Anti Endowment-Effekt?

Guten Tag :smile:
Ich bin gestern im Internet auf den Endowment-Effekt (=Besitztumseffekt) gestoßen, und fand das alles auch sehr einleuchtend. Besagt eben, dass der wahrgenommene Wert eines Gutes weit höher ist als der objektive, wenn man es besitzt, und weit niedriger, wenn man es nicht besitzt. Doch mir kam der Gedanke, dass man einige Dinge doch gerade haben möchte, weil man sie nicht haben kann, und einige Dinge nicht haben möchte, weil man sie im Überflüss hat. Gibt es dazu auch eine genauere Bezeichnung oder ein Stichwort? So eine Art Anti Endowment-Effekt?
Danke schonmal :smile:

Hallo ZarianColds,

leider kenne ich eine entsprechende Bezeichnung für den gegenteiligen Effekt, den du benennst, auch nicht.
Aber da ist mir noch ein weiterer gegenteiliger Effekt, neben

Doch mir kam
der Gedanke, dass man einige Dinge doch gerade haben möchte,
weil man sie nicht haben kann, und einige Dinge nicht haben
möchte, weil man sie im Überflüss hat.

aufgefallen:
Manche Dinge schätzt man als wertvoller für einen selbst ein, solange man es nicht besitzt - weil man es zuvor als praxistauglicher einschätzt (z.B. das Notebook, das man sich als ideal zum Arbeiten an der frischen Luft vorstellt und dann bemerkt, wie unpraktisch das Mitnehmen ist), als häufiger verwendet einschätzt (Küchengeräte die erst mal so praktisch wirken aber dann doch nur seltenst benutzt werden, neue Kleidungsstücke die man letztendlich nach einem Jahr noch nicht getragen hat obwohl es nach neuem Lieblingsstück wirkte) etc.

Würde mich auch interessieren, ob dies auch eine bestimmte Bezeichnung hat, abgesehen von einer Umschreibung wie „Überschätzung der Nützlichkeit“ o.ä.

Viele Grüße,
Nina

Hallo,

der Effekt ist z.B. in dem bekannten Buch „predictably irrational“ am Beispiel von Eintrittskarten für ein Basketballspiel beschrieben.
Jene, die nach viel Mühe die Karten erworben hatten, wollten sie im Schnitt für $2400 verkaufen, während potenzielle Käufer nur $170 ausgeben wollten.
Käufer und Verkäufer waren gleichermaßen an dem Spiel interessiert und verfügten im Durchschnitt über dieselben finanziellen Mittel. Das Einzige, was sie voneinander unterschied, war, dass die Verkäufer die Karten besaßen und die Käufer nicht. Dieser Unterschied bewirkte eine ganz verschiedene Preisvorstellung.
Nun muss man aber sehen, dass wir hier eine spezielle Situation haben. Die Karten sind ein reines Luxusgut, und die Verkäufer wurden von außen animiert, die Karten feilzubieten. Sie wollten ja eigentlich gar nicht verkaufen.
Sind die Umstände anders, dann treffen sich die Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer viel schneller. Lägen sie immer so weit auseinander, dann käme es ja nie zu einem Geschäft.
Der beschriebene Effekt ist also nur eine Einflussgröße von vielen und dazu noch relativ unbedeutend. Das, was du anführst, das Begehren fremder Objekte, kommt sicherlich häufiger vor.

Tychi