wenn da dann noch ein schießwütiger Psäsident wie Bush daherkommt - dann wird da draus schnell eine rationale bestätigung der gefühlsmäßigen Ablehnung und dann ist der Ruf der großen Natiopn bei mir versaut bis in alle Ewigkeit unter Umständen.

Insofern war Herr Bush echt kein Beitrag zur Völkerverständigung.

Gernot Geyer

Hi!

Das, was Heinrich geschrieben hat, halte ich für durch die
Bank falsch, weil es eine Kontinuität der Ideengeschichte vom
18. Jahrhundert bis heute herstellt, die nicht oder zumindest
nicht in dieser Stärke besteht.

Es ist keine Kontinuität. Es sind unterschiedliche Begründungen für die Ablehnung der US-amerikanischen Staatsidee in der jeweiligen Zeitepoche.

Für die (teils übertriebene) Kritik an Amerika in unseren
Tagen („Antiamerikanismus“ halte ich für ein zu starkes Wort)
sind meiner Meinung nach die Gründe in der jüngeren
Vergangenheit zu suchen. Da wäre zumindest in Deutschland
zunächst die Feindpropaganda des NS-Regimes, die die USA als
rassisch und kulturell minderwertig darstellte.

Kritik an den USA - insbesondere an der Staatsidee der USA - gibt es doch nicht erst seit dem Vietnamkrieg, sondern schon lange, lange Zeit vorher.

Nach dem Ende der napoleonischen Kriege wurde die Definition der Staatsmacht wieder auf die von Gott gegebene Herrschaft des Hochadels zurückgeführt, und somit die Idee der Machtlegitimierung durch das Volk verworfen. Der Grund, dass die Idee der „Republik“ zum Scheitern verurteilt war, leitete der Hochadel aus der Geschichte ab. Das republikanische Rom endete als Imperium, die republikanischen Niederlande wandelten sich in ein Königreich, alle republikanischen Revolutionen wie in England oder Frankreich scheiterten letztlich. Einzig die USA hatten damals als parlamentarische Republik Bestand, aber aus Siche des europäischen Hochadels würde auch dieser Staat früher oder später scheitern - und stellte somit einen minderwertigen Staat dar.

Die NS-Propaganda ist zeitlich klar zu definieren. Wie aber begründest du den Anti-Amerikanismus (oder wenn das Wort dir zu stark ist: die Ablehnung der US-amerikanischen Staatsidee), den es in Deutschland bereits _vor_ der NS-Zeit gegeben hat?

Es gab in Deutschland intellektuelle Kreise zu Kaiserzeiten und in den 1920ern, die maßgeblich den bürgerlichen deutschen Anti-Amerikanismus beeinflussten, etwa durch R. M. Rilke, M. Heidegger und E. Jünger. Da galt Amerika als Paradebeispiel für eine Zivilisation ohne Kultur: Reich, materiell, technisch fortgeschritten, aber seelenlos, konstruiert, nicht natürlich gewachsen. Die USA galten als Staat ohne authentisches eigenes Volk. Eben die Grundidee zur berechtigten Staatsgründung, wenn sich dahinter ein autochthones Volk verbarg (siehe die Idee zur Staatsgründung Deutschlands 1871 oder Italiens kurz zuvor bzw. die Separationsbestrebungen in Österreich-Ungarn).

In Frankreich
mag nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikanisierung der
Populärkultur als starke Bedrohung der französischen
Staatskultur empfunden worden sein, ebenso die
anglo-amerikanische Dominanz in der Weltpolitik als Bedrohung
der französischen Außenpolitik. Im geringren Maß mag dieses
kulturelle Bedrohungsgefühl auch in Deutschland eine Rolle
gespielt haben, das außenpolitische dagegen wohl kaum. Das
dritte Element dürfte die Studentenbewegung sein, die sich
grundsätzlich als links und antikapitalistisch verstand. Sie
hatte logischerweise an einer streng kapitalistisch
ausgerichteten Weltmacht eine Menge zu kritisieren.

Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten, abgesehen von
tatsächlichen außenpolitischen Fehlentwicklungen der USA, die
wichtigsten Gründe für Kritik an Amerika.

Nochmals: Die Ablehnung der USA bzw. der amerikanischen Staatsidee gibt es nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg, sondern schon viele, viele Jahrzehnte früher.

Und wer die Auswanderungsströme in Richtung USA untersucht, der wird feststellen müssen, dass die Emigranten aus Europa sehr oft „Nestbeschmutzer“ oder Menschen am Rande der Gesellschaft waren (wer ist z.B. nicht alles aus Deutschland in den Jahren nach 1848 in die USA ausgewandert?). Und wenn diese Leute, die hier in Europa nur gestört haben, nun in den USA Erfolg hatten und so an Einfluss gewannen, dass sie bzw. ihre Nachfolger heute den Europäern sagen können, wo es längs geht, da bricht schon ein Stück Ablehnung durch.

Von daher halte ich an meiner Aussage fest über die Abneigung gegenüber den USA im 19. und frühen 20. Jahrhundert - es sei denn, du widerlegst, dass es zu diesen Zeiten keinen Anti-Amerikanismus gegeben hat.

Grüße
Heinrich

Als Ergänzung ein Artikel der „Frankfurter Zeitung“ aus dem Jahre 1926:

‚Wir müssen Amerikaner werden,‘ predigen die einen – und sie meinen damit Maschinen, Fabrikkolosse, die ganze Technik und Rechenhaftigkeit des großindustriellen Kapitalismus. ‚Sollen wir wirklich ganz Amerikaner werden?‘ fragen zagend, zornig die anderen – und sie verstehen darunter die Unterjochung des Menschen durch den Apparat, die Herrschaft des Materialismus und der materiellen Mächte, die Ueberwältigung der Natur und die Zerstörung der Seele. […] Zunächst: wir werden noch lange nicht Amerika, auch wenn wir uns noch so viel ‚amerikanisieren‘! […] wenn wir, weil eine amerikanische Fabrik Deutschland als geeignetes Absatzfeld für ihre Ware ansieht, das widerliche Gummikauen bei uns einführen, zur gleichen Zeit, in der man in Amerika selbst diese Unsitte schon immer mehr zurückdrängt – wir bleiben damit und mit allen anderen der Art doch Europa, nur ein herabgewürdigtes Europa, das von dem, was von draußen kommt, mit verwirrten Instinkten gerade das Schlechte gierig aufnimmt.

Grüße
Heinrich

Alles in allem läuft das auf selbstherrliches Sendungsbewußt sein aus - dasselbe, was man dem Engländer, dem Franzosen, Niederländer, Beliger, Portugiesen und natürlich ganz besonders dem Deutschen im Zusammenhang mit Afrika vorwirft.

Ostlandreiter