Hallo Bruno,
ich habe die Woche einen Anstellungsvertrag erhalten für die
Zeit nach meinem Studium an der Berufsakademie.
Ich studiere derzeit noch Informationstechnik mit dem Ziel
Dipl. Ing (BA) im September.
Habe ebenfalls an der BA studiert (bin allerdings seit 1994 damit fertig).
Ich hab nun ein paar Fragen zu dem Vertrag, die ich auch noch
mal mit dem zuständigen Vorgesetzten besprechen werde, will
aber vorher andere Meinungen hören. Es ist auch durchaus
möglich, dass denen da so mancher Fehler unterlaufen ist, also
ich unterstelle nicht überall Absicht 
- In dem Vertrag ist von einer Probezeit von 6 Monaten die
Rede. Ich bin aber schon seit 3 Jahren sozusagen in einem
Ausbildungsverhältnis mit der Firma, davon 50% direkt in der
Firma, habe also 1,5 Jahre dort gearbeitet. Ist es bei
Übernahme nach einer „Ausbildung“ üblich, nochmal in die
Probezeit zu kommen? Wäre mir ansich egal, aber ist schon
etwas komisch oder?
Normalerweise verzichtet der Betrieb dann auf eine Probezeit, insbesondere auch aus dem eigenen Interesse, dass der Angestellte sich nicht doch noch einen anderen Job sucht.
Sollte es sich allerdings um eine große Firma handeln, in der Dich Dein zukünftiger Vorgesetzter nicht kennt (bzw. einschätzen kann), könnte eine Probezeit aus Sicht der Firma evtl. Sinn machen (Stichwort: nicht jeder kann mit jedem gut Kirschen essen).
- Nach der Probezeit ist die Kündigungsfrist 4 Monate zum
Monatsende. Ist das nicht etwas lang? Ein Kollege meinte was
ob das ein Fehler wäre, er glaubt bei ihm wären das 4 Wochen.
Ich find das auch relativ viel, da ist man doch lange Zeit
gebunden, falls man mal weg will.
Laut BGB gelten 4 Wochen mindestens, können jedoch verlängert werden, allerdings sowohl für AN als auch für AG bindend. Ich selbst habe 3 Monate auf Monatsende, in „höheren Sphären“ spricht man auch mal von bis zu einem Jahr. Man will damit verhindern, dass Du Dich mitten in einem Projekt verabschiedest (Planungssicherheit). Während der Probezeit gilt übrigens eine Kündigungsfrist von 2 Wochen.
- Ich habe von BA Studenten des letzten Jahres erfahren,
denen wurde wohl gesagt man könnte die BA Zeit als
Betriebszugehörigkeit anrechnen und dann als es mal um was
ging hiess es, sie sind ja erst ein paar Monate in der Firma
oder so.
Ist der AG im Arbeitgeberverband ? Dann gilt der entsprechende Tarifvertrag (bei IG Metall z.B. wird es angerechnet). Diese Frage gilt übrigens auch für die Kündigungsfrist.
Ich finde in meinem Vertrag dazu nichts ausser "Ihr
Anstellungsverhältnis beginnt am 1.10.2002". Sollte ich da mal
nachfragen ob die das im Vertrag fixieren können oder gehört
das gar nicht in so einen Vertrag rein?
Idealerweise könnte das in einen Vertrag mit aufgenommen werden, sofern nicht sowieso im Tarifvertrag festgelegt. Auswirkungen: evtl. mehr Weihnachtsgeld und Prämie (sofern es bei Euch sowas gibt). Im Falle eines Sozialplans ist man auch besser gestellt (in meinem Fall waren das 2,1 Bruto-Jahresgehälter mehr Abfindung als mein damaliger AG meinte, das Werk schliessen zu müssen).
- Meine Anstellung ist als Software-Entwickler. Unsere Firma
hat nichts mit irgendwelchen Tarifgruppen / Gewerkschaft oder
sonstwas zu tun.
Na ja, dann hat sich evtl. einiges von dem oben geschriebenen schon erledigt, ausser es gibt einen bindenden Tarifvertrag (weiss nicht mehr genau, wie das exakt heisst, es bedeudet jedoch, dass Vater Staat der Ansicht ist, der Tarifvertrag hat für alle Firmen zu gelten, auch wenn der AG nicht im Verband Mitglied ist). Es gelten dann die Regelungen des BGB sowie des individuell auszuhandelnden Arbeitsvertrags.
Deswegen meine Frage was denn als
Berufseinsteiger (Dipl. Ing (BA)) ein angemessenes Gehalt
wäre. Ich habe von anderen Mitstudenten die in Firmen der
Metallindustrie arbeiten Dinge wie T5.1 gehört, was mir
allerdings nicht viel sagt und denen Ihre Aussagen gehen da
auch teilweise auseinander, was das an Geld konkret bedeutet.
Schau mal auf der Homepage der IG Metall nach, da ist das erklärt. T5/1 liegt z.Zt. bei ca. 5.700 DM (hab’s in Euro gerade leider nicht passend), zzgl. evtl. Zulagen (i.A. bis ca. 300 - 400 DM mtl.), 70% Urlaubsgeld und 25%/35%/45%/55% Weihnachtsgeld (abhängig von der Betriebszugehörigkeit von frisch dabei bis mind . 3 Jahre dabei), insgesamt also 13,25 Brutto-Gehälter p.a., bei Daimler sogar 14.
Vor allem habe ich auch einen 38,5h Vertrag und dort sind 35h
üblich. Weiss da jemand Zahlen? Mein Arbeitsort ist Markdorf,
ich glaube Region Südbaden oder Südwürttemberg.
Bei IG Metall sind es in der Tat 35 Stunden, wobei das bei einem zielstrebigen potentiellen Aufsteiger sowieso egal ist, da zum Schluss sowieso ca. 40 - 45 Stunden werden, wobei ich da nicht davon ausgehe, dass die 5-10 Überstunden / Woche dann irgendwie abgefeiert werden, sondern tatsächlich verfallende Überstunden sind.
Je kleiner die Software-Schmiede, umso kleiner i.A. das Gehalt natürlich. …
Grüsse
Sven